01/05/2022
Die Frage, ob es „wegen dem Regen“ oder „wegen des Regens“ heißen muss, beschäftigt viele Deutschsprachige. Gerade bei der Präposition „wegen“ herrscht oft Unsicherheit, welcher Fall – Dativ oder Genitiv – korrekt ist. Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel und erklärt Ihnen die Regeln und den aktuellen Sprachgebrauch verständlich und anhand vieler Beispiele.

- Die grammatische Regel: Wegen verlangt den Genitiv
- „Wegen dem“: Der Dativ im umgangssprachlichen Gebrauch
- Genitiv oder Dativ: Wann was verwenden?
- Tabellarische Übersicht: Wann „wegen des“ und wann „wegen dem“?
- Sonderfall: „wegen“ mit Nomen ohne Artikel im Plural
- „meinetwegen“ oder „wegen mir“?
- Alternativen zu „wegen“
- Fazit: „Wegen des“ ist standardsprachlich korrekt, „wegen dem“ umgangssprachlich üblich
- FAQ – Häufige Fragen zu „wegen dem“ und „wegen des“
Die grammatische Regel: Wegen verlangt den Genitiv
Die klassische grammatische Regel ist eindeutig: Die Präposition „wegen“ fordert den Genitiv. Das bedeutet, dass der Artikel und das Nomen, die auf „wegen“ folgen, im Genitiv stehen müssen. Daher wäre grammatisch korrekt: „wegen des Regens“, „wegen des Staus“, „wegen des Unfalls“.
Hier einige Beispiele, die den Genitiv nach „wegen“ verdeutlichen:
- Wegen des starken Windes fiel der Baum um.
- Das Konzert wurde wegen des schlechten Wetters abgesagt.
- Wegen des neuen Gesetzes gibt es viele Diskussionen.
- Wegen ihres Krankheit konnte sie nicht zur Arbeit kommen.
Wie Sie sehen, wird der Genitiv durch die Artikel „des“ und „ihres“ sowie die Endungen „-es“ und „-en“ der Nomen erkennbar.
„Wegen dem“: Der Dativ im umgangssprachlichen Gebrauch
Trotz der grammatischen Regel hört man im alltäglichen Sprachgebrauch immer häufiger die Konstruktion „wegen dem“ mit dem Dativ. Sätze wie „wegen dem Regen“, „wegen dem Stau“ oder „wegen dem Unfall“ sind weit verbreitet und werden von vielen Muttersprachlern ganz natürlich verwendet. Dies führt oft zu Verwirrung und der Frage: Ist „wegen dem“ nun falsch?
Die Antwort ist differenzierter als ein einfaches „richtig“ oder „falsch“. Der Duden, als maßgebliche Instanz für die deutsche Sprache, führt „wegen + Dativ“ als umgangssprachliche und regionale Variante an. Das bedeutet, dass „wegen dem“ nicht als grammatikalisch falsch im Sinne von inkorrekt abgestempelt wird, aber eben nicht der standardsprachlichen Norm entspricht.
In der gesprochenen Sprache und im informellen Kontext ist „wegen dem“ also durchaus üblich und akzeptiert. Viele Menschen empfinden den Dativ nach „wegen“ als einfacher und natürlicher, da der Dativ im Deutschen generell häufiger verwendet wird als der Genitiv, der tendenziell im Rückgang begriffen ist.
Genitiv oder Dativ: Wann was verwenden?
Um zu entscheiden, ob Sie „wegen des“ oder „wegen dem“ verwenden sollten, kommt es vor allem auf den Kontext und den Stil an:
Schriftsprache vs. gesprochene Sprache
In der Schriftsprache, insbesondere in formellen Texten wie Berichten, wissenschaftlichen Arbeiten, offiziellen Schreiben oder auch in gehobener Literatur, ist der Genitiv nach „wegen“ die eindeutig empfohlene und korrekte Wahl. „Wegen des“ klingt hier stilistisch besser und entspricht den grammatischen Konventionen.

In der gesprochenen Sprache und in informellen Situationen, wie im Gespräch mit Freunden, im Alltag oder in E-Mails an Bekannte, können Sie durchaus auch den Dativ („wegen dem“) verwenden, ohne dass dies als grober Fehler wahrgenommen wird. Viele Muttersprachler verwenden hier ohnehin intuitiv den Dativ.
Formalität des Kontexts
Je formeller die Situation, desto eher sollten Sie zum Genitiv greifen. Bei wichtigen Präsentationen, im Kontakt mit Vorgesetzten oder in offiziellen Anlässen ist „wegen des“ die sicherere Wahl, um einen korrekten und professionellen Eindruck zu hinterlassen.
In informellen Kontexten, in denen es um lockere Kommunikation geht, ist der Dativ („wegen dem“) unproblematisch und wird kaum Anstoß erregen.
Regionale Unterschiede
Die Verwendung von „wegen + Dativ“ ist regional unterschiedlich stark verbreitet. In einigen Regionen, insbesondere im süddeutschen Raum und in Österreich, ist der Dativ nach „wegen“ noch üblicher als in Norddeutschland. Dies ist ein weiterer Grund, warum „wegen dem“ nicht generell als falsch betrachtet werden kann.
Tabellarische Übersicht: Wann „wegen des“ und wann „wegen dem“?
| Situation | Empfohlene Form | Begründung |
|---|---|---|
| Schriftsprache (formal) | wegen des | Grammatikalisch korrekt, stilistisch gehoben |
| Schriftsprache (informell) | wegen des (empfohlen), wegen dem (akzeptabel) | Genitiv weiterhin stilistisch besser, Dativ umgangssprachlich akzeptabel |
| Gesprochene Sprache (formal) | wegen des (empfohlen), wegen dem (akzeptabel) | Genitiv standardsprachlich, Dativ umgangssprachlich verbreitet |
| Gesprochene Sprache (informell) | wegen dem (üblich), wegen des (möglich) | Dativ im Alltag üblicher, Genitiv klingt formeller |
| Wissenschaftliche Arbeiten, Berichte | wegen des | Standardsprachlich korrekt, professioneller Eindruck |
| Alltagsgespräche, informelle E-Mails | wegen dem (üblich), wegen des (möglich) | Dativ natürlich und unkompliziert, Genitiv klingt eventuell etwas gestelzt |
Sonderfall: „wegen“ mit Nomen ohne Artikel im Plural
Eine Besonderheit ergibt sich, wenn auf „wegen“ ein Nomen im Plural ohne Artikel oder Adjektiv folgt. In diesem Fall wird standardsprachlich der Dativ Plural verwendet:
- Wegen Regenfällen musste das Spiel abgesagt werden. (Nicht: „wegen Regenfälle“)
- Wegen Bauarbeiten ist die Straße gesperrt. (Nicht: „wegen Bauarbeiten“)
- Wegen technischen Problemen verzögert sich der Start. (Nicht: „wegen technische Probleme“)
Der Grund dafür ist, dass in diesen Fällen der Genitiv Plural nicht eindeutig erkennbar wäre, da die Form des Genitiv Plurals der Form des Nominativ Plurals entspricht (z.B. „die Regenfälle“ im Nominativ und Genitiv). Um Missverständnisse zu vermeiden und den Kasus dennoch zu markieren, greift man hier zum Dativ Plural.

Sobald jedoch ein Artikel oder ein Adjektiv hinzukommt, das den Genitiv anzeigt, wird der Genitiv wieder verwendet:
- Wegen der starken Regenfälle musste das Spiel abgesagt werden. (Genitiv)
- Wegen anhaltenden Regenfällen musste das Spiel abgesagt werden. (Genitiv durch Adjektivendung)
„meinetwegen“ oder „wegen mir“?
Ähnlich wie bei „wegen dem“ und „wegen des“ gibt es auch bei den Pronomen Varianten im Genitiv und Dativ. Die standardsprachlich korrekten Formen sind die Genitivformen:
- meinetwegen
- deinetwegen
- seinetwegen
- ihretwegen
- unsertwegen (oder unseretwegen)
- euretwegen
- ihretwegen (Plural)
Die Dativformen „wegen mir“, „wegen dir“, „wegen ihm“, „wegen ihr“, etc. sind jedoch im umgangssprachlichen Gebrauch sehr verbreitet und werden oft als natürlicher empfunden. Auch hier gilt: In formellen Kontexten und in der Schriftsprache sollten Sie die Genitivformen bevorzugen, während im Alltag die Dativformen durchaus akzeptabel sind.
Alternativen zu „wegen“
Wenn Sie ganz sichergehen möchten, den korrekten Kasus zu verwenden oder wenn Sie stilistische Abwechslung suchen, können Sie auf alternative Präpositionen zurückgreifen, die ebenfalls eine kausale Bedeutung haben und eindeutig den Genitiv verlangen:
- aufgrund: Aufgrund des starken Regens…
- infolge: Infolge des Unfalls…
Diese Präpositionen sind standardsprachlich immer korrekt und klingen oft etwas formeller als „wegen“.
Fazit: „Wegen des“ ist standardsprachlich korrekt, „wegen dem“ umgangssprachlich üblich
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Präposition „wegen“ grammatisch korrekt den Genitiv verlangt („wegen des“). Im umgangssprachlichen Gebrauch und in informellen Situationen ist jedoch auch der Dativ („wegen dem“) weit verbreitet und akzeptabel. In der Schriftsprache und in formellen Kontexten sollten Sie jedoch stets den Genitiv bevorzugen, um einen korrekten und stilistisch guten Eindruck zu hinterlassen.
Achten Sie auf den Kontext und wählen Sie die Form, die Ihnen angemessen erscheint. Im Zweifelsfall ist „wegen des“ die sicherere Wahl, besonders wenn Sie Wert auf grammatische Korrektheit und einen formellen Stil legen.
FAQ – Häufige Fragen zu „wegen dem“ und „wegen des“
- Ist „wegen dem“ grammatikalisch falsch?
- Nein, „wegen dem“ ist nicht generell falsch, sondern eine umgangssprachliche und regionale Variante. Standardsprachlich korrekt und in formellen Kontexten empfohlen ist jedoch „wegen des“ (Genitiv).
- Wann sollte ich „wegen des“ verwenden?
- Verwenden Sie „wegen des“ in der Schriftsprache, in formellen Texten, in wissenschaftlichen Arbeiten und generell, wenn Sie Wert auf grammatische Korrektheit und einen gehobenen Stil legen.
- Wann kann ich „wegen dem“ verwenden?
- Sie können „wegen dem“ in der gesprochenen Sprache, in informellen Gesprächen und E-Mails an Bekannte verwenden. Es ist im Alltag weit verbreitet und wird von vielen Muttersprachlern genutzt.
- Gibt es Alternativen zu „wegen“?
- Ja, alternative Präpositionen mit gleicher Bedeutung sind „aufgrund“ und „infolge“. Diese verlangen immer den Genitiv und klingen oft etwas formeller.
- Was gilt für „wegen“ mit Nomen im Plural ohne Artikel?
- In diesem Sonderfall wird standardsprachlich der Dativ Plural verwendet, z.B. „wegen Regenfällen“ (nicht „wegen Regenfälle“).
