28/11/2024
Wer kennt es nicht? Die Tomatenpflanzen wachsen und gedeihen im Garten oder auf dem Balkon, und plötzlich sprießen überall diese kleinen Triebe in den Blattachseln. Diese sogenannten Geiztriebe werden oft als lästig empfunden und ausgebrochen. Doch was viele nicht wissen: Diese kleinen Triebe sind wahre Alleskönner und können ganz einfach zur Vermehrung deiner Tomatenpflanzen genutzt werden. Anstatt sie wegzuwerfen, kannst du aus ihnen im Handumdrehen neue, gesunde Tomatenpflanzen ziehen – und das sogar, wenn die Aussaatzeit eigentlich schon vorbei ist.

- Was sind Geiztriebe eigentlich?
- Warum Tomaten durch Geiztriebe vermehren?
- Anleitung: Tomaten aus Geiztrieben ziehen – Schritt für Schritt
- Alternativen zur Bewurzelung im Wasser
- Tomatenvermehrung mit Kindern – Ein tolles Projekt
- Geiztriebe als Geschenk – Nachhaltig und persönlich
- Fazit: Tomatenvermehrung durch Geiztriebe – Einfach, schnell und nachhaltig
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was sind Geiztriebe eigentlich?
Geiztriebe, auch Seitentriebe oder Achseltriebe genannt, sind Triebe, die in den Blattachseln der Tomatenpflanze wachsen. Eine Blattachsel ist der Winkel zwischen dem Haupttrieb und einem Seitentrieb oder Blattstiel. Tomatenpflanzen sind von Natur aus darauf ausgelegt, buschig zu wachsen und viele Seitentriebe zu bilden. Im kommerziellen Anbau und auch im Hobbygarten werden Tomaten jedoch oft eintriebig gezogen. Das bedeutet, dass man den Haupttrieb der Pflanze fördert und die Geiztriebe regelmäßig entfernt. Dies soll dazu führen, dass die Pflanze ihre Energie in die Entwicklung weniger, aber dafür größerer und reiferer Früchte steckt.

Warum also die Geiztriebe entfernen, wenn man sie doch zur Vermehrung nutzen kann? Ganz einfach: Wer viele Tomatenpflanzen benötigt oder einfach Freude am Gärtnern hat, für den sind Geiztriebe eine wunderbare Möglichkeit, den Tomatenbestand aufzustocken – und das kostenlos und unkompliziert.
Warum Tomaten durch Geiztriebe vermehren?
Die Vermehrung von Tomaten durch Geiztriebe bietet zahlreiche Vorteile:
- Schnelligkeit: Im Vergleich zur Aussaat geht die Vermehrung über Geiztriebe deutlich schneller. Innerhalb weniger Wochen hast du bereits bewurzelte Jungpflanzen.
- Einfachheit: Die Methode ist denkbar einfach und erfordert keine besonderen Vorkenntnisse oder teure Ausrüstung.
- Kostenlos: Du nutzt einfach die Triebe, die ohnehin anfallen – eine nachhaltige und ressourcenschonende Methode.
- Späte Vermehrung möglich: Selbst wenn die Aussaatzeit im Frühjahr bereits vorbei ist, kannst du im Sommer noch problemlos Tomaten über Geiztriebe vermehren.
- Sortenreine Vermehrung: Da es sich um vegetative Vermehrung handelt, erhältst du genetisch identische Klone der Mutterpflanze. So bleiben die positiven Eigenschaften deiner Lieblingssorte erhalten.
- Ideal für Kinder: Die schnelle Bewurzelung und die einfache Handhabung machen die Vermehrung mit Geiztrieben zu einem tollen Projekt für Kinder, um die Wunder der Natur zu entdecken.
- Persönliche Geschenke: Selbstgezogene Tomatenpflanzen aus Geiztrieben sind ein originelles und persönliches Geschenk für Freunde und Familie.
Anleitung: Tomaten aus Geiztrieben ziehen – Schritt für Schritt
Die Vermehrung von Tomaten durch Geiztriebe ist wirklich kinderleicht. Folge einfach diesen Schritten:
Schritt 1: Geiztriebe auswählen und entfernen
Wähle für die Vermehrung kräftige, gesunde Geiztriebe aus. Sie sollten idealerweise etwa 10-15 cm lang sein und mindestens zwei bis drei Blattansätze haben. Entferne die Geiztriebe vorsichtig von der Mutterpflanze. Am besten geht das, indem du sie mit den Fingernägeln oder einer sauberen Schere direkt am Haupttrieb ausknipst oder abschneidest. Achte darauf, die Mutterpflanze dabei nicht zu beschädigen.
Schritt 2: Vorbereitung der Geiztriebe
Entferne die untersten Blätter der Geiztriebe, sodass nur noch die oberen Blätter übrig bleiben. Dies verhindert, dass Blätter im Wasser oder in der Erde faulen und fördert die Wurzelbildung. Optional kannst du die Schnittstelle des Geiztriebs kurz in Bewurzelungspulver tauchen, um die Wurzelbildung zusätzlich anzuregen. Dies ist aber in der Regel nicht notwendig, da Tomaten sehr willig Wurzeln bilden.
Schritt 3: Bewurzelung im Wasserglas
Die einfachste Methode zur Bewurzelung von Geiztrieben ist im Wasserglas:
- Fülle ein sauberes Glas oder eine Vase mit Wasser. Am besten eignet sich Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser.
- Stelle die vorbereiteten Geiztriebe in das Wasserglas, sodass die unteren 2-3 cm der Triebe im Wasser stehen. Achte darauf, dass die Blätter nicht ins Wasser eintauchen.
- Platziere das Glas an einen hellen, warmen Ort, aber nicht in die pralle Sonne. Ein Fensterbrett auf der Ost- oder Westseite ist ideal.
- Wechsle das Wasser im Glas alle paar Tage, um die Bildung von Bakterien und Fäulnis zu vermeiden.
- Nach etwa 7-14 Tagen sollten sich die ersten Wurzeln bilden. Sobald die Wurzeln etwa 2-3 cm lang sind, können die Jungpflanzen in Erde gepflanzt werden.
Schritt 4: Einpflanzen in Erde
Sobald die Geiztriebe ausreichend Wurzeln gebildet haben, ist es Zeit, sie in Erde zu pflanzen:
- Fülle kleine Töpfe (ca. 9-12 cm Durchmesser) mit Anzuchterde oder einer Mischung aus Gartenerde und Kompost.
- Mache in die Mitte jedes Topfes ein kleines Pflanzloch.
- Setze die bewurzelten Geiztriebe vorsichtig in die Pflanzlöcher. Achte darauf, die zarten Wurzeln nicht zu beschädigen.
- Drücke die Erde um die Stecklinge herum leicht an und gieße sie vorsichtig an.
- Stelle die Töpfe an einen hellen, warmen Standort, aber weiterhin ohne direkte Sonneneinstrahlung.
Schritt 5: Pflege der Jungpflanzen
In den ersten Tagen nach dem Einpflanzen ist es wichtig, die Jungpflanzen feucht zu halten und vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Sobald die Pflanzen angewachsen sind und neue Blätter bilden, kannst du sie langsam an die Sonne gewöhnen. Gieße die Jungpflanzen regelmäßig und dünge sie bei Bedarf mit einem Tomatendünger, sobald sie etwas größer sind. Nach einigen Wochen, wenn die Pflanzen kräftig genug sind, kannst du sie ins Freiland oder in größere Töpfe umtopfen.
Alternativen zur Bewurzelung im Wasser
Neben der Bewurzelung im Wasserglas gibt es auch andere Methoden, um Geiztriebe zu bewurzeln:
- Direkt in Erde stecken: Du kannst die Geiztriebe auch direkt in feuchte Anzuchterde stecken. Halte die Erde gleichmäßig feucht und stelle die Töpfe an einen hellen, warmen Ort, aber ohne direkte Sonne. Die Bewurzelung dauert bei dieser Methode etwas länger als im Wasserglas.
- Bewurzelung in Perlit oder Vermiculit: Perlit und Vermiculit sind mineralische Substrate, die sich ebenfalls gut zur Bewurzelung von Stecklingen eignen. Sie speichern Feuchtigkeit und sorgen für eine gute Belüftung der Wurzeln.
Tomatenvermehrung mit Kindern – Ein tolles Projekt
Die Vermehrung von Tomaten durch Geiztriebe ist ein wunderbares Projekt, um Kindern die Natur näherzubringen und ihr Interesse am Gärtnern zu wecken. Kinder können die schnelle Wurzelbildung im Wasserglas fasziniert beobachten und den gesamten Prozess von der Entnahme des Geiztriebs bis zur fertigen Jungpflanze mitverfolgen. Es ist eine lehrreiche und spannende Erfahrung, die den Kindern die Kreisläufe der Natur und die Wunder des Wachstums auf spielerische Weise vermittelt.
Geiztriebe als Geschenk – Nachhaltig und persönlich
Selbstgezogene Tomatenpflanzen aus Geiztrieben sind nicht nur eine tolle Möglichkeit, den eigenen Garten zu bereichern, sondern auch ein persönliches und nachhaltiges Geschenk für Freunde und Familie. Anstatt Blumen oder andere materielle Geschenke zu kaufen, kannst du eine liebevoll gezogene Tomatenpflanze verschenken – ein Geschenk, das wächst und Freude bereitet. Verpacke die Jungpflanze in einem schönen Topf und versehe sie mit einem selbstgemachten Etikett mit dem Namen der Tomatensorte und einer kleinen Pflegeanleitung. So wird dein Geschenk zu etwas ganz Besonderem.
Fazit: Tomatenvermehrung durch Geiztriebe – Einfach, schnell und nachhaltig
Die Vermehrung von Tomaten durch Geiztriebe ist eine einfache, schnelle und nachhaltige Methode, um neue Tomatenpflanzen zu gewinnen. Nutze die Geiztriebe, die ohnehin anfallen, um deinen Tomatenbestand zu erweitern, deine Ernte zu verlängern oder anderen eine Freude zu machen. Probiere es aus – du wirst überrascht sein, wie einfach es ist und wie viel Freude es macht, aus kleinen Trieben neue Leben zu erschaffen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Welche Tomatensorten eignen sich für die Vermehrung durch Geiztriebe?
- Grundsätzlich eignen sich alle Tomatensorten für die Vermehrung durch Geiztriebe. Besonders gut funktioniert es bei Stabtomaten, da diese ohnehin regelmäßig ausgegeizt werden müssen.
- Wann ist die beste Zeit, um Geiztriebe zu vermehren?
- Du kannst Geiztriebe während der gesamten Wachstumsperiode vermehren, von Frühsommer bis Spätsommer. Selbst im August oder September kannst du noch Stecklinge ziehen, um Jungpflanzen für eine späte Ernte zu gewinnen.
- Wie lange dauert die Bewurzelung von Geiztrieben?
- Die Bewurzelung im Wasserglas dauert in der Regel 7-14 Tage. In Erde oder anderen Substraten kann es etwas länger dauern, etwa 2-3 Wochen.
- Was tun, wenn die Geiztriebe im Wasser faulen?
- Achte auf sauberes Wasser und wechsle es regelmäßig. Entferne faule Blätter. Wenn ein Trieb fault, entferne ihn, um die anderen zu schützen. Verwende eventuell weniger Wasser im Glas, sodass die Triebe nicht zu tief im Wasser stehen.
- Muss man Bewurzelungspulver verwenden?
- Nein, Bewurzelungspulver ist bei Tomaten in der Regel nicht notwendig, da sie sehr leicht Wurzeln bilden. Es kann aber die Wurzelbildung beschleunigen und ist optional.
- Kann ich auch verblühte Geiztriebe verwenden?
- Nein, verwende nur gesunde, kräftige Geiztriebe ohne Blüten. Blühende Triebe stecken ihre Energie in die Blütenbildung und wurzeln schlechter.
