16/07/2024
Seit Jahrtausenden beschäftigt die Menschheit die Frage, ob der Zeitpunkt des Holzfällens die Qualität des Holzes beeinflusst. Eine weit verbreitete Annahme besagt, dass Holz, das bei abnehmendem Mond oder Neumond geschlagen wird, besonders haltbar und widerstandsfähig sein soll. Doch was ist dran an diesem alten Wissen? Und warum ranken sich so viele Mythen um das sogenannte Vollmondholz?
Die Tradition des Mondholzes
Bäume können ein beeindruckendes Alter erreichen und ihr Holz ist erstaunlich langlebig. Denken wir nur an die beeindruckenden asiatischen Holztempel, die seit Jahrhunderten, ja fast zwei Jahrtausenden, Wind und Wetter trotzen. Diese Bauwerke, oft von buddhistischen Mönchen aus mächtigen Baumstämmen errichtet, zeugen von den unglaublichen Potenzialen, die in Holz verborgen liegen.

Ein roter Faden, der sich durch die Geschichte der Mensch-Baum-Beziehung zieht, ist die Beachtung der Saftruhe und die Holzernte bei abnehmendem Mond. Schon antike Gelehrte wie Julius Cäsar, Plinius der Ältere und Theophrast berichteten, dass Bauholz idealerweise bei abnehmendem Mond geschlagen werden sollte. Auch im Mittelalter und der Renaissance war dieses Wissen um die geeigneten Fällzeitpunkte präsent. Die Konstanz dieser Überlieferungen verleiht dem Thema natürlich Gewicht, auch wenn ein wissenschaftlicher Beweis lange Zeit ausstand.
Was macht Holz dauerhaft?
Doch was macht Holz zu einem Material, das Jahrtausende überdauern kann? Für eine besonders hohe Dauerhaftigkeit von Holz sind im Wesentlichen drei Faktoren verantwortlich:
- Die Auswahl richtig gewachsener Bäume
- Die Holzernte zum richtigen Zeitpunkt
- Die richtige Lagerung, Trocknung und Verarbeitung des Holzes
Im Folgenden wollen wir uns genauer mit dem zweiten Punkt, dem Zeitpunkt der Holzernte, und insbesondere mit dem Einfluss des Mondes auseinandersetzen.
Die Mondholz-Studie der ETH Zürich
Um die Jahrtausendwende widmete sich ein Forschungsteam an der renommierten ETH Zürich unter der Leitung von Prof. Ernst Zürcher der Aufgabe, einen wissenschaftlichen Nachweis für den Einfluss des Mondes auf die Holzqualität zu finden. Zunächst untersuchte das Team die Zusammenhänge zwischen Zeitrhythmen und Pflanzen im Allgemeinen.
Dabei machten sie interessante Beobachtungen. So stellten sie fest, dass das Quellverhalten von Bohnen in Wasser nicht konstant ist, sondern mit dem Mondrhythmus variiert. Bei zunehmendem Mond nahmen die Bohnen mehr Wasser auf, während sie bei abnehmendem Mond in der gleichen Zeit deutlich weniger „tranken“. Auch die Keimung von Samen verschiedener Baum- und Pflanzenarten wurde in Abhängigkeit von den Mondphasen untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass Keimgeschwindigkeit, Keimraten, mittlere Höhe und die Höhe der Pflanzen nach vier Monaten tatsächlich mit der Mondphase zusammenhängen.
Eine weitere Untersuchung ergab, dass Bäume im Rhythmus der mondgesteuerten Gezeiten „pulsieren“. Bei zunehmendem Mond dehnen sich die Stämme leicht aus, bei abnehmendem Mond ziehen sie sich wieder zusammen. Dieser Durchmesserwechsel im Rhythmus von Ebbe und Flut ist zwar minimal (nur wenige Hundertstel Millimeter), aber messbar.
Der Bewitterungstest
Für den Nachweis des Mondholzeffekts waren jedoch die direkten Bewitterungsversuche an Holzproben entscheidend, die im Rahmen der ETH-Studie durchgeführt wurden. Prof. Zürcher untersuchte die Gültigkeit alter Baumfällregeln unter realen Bewitterungsbedingungen, bei denen eine Vielzahl von Pilzsporen gleichzeitig auf das Holz einwirkten. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Mondholz, also Holz, das nach traditionellen Regeln bei abnehmendem Mond geschlagen wurde, erwies sich als dauerhafter und verwitterungsresistenter im Vergleich zu konventionell geschlagenem Holz.
Zudem konnte Prof. Zürcher einen wichtigen Teil des Wirkungsmechanismus aufklären. Er entdeckte, dass Wasser im Holz anders ist als freies Wasser. Die Verbindung zwischen Wasser und Holzzellen sowie die Bewegung der Flüssigkeit in den feinen Kapillarröhren unterliegen komplexen physikalischen Einflüssen. In den feinsten Kapillarröhren kann Wasser sogar einen gelartigen Zustand annehmen und bis zu -15°C flüssig bleiben. Dies könnte ein Faktor für die erhöhte Widerstandsfähigkeit von Mondholz sein.
Was bedeutet „Mondholz“ konkret?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Mondholz Holz ist, das zu einem bestimmten Zeitpunkt im Mondzyklus, idealerweise bei abnehmendem Mond oder Neumond, und während der Saftruhe im Winter geschlagen wird. Die traditionelle Lehre besagt, dass in dieser Zeit weniger Wasser im Baum vorhanden ist und das Holz daher widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Pilzbefall sein soll.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen der ETH Zürich stützen diese Annahme und liefern erste Erklärungsansätze für die erhöhte Dauerhaftigkeit von Mondholz. Es scheint also mehr als nur ein Mythos hinter dem Begriff „Mondholz“ zu stecken.
Vollmond und Rituale: Die magische Anziehungskraft des Mondes
Obwohl die traditionelle Holzernte eher den abnehmenden Mondphasen zugewandt ist, fasziniert der Vollmond die Menschen seit jeher mit seinem mystischen Licht. Der Vollmond, der etwa alle 29,5 Tage auftritt, wird oft mit Emotionen, Intuition und dem Unterbewusstsein in Verbindung gebracht. Viele Kulturen und auch in modernen Gesellschaften gibt es Rituale und Bräuche, die sich um den Vollmond ranken.
Der Vollmond steht symbolisch für Fülle und Vollendung, aber auch für Offenbarung und das Sichtbarwerden von Schattenseiten. Es wird angenommen, dass die Energie des Vollmondes besonders kraftvoll ist und genutzt werden kann, um Altes loszulassen, sich von negativen Gedanken und Gewohnheiten zu befreien und neue Projekte zu manifestieren.
Vollmond-Rituale im Überblick
Einige beliebte Vollmond-Rituale sind:
- Herstellung von Mondwasser: Wasser, das im Vollmondlicht aufgeladen wird, soll besondere Kräfte besitzen und für verschiedene Zwecke genutzt werden können, z.B. zur Reinigung, Energetisierung oder für Schönheitsrituale.
- Kräutersammeln: Vor allem in der Mittagsstunde vor Vollmond sollen Kräuter und Früchte besonders kraftvolle Lebenssäfte enthalten und eignen sich gut zum Sammeln für den Eigenbedarf.
- Räuchern: Durch das Räuchern mit bestimmten Kräutern und Harzen kann die Wirkung von Vollmond-Ritualen verstärkt werden. Bestimmte Räucherstoffe werden mit Liebe, Schutz, Heilung, Glück und Visionen assoziiert.
- Anpflanzen im Vollmondlicht: Kurz vor Vollmond gepflanzte Heilkräuter sollen eine besondere Kraft entwickeln.
- Reinigung von Ritualgegenständen und Heilsteinen: In der Vollmondnacht können magische Utensilien und Heilsteine mit der Kraft des Vollmondes aufgeladen und gereinigt werden.
Warum übt der Vollmond eine so starke Faszination aus?
Die Faszination des Vollmondes mag auch mit der besonderen Wahrnehmung unseres Auges zusammenhängen. Bei schwachem Licht, wie in einer Vollmondnacht, sind vor allem die lichtempfindlichen Stäbchen in unserer Netzhaut aktiv, die jedoch keine Farben sehen können. Unser Gehirn interpretiert die Graustufeninformationen der Stäbchen dann in einer Weise, die das Vollmondlicht mystisch und ungewöhnlich erscheinen lässt.
Auch die Wetterfühligkeit, die manche Menschen bei Vollmond verspüren, könnte eine Rolle spielen. Es wird vermutet, dass der Vollmond mit Luftdruckschwankungen und Wetterumschwüngen zusammenhängt, die wiederum körperliche und seelische Befindlichkeitsstörungen auslösen können.
Fazit: Mondholz – Mythos und moderne Erkenntnisse
Die Frage, ob man Holz bei Vollmond schlagen sollte, führt uns in ein spannendes Feld zwischen traditionellem Wissen, wissenschaftlicher Forschung und mystischer Faszination. Während die traditionelle Lehre und erste wissenschaftliche Studien die Vorteile von Holz, das bei abnehmendem Mond geschlagen wurde, bestätigen, richtet sich die Magie des Vollmondes eher auf Rituale und spirituelle Praktiken.
Es scheint, dass der Mythos des Mondholzes auf realen Beobachtungen und Zusammenhängen beruht, die in der modernen Wissenschaft erst langsam entschlüsselt werden. Ob Vollmond oder abnehmender Mond – die Auseinandersetzung mit den Rhythmen der Natur und den Geheimnissen des Holzes bleibt weiterhin faszinierend.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Mondholz
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Ist Holz, das bei Vollmond geschlagen wird, besser? | Nein, traditionell und laut ersten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist Holz, das bei abnehmendem Mond oder Neumond und während der Saftruhe geschlagen wird, haltbarer und widerstandsfähiger. |
| Was ist Mondholz? | Mondholz ist Holz, das nach traditionellen Regeln zu bestimmten Mondphasen (abnehmender Mond/Neumond) und Jahreszeiten (Saftruhe) geschlagen wird, um eine höhere Qualität und Dauerhaftigkeit zu erzielen. |
| Wann ist der beste Zeitpunkt, um Holz zu schlagen? | Der beste Zeitpunkt zum Holzschlagen ist während der Saftruhe im Winter und bei abnehmendem Mond oder Neumond. |
| Gibt es wissenschaftliche Beweise für die Wirkung von Mondholz? | Ja, die ETH Zürich hat in einer Studie erste wissenschaftliche Beweise für die erhöhte Dauerhaftigkeit von Mondholz erbracht. |
