04/10/2024
Wer kennt sie nicht, die flinken, kleinen Akrobaten mit dem buschigen Schwanz, die scheinbar mühelos von Baum zu Baum springen? Die Rede ist von Eichhörnchen, den beliebten Waldbewohnern, die uns mit ihren waghalsigen Sprüngen und ihrem putzigen Aussehen immer wieder begeistern. In diesem Artikel tauchen wir ein in die Welt dieser faszinierenden Tiere, beleuchten ihr Leben, ihre Gewohnheiten und geben wertvolle Tipps, wie wir ihnen helfen können.

- Gesetzlicher Schutz der Eichhörnchen in Deutschland
- Lebensweise und Verhalten: Einzelgänger mit Familiensinn
- Bedrohungen und Gefahren für Eichhörnchen
- Fortpflanzung und Aufzucht der kleinen Kletterkünstler
- Fütterung und Hilfe für Eichhörnchen: Was ist erlaubt und sinnvoll?
- Was tun, wenn man ein hilfloses Eichhörnchen findet?
- Eichhörnchenbrücken: Lebensretter über vielbefahrenen Straßen
- Der vielseitige Eichhörnchenschwanz
- Eichhörnchen im Winter: Keine Winterruhe, sondern Vorratswirtschaft
- Die vielfältige Nahrung der Eichhörnchen
- Altbaumbestände: Lebensgrundlage für Eichhörnchen
- Verwechslungsgefahr: Europäisches Eichhörnchen vs. Amerikanisches Grauhörnchen
- Nutzung von Eichhörnchen in der Industrie
- Fazit: Eichhörnchen – Faszinierende Waldbewohner
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Eichhörnchen
Gesetzlicher Schutz der Eichhörnchen in Deutschland
In Deutschland genießen Eichhörnchen einen besonderen Schutzstatus. Sie gehören zu den geschützten Wildtieren und dürfen laut Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 und 45) weder verletzt, gejagt noch getötet werden. Es ist sogar verboten, Eichhörnchen aus ihrer natürlichen Umgebung zu entfernen. Eine Ausnahme besteht lediglich, wenn ein Tier hilfsbedürftig ist. In diesem Fall dürfen sie vorübergehend aufgenommen werden, bis sie wieder selbstständig in der Natur zurechtkommen. Dieser Schutz gilt übrigens auch für Igel, was die Bedeutung des Naturschutzes für unsere heimische Tierwelt unterstreicht.

Lebensweise und Verhalten: Einzelgänger mit Familiensinn
Eichhörnchen sind im Grunde ihres Herzens Einzelgänger. Sie suchen lediglich zur Paarungszeit die Gesellschaft von Artgenossen. Dennoch sind sie oft in der Nähe von Menschen anzutreffen, da sie zu den sogenannten „Kulturfolgern“ zählen. Das bedeutet, dass sie sich an menschliche Lebensräume anpassen und diese sogar nutzen, beispielsweise in Parks oder Gärten. Trotz ihrer Nähe zum Menschen bleiben sie Wildtiere und sind perfekt an das Leben in den Bäumen angepasst. Ihre akrobatischen Fähigkeiten sind beeindruckend: Sie klettern geschickt Baumstämme hinauf und springen mit Leichtigkeit über Distanzen von bis zu fünf Metern von Baumkrone zu Baumkrone.
Bedrohungen und Gefahren für Eichhörnchen
Obwohl Eichhörnchen geschützt sind, sind sie in ihrem Lebensraum vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Raubvögel wie Bussarde und Falken, sowie Baummarder. Doch die größte Gefahr geht vom Menschen aus. Die Abholzung von Wäldern und der Verlust von Grünflächen in Städten schränkt ihren Lebensraum massiv ein. Wenn Bäume durch Rodungen zu weit auseinanderstehen, können junge Eichhörnchen bei ihren Sprungversuchen verunglücken. Auch die Zerstörung ihrer Kobel (Nester) und das Fällen von Bäumen, insbesondere während der Aufzuchtzeit, stellen eine große Gefahr dar.
Fortpflanzung und Aufzucht der kleinen Kletterkünstler
Die ersten Eichhörnchen-Babys kommen bereits im Januar zur Welt. Dies macht sie besonders anfällig für winterliche Baumfällarbeiten. Nach einer Tragezeit von etwa vier Wochen werden die Jungen nackt und blind geboren. Sie verbringen die ersten zwei Monate ihres Lebens im Nest, versorgt von ihrer Mutter. Erst dann verlassen sie zum ersten Mal den Kobel. Auch danach bleiben sie noch etwa zwei weitere Monate im Familienverbund, bevor sie selbstständig werden. Die Geschlechtsreife erreichen Eichhörnchen mit etwa zwölf Monaten. Leider überlebt nur ein geringer Teil der Jungtiere das erste Lebensjahr – Schätzungen zufolge sind es lediglich 25 bis 50 Prozent.
Fütterung und Hilfe für Eichhörnchen: Was ist erlaubt und sinnvoll?
Gerade während der Aufzuchtzeit und in den kalten Wintermonaten kann man Eichhörnchen zusätzlich unterstützen. Geeignete Nahrungsmittel sind Walnüsse und Haselnüsse, Sonnenblumenkerne, Äpfel und Bucheckern. Im Winter sind Maronen (ohne Schimmel!) eine besondere Leckerei. Wichtig ist auch die Versorgung mit frischem Wasser, besonders im Winter, wenn natürliche Wasserquellen gefroren sind. Bitte beachten Sie, dass Regentonnen und andere tiefe Wasserbehälter abgedeckt oder mit einer „Rettungsleiter“ versehen werden sollten, damit Eichhörnchen, die hineinfallen, wieder herausklettern können.
Was tun, wenn man ein hilfloses Eichhörnchen findet?
Wenn Sie ein heruntergefallenes Nest mit jungen Eichhörnchen entdecken, prüfen Sie zunächst, ob die Tiere verletzt sind. Sie können die Jungtiere anfassen – die Mutter nimmt sie trotzdem wieder an. Verletzte oder stark unterkühlte Tiere werden jedoch von der Mutter oft nicht mehr angenommen. Unverletzte Jungtiere sollten Sie zurück ins Nest legen. Ist das Nest zerstört, können Sie aus einem Handtuch ein provisorisches Nest formen. Legen Sie eine Wärmflasche unter das Nest, um die Kleinen warm zu halten. Beobachten Sie das Nest aus der Distanz, um zu sehen, ob die Mutter zurückkehrt. Dies kann einige Stunden dauern. Achten Sie auch darauf, Nesträuber wie Krähen, Elstern, Katzen oder Hunde fernzuhalten.
Bei einem verletzten Eichhörnchen legen Sie es am besten in einen Karton oder Korb, der mit einem weichen Handtuch ausgelegt ist. Für Wärme sorgen eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen unter dem Behältnis. Vorsicht: Verwenden Sie niemals Rotlicht! Halten Sie Lärm und Aufregung fern. Oftmals benötigen die Tiere Flüssigkeit. Wenn kein Tierarzt oder eine Eichhörnchenhilfe erreichbar ist, können Sie dem Tier vorsichtig mit einer Pipette eine Mischung aus abgekochtem Wasser oder Fencheltee (abgekühlt) mit etwas Traubenzucker oder Honig und einer Prise Salz einflößen. Legen Sie das Eichhörnchen dabei auf den Bauch, um zu verhindern, dass Flüssigkeit in die Lunge gelangt. Wiederholen Sie dies alle 30 bis 60 Minuten. Bei sehr jungen Tieren müssen Sie zudem die Urinierung stimulieren, indem Sie sanft über das Geschlechtsteil streichen. Kontaktieren Sie so schnell wie möglich ein Tierheim, einen Tierarzt oder eine Eichhörnchenhilfe.
Eichhörnchenbrücken: Lebensretter über vielbefahrenen Straßen
Unser Straßenverkehr stellt eine große Gefahr für Eichhörnchen dar. Besonders während der Paarungszeit oder bei der Nahrungssuche überqueren sie häufig Straßen. Um die Tiere zu schützen, wurden in einigen Städten sogenannte „Eichhörnchenbrücken“ errichtet. Dabei handelt es sich um dicke Seile, die in mehreren Metern Höhe von Baum zu Baum über stark befahrene Straßen gespannt werden. Diese „Luftbrücken“ werden von den Eichhörnchen gut angenommen und haben schon vielen das Leben gerettet.
Der vielseitige Eichhörnchenschwanz
Der buschige Schwanz des Eichhörnchens ist nicht nur ein charakteristisches Merkmal, sondern erfüllt auch wichtige Funktionen. Er dient als Gleichgewichtsorgan beim Springen und Klettern, als Steuerruder und zur Kommunikation mit Artgenossen. Im Winter wird er sogar zur Decke, indem sich das Eichhörnchen darin einwickelt, um sich vor Kälte zu schützen.
Eichhörnchen im Winter: Keine Winterruhe, sondern Vorratswirtschaft
Anders als viele andere Wildtiere halten Eichhörnchen keinen Winterschlaf. Um die karge Jahreszeit zu überleben, legen sie im Sommer Vorräte an. Sie vergraben Nüsse und Samen, die sie im Winter wieder ausgraben. Nicht alle Vorräte werden wiedergefunden, und so tragen Eichhörnchen unbewusst zur Verbreitung von Baumsamen und zum Waldaufbau bei. Bei geschlossener Schneedecke oder gefrorenem Boden können sie jedoch ihre Vorräte nicht erreichen und sind auf menschliche Hilfe angewiesen.
Die vielfältige Nahrung der Eichhörnchen
Eichhörnchen sind Allesfresser. Ihre Hauptnahrung sind zwar Nüsse und Samen, wie Fichtensamen, Kiefernzapfensamen, Eicheln und Bucheckern, aber sie fressen auch Früchte, Beeren, Pilze, junge Triebe und Obst. Gelegentlich plündern sie sogar Vogelnester und fressen Eier und Jungvögel. Wer Eichhörnchen ganzjährig füttern möchte, kann ihnen Hasel- und Walnüsse, Sonnenblumenkerne, Karottenstückchen, ungezuckerten Zwieback, Apfelstücke, Weintrauben, Kiwi, Wassermelone (im Sommer) und frisches Wasser anbieten.
Altbaumbestände: Lebensgrundlage für Eichhörnchen
Bäume sind die wichtigste Nahrungsquelle für Eichhörnchen. Es dauert jedoch Jahrzehnte, bis Bäume die Blühreife und damit die Samen- oder Zapfenproduktion erreichen. Walnussbäume benötigen etwa 15 Jahre, Fichten 10 bis 40 Jahre, Kiefern 20 bis 40 Jahre, Buchen 40 bis 70 Jahre und Eichen sogar 50 bis 80 Jahre. Daher sind Altbaumbestände in unseren Misch- und Laubwäldern von großer Bedeutung für den Lebensraum der Eichhörnchen.
Verwechslungsgefahr: Europäisches Eichhörnchen vs. Amerikanisches Grauhörnchen
Weltweit gibt es etwa 260 Eichhörnchenarten. Oft werden unsere heimischen Eichhörnchen mit dem amerikanischen Grauhörnchen verwechselt. Europäische Eichhörnchen können verschiedene Farbvarianten aufweisen, von rotbraun über dunkelbraun bis hin zu orangerot. Der Bauch ist jedoch immer weiß. Die Fellfarbe ist genetisch bedingt und hängt vom Lebensraum ab. Grauhörnchen hingegen sind immer grau-ockerfarben mit weißem Bauch und hellen Ringen um die Augen. Sie haben keine Ohrpuschel und sind deutlich größer und plumper als unsere heimischen Eichhörnchen. Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sich das Grauhörnchen in Deutschland angesiedelt hat.
Nutzung von Eichhörnchen in der Industrie
Eichhörnchen werden nicht nur bewundert, sondern auch wirtschaftlich genutzt. Eichhörnchenhaare, insbesondere vom Schwanz, werden zur Herstellung von feinen Pinseln verwendet, vor allem für Rouge-, Puder- und Aquarellpinsel. Eichhörnchenfelle werden in der Pelzindustrie zu Kleinteilen wie Kragen- oder Handschuhbesatz verarbeitet. Die Bezeichnungen für Fell und Haare sind unter anderem Feh, Blacktail, Sobalsky und Telentka.
Fazit: Eichhörnchen – Faszinierende Waldbewohner
Eichhörnchen sind nicht nur putzige Waldbewohner, sondern auch faszinierende Tiere, die eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem spielen. Ihr akrobatisches Können, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Vorratswirtschaft machen sie zu Überlebenskünstlern. Indem wir ihren Lebensraum schützen, sie in Notlagen unterstützen und uns über ihre Bedürfnisse informieren, können wir dazu beitragen, dass wir uns auch in Zukunft an diesen kleinen Baumakrobaten erfreuen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Eichhörnchen
- Was fressen Eichhörnchen am liebsten?
- Eichhörnchen sind Allesfresser, bevorzugen aber Nüsse und Samen wie Walnüsse, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne, Eicheln und Bucheckern. Sie fressen aber auch Früchte, Beeren, Pilze und Insekten.
- Halten Eichhörnchen Winterschlaf?
- Nein, Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe. Sie werden bei Bedarf aktiv und leben von ihren angelegten Vorräten.
- Darf man Eichhörnchen füttern?
- Ja, man darf Eichhörnchen füttern, besonders im Winter oder in Notzeiten. Geeignet sind Nüsse, Sonnenblumenkerne, Obst und Gemüse. Vermeiden Sie gesalzene oder gewürzte Speisen und Brot.
- Was tun, wenn man ein verletztes Eichhörnchen findet?
- Verletzte Eichhörnchen sollten in einen Karton mit weichem Untergrund gelegt und warm gehalten werden. Kontaktieren Sie schnellstmöglich eine Tierrettung, ein Tierheim oder einen Tierarzt.
- Sind Eichhörnchen gefährlich?
- Eichhörnchen sind Wildtiere und können beißen, wenn sie sich bedroht fühlen. Im Normalfall sind sie jedoch nicht aggressiv und eher scheu. Es ist wichtig, Abstand zu halten und sie nicht zu bedrängen.
