29/09/2024
Für Bergsteiger und Outdoor-Enthusiasten, die sich in winterlichen oder hochalpinen Regionen bewegen, sind Steigeisen ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung. Sie ermöglichen sicheren Halt auf Schnee, Firn und Eis und sind damit essenziell für die Bewältigung anspruchsvoller Touren. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte, Bauweise, Verwendung und verschiedene Arten von Steigeisen, um Ihnen einen umfassenden Überblick zu geben und Ihnen bei der Auswahl der richtigen Ausrüstung zu helfen.

- Die Geschichte der Steigeisen
- Bauweise und Typen von Steigeisen
- Verwendung von Steigeisen
- Schuhbefestigungssysteme
- Grödel, Leichtsteigeisen und andere Varianten
- Wann brauche ich Steigeisen, Grödel oder Spikes?
- Welche Steigeisen für welches Gelände?
- Steigeisen und Bergschuhe: Kompatibilität
- Leichtsteigeisen: Gewichtsersparnis für spezielle Einsätze
- Verpackung und Pflege von Steigeisen
- Steigeisen schärfen
- FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Steigeisen
Die Geschichte der Steigeisen
Die Ursprünge der Steigeisen reichen weit zurück. Bereits im antiken Rom finden sich erste Hinweise auf eisähnliche Hilfsmittel. Es wird vermutet, dass Vorläufer der Steigeisen schon im 3. Jahrhundert n. Chr. von Spionen genutzt wurden, um sich in schwierigem Gelände fortzubewegen. Eine detailliertere Beschreibung findet sich im 16. Jahrhundert durch Josias Simler, der eiserne Dreizacker erwähnte, die unter Schuhe geschnallt wurden. Im Laufe der Zeit entwickelten sich diese weiter, zunächst zu vierzackigen Eisen für Holzarbeiter und Jäger, bis hin zu den vielzackigen Modellen, die im 19. Jahrhundert, mit der zunehmenden Erschließung der Alpen, immer populärer wurden.

Interessant ist die anfängliche Skepsis gegenüber Steigeisen in Bergsteigerkreisen. Während Tiroler Bergsteiger sie bereitwillig annahmen, betrachteten englische Alpinisten sie lange Zeit als „künstliche Hilfen“. Trotz dieser anfänglichen Kontroversen setzte sich die Steigeisentechnik schließlich durch, nicht zuletzt durch ihren Einsatz beim Militär. Oscar Eckenstein spielte eine entscheidende Rolle in der Weiterentwicklung, dessen Eckensteintechnik das Begehen von Firn- und Eisflanken bis zu 35° Neigung revolutionierte.
Bauweise und Typen von Steigeisen
Moderne Steigeisen bestehen in der Regel aus zwei Stahlgrundplatten, die beweglich miteinander verbunden sind. Für anspruchsvolle Eistouren gibt es auch starre Varianten, die besonders in Kombination mit steifen Bergstiefeln ihre Vorteile ausspielen. An diesen Platten sind scharfe, dreieckige Zacken angebracht, meist zwischen 7 und 12 Stück. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Zackentypen:
- Vertikalzacken: An den Längsseiten der Grundplatte angebracht, sorgen für Halt im flachen und mäßig steilen Gelände.
- Frontalzacken: An der Schuhspitze positioniert, ermöglichen den sicheren Aufstieg in steilem Eis und Firn. Manche Modelle verfügen auch nur über einen einzigen Frontalzacken.
Als Material kommt meist Stahl zum Einsatz, für gewichtsoptimierte Modelle auch Aluminiumlegierungen. Aluminiumsteigeisen sind leichter, aber weniger robust und daher eher für Schneetouren als für kombiniertes Gelände oder Blankeis geeignet. Vereinzelt findet man auch Steigeisen aus Titan, die leicht und sehr fest sind.
Um das Anstollen von Schnee zwischen den Zacken zu verhindern, sind moderne Steigeisen oft mit Antistollplatten aus Gummi oder Kunststoff ausgestattet. Für das Mixed-Klettern gibt es spezielle Steigeisen mit zusätzlichen Fersenspornen, die das Ausruhen in überhängendem Gelände erleichtern. Der Einsatz von Fersenspornen ist jedoch in der Kletterszene nicht unumstritten.

Verwendung von Steigeisen
Steigeisen ermöglichen eine sichere Fortbewegung in verschiedenen Schnee- und Eisbedingungen. Im flachen und mäßig steilen Gelände bieten die Vertikalzacken ausreichend Halt. In steilerem Gelände kommt die Frontalzackentechnik zum Einsatz, bei der Bergsteiger primär auf den Frontalzacken und den vordersten Vertikalzacken stehen. Ein Eispickel oder Eisgeräte bieten zusätzliche Sicherheit und Unterstützung.
Schuhbefestigungssysteme
Es gibt verschiedene Systeme, um Steigeisen an Bergschuhen zu befestigen:
- Riemenbindung: Die klassische Methode, bei der Nylon- oder Perlonriemen das Steigeisen über Dornenschnallen am Schuh fixieren. Geeignet für fast alle Bergstiefel, aber weniger komfortabel und zeitaufwändiger beim An- und Ausziehen.
- Hebelbindung: Setzt steigeisenfeste Schuhe mit Stegen an Vorder- und Hintersohle voraus. Ein Bügel vorne und ein Kipphebel hinten fixieren das Steigeisen schnell und sicher.
- Kombibindung: Vereint Elemente beider Systeme, z.B. Körbchenbindung vorne und Kipphebel hinten. Bietet Flexibilität und ist auch für Schuhe mit abgenutztem vorderen Sohlenrand geeignet.
Steigeisen mit Hebelbindung sind schneller anzulegen und zu entfernen, was besonders bei wechselndem Gelände praktisch ist. Riemenbindungen können die Blutzirkulation im Fuß beeinträchtigen.
Grödel, Leichtsteigeisen und andere Varianten
Neben den klassischen Steigeisen gibt es verschiedene spezialisierte Varianten:
- Grödel: Leichte Steigeisen mit 4-6 Diagonalzacken. Geeignet für Firnflecken und -rinnen, aber nicht für steiles Gelände.
- Leichtsteigeisen: Mit 6-8 Zacken, für kurze Gletscherquerungen und Firnfelder.
- Wiesmahdeisen: Historische Steigeisen für steile Wiesen und Flößerei.
- Maststeigeisen/Baumeisen: Für das Klettern an Masten oder Bäumen, mit einzelnen Dornen zum Eintreiben ins Holz. Achtung: Nicht verwechseln mit Bergsteiger-Steigeisen!
- Schuhspikes/Schuhketten: Für den winterlichen Alltag auf Eis und Schnee, aber nicht für alpines Gelände geeignet.
Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen diesen Varianten zu kennen, um die richtige Ausrüstung für den jeweiligen Einsatzbereich zu wählen.
Wann brauche ich Steigeisen, Grödel oder Spikes?
Die Wahl zwischen Steigeisen, Grödeln und Spikes hängt vom Gelände und den Bedingungen ab:
Spikes eignen sich für den winterlichen Alltag, vereiste Wege und festgetretenen Schnee. Ihre kurzen Zacken bieten Halt auf ebenem Untergrund, sind aber in weichem Schnee oder steilem Gelände ungeeignet.

Grödel sind ideal für flache Firnfelder und leichte Wanderungen im Frühjahr. Ihre längeren Zacken bieten besseren Halt als Spikes, aber ohne Frontalzacken sind sie für steile Hänge nicht geeignet.
Steigeisen sind unverzichtbar für Gletscher, Hochtouren und eisdurchsetztes Gelände. Ihre 10-12 langen Zacken, inklusive Frontalzacken, bieten maximalen Halt in anspruchsvollem Terrain. Das Gehen mit Steigeisen erfordert jedoch Übung und Technik.
| Merkmal | Spikes | Grödel | Steigeisen |
|---|---|---|---|
| Zacken | Kurze Spitzen/Nägel | 4-6 längere Zacken | 10-12 lange Zacken |
| Frontalzacken | Nein | Nein | Ja |
| Gelände | Ebene, vereiste Wege, festgetretener Schnee | Flache Firnfelder, leichte Wanderungen | Gletscher, Hochtouren, steiles Eis und Firn |
| Steilheit | Gering | Mäßig | Steil |
| Technik | Kaum erforderlich | Grundkenntnisse | Erfordert Übung und Technik |
Welche Steigeisen für welches Gelände?
Die Wahl der richtigen Steigeisen hängt vom Einsatzgebiet ab:
- Einfache Gletscher- und Hochtouren: Steigeisen mit Körbchenbindung und Riemenbefestigung, Stahl empfehlenswert für Robustheit.
- Anspruchsvolle Hochtouren und kombiniertes Bergsteigen: Stahlsteigeisen, halb- oder vollautomatische Bindung für steife Bergstiefel.
- Eisklettern und Mixed-Klettern: Steigeisen aus Edelstahl mit scharfen Frontalzacken, Kipphebel- und Bügelbindung.
- Skitouren: Leichte Aluminium-Steigeisen mit Kipphebel- und Bügelbindung für Gewichtsersparnis.
Achten Sie beim Kauf auf die Kompatibilität mit Ihren Bergstiefeln und lassen Sie sich im Fachhandel beraten.
Steigeisen und Bergschuhe: Kompatibilität
Nicht jeder Schuh ist für Steigeisen geeignet. Wichtig ist die Steifigkeit der Sohle. Je steifer die Sohle, desto sicherer die Befestigung der Steigeisen. Man unterscheidet verschiedene Schuhkategorien:
- Kategorie A/B (Wanderstiefel): Flexible Sohle, nur bedingt für Grödel oder Steigeisen mit Körbchenbindung geeignet für flache Schneefelder.
- Kategorie C (Bergstiefel, bedingt steigeisenfest): Steifere Sohle, Fersenauflage für Kipphebelbindung, für halbautomatische Steigeisen geeignet.
- Kategorie D (Hochtourenstiefel, voll steigeisenfest): Sehr steife Sohle, Auflageflächen vorne und hinten für Bügel- und Kipphebelbindung, für vollautomatische Steigeisen ideal.
Turnschuhe oder Winterstiefel sind für Steigeisen ungeeignet.

Leichtsteigeisen: Gewichtsersparnis für spezielle Einsätze
Leichtsteigeisen aus Aluminium oder leichtem Stahl sind auf minimales Gewicht optimiert. Sie sind ideal für Skitouren oder wenn Steigeisen nur kurzzeitig benötigt werden. Sie sind weniger robust und verschleißen schneller bei Felskontakt oder hartem Eis. Daher sind sie vor allem für Schnee und Firn gedacht.
Verpackung und Pflege von Steigeisen
Verpacken Sie Steigeisen in einer Steigeisentasche aus robustem Material, um Beschädigungen anderer Ausrüstung zu vermeiden. Reinigen und trocknen Sie die Steigeisen nach Gebrauch, um Rostbildung zu verhindern. Lagern Sie sie trocken und kühl.
Steigeisen schärfen
Stumpfe Zacken beeinträchtigen die Sicherheit. Schärfen Sie die Zacken regelmäßig mit einer Metallfeile. Achten Sie darauf, die ursprüngliche Form der Zacken beizubehalten.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Steigeisen
- Was ist der Unterschied zwischen Steigeisen, Grödeln und Spikes?
- Spikes sind für ebenes Eis, Grödel für flache Firnfelder und Steigeisen für steiles Eis und Gletscher.
- Wann brauche ich Steigeisen?
- Auf Gletschern, Hochtouren und in steilem, eisigem Gelände.
- Kann ich Steigeisen an jedem Schuh befestigen?
- Nein, nur an festen Bergstiefeln mit steifer Sohle. Die Schuhkategorie ist entscheidend.
- Sind Baumsteigeisen sicher für Bäume?
- Nein, Baumsteigeisen (mit Dornen) schädigen lebende Bäume und sollten nur zum Fällen verwendet werden. Für Baumpflegearbeiten sind seilschonende Klettertechniken erforderlich.
- Wie schärfe ich Steigeisen?
- Mit einer flachen Metallfeile von Hand, die ursprüngliche Zackenform beachtend.
Fazit: Steigeisen sind ein essenzielles Ausrüstungsteil für alle, die sich sicher in Schnee und Eis bewegen möchten. Die richtige Wahl der Steigeisen, die passende Schuhkompatibilität und die korrekte Anwendungstechnik sind entscheidend für Ihre Sicherheit am Berg. Investieren Sie in hochwertige Ausrüstung, üben Sie den Umgang mit Steigeisen und informieren Sie sich gründlich vor jeder Tour. So steht einem sicheren und unvergesslichen Bergerlebnis nichts im Wege!
