03/10/2020
Öl ist ein unverzichtbarer Bestandteil fast jeder Küche. Ob zum Braten, Backen oder als Salatdressing – Speiseöle sind vielseitig einsetzbar und tragen maßgeblich zum Geschmack und zur Textur unserer Gerichte bei. Doch angesichts der riesigen Auswahl im Supermarktregal fragen sich viele: Welches Öl ist eigentlich das gesündeste? Welches eignet sich am besten für welche Zwecke? Und welches Öl ist unter ökologischen Gesichtspunkten empfehlenswert? Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über die Welt der Speiseöle und hilft Ihnen, die richtige Wahl für Ihre Gesundheit und die Umwelt zu treffen.

- Von der Saat zum Öl: Die Herstellung von Speiseölen
- Native Öle: Naturbelassen und Aromatisch
- Die Bedeutung von Fettsäuren für die Gesundheit
- Welche Öle sind besonders gesund? Eine Rangliste
- Wie heiß darf Öl werden? Der Rauchpunkt
- So bleibt Öl länger frisch: Lagerungstipps
- Nachhaltigkeit von Speiseölen: Was ist ökologisch sinnvoll?
- Sonnenblumenöl und die Darmgesundheit: Ein Blick auf Omega-6-Fettsäuren
- Fazit: Die richtige Ölwahl für Gesundheit und Genuss
Von der Saat zum Öl: Die Herstellung von Speiseölen
Bevor das Öl in unseren Küchen landet, durchläuft es einen komplexen Herstellungsprozess. Dieser beginnt in der Regel mit der Pressung der Samen oder Kerne der jeweiligen Pflanze. Bei der Herstellung von kaltgepressten Ölen, auch nativen Ölen genannt, wird besonders schonend vorgegangen. Hierbei wird darauf geachtet, dass die Temperatur während der Pressung 37 °C nicht übersteigt. So bleiben wertvolle Inhaltsstoffe und Aromen bestmöglich erhalten. Die bei der Pressung entstehenden Pflanzenpressreste werden oft zu Tierfutter weiterverarbeitet, was den Prozess nachhaltiger gestaltet.
Im Gegensatz dazu stehen raffinierte Öle. Bei ihrer Herstellung wird das Öl unter hohem Druck und Wärmezufuhr aus den Samen und Kernen gepresst. Um eine maximale Ausbeute zu erzielen, werden häufig chemische Lösungsmittel wie Hexan oder Leichtbenzin eingesetzt, um auch die letzten Ölreste aus den Rückständen zu extrahieren. Das so gewonnene Rohöl ist jedoch noch nicht genießbar und muss in mehreren Schritten raffiniert werden. Dieser Reinigungsprozess umfasst Destillation, Entschleimung, Entsäuerung, Bleichung und Desodorierung. Ziel der Raffination ist es, unerwünschte Stoffe zu entfernen und das Öl haltbarer und hitzebeständiger zu machen. Allerdings gehen dabei auch wertvolle Begleitstoffe wie Vitamine und Aromen verloren.
Native Öle: Naturbelassen und Aromatisch
Die Bezeichnung "nativ" oder "naturbelassen" kennzeichnet Öle, die besonders schonend verarbeitet wurden. Sie sind immer kaltgepresst und zeichnen sich durch ihren intensiven Geschmack und ihre hohe Qualität aus. Bei Olivenöl gibt es zusätzlich die Güteklasse "nativ extra" (oder "extra vergine"). Diese Öle stammen aus erster Kaltpressung und erfüllen besonders strenge Qualitätskriterien. Sie weisen einen geringen Säuregehalt auf und sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen.
Die Bedeutung von Fettsäuren für die Gesundheit
Die gesundheitliche Bewertung eines Öls hängt maßgeblich von seiner Fettsäurezusammensetzung ab. Grundsätzlich werden Fettsäuren in gesättigte und ungesättigte Fettsäuren unterteilt. Eine einfache Faustregel besagt: Je fester ein Öl bei Zimmertemperatur ist, desto höher ist der Anteil an gesättigten Fettsäuren. Fette wie Palmfett oder Kokosöl bestehen beispielsweise hauptsächlich aus gesättigten Fettsäuren. Diese können den Cholesterinspiegel und die Blutfette erhöhen und somit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.
Im Gegensatz dazu enthalten Öle mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, wie beispielsweise Leinöl, Rapsöl, Olivenöl und Walnussöl, viele positive Eigenschaften. Ungesättigte Fettsäuren werden nochmals in einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren unterteilt. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren, sind essenziell, das heißt, der Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie über die Nahrung aufnehmen. Omega-3-Fettsäuren sind unter anderem wichtig für die Zellstrukturen, die Regulierung des Blutdrucks und die Hemmung von Entzündungen. Sie verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und wirken blutdrucksenkend.
Welche Öle sind besonders gesund? Eine Rangliste
Ernährungsexperten empfehlen, vor allem kaltgepresste Öle zu bevorzugen, da sie mehr wertvolle Nährstoffe enthalten als raffinierte Öle. Im Hinblick auf die Fettsäurezusammensetzung und den Gehalt an Omega-3-Fettsäuren lassen sich einige Öle besonders hervorheben:
- Leinöl: Leinöl gilt als Spitzenreiter unter den gesunden Ölen. Es ist extrem reich an Omega-3-Fettsäuren und enthält zudem mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Allerdings ist Leinöl sehr empfindlich und sollte kühl und dunkel gelagert und zügig verbraucht werden. Es eignet sich ideal für Salate, Dips und kalte Speisen.
- Rapsöl: Rapsöl ist eine hervorragende Alternative zu Leinöl, da es ebenfalls einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweist und zudem preisgünstiger ist. Kaltgepresstes Rapsöl hat einen leicht nussigen Geschmack und ist vielseitig in der kalten und warmen Küche einsetzbar.
- Walnussöl: Walnussöl überzeugt mit einem guten Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und seinem intensiven, nussigen Aroma. Es verfeinert Salate, Desserts und Käsegerichte. Walnussöl sollte ebenfalls kühl gelagert und nicht erhitzt werden.
- Olivenöl: Olivenöl, insbesondere natives Olivenöl extra, ist ein Klassiker der mediterranen Küche und bekannt für seinen hohen Gehalt an einfach ungesättigten Fettsäuren. Diese wirken sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus. Olivenöl ist vielseitig einsetzbar, sowohl für kalte als auch für warme Speisen. Es ist bis zu einem gewissen Grad erhitzbar, ohne seinen Rauchpunkt zu überschreiten.
- Sonnenblumenöl: Sonnenblumenöl ist reich an Vitamin E und enthält einen hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren. Allerdings ist der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren vergleichsweise gering. Kaltgepresstes Sonnenblumenöl eignet sich gut für Salate und milde Dressings. Raffiniertes Sonnenblumenöl ist hitzebeständiger und kann zum Braten verwendet werden.
- Kokosöl: Kokosöl besteht hauptsächlich aus gesättigten Fettsäuren und sollte daher eher sparsam verwendet werden. Obwohl ihm gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt werden, ist die wissenschaftliche Evidenz dafür begrenzt.
Wie heiß darf Öl werden? Der Rauchpunkt
Der sogenannte Rauchpunkt gibt an, bis zu welcher Temperatur ein Öl maximal erhitzt werden darf, ohne dass es sich zersetzt und gesundheitsschädliche Stoffe wie Acrolein entstehen. Kaltgepresste Öle haben in der Regel einen niedrigeren Rauchpunkt als raffinierte Öle. Leinöl sollte beispielsweise ausschließlich für kalte Speisen verwendet werden, während raffinierte Öle sich besser zum Braten eignen. Olivenöl ist auch kaltgepresst bis etwa 100 °C erhitzbar und somit ein guter Allrounder für die Küche.

| Ölsorte | Rauchpunkt (kaltgepresst) | Rauchpunkt (raffiniert) | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Leinöl | ca. 107 °C | Nicht raffiniert erhältlich | Kalte Küche (Salate, Dips) |
| Rapsöl | ca. 130 °C | ca. 204 °C | Kalte und warme Küche, Braten (raffiniert) |
| Olivenöl (nativ extra) | ca. 160-190 °C | ca. 210-240 °C | Kalte und warme Küche, Braten |
| Sonnenblumenöl | ca. 107 °C | ca. 210-230 °C | Kalte Küche (kaltgepresst), Braten (raffiniert) |
| Kokosöl | ca. 177 °C | ca. 232 °C | Braten, Backen |
So bleibt Öl länger frisch: Lagerungstipps
Um die wertvollen Inhaltsstoffe und den Geschmack von Speiseölen zu bewahren, ist die richtige Lagerung entscheidend. Öle sollten dunkel und kühl gelagert werden. Licht, Wärme und Sauerstoff können dazu führen, dass Öle ranzig werden und ihre positiven Eigenschaften verlieren. Besonders empfindliche Öle wie Leinöl, Kürbiskernöl, Rapsöl und Walnussöl sollten im Kühlschrank aufbewahrt werden. Generell gilt: Angebrochene Ölflaschen sollten innerhalb weniger Monate verbraucht werden.
Nachhaltigkeit von Speiseölen: Was ist ökologisch sinnvoll?
Auch die Nachhaltigkeit spielt bei der Wahl des richtigen Speiseöls eine immer größere Rolle. Der CO2-Fußabdruck eines Öls gibt Auskunft über die Klimabelastung während des gesamten Lebenszyklus – von Anbau und Produktion bis hin zum Transport. Rapsöl schneidet im CO2-Fußabdruck tendenziell etwas schlechter ab als beispielsweise Kokosöl, da Raps einjährig ist und der Anbau relativ aufwendig und wasserintensiv ist. Kokospalmen hingegen sind sehr genügsam und langlebig. Allerdings sollte man bei Kokosöl und Palmöl bedenken, dass der Anbau oft mit der Rodung von Regenwald und Monokulturen einhergeht, was negative Auswirkungen auf die Biodiversität hat.
Aus ökologischer Sicht sind heimische Öle wie Rapsöl und Sonnenblumenöl eine gute Wahl, da sie regional angebaut werden können und kurze Transportwege haben. Olivenöl sollte aufgrund des hohen Wasserverbrauchs im Anbau sparsamer verwendet werden. Wenn möglich, greifen Sie zu Bio-Ölen, da der ökologische Landbau auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden verzichtet und somit die Umwelt schont.
Sonnenblumenöl und die Darmgesundheit: Ein Blick auf Omega-6-Fettsäuren
Sonnenblumenöl ist zwar reich an Vitamin E, enthält aber auch einen hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren, insbesondere Linolsäure. Studien deuten darauf hin, dass ein übermäßiger Konsum von Omega-6-Fettsäuren möglicherweise entzündliche Prozesse im Körper fördern kann. Eine Forschergruppe aus England fand in einer Studie einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Konsum von Linolsäure und einem erhöhten Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa. Die Wissenschaftler vermuten, dass Linolsäure im Körper zu Arachidonsäure umgewandelt wird, einem Aufbaustoff für Darmzellen, der aber auch entzündungsfördernde Substanzen freisetzen kann. Im Gegensatz dazu zeigten Studien, dass Omega-3-Fettsäuren, die vor allem in Fischölen enthalten sind, das Risiko für Darmentzündungen senken können.
Es ist wichtig zu betonen, dass es bei der Fettsäureaufnahme auf das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren ankommt. Ein ausgewogenes Verhältnis wird in der Regel mit etwa 5:1 oder weniger angestrebt. In der modernen Ernährung ist das Verhältnis oft deutlich unausgewogener, da viele verarbeitete Lebensmittel und Pflanzenöle reich an Omega-6-Fettsäuren sind. Um ein gesundes Verhältnis zu erreichen, empfiehlt es sich, den Konsum von Omega-6-reichen Ölen wie Sonnenblumenöl, Distelöl und Maiskeimöl zu reduzieren und stattdessen vermehrt auf Omega-3-reiche Öle wie Leinöl, Rapsöl und Walnussöl sowie fettreichen Fisch zu setzen.
Fazit: Die richtige Ölwahl für Gesundheit und Genuss
Die Wahl des richtigen Speiseöls hängt von verschiedenen Faktoren ab: Ihren gesundheitlichen Bedürfnissen, dem Verwendungszweck in der Küche und Ihren ökologischen Ansprüchen. Kaltgepresste Öle, insbesondere Leinöl und Rapsöl, sind aufgrund ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren und ungesättigten Fettsäuren besonders empfehlenswert für die kalte Küche. Für Brat- und Kochzwecke eignen sich raffinierte Öle oder hitzebeständiges Olivenöl. Achten Sie auf eine abwechslungsreiche Ölwahl und integrieren Sie verschiedene Ölsorten in Ihre Ernährung, um von den unterschiedlichen Fettsäureprofilen und Nährstoffen zu profitieren. Und denken Sie daran: Eine bewusste Ölwahl ist ein wichtiger Schritt zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung.
