21/11/2024
Wer kennt sie nicht, die treue Begleiterin für unterwegs: die Thermoskanne. Ob für den dampfenden Kaffee am Morgen oder den erfrischenden Eistee im Sommer – sie hält Getränke zuverlässig warm oder kalt. Doch haben Sie sich jemals gefragt, woher dieser praktische Alltagsgegenstand eigentlich stammt und wer ihn erfunden hat? Die Geschichte der Thermoskanne ist eng mit Berlin verbunden und erzählt von einer genialen Idee, die die Welt eroberte.

Die Erfindung der Isolierkanne in Berlin
Die Wurzeln der Thermoskanne liegen in der deutschen Hauptstadt. Genauer gesagt, in Berlin-Mitte. Hier meldete im Jahr 1903 der Glasinstrumentenbauer Reinhold Burger das Patent für die alltagstaugliche Isolierflasche an. Damit gilt er als der rechtmäßige Erfinder der Thermoskanne. Den Namen „Thermos“ ließ Burger ebenfalls als Markenzeichen schützen. Bereits zwei Jahre später, im Jahr 1905, begann die Produktion der Thermosflasche.
Reinhold Burger war ursprünglich ein Handwerker aus Brandenburg, der nach Reisen in die USA im Jahr 1894 in Berlin seine eigene Firma gründete. Aus diesem Unternehmen sollte später die weltbekannte Marke Thermos hervorgehen. Der erste Firmensitz befand sich in der Novalisstraße 6, später zog das Unternehmen in die Chausseestraße 8 um. An dieser Adresse wurde 1906 die „Thermos GmbH“ gegründet, die sich fortan um die Produktion und Vermarktung der Isolierflaschen kümmerte. Die doppelwandige Konstruktion der Thermosflasche, die auf dem Prinzip des Vakuums basiert, erwies sich als revolutionär und wurde schnell zu einem internationalen Erfolg.
Thermos erobert die Welt
Der Erfolg der Thermosflasche war nicht nur der genialen Erfindung selbst zu verdanken, sondern auch dem Zeitgeist des frühen 20. Jahrhunderts. Die zunehmende Mobilität der Menschen spielte eine entscheidende Rolle. Reisen wurden populärer, und die Nachfrage nach praktischen Lösungen für unterwegs stieg. Hinzu kam eine wachsende Weltoffenheit und eine für damalige Verhältnisse erstaunliche Reisefreiheit. Produktmarketing und Werbung begannen sich zu entwickeln, und Fachmessen und -kongresse boten Plattformen für die Präsentation neuer Produkte.

Die Thermosflasche feierte ihre Premiere auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis und wurde dort mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Das internationale Interesse war enorm und ebnete den Weg für den weltweiten Absatz der Isoliergefäße von Thermos. Reinhold Burger erkannte jedoch, dass er die internationale Vermarktung seiner Erfindung nicht alleine bewältigen konnte. Er vergab Lizenzen und Verkaufsrechte, und in verschiedenen Ländern entstanden Tochtergesellschaften. So wurde beispielsweise 1907 in den USA die „American Thermos-Bottle Co.“ gegründet. In den Anfangsjahren wurden die in Berlin produzierten Thermos-Trinkflaschen noch in diese Länder exportiert, bevor ab 1910 die Produktion auch in England und den USA anlief.
Thermos heute
Heute hat die „Thermos LLC“ ihren Hauptsitz in Illinois, USA. In Deutschland wird die Marke durch die alfi GmbH mit Sitz in Wertheim vertreten, die seit 2014 Teil des amerikanischen Unternehmens ist. Der Markenname Thermos hat alle Veränderungen überdauert und ist längst zu einem Gattungsbegriff für Isolierkannen geworden. Spätestens in den 1950er Jahren etablierte sich „Thermoskanne“ als Synonym für jede Isolierkanne, unabhängig vom Hersteller. So ist die Marke Thermos heute weltweit bekannt und ein fester Bestandteil unseres Alltags.
Isoliergefäße sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Sie begleiten uns zu jeder Jahreszeit, im Sommer wie im Winter. Denn eine Thermosflasche hält nicht nur Heißgetränke stundenlang warm, sondern auch Kaltgetränke angenehm kühl. Ob beim Eislaufen im Winter, beim Ausflug an den See im Sommer oder einfach für die Kaffeepause im Büro – die Thermosflasche ist ein praktischer und vielseitiger Begleiter. Sie ist ebenso nützlich im australischen Outback wie beim Warten auf die Transsibirische Eisenbahn oder beim nächsten Mikroabenteuer.

Vorläufer der Thermoskanne
Obwohl Reinhold Burger als Erfinder der Thermosflasche gilt, gab es bereits Vorläufer seiner Erfindung. Das grundlegende Prinzip der Vakuumisolierung geht auf den sächsischen Physiker Adolf Ferdinand Weinhold zurück, der bereits 1881 die Idee einer Vakuum-Mantelflasche beschrieb. Der britische Forscher James Dewar entwickelte 1893 ein Vakuumgefäß aus Glas, das nach ihm benannte Dewar-Gefäß. Dewar soll bereits seit 1874 doppelwandige Metallgefäße verwendet haben. Burgers Leistung bestand darin, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in eine alltagstaugliche und industriell produzierbare Form zu überführen und damit die Thermoskanne für die breite Masse zugänglich zu machen.
Thermos im Alltag und in der Werbung
Die Thermosflasche wurde schnell zu einem beliebten Gebrauchsgegenstand und fand in vielen Bereichen Anwendung. Ein interessantes Beispiel für den frühen Einsatz der Thermosflasche und gleichzeitig eine clevere Werbeaktion war die Ausstattung von Autos beim Autorennen New York–Paris im Jahr 1908. Sechs Teams fuhren von New York über 20.000 Meilen westwärts um die Wette bis nach Paris. Thermos stattete jedes der Autos mit mehreren Trinkflaschen aus – eine gelungene Marketingstrategie, die die Robustheit und Alltagstauglichkeit der Thermosflasche unter Beweis stellte.
Reinhold Burger in Berlin-Pankow
Reinhold Burger lebte und arbeitete bis zu seinem Tod in Berlin. Seine letzten Jahre verbrachte er in Berlin-Pankow, wo er 1954 starb. Am Haus Wilhelm-Kuhr-Straße 3 erinnert heute eine Gedenktafel an den Erfinder der Thermoskanne. Sein Familiengrab befindet sich unweit davon auf dem Friedhof am Bürgerpark. Eine Stele mit einem QR-Code führt dort zur Familien-Website, die weitere Informationen über Reinhold Burger und seine Familie bereithält. So bleibt das Andenken an diesen bedeutenden Berliner Erfinder und seine weltverändernde Erfindung lebendig.
