05/12/2021
Auf den ersten Blick wirken sie wie Pflanzen: sesshaft, ohne erkennbare Bewegung und ohne Organe. Doch der Schein trügt. Schwämme, auch bekannt als Porifera, sind faszinierende Tiere und gehören zu den ältesten Vielzellern der Erde. Bis ins 19. Jahrhundert hielt sich hartnäckig die Meinung, dass es sich bei diesen Meeresbewohnern um Pflanzen handelt. Doch eine genauere Betrachtung enthüllt ihre wahre Natur.
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- Warum sind Schwämme Tiere und keine Pflanzen?
- Vielfalt und Lebensraum der Schwämme
- Aufbau und Ernährung der Schwämme: Ein geniales Filtersystem
- Schwämme als Überlebenskünstler in der Tiefsee
- Naturschwämme: Mehr als nur Badeschwämme
- Schwämme und ihre Bedeutung für Mensch und Ökosystem
- Faszinierende Fakten über Schwämme
- Fragen und Antworten zu Schwämmen
Warum sind Schwämme Tiere und keine Pflanzen?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Energiegewinnung. Pflanzen betreiben Photosynthese, nutzen Sonnenlicht und Chlorophyll, um Energie zu erzeugen. Schwämme hingegen sind heterotroph. Das bedeutet, sie ernähren sich von organischen Substanzen, die sie aus dem Wasser filtern. Plankton, Bakterien und andere winzige Partikel stehen auf ihrem Speiseplan. Diese Ernährungsweise ordnet sie eindeutig dem Reich der Tiere zu, genauer gesagt den Metazoa, den vielzelligen Tieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Fehlen von Organen, Muskeln und Nervenzellen bei Schwämmen. Dies unterscheidet sie von den sogenannten Eumetazoa, den „echten“ Tieren oder Gewebetieren. In der Biologie werden Schwämme daher als Parazoa bezeichnet, was so viel wie „Nebentiere“ bedeutet. Trotz ihres einfachen Aufbaus sind sie hochkomplexe und erfolgreiche Lebewesen.
Vielfalt und Lebensraum der Schwämme
Die Artenvielfalt der Schwämme ist beeindruckend. Weltweit sind etwa 7500 Arten bekannt, die sich in Form, Farbe und Größe stark unterscheiden. Von winzigen, wenigen Millimeter großen Exemplaren bis hin zu riesigen Schwämmen von mehreren Metern Größe ist alles vertreten. Ihre Formenvielfalt reicht von Röhren, Vasen und Geweihen bis hin zu moosartigen Überzügen auf dem Meeresgrund. Diese Vielfalt spiegelt ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedlichste Lebensräume wider.
Schwämme sind wahre Kosmopoliten. Sie besiedeln alle Meere und Ozeane der Welt, von flachen Küstengewässern bis in die tiefsten Tiefsee-Gräben. Einige Arten haben sich sogar an das Leben im Süßwasser angepasst und sind in Seen und Flüssen zu finden. Ihre Fähigkeit, extreme Bedingungen zu tolerieren, macht sie zu echten Überlebenskünstlern.

Aufbau und Ernährung der Schwämme: Ein geniales Filtersystem
Der Körperbau eines Schwamms ist erstaunlich einfach und gleichzeitig hoch effizient. Er besteht aus einem zentralen Hohlraum, der von einem komplexen System aus Kanälen und Poren durchzogen ist. Diese Kanäle sind mit Kragengeißelzellen ausgekleidet, die mit ihren Geißeln einen Wasserstrom erzeugen. Durch winzige Poren an der Oberfläche wird Wasser angesaugt, durch den Schwammkörper geleitet und gefiltert. Die Kragengeißelzellen fangen dabei Nahrungspartikel aus dem Wasser ab. Das gereinigte Wasser wird anschließend über eine größere Öffnung an der Oberseite des Schwamms wieder ausgestoßen. Dieses ausgeklügelte Filtersystem ermöglicht es Schwämmen, auch kleinste Nahrungspartikel effizient zu nutzen.
Das Skelett des Schwamms sorgt für Stabilität und Form. Es besteht aus winzigen Nadeln, den sogenannten Spiculae, die aus Kalk oder Kieselsäure gefertigt sind. Die Zusammensetzung und Form der Spiculae sind wichtige Merkmale zur Bestimmung der verschiedenen Schwammarten.
Schwämme als Überlebenskünstler in der Tiefsee
Gerade in der Tiefsee, einem Lebensraum mit extremen Bedingungen wie Kälte, Dunkelheit und Nährstoffarmut, haben sich Schwämme als äußerst erfolgreich erwiesen. Viele Arten, insbesondere die Glasschwämme, sind perfekt an das Leben in der Tiefe angepasst. Ihre Skelette aus Kieselsäure sind besonders stabil und widerstandsfähig gegenüber dem hohen Wasserdruck. Sie ernähren sich hauptsächlich von Bakterien und anderen winzigen Organismen, die in der Tiefsee reichlich vorhanden sind.
Einige Tiefseeschwämme haben sogar raubtierische Jagdstrategien entwickelt. Die Familie der Cladorhizidae beispielsweise fängt ihre Beute mit tentakelartigen Auswüchsen, die mit Häkchen besetzt sind. Kleine Krebstiere und andere Organismen bleiben daran hängen und werden dann vom Schwamm verdaut.

Naturschwämme: Mehr als nur Badeschwämme
Seit der Antike werden bestimmte Hornkieselschwämme, die keine Skelettnadeln besitzen, als Badeschwämme genutzt. Das Sponginskelett dieser Schwämme, ein Gerüst aus hornartigen Fasern, wird nach aufwendiger Verarbeitung zu den uns bekannten Naturschwämmen. Schon die alten Griechen und Römer wussten die reinigende Wirkung von Meeresschwämmen zu schätzen. Sie wurden nicht nur zur Körperpflege, sondern auch zur Wundversorgung und sogar als Menstruationsartikel verwendet.
Auch heute noch erfreuen sich Naturschwämme großer Beliebtheit, trotz der Konkurrenz durch synthetische Schwämme. Sie werden hauptsächlich im Mittelmeer und in der Karibik geerntet, wobei Tunesien zu den größten Lieferanten zählt. Es gibt auch Bemühungen, Schwämme in Aquakulturen zu züchten, um die natürlichen Bestände zu schonen und eine nachhaltige Produktion zu gewährleisten.
Schwämme und ihre Bedeutung für Mensch und Ökosystem
Schwämme sind nicht nur für den Menschen von Nutzen, sondern spielen auch eine wichtige Rolle im Ökosystem Meer. Ihre filtrierende Tätigkeit trägt zur Wasserreinigung bei und sorgt für klares Wasser. Abgestorbene Schwammskelette können den Meeresboden stabilisieren und bieten zahlreichen anderen Meeresbewohnern einen Lebensraum. Kleinkrebse, Würmer, Seesterne und Fische finden in und an Schwämmen Schutz und Nahrung.

Ein besonders faszinierendes Beispiel ist der Gießkannenschwamm (Euplectella aspergillum), auch bekannt als Venuskörbchen. Sein filigranes Skelett dient als Lebensraum für Garnelenpärchen, die ihr ganzes Leben im Inneren des Schwamms verbringen. In Japan wird dieser Schwamm traditionell an Brautpaare verschenkt und symbolisiert ewige Verbundenheit.
Die chemischen Abwehrstoffe der Schwämme sind für die Pharmazie von großem Interesse. Wissenschaftler erforschen Substanzen aus Schwämmen, die möglicherweise gegen Krebs, Bakterien und andere Krankheiten wirksam sind. Die Vielfalt der chemischen Verbindungen in Schwämmen ist enorm und birgt noch viele unentdeckte Potentiale.
Faszinierende Fakten über Schwämme
- Schwämme gehören zu den ältesten Tiergruppen und existieren seit über 500 Millionen Jahren.
- Einige Schwammarten können über 20.000 Liter Wasser pro Tag filtern.
- Schwämme besitzen erstaunliche Regenerationsfähigkeiten. Aus kleinen Fragmenten können sich ganze neue Schwämme entwickeln.
- Das Skelett des Gießkannenschwamms inspiriert Wissenschaftler und Ingenieure bei der Entwicklung neuer Materialien und Konstruktionen.
- Raubschwämme stellen eine einzigartige Ausnahme in der Welt der Schwämme dar und zeigen die Anpassungsfähigkeit dieser Tiergruppe.
Fragen und Antworten zu Schwämmen
- Sind alle Schwämme Meerestiere?
- Nein, es gibt auch Süßwasserschwämme, aber die meisten Arten leben im Meer.
- Haben Schwämme ein Gehirn?
- Nein, Schwämme haben kein Gehirn und auch keine Nervenzellen.
- Wie alt können Schwämme werden?
- Einige Schwammarten können sehr alt werden, Schätzungen reichen von Jahrzehnten bis zu Jahrhunderten.
- Sind Naturschwämme besser als synthetische Schwämme?
- Naturschwämme sind biologisch abbaubar und haben eine einzigartige Struktur, die viele Menschen schätzen. Synthetische Schwämme sind oft günstiger und langlebiger, aber weniger umweltfreundlich.
- Sind Schwämme gefährdet?
- Einige Schwammarten sind durch Überfischung, Umweltverschmutzung und Klimawandel gefährdet. Der Schutz der Meeresökosysteme ist wichtig, um die Vielfalt der Schwämme zu erhalten.
Schwämme sind weit mehr als nur einfache Wasserfilter. Sie sind faszinierende Tiere mit komplexen Überlebensstrategien, einer beeindruckenden Vielfalt und einer wichtigen Rolle im Ökosystem Meer. Ihre Erforschung birgt noch viele spannende Entdeckungen und Potentiale für die Zukunft.
