Wappenkunde: Mecklenburg-Vorpommern, Berlin & Redende Wappen

18/11/2024

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Die Welt der Wappen, auch bekannt als Heraldik, ist reich an Geschichte und Symbolik. Wappen sind viel mehr als nur dekorative Embleme; sie sind visuelle Erzählungen, die Identität, Geschichte und Anspruchstraditionen von Regionen, Städten und Familien über Jahrhunderte hinweg verkörpern. In diesem Artikel begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise durch die deutsche Wappenlandschaft, um einige spannende Fragen zu beantworten. Wir beleuchten die Besonderheiten der Wappen von Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und tauchen ein in das interessante Konzept der redenden Wappen.

Warum hat Mecklenburg-Vorpommern zwei Wappen?
Im Kleinen repräsentiert der Stier den Landesteil Mecklenburg und der rote Greif Pommerns den Landesteil Vorpommern. Im großen sind zwei Stiere vorhanden, da Mecklenburg historisch aus den beiden Teilen Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz bestand.
Inhaltsverzeichnis

Warum Mecklenburg-Vorpommern zwei Wappen führt

Mecklenburg-Vorpommern, ein Bundesland im Nordosten Deutschlands, zeichnet sich durch eine interessante heraldische Situation aus. Anders als die meisten anderen Bundesländer, die ein einziges Landeswappen führen, besitzt Mecklenburg-Vorpommern offiziell zwei: ein großes und ein kleines Landeswappen. Diese Dualität spiegelt die historische Zusammensetzung des Bundeslandes wider, das 1945 aus der Vereinigung der historischen Regionen Mecklenburg und Vorpommern entstand.

Das große Landeswappen ist eine komplexe Darstellung, die die Wappensymbole beider Landesteile vereint. Es zeigt im goldenen Schildhaupt den Mecklenburgischen Stierkopf – ein schwarzer, rot gezungter und golden gekrönter Stierkopf mit abgerissenem Hals. Darunter befindet sich ein gevierter Schild. Feld 1 und 4 zeigen den Greif von Pommern in Silber auf rotem Grund, Feld 2 und 3 den Stierkopf Mecklenburgs in Gold auf blauem Grund. Der Schild wird von einem goldenen Greif und einem goldenen Stier gehalten, die beide nach außen blicken. Über dem Schild ruht eine rote Mauerkrone mit fünf Zinnen, die die städtische Tradition des Landes symbolisiert.

Das kleine Landeswappen ist eine vereinfachte Version, die hauptsächlich den Mecklenburgischen Stierkopf im oberen Teil und den Pommerschen Greif im unteren Teil zeigt. Es wird häufiger im alltäglichen Gebrauch verwendet und ist beispielsweise auf Behördensiegeln und Nummernschildern zu finden.

Die Verwendung beider Wappen verdeutlicht die Bedeutung beider historischen Regionen für das heutige Bundesland. Der Stierkopf Mecklenburgs und der Greif Pommerns sind nicht nur heraldische Symbole, sondern auch Identifikationsfiguren, die die Geschichte und Kultur der jeweiligen Landesteile repräsentieren. Zusätzlich zu diesen Hauptsymbolen findet sich in den Wappen vieler Städte und Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns auch das hanseatische Kreuz. Die Farben Rot und Weiß, die häufig in den Wappen dieser Region anzutreffen sind, demonstrieren ebenfalls die hanseatische Tradition der Städte, die einst wichtige Handelszentren in der Hanse waren.

Welche Stadt hat einen Bären im Wappen?
Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts scheint sich der Bär endgültig als Wappentier Berlins etabliert zu haben: man findet ihn auf Münzen (Berliner Silberpfennig, 1369) und in Wappenbüchern (Jörg Rugenn, 1492), zunehmend in aufrecht schreitender Haltung.

Der Berliner Bär im Wappen: Eine Stadt und ihr Tier

Berlin, die pulsierende Hauptstadt Deutschlands, ist international nicht nur für ihre Geschichte, Kultur und Lebensart bekannt, sondern auch für ihr markantes Wappentier: den Bären. Der Berliner Bär ist ein fester Bestandteil des Stadtbildes und findet sich auf Flaggen, Souvenirs und natürlich im Wappen der Stadt wieder. Doch die Geschichte des Bären als Wappentier Berlins ist überraschend vielschichtig und reicht Jahrhunderte zurück.

Interessanterweise vermuten einige Historiker, dass der Bär im Berliner Wappen ursprünglich einen Vorgänger hatte: den askanischen Adler. Die Askanier waren ein Adelsgeschlecht, das im Mittelalter die Mark Brandenburg regierte, zu der Berlin gehörte. Auf den ältesten bekannten Stadtsiegeln von Berlin aus dem Jahr 1253 und von Cölln (der Schwesterstadt Berlins) aus dem Jahr 1334 ist tatsächlich der brandenburgische Adler abgebildet. In Cölln blieb der Adler sogar dauerhaft das Stadtsymbol.

Auf dem zweiten Berliner Stadtsiegel von 1280 tauchen dann erstmals zwei Bären auf, die den Adlerschild flankieren. Dies könnte ein Übergangsstadium darstellen, in dem der Bär begann, an Bedeutung zu gewinnen. Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts setzte sich der Bär schließlich endgültig als Wappentier Berlins durch. Er findet sich auf Münzen aus dem Jahr 1369 und in Wappenbüchern des 15. Jahrhunderts, zunehmend in aufrecht schreitender Haltung.

Trotz der Etablierung des Bären blieben der brandenburgische und später der preußische Adler (ab 1709) bis 1920 im Wappen der Stadt Berlin erhalten. Dies zeigt, wie lange heraldische Traditionen nebeneinander existieren und sich entwickeln können. Ein weiteres wichtiges Element des Berliner Wappens ist die fünftürmige Mauerkrone, die erstmals 1839 nachweisbar ist. Diese Krone, die aus der französischen Kommunalheraldik stammt, symbolisiert die städtische Eigenständigkeit und Macht und könnte bereits aus der Zeit der französischen Besetzung Berlins (1806-1808) stammen.

Was ist ein redendes Wappen?
Als redendes Wappen (im Französischen immer im Plural: armes parlantes), auch sprechendes Wappen oder Namenswappen, bezeichnet man in der Heraldik solche Wappen, die im Fall von Familiennamen auf den Namen des Inhabers oder im Falle von Ortswappen auf die (oft volksetymologische) Deutung des Ortsnamens entweder ...

Im Jahr 1875 beschloss der Berliner Magistrat eine wichtige Änderung: Der Bär sollte künftig „frei“ – also ohne Halsband – im Wappen der nunmehrigen Reichshauptstadt geführt werden. Diese Entscheidung unterstrich den Anspruch Berlins auf Freiheit und Unabhängigkeit. 1935 erhielt Berlin schließlich ein grafisch modernisiertes Wappen, entworfen von Siegmund von Weech. Dieses Wappen, das bis heute gültig ist, zeigt in silbernem, rotgerändertem Schild mit stilisierter, fünftürmiger roter Mauerkrone einen schwarzen, bewehrten und rotgezungten Bären. Die Farben Silber und Rot sind die traditionellen Berliner Stadtfarben.

Redende Wappen: Wenn der Name zum Bild wird

Ein besonders faszinierendes Phänomen in der Heraldik sind die sogenannten redenden Wappen. Der Begriff „redend“ bezieht sich hierbei auf die Eigenschaft des Wappens, den Namen des Wappenträgers oder des Ortes, den es repräsentiert, bildlich darzustellen. Mit anderen Worten: Das Wappen „spricht“ den Namen aus, indem es Symbole verwendet, die phonetisch oder begrifflich mit dem Namen in Verbindung stehen.

Die Entstehung redender Wappen lässt sich historisch erklären. Im Mittelalter, als die Heraldik entstand und sich verbreitete, waren viele Menschen, insbesondere in ländlichen Gebieten, des Lesens und Schreibens unkundig. Ein redendes Wappen bot eine einfache und einprägsame Möglichkeit, sich zu identifizieren und den eigenen Namen visuell darzustellen. Es war eine Art heraldisches Wortspiel oder eine visuelle Namensdeutung.

Es gibt verschiedene Formen redender Wappen. Oftmals werden Gegenstände oder Tiere verwendet, deren Namen ähnlich klingen wie der Familienname oder der Ortsname. Ein klassisches Beispiel ist das Wappen der Familie „Bär“, das natürlich einen Bären zeigt. Auch Ortsnamen können auf diese Weise „übersetzt“ werden. So könnte ein Ort namens „Bach“ beispielsweise einen Bach im Wappen führen.

Warum hat Mecklenburg-Vorpommern zwei Wappen?
Im Kleinen repräsentiert der Stier den Landesteil Mecklenburg und der rote Greif Pommerns den Landesteil Vorpommern. Im großen sind zwei Stiere vorhanden, da Mecklenburg historisch aus den beiden Teilen Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz bestand.

Eine weitere Form redender Wappen sind Initialwappen. Hierbei werden die Initialen des Namens als heraldische Elemente verwendet. Auch Initialwappen können als redend angesehen werden, wenn die Initialen direkt auf den Namen verweisen. Die Beispiele hierfür sind vielfältig und stammen aus verschiedenen Regionen Europas, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum und den slawischen Ländern.

Einige Beispiele für redende Wappen, die oft auch Initialwappen sind:

  • Hradec Králové (deutsch Königgrätz) in Tschechien: Ein „G“ im Wappen (für „Grätz“).
  • Jevíčko (deutsch Gewitsch) in Tschechien: Ebenfalls ein „G“ im Wappen (für „Gewitsch“).
  • Kielce in Polen: Ein „CK“ für „Civitas Kielce“ im Wappen.
  • Kraslice in Tschechien: Ein wappenfüllendes „G“, das bis 1945 für den deutschen Namen Graslitz stand.
  • Lidice (deutsch Liditz) in Tschechien: Ein „L“ im Wappen (für „Liditz“).
  • Moravská Třebová (deutsch Mährisch-Trübau) in Tschechien: Ein „T“ im Wappen (für „Trübau“).
  • Olomouc (deutsch Olmütz) in Tschechien: Das Kürzel „SPQO“ für „Senatus Populusque Olomucensis“ im Wappen.
  • Radom in Polen: Ein „R“ unter einer Krone im Wappen.
  • Rudolfov (deutsch Rudolfstadt) in Tschechien: Ein „R“ im Wappen (für „Rudolfstadt“).
  • Wrocław (deutsch Breslau) in Polen: Ein „W“ im Wappen (für „Wrocław/Breslau“).
  • Zittau in Sachsen: Ein silbernes „Z“ in der Wappenmitte.
  • Znojmo (deutsch Znaim) in Tschechien: Ein „Z“ im Wappen (für „Znaim“).

Diese Beispiele zeigen die Kreativität und den spielerischen Umgang mit Namen in der Heraldik. Redende Wappen sind nicht nur interessante historische Zeugnisse, sondern auch ein Beweis für die enge Verbindung zwischen Sprache, Bild und Identität.

Fazit

Die Wappenlandschaft Deutschlands ist vielfältig und faszinierend. Die Beispiele Mecklenburg-Vorpommerns, Berlins und die Betrachtung der redenden Wappen zeigen, wie Wappen Geschichte erzählen, Identität stiften und kulturelle Traditionen bewahren. Ob Stier und Greif, der Berliner Bär oder clevere Wortspiele in redenden Wappen – jedes Wappen ist ein einzigartiges Zeugnis seiner Zeit und ein Fenster in die Vergangenheit.

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