27/09/2020
Das leuchtend rotbraune Pfauenauge mit seinen auffälligen, namensgebenden Augenflecken ist ein häufiger und beliebter Gast in unseren Gärten. Doch wenn die Tage kürzer und die Temperaturen kälter werden, fragen sich viele Naturfreunde: Kann das Pfauenauge den Winter überleben? Die Antwort ist ein klares Ja! Das Pfauenauge ist ein Überlebenskünstler und hat eine faszinierende Strategie entwickelt, um die kalte Jahreszeit zu meistern.

Die Überwinterungsstrategie des Pfauenauges
Anders als viele andere Schmetterlinge, die als Raupe oder Puppe überwintern, überlebt das Pfauenauge als ausgewachsener Falter den Winter. Diese Überwinterungsform wird als Hibernation bezeichnet, ein Zustand der Winterruhe. Im Herbst, wenn die Temperaturen sinken und das Nahrungsangebot abnimmt, bereitet sich das Pfauenauge auf die Winterruhe vor. Es frisst sich noch einmal ordentlich satt, um Energiereserven anzulegen, und sucht sich dann einen geschützten Ort, an dem es die kalte Jahreszeit verbringen kann.
Wo überwintern Pfauenaugen?
Pfauenaugen sind bei der Wahl ihres Winterquartiers nicht besonders wählerisch. Hauptsache, es ist trocken, kühl und geschützt vor extremen Witterungseinflüssen. Beliebte Orte sind:
- Garagen und Schuppen: Hier finden sie oft Unterschlupf in dunklen Ecken, unter Dächern oder zwischen gelagerten Gegenständen.
- Dachböden und Kellerräume: Auch in Häusern suchen sie geschützte Winkel, solange es dort nicht zu warm wird.
- Baumhöhlen und Holzstapel: In der Natur nutzen sie natürliche Hohlräume oder dichte Vegetation.
- Immergrüne Sträucher und Hecken: Das dichte Laub bietet Schutz vor Wind und Wetter.
Es ist nicht ungewöhnlich, Pfauenaugen in unseren Häusern zu finden, oft unbemerkt. Sie klammern sich mit ihren Beinchen fest und verfallen in eine Art Starre. In diesem Zustand fahren sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter, um Energie zu sparen. Die Körpertemperatur des Schmetterlings sinkt dabei auf die Umgebungstemperatur ab.
Wie überlebt das Pfauenauge die Kälte?
Pfauenaugen sind erstaunlich kältetolerant. Sie können Temperaturen bis zu -20 Grad Celsius überstehen. Ein natürliches Frostschutzmittel in ihrem Körper, Glycerin, verhindert, dass ihre Körperflüssigkeiten gefrieren und sie erfrieren. Zusätzlich schützt ihr dichter Körperbau und die dunkle Färbung vor Wärmeverlust. Die Augenflecken, die im Sommer zur Abschreckung von Fressfeinden dienen, haben im Winter keine Funktion.
Gefahren für Pfauenaugen im Winter
Obwohl Pfauenaugen gut an den Winter angepasst sind, gibt es dennoch Gefahren, die ihre Überwinterung gefährden können:
- Extreme Kälteperioden: Sehr lange und extreme Kältephasen können auch für Pfauenaugen kritisch werden, besonders wenn sie keinen optimal geschützten Ort gefunden haben.
- Feuchtigkeit und Schimmel: Zu feuchte Winterquartiere können zu Schimmelbildung führen, was den Schmetterlingen schaden kann.
- Austrocknung: Auch im Winter verlieren Schmetterlinge Flüssigkeit. In sehr trockenen Räumen können sie austrocknen.
- Fressfeinde: Obwohl Pfauenaugen im Winter inaktiv sind, können sie dennoch Beute von Spinnen oder Vögeln werden, besonders wenn sie sich an ungeschützten Orten befinden.
- Störungen durch Menschen: Unbeabsichtigte Störungen durch Menschen, beispielsweise beim Aufräumen von Garagen oder Schuppen, können die Schmetterlinge wecken und ihren Energiehaushalt durcheinanderbringen.
Wie kann man Pfauenaugen im Winter helfen?
Wir können Pfauenaugen auf verschiedene Weise helfen, gut durch den Winter zu kommen:
- Biete geeignete Winterquartiere an: Lass Laubhaufen liegen, belasse Totholz im Garten und schaffe Unterschlupfmöglichkeiten in Schuppen und Garagen, indem du beispielsweise einen Stapel Holz oder Ziegelsteine an einer ruhigen Stelle lagerst.
- Vermeide Störungen: Wenn du ein Pfauenauge in einem Schuppen oder Keller entdeckst, lasse es in Ruhe und störe es nicht. Vermeide es, Winterquartiere unnötig aufzuräumen.
- Sorge für etwas Feuchtigkeit: In sehr trockenen Räumen kannst du eine Schale mit Wasser aufstellen, um die Luftfeuchtigkeit etwas zu erhöhen.
- Vermeide den Einsatz von Insektiziden: Insektizide können auch überwinternde Schmetterlinge schädigen. Verzichte im Garten auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel.
- Pflanze nektarreiche Pflanzen: Schon im Sommer und Herbst kannst du nektarreiche Pflanzen wie Sommerflieder, Lavendel oder Disteln pflanzen, um den Pfauenaugen eine gute Nahrungsquelle für die Vorbereitung auf den Winter zu bieten.
Das Erwachen im Frühling
Wenn die Tage wieder länger werden und die ersten Sonnenstrahlen den Winter vertreiben, erwacht das Pfauenauge aus seiner Winterstarre. Die steigenden Temperaturen und das zunehmende Licht signalisieren ihm, dass der Frühling naht. Es verlässt sein Winterquartier, oft schon an milden Wintertagen oder im frühen Frühjahr, und begibt sich auf die Suche nach Nahrung und einem Partner zur Fortpflanzung. Die überwinterten Pfauenaugen sind meist die ersten Schmetterlinge, die wir im Frühling wiedersehen können, ein freudiges Zeichen für den Beginn einer neuen Gartensaison.
Häufig gestellte Fragen zum Pfauenauge im Winter
- Kann ich ein Pfauenauge im Winter ins Warme holen?
- Davon wird abgeraten. Wenn du ein Pfauenauge ins Warme holst, unterbrichst du seine Winterruhe. Der Schmetterling verbraucht unnötig Energie und kann im Frühling geschwächt sein. Lass ihn lieber an seinem Winterquartier und sorge für gute Bedingungen.
- Was tun, wenn ich ein Pfauenauge im Haus finde?
- Wenn du ein Pfauenauge im Haus findest, lasse es am besten in Ruhe. Versuche nicht, es zu fangen und nach draußen zu bringen, da du es dabei beschädigen könntest. Wenn es sich an einem ungünstigen Ort befindet, kannst du es vorsichtig auf ein Stück Pappe oder ein Tuch locken und es an einen ruhigeren, kühleren Ort bringen, z.B. in einen unbeheizten Kellerraum oder Schuppen.
- Wie lange überwintern Pfauenaugen?
- Die Überwinterungsdauer hängt von den Witterungsbedingungen ab. In der Regel überwintern Pfauenaugen von Oktober/November bis März/April. Bei milden Wintern können sie auch schon früher aktiv werden.
- Fressen Pfauenaugen im Winter?
- Nein, im Zustand der Winterruhe fressen Pfauenaugen nicht. Sie zehren von ihren Energiereserven, die sie sich im Herbst angefressen haben.
- Kann ein Pfauenauge erfrieren?
- Ja, unter extremen Bedingungen kann ein Pfauenauge erfrieren, besonders wenn es keinen geeigneten Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit findet. Deshalb ist es wichtig, ihnen geeignete Winterquartiere anzubieten.
Fazit
Das Pfauenauge ist ein faszinierendes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Natur. Es überlebt den Winter als ausgewachsener Falter in der Winterruhe und ist damit ein echter Frühlingsbote. Mit ein wenig Unterstützung können wir dazu beitragen, dass diese wunderschönen Schmetterlinge auch weiterhin unsere Gärten und Naturlandschaften bereichern. Indem wir naturnahe Gärten gestalten und geeignete Winterquartiere anbieten, helfen wir dem Pfauenauge und vielen anderen Insekten, die kalte Jahreszeit zu überstehen und im Frühling wieder aktiv zu werden.
