01/07/2021
Ist Efeu wirklich ein Todessymbol, oder steckt mehr hinter dieser vielseitigen Pflanze? Oftmals haftet dem Efeu ein düsteres Image an, da er Friedhöfe schmückt und an schattigen Mauern emporwächst. Doch Efeu ist weit mehr als nur ein Motiv für morbide Dekorationen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Grün eine Pflanze mit einer reichen Geschichte, symbolträchtigen Bedeutung und einer überraschenden ökologischen Rolle, besonders im herbstlichen Garten.

- Efeu im Wandel der Zeit: Vom Partylöwen zum Friedhofsschmuck
- Efeu: Ein Zeichen ewiger Treue und des Lebens
- Herbstlicher Lebensspender: Efeu als Bienenweide und Insektenparadies
- Efeu als Heilpflanze: Hustenlöser aus der Natur
- Wissenswertes über Efeu: Wachstum, Blüte und Vermehrung
- Fazit: Efeu – Mehr als nur ein düsteres Grün
Efeu im Wandel der Zeit: Vom Partylöwen zum Friedhofsschmuck
Während Efeu heute oft mit Trauer und Vergänglichkeit assoziiert wird, blicken wir zurück in die Antike, so erkennen wir ein völlig anderes Bild. Im alten Ägypten, Griechenland und Rom war Efeu ein Symbol der Lebensfreude und des Feierns. Götter wie Osiris, Dionysos (bei den Römern Bacchus genannt) wurden regelmäßig mit Efeukränzen dargestellt. Efeu war untrennbar mit ausgelassenen Festen und Gelagen verbunden, oft in Kombination mit Weinlaub. Diese fröhliche Symbolik steht im krassen Gegensatz zu unserer heutigen Wahrnehmung.
Efeu: Ein Zeichen ewiger Treue und des Lebens
Woher kommt also der Wandel vom Symbol der Freude zum Todessymbol? Die Verbindung des Efeus mit Gräbern und Tod beruht wohl auf einem modernen Missverständnis. Ursprünglich wurde Efeu auf Gräbern gepflanzt, eben nicht als Zeichen des Todes, sondern vielmehr als Symbol des ewigen Lebens und der unvergänglichen Treue. Seine immergrünen Blätter verkörpern die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und die Beständigkeit der Erinnerung. Diese Interpretation wird durch die berühmte Sage von Tristan und Isolde untermauert, in der die unglücklich Liebenden nach ihrem Tod in Form von zwei Efeupflanzen vereint weiterleben, die untrennbar ineinander verschmelzen.
Herbstlicher Lebensspender: Efeu als Bienenweide und Insektenparadies
Abgesehen von seiner symbolischen Bedeutung ist Efeu eine ökologisch wertvolle Pflanze, besonders im Herbst. Während viele andere Blütenpflanzen im Spätsommer und Herbst ihre Blütezeit beenden, legt der Efeu erst richtig los. Seine Blütezeit beginnt meist Ende August und kann sich bis in den November oder sogar Dezember hineinziehen. Gerade in dieser Jahreszeit, in der das Nahrungsangebot für Insekten knapper wird, wird der Efeu zu einer wichtigen Nektarquelle.
Eine Vielzahl von Insekten profitiert von den unscheinbaren, gelbgrünen Blüten des Efeus. Bienen, Wespen, Schmetterlinge, Fliegen, Schwebfliegen und sogar Marienkäfer finden hier Nahrung. Für viele Insekten ist der Efeu-Nektar das sprichwörtliche „letzte Gnadenbrot“ vor dem Winter. Betrachten wir einige der häufigsten Besucher genauer:
| Insektengruppe | Beispiele | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bienen | Honigbienen, Efeu-Seidenbiene | Die Efeu-Seidenbiene ist hochspezialisiert und sammelt Pollen fast ausschließlich an Efeu. |
| Wespen | Faltenwespen, Solitärwespen, Hornissen | Besonders häufig am Efeu anzutreffen, bieten Nektar und Pollen. |
| Schmetterlinge | Admiral, Distelfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs | Admiral und Distelfalter tanken vor dem Zug nach Süden noch einmal Energie am Efeu. Überwinternde Falter wie Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs nutzen Efeu ebenfalls als Nahrungsquelle. |
| Fliegen und Schwebfliegen | Totenkopfschwebfliege (Gemeine Doldenschwebfliege) | Vielfältige Arten, profitieren vom späten Nektarangebot. |
| Käfer | Marienkäfer (Asiatischer Marienkäfer), Feuerwanzen | Marienkäfer weichen mangels Blattläusen auf Nektar aus. Feuerwanzen, sonst eher an Linden und Malven, finden sich im Herbst auch am Efeu ein. |
| Andere | Ameisen | Auch Ameisen nutzen die Efeublüten als Nahrungsquelle. |
Die Efeublüten sind in Halbkugeln angeordnet und sehr offen, sodass die Insekten den Nektar leicht erreichen können. Für viele dieser Tiere ist der Efeu eine überlebenswichtige Nahrungsquelle in einer Jahreszeit, in der andere Nahrungsquellen rar geworden sind.
Efeu als Heilpflanze: Hustenlöser aus der Natur
Neben seiner symbolischen und ökologischen Bedeutung besitzt Efeu auch medizinische Eigenschaften. Schon früh wurde die heilende Wirkung des Efeus entdeckt, insbesondere als Hustenlöser. Auch heute noch wird Efeu in der modernen Medizin eingesetzt, um Erkältungskrankheiten zu behandeln.
Wissenschaftler der Universität Bonn haben herausgefunden, dass das in Efeublättern enthaltene Alpha-Hederin auf unser Nervensystem wirkt. Dieser Wirkstoff regt die Atemwege an, schleimlösende Stoffe zu produzieren und erweitert gleichzeitig die Bronchien. Efeu-Extrakte werden daher häufig in Hustensäften und anderen Erkältungspräparaten verwendet.

Wissenswertes über Efeu: Wachstum, Blüte und Vermehrung
Efeu (Hedera helix) ist eine immergrüne Kletterpflanze, die ein beachtliches Alter von über 200 Jahren erreichen und über 20 Meter hoch klettern kann. In der Jugend wächst Efeu eher langsam, später kann er jedoch bis zu zwei Meter pro Jahr zulegen. Typisch für junge Efeupflanzen sind die drei- bis fünflappigen Blätter der Klettertriebe. Erst im Alter bilden sich Blütentriebe mit rundlichen, glattrandigen Blättern, die keine Kletterwurzeln ausbilden und überhängend wachsen.
Die Blütezeit des Efeus beginnt, wie bereits erwähnt, im Spätsommer und Herbst. Die Früchte reifen im Winter heran und sind blauschwarz. Sie werden gerne von Vögeln wie Staren und Drosseln gefressen und dienen somit auch im Winter als wichtige Nahrungsquelle für die Tierwelt.
Efeu lässt sich relativ einfach durch Stecklinge vermehren. Allerdings ist Vorsicht geboten: Stecklinge, die von Blütentrieben stammen, entwickeln keine Kletterwurzeln und eignen sich daher nur als Bodendecker.
Eine interessante Eigenschaft des Efeus ist seine „Lichtscheue“. Das bedeutet, dass die Triebe tendenziell zur lichtabgewandten Seite wachsen. Daher gedeiht Efeu im Halbschatten und Schatten besser als in voller Sonne oder an hellen, sonnenbeschienenen Wänden.
Fazit: Efeu – Mehr als nur ein düsteres Grün
Efeu ist eine faszinierende Pflanze mit vielen Facetten. Er ist weit mehr als nur ein Grabschmuck oder ein Symbol des Todes. Seine Geschichte reicht von ausgelassenen Festen in der Antike bis hin zur Symbolik der ewigen Treue. Ökologisch ist Efeu ein herbstlicher Lebensspender für zahlreiche Insekten und eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel im Winter. Zudem besitzt er wertvolle Heilkräfte. Betrachten wir den Efeu also nicht nur als düsteren Gesellen, sondern als eine vielseitige und nützliche Pflanze, die unseren Garten und die Natur bereichert.
