Wie sehen Bäume im Herbst aus?

Laub noch im November an den Bäumen? Ursachen & Beobachtungen

28/12/2024

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Es ist ein bekanntes Phänomen im Herbst: Die Blätter der Bäume verfärben sich in leuchtenden Farben und fallen schließlich zu Boden. Doch in manchen Jahren scheint dieser Prozess etwas länger zu dauern. So auch in diesem Jahr, wo wir uns mitten im November befinden und viele Bäume immer noch ihr buntes Blätterkleid tragen. Eine alte Bauernregel besagt: „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein.“ Aber steckt da mehr dahinter als nur eine volkstümliche Weisheit?

Inhaltsverzeichnis

Verzögerter Laubfall: Ein Blick auf das aktuelle Wetter

Tatsächlich beobachten Experten, dass sich der Laubfall bei einigen Baumarten in diesem Jahr etwas verzögert. Michael Brantner vom Grünflächenamt der Stadt Überlingen bestätigt diesen Eindruck. Aber warum ist das so? Die Antwort liegt im Zusammenspiel verschiedener Faktoren, insbesondere dem Wetter und dem Klima.

Ist im November noch Laub an den Bäumen?
Eine alte Bauernregel besagt: Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein. Eine Bauernregel, die in diesem Jahr interessant sein könnte: Denn das Laub hängt noch an den Bäumen, mitten im November, und zwar in den schönsten Gelb-, Rot- und Brauntönen.7. Nov. 2018

Der Prozess der Laubverfärbung und des Laubfalls wird primär durch zwei natürliche Signale ausgelöst: die abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen. Kürzere Tage bedeuten weniger Sonnenlicht, was die Produktion von Chlorophyll in den Blättern reduziert. Gleichzeitig führen kältere Nächte dazu, dass die Bäume beginnen, Nährstoffe aus den Blättern in den Stamm und die Wurzeln zurückzuziehen. Dieser Abbau des Chlorophylls und die Rückgewinnung der Nährstoffe führen zu den bunten Herbstfarben – Gelb-, Rot- und Brauntöne werden sichtbar, bevor das Blatt schließlich abgeworfen wird.

In diesem Jahr gab es zwar bereits einige kühlere Nächte, aber eben nicht in der Regelmäßigkeit und zeitlichen Dichte, wie es in anderen Jahren üblich war. Milde Temperaturen im Herbst können den Laubfallprozess verlangsamen. Es fehlt sozusagen der entscheidende „Kältereiz“, der den Bäumen signalisiert, dass es Zeit ist, sich winterfest zu machen.

Regen und Frost als Auslöser für den Laubfall

Rolf Gihr, Inhaber der Baumschule Linzgau in Owingen, ergänzt, dass nicht nur Frost, sondern auch stärkere Niederschläge eine wichtige Rolle spielen, um die Blätter von den Bäumen zu lösen. Die Bäume sind quasi schon in den Startlöchern für den Laubfall. Die sogenannte Korkschicht, eine Sollbruchstelle zwischen Blatt und Ast, hat sich bereits gebildet. Diese Schicht entsteht, sobald die Tage kürzer und die Temperaturen sinken. Sie trennt das Blatt vom Baum, sodass es bei äußeren Einflüssen wie Wind oder Regen leicht abfallen kann.

Ein kräftiger Regenschauer oder der erste Frost können dann den „Startschuss“ für den finalen Laubfall geben und innerhalb kurzer Zeit eine große Menge an Blättern von den Bäumen befreien. Bis dahin können wir uns aber noch an dem farbenprächtigen Herbstlaub erfreuen.

Der phänologische Kalender: Die Natur gibt den Takt vor

Der Zeitpunkt der Laubfärbung und des Laubfalls markiert im phänologischen Kalender den Übergang vom Vollherbst zum Spätherbst. Im Gegensatz zum meteorologischen Kalender, der sich nach festen Monatsgrenzen richtet, orientiert sich der phänologische Kalender an den Entwicklungsstadien der Natur. Diese sind natürlich stark wetterabhängig und können von Jahr zu Jahr variieren.

Rolf Gihr betont: „Wann sich die Blätter färben und wann sie von den Bäumen fallen, das ist jedes Jahr wetter- und temperaturabhängig.“ Deshalb kann es durchaus sein, dass sich der Herbst in manchen Jahren länger anfühlt, weil bestimmte phänologische Phasen später eintreten.

Früher Laubfall durch Sommerhitze und Trockenheit

Interessanterweise gab es in diesem Jahr auch das gegenteilige Phänomen: Durch den extrem trockenen Sommer kam es bei einigen Bäumen bereits im August zu einem vorzeitigen Blattfall. Dies war jedoch keine „normale“ Herbstlaubverfärbung, sondern eine Schutzreaktion der Bäume auf den Wassermangel. Besonders junge Stadtlinden und Bäume an Standorten mit schlechter Wasserversorgung waren betroffen.

In der Not werfen die Bäume einen Teil ihrer Blätter ab, um die Verdunstungsfläche zu reduzieren und somit Wasser zu sparen. „Lieber geben sie die Hälfte der Blätter freiwillig her, als dass sie alle verlieren“, erklärt Rolf Gihr. Dieser wasserstressbedingte Blattfall ist ein deutliches Zeichen für die Auswirkungen der Trockenheit auf unsere Bäume.

Langfristige Folgen der Trockenheit

Die Trockenheit hat nicht nur zu vorzeitigem Blattfall geführt, sondern auch andere, langfristigere Folgen für die Bäume. Insbesondere Fichten sind stark vom Borkenkäfer befallen worden. Der Borkenkäfer befällt vor allem geschwächte Bäume. Die Trockenheit schwächt die Bäume und macht sie anfälliger für Schädlinge und Krankheiten. Die Auswirkungen der Trockenheit werden daher auch im kommenden Jahr noch spürbar sein.

Sollte es erneut zu einem solch trockenen Sommer kommen, könnten die Folgen für den Baumbestand noch drastischer ausfallen. Die Trockenheit ist also nicht nur ein kurzfristiges Problem, sondern hat langfristige Konsequenzen für unsere Wälder und Bäume in Städten und Gemeinden.

Fazit: Die bunte Pracht genießen, solange sie währt

Dass die Blätter im November noch an den Bäumen hängen, ist also kein Grund zur Beunruhigung, sondern eher ein Zeichen des milden Herbstwetters. Es zeigt, wie stark die Natur auf die aktuellen Witterungsbedingungen reagiert und wie flexibel sich phänologische Prozesse anpassen können.

Nutzen wir die Gelegenheit und genießen die bunte Pracht des Herbstlaubs, solange sie noch da ist. Denn sobald ein kräftiger Niederschlag oder der erste Frost kommt, wird sich das Bild schnell ändern und die Bäume werden sich in ihrer winterlichen Kahlheit präsentieren.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zum Laubfall

FrageAntwort
Warum verfärben sich die Blätter im Herbst?Die abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen führen zum Abbau von Chlorophyll in den Blättern. Dadurch werden andere Farbpigmente (Gelb, Rot, Orange) sichtbar.
Was beeinflusst den Zeitpunkt des Laubfalls?Hauptsächlich das Wetter. Milde Temperaturen und wenig Niederschlag verzögern den Laubfall, während Frost und Regen ihn beschleunigen.
Ist es normal, dass im November noch Laub an den Bäumen hängt?Ja, das ist nicht ungewöhnlich und hängt vom jeweiligen Wetter im Herbst ab. In milden Herbstjahren kann sich der Laubfall verzögern.
Was bedeutet die Bauernregel „Hängt das Laub bis November hinein, wird der Winter lange sein“?Es handelt sich um eine volkstümliche Weisheit ohne wissenschaftliche Grundlage. Sie basiert auf Beobachtungen und Erfahrungen aus der Landwirtschaft.
Was sind die Folgen der Trockenheit für Bäume?Trockenheit kann zu Wassermangel, vorzeitigem Blattfall, Schwächung der Bäume und erhöhter Anfälligkeit für Schädlinge (z.B. Borkenkäfer) und Krankheiten führen.

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