15/10/2021
Baumwurzeln sind das Fundament eines jeden Baumes. Sie sichern nicht nur den Stand des Baumes im Erdreich, sondern sind auch für die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen unerlässlich. Ein gesunder Wurzelbereich ist entscheidend für die Vitalität und Langlebigkeit eines Baumes. Ob im heimischen Garten oder im städtischen Raum, der Schutz von Baumwurzeln ist von großer Bedeutung, wird aber oft vernachlässigt. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte des Wurzelschutzes und zeigt Ihnen, wie Sie Baumwurzeln effektiv schützen können.

Warum ist Wurzelschutz so wichtig?
Die Wurzeln eines Baumes erfüllen vielfältige Funktionen, die für sein Überleben und seine Gesundheit unerlässlich sind:
- Standsicherheit: Wurzeln verankern den Baum fest im Boden und gewährleisten seine Standsicherheit, insbesondere bei starkem Wind oder Stürmen.
- Vitalität: Über die Wurzeln nimmt der Baum Wasser und lebensnotwendige Nährstoffe aus dem Boden auf. Beschädigungen der Wurzeln beeinträchtigen diese Aufnahme und schwächen den Baum.
- Energiereserven: Wurzeln dienen als Speicherort für wichtige Energiereserven in Form von Kohlenhydraten. Diese Reserven sind entscheidend für das Wachstum und die Regeneration des Baumes.
- Phytohormon-Haushalt: In den Wurzelspitzen werden Phytohormone gebildet, die wichtige Stoffwechselprozesse im Baum steuern und Alterungsprozesse verzögern.
Gefahren für Baumwurzeln
Baumwurzeln sind verschiedenen Gefahren ausgesetzt, die ihre Funktionstüchtigkeit beeinträchtigen können. Zu den häufigsten Gefahren zählen:
- Tiefbaumaßnahmen: Bauarbeiten im Wurzelbereich von Bäumen können zu erheblichen Schäden führen. Dazu gehören mechanische Beschädigungen durch Bagger oder andere Geräte, Bodenverdichtungen durch schwere Lasten und Veränderungen des Wasserhaushaltes.
- Bodenverdichtung: Verdichteter Boden beeinträchtigt die Durchlüftung des Bodens und erschwert das Wurzelwachstum. Dies führt zu einer Unterversorgung der Wurzeln mit Sauerstoff und Nährstoffen.
- Versiegelung: Versiegelte Flächen verhindern das Eindringen von Regenwasser in den Boden und beeinträchtigen den Gasaustausch. Dies führt zu Trockenstress und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich.
- Invasive Pflanzenwurzeln: Einige Pflanzenarten, wie beispielsweise Bambus oder Himbeeren, entwickeln aggressive Wurzeln, die sich unkontrolliert ausbreiten und andere Pflanzen verdrängen können.
Wurzelschutz bei Tiefbaumaßnahmen
Gerade bei Tiefbaumaßnahmen im städtischen Bereich ist ein konsequenter Wurzelschutz unerlässlich. Die Hansestadt Hamburg hat hier vorbildliche Standards entwickelt, die zeigen, wie Baumwurzeln bei Bauarbeiten effektiv geschützt werden können.
Baumbiologische Grundlagen
Eingriffe in das Wurzelsystem können die Standsicherheit, Vitalität, Energiereserven und den Phytohormon-Haushalt eines Baumes beeinträchtigen. Es ist daher wichtig, die biologischen Grundlagen der Wurzelentwicklung zu verstehen, um geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Der Wurzelbereich und Wurzelraum
Der Wurzelbereich eines Baumes erstreckt sich in der Regel weit über den Kronenbereich hinaus. Im städtischen Umfeld sind Wurzeln jedoch oft oberflächennah konzentriert, bedingt durch Bodenverdichtungen und Versiegelungen. Der Wurzelraum umfasst den Boden als untrennbare Komponente und ist ebenso schützenswert wie die Wurzeln selbst.
Auswirkungen von Eingriffen im Wurzelraum
Eingriffe im Wurzelraum, wie Bodenabtrag, Überfüllungen oder Verdichtungen, haben direkte Auswirkungen auf die Wurzeln und die Vitalität des Baumes. Auch die Beeinflussung des Grundwasserspiegels kann gravierende Folgen haben.
Erfahrungen in Hamburg: Die Baubegleitung
In Hamburg hat sich die baumfachliche Baubegleitung als effektives Instrument zum Wurzelschutz bei Tiefbaumaßnahmen etabliert. Diese umfasst:
- Anmeldung und Beauftragung: Das Bauunternehmen beauftragt einen Baumpflegefachbetrieb mit der baumfachlichen Begleitung und meldet diese beim zuständigen Bezirksamt an.
- Wurzelprotokoll: Ein detailliertes Wurzelprotokoll dokumentiert alle Einwirkungen auf den Baum und die ergriffenen Schutzmaßnahmen.
- Anforderungen an die Baumpflegefachkraft: Die Baubegleitung entscheidet selbstständig über den Einsatz von Maschinen und die notwendigen Schutzmaßnahmen.
- Anforderungen an den Auftraggeber: Der Auftraggeber stellt alle notwendigen Informationen zur Baumaßnahme und zum Baumbestand zur Verfügung.
Der Wurzelschutz in der Praxis
Konkrete Schutzmaßnahmen im Baumumfeld und direkt am Baum umfassen:
- Schutzmaßnahmen im Baumumfeld: Einsatz von Lastverteilenden Maßnahmen wie Platten oder Kies, korrekte Platzierung der Baustelleneinrichtung.
- Schutzmaßnahmen an Stamm und Krone: Anbringen eines geeigneten Stammschutzes, in Ausnahmefällen Einkürzung von Kronenteilen.
- Öffnung des Wurzelraumes: Handschachtung oder Saugtechnik zur Freilegung von Wurzeln, in Ausnahmefällen behutsamer Baggereinsatz unter Sichtkontakt.
- Umgang mit freigelegten Wurzeln: Schutz vor Austrocknung und Frost, ggf. Beschneidung oder Kappung nach Rücksprache mit der Baumpflegefachkraft.
- Durchtrennen von Wurzeln: Wenn unvermeidlich, dann schneidend und glatt durchtrennen, Schnittstelle mit Wundverschlussmittel versiegeln.
- Nachversorgung freigelegter Wurzeln: Feuchthalten der Wurzeln bis zur Verfüllung der Baugrube, z.B. durch Bandagierung oder Abdeckung mit Vlies.
- Kronenausgleichsschnitt: Bei größeren Wurzelverlusten kann ein Kronenausgleichsschnitt notwendig sein, um das Verhältnis von Wurzel und Krone wiederherzustellen.
Maßnahmen bei Wurzelverletzungen
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu Wurzelverletzungen kommen. In diesem Fall sind folgende Schritte wichtig:
- Feststellung des Schadensumfangs: Beurteilung der Schwere der Verletzung, von oberflächlichen Rindenschäden bis zum Abriss von Starkwurzeln.
- Wundversorgung: Behandlung von Rindenschäden mit Wundverschlussmittel, glatter Schnitt bei stärkeren Wurzelverletzungen und Versiegelung der Schnittstelle.
- Einleitung eingehender Untersuchungen: Bei umfangreichen Schäden oder Gefährdung der Standsicherheit kann eine Überprüfung der Erhaltensfähigkeit und Standsicherheit des Baumes notwendig sein.
Wurzelsperren für invasive Pflanzen im Garten
Neben dem Schutz vor Bauarbeiten ist auch der Schutz vor invasiven Pflanzenwurzeln im Garten wichtig. Einige Pflanzenarten können sich durch aggressive Wurzeln oder Rhizome unkontrolliert ausbreiten und Schäden verursachen.

Welche Pflanzen benötigen eine Wurzelsperre?
Pflanzen mit starkem Ausbreitungsdrang, die Rhizome bilden oder Ausläufer treiben, profitieren von einer Wurzelsperre. Dazu gehören:
- Bambus: Bambus ist bekannt für seine aggressiven Rhizome, die sich schnell und weit ausbreiten können.
- Himbeeren und Brombeeren: Diese Sträucher bilden ebenfalls Ausläufer und können sich unkontrolliert im Garten ausbreiten.
- Minze und Zitronenmelisse: Auch viele Kräuter haben einen starken Ausbreitungsdrang und können andere Pflanzen verdrängen.
- Weitere Pflanzen: Essigbaum, Sanddorn, Topinambur, Efeu, Walderdbeere, Farn, Moos, Lotus, Spargel, Maiglöckchen, Buschwindröschen, Zyperngras.
Wie funktioniert eine Wurzelsperre?
Eine Wurzelsperre, auch Rhizomsperre genannt, ist eine Barriere, die um den Wurzelballen der Pflanze in die Erde eingebracht wird. Sie verhindert die unkontrollierte Ausbreitung der Wurzeln.
Materialien für Wurzelsperren
Für Wurzelsperren eignen sich verschiedene Materialien:
- Beton: Besonders für Bambus ist eine Wurzelsperre aus Beton empfehlenswert.
- Kunststofffolie: Im Fachhandel sind spezielle dicke Folien als Wurzelschutz erhältlich.
- Ausrangierte Gefäße: Mörteleimer, Speiskübel, große Blumenkübel oder Zinkwannen können ebenfalls als Wurzelsperre dienen (Boden perforieren!).
Anlegen einer Wurzelsperre
Beim Einpflanzen der Pflanze wird ein Graben um das Pflanzloch ausgehoben. Die Wurzelsperre wird in den Graben eingesetzt, sodass sie die Wurzeln umschließt. Bei Folien ist eine sichere Verbindung der Kanten wichtig, z.B. mit einer Aluminiumschiene.

Nachträgliches Anlegen einer Wurzelsperre
Auch nachträglich kann eine Wurzelsperre angelegt werden. Dabei wird die Pflanze ausgegraben, Wurzeln beschnitten und die Wurzelsperre eingesetzt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Welche Bäume brauchen besonderen Wurzelschutz?
- Alle Bäume profitieren von Wurzelschutz, besonders gefährdet sind jedoch Bäume in städtischen Gebieten und bei Baumaßnahmen. Auch junge Bäume sind empfindlicher gegenüber Wurzelverletzungen.
- Kann man beschädigte Baumwurzeln reparieren?
- Ja, kleinere Rindenschäden können behandelt werden. Bei größeren Verletzungen ist ein glatter Schnitt und die Versiegelung der Schnittstelle wichtig. In schweren Fällen kann ein Kronenausgleichsschnitt helfen.
- Wie tief sollte eine Wurzelsperre sein?
- Für die meisten Pflanzenarten ist eine Tiefe von ca. 65 cm ausreichend. Bei besonders aggressiven Rhizomen, wie bei Bambus, kann eine tiefere Sperre notwendig sein.
- Kann man eine Wurzelsperre selber bauen?
- Ja, mit geeigneten Materialien wie Teichfolie oder ausrangierten Gefäßen kann man eine Wurzelsperre selber bauen. Wichtig ist die korrekte Installation und die sichere Verbindung der Kanten.
Fazit
Der Wurzelschutz ist ein wesentlicher Bestandteil der Baum- und Gartenpflege. Ob bei Tiefbaumaßnahmen oder zur Eindämmung invasiver Pflanzen, die richtigen Schutzmaßnahmen tragen maßgeblich zur Gesundheit und Langlebigkeit von Bäumen und Pflanzen bei. Durch eine sorgfältige Planung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen können Sie sicherstellen, dass Ihre Bäume und Pflanzen auch in Zukunft vital und widerstandsfähig bleiben.
