21/03/2022
Roséwein erfreut sich wachsender Beliebtheit und ist längst mehr als nur ein “Sommerwein”. Doch was genau macht Roséwein aus und wie wird er eigentlich hergestellt? Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise in die Welt des Rosés und beleuchtet die verschiedenen Produktionsmethoden und Besonderheiten dieses vielseitigen Weintyps.

Was ist Roséwein genau?
Entgegen mancher Annahmen ist Roséwein kein Verschnitt aus Rot- und Weißwein (mit Ausnahme von Rosé-Schaumweinen in bestimmten Regionen). Tatsächlich wird Roséwein ausschließlich aus Rotweintrauben hergestellt. Das Geheimnis seiner charakteristischen Farbe liegt in der Verarbeitung der Trauben.
Interessanterweise ist das Fruchtfleisch von Rotweintrauben, genau wie bei weißen Trauben, von Natur aus hell. Die rote Farbe des Weins stammt von den Farbpigmenten, die sich in den Schalen der Trauben befinden. Bei der Rotweinherstellung bleiben die Traubenschalen während der Gärung, der sogenannten Maischegärung, im Most. Dadurch lösen sich die Farbstoffe und der Wein erhält seine tiefrote Farbe.
Bei der Roséweinherstellung hingegen wird der Kontakt zwischen Traubensaft und Schalen bewusst kurz gehalten. Bereits nach wenigen Stunden, manchmal auch erst nach einem Tag, werden die Schalen vom Saft getrennt. Dieser kurze Schalenkontakt führt dazu, dass nur eine geringe Menge an Farbpigmenten in den Saft übergeht. Der Winzer kann diesen Prozess genau steuern und so die gewünschte Farbintensität des Roséweins beeinflussen.
Sobald der Saft die gewünschte zarte rosa Farbe angenommen hat, wird er abgepresst und in einen separaten Tank umgefüllt. Dort gärt er ohne die Traubenschalen weiter, ähnlich wie ein Weißwein. Am Ende dieses Prozesses steht der fertige Roséwein, der dann in Flaschen abgefüllt wird. Streng genommen ist Roséwein also ein „kurz vergorener“ Rotwein, der nur minimalen Kontakt mit den Traubenschalen hatte.
Wie wird Rosé hergestellt? Die verschiedenen Methoden
Es gibt verschiedene Methoden, um Roséwein herzustellen, die sich hauptsächlich in der Dauer und Art des Schalenkontakts unterscheiden. Die gängigsten Methoden sind:
1. Die Abpress Methode (Direktpressung)
Die Abpress Methode, auch Direktpressung genannt, ist eine schonende Methode, die besonders helle und feine Roséweine hervorbringt. Bei dieser Methode werden die reifen Rotweintrauben direkt nach der Ernte in den Weinkeller gebracht und sofort gepresst. Der Saft, der dabei aus den Trauben austritt, ist zunächst klar und farblos.
Erst beim Kontakt mit den Traubenschalen während des Pressvorgangs nimmt der Saft Farbe an. Da der Kontakt jedoch sehr kurz ist, werden nur wenige Farbpigmente extrahiert. Das Ergebnis ist ein sehr hellrosa gefärbter Most, der anschließend ohne Schalen weiter vergoren wird. Roséweine aus der Direktpressung sind oft besonders frisch, leicht und fruchtig.
2. Die Saignée Methode (Aderlass-Methode)
Saignée stammt aus dem Französischen und bedeutet „Aderlass“ oder „ausbluten“. Diese Methode ist eng mit der Rotweinherstellung verbunden und liefert Roséweine mit etwas kräftigerer Farbe und Struktur. Bei der Saignée Methode werden die Rotweintrauben zunächst wie für einen Rotwein in einem Gärbehälter eingemaischt. Das bedeutet, die Trauben werden leicht angequetscht, sodass der Saft austritt und mit den Schalen in Kontakt kommt.
Nach einer bestimmten Zeit, meist zwischen 2 und 24 Stunden, wird ein Teil des rosa gefärbten Mostes aus dem Gärbehälter abgezogen – der sogenannte „Aderlass“. Dieser Most wird dann separat vergoren und zu Roséwein verarbeitet. Der verbleibende Teil der Maische im Gärbehälter wird weiterhin wie für einen Rotwein vergoren, wodurch ein konzentrierterer Rotwein entsteht. Roséweine aus der Saignée Methode können Aromen von Kirschen, Brombeeren und Heidelbeeren aufweisen und sind oft etwas körperreicher.
3. Die Mazerations-Methode
Die Mazerations-Methode ist die wahrscheinlich am weitesten verbreitete Methode zur Roséweinherstellung und wird vor allem in der Provence in Frankreich angewendet. Bei dieser Methode werden die Rotweintrauben nach der Ernte eingemaischt und bleiben für einen bestimmten Zeitraum in Kontakt mit den Schalen. Dieser Zeitraum kann zwischen wenigen Stunden und mehreren Tagen variieren, je nachdem, welche Farbintensität und welchen Weinstil der Winzer anstrebt.

Je länger der Schalenkontakt, desto mehr Farbstoffe und Aromen werden aus den Schalen extrahiert. Die Dauer der Mazeration sowie die Dicke der Traubenschalen beeinflussen maßgeblich die Farbe und den Geschmack des Roséweins. Nach der Mazeration wird die gesamte Maische gepresst und der Most ohne Schalen weiter vergoren. Roséweine aus der Mazerations-Methode sind oft komplexer und strukturierter als Rosés aus der Direktpressung.
4. Die Verschnitt Methode (Roséschaumwein-Methode)
Die Verschnitt Methode, auch Roséschaumwein-Methode genannt, ist bei stillen Roséweinen eher unüblich und in vielen Weinregionen sogar verboten. Sie wird jedoch häufiger bei der Herstellung von Rosé-Schaumweinen, wie beispielsweise in der Champagne, angewendet. Bei dieser Methode wird ein kleiner Anteil Rotwein zu einem Weißwein hinzugefügt, um den gewünschten Rosé-Farbton zu erzielen.
Für diese Methode ist nur eine geringe Menge Rotwein erforderlich – oft reichen bereits 5% bis 20% Rotwein aus, um einen Weißwein rosa zu färben. Qualitativ hochwertige Roséweine werden jedoch in der Regel nicht durch Verschnitt hergestellt, da diese Methode oft als weniger anspruchsvoll gilt und den Charakter des Weins weniger präzise steuern lässt.
Zusammenfassung der Rosé Herstellungsmethoden
| Methode | Beschreibung | Farbintensität | Weinstil |
|---|---|---|---|
| Abpress Methode (Direktpressung) | Sofortiges Pressen der Trauben, minimaler Schalenkontakt | Sehr hellrosa | Leicht, frisch, fruchtig |
| Saignée Methode (Aderlass-Methode) | Abziehen von Most während der Rotweinmaischegärung | Mittelrosa | Fruchtiger, etwas körperreicher |
| Mazerations-Methode | Gezielter Schalenkontakt über Stunden oder Tage | Variabel (hell- bis dunkelrosa) | Komplex, strukturiert, vielseitig |
| Verschnitt Methode (Roséschaumwein-Methode) | Zugabe von Rotwein zu Weißwein | Variabel | Eher unüblich für Stillwein, typisch für Rosé-Schaumwein |
Fazit
Roséwein ist ein faszinierender und vielseitiger Weintyp, der auf unterschiedliche Weise hergestellt werden kann. Die Wahl der Methode beeinflusst maßgeblich die Farbe, den Geschmack und den Stil des Weins. Ob leicht und frisch aus der Direktpressung, fruchtig und etwas kräftiger aus der Saignée Methode oder komplex und strukturiert aus der Mazerations-Methode – die Welt des Roséweins bietet eine große Vielfalt für jeden Geschmack.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Roséwein
Ist Roséwein immer süß?
Nein, Roséwein kann in verschiedenen Geschmacksrichtungen ausgebaut werden – von trocken über halbtrocken bis hin zu lieblich oder süß. Die meisten hochwertigen Roséweine sind jedoch trocken oder halbtrocken.
Welche Speisen passen gut zu Roséwein?
Roséwein ist ein sehr vielseitiger Speisebegleiter. Leichte und fruchtige Rosés passen gut zu Salaten, gegrilltem Fisch oder Meeresfrüchten. Körperreichere Rosés harmonieren auch gut mit hellen Fleischsorten, Pasta oder mediterranen Gerichten.
Wie lange ist Roséwein haltbar?
Roséwein ist in der Regel nicht für eine lange Lagerung gedacht. Die meisten Roséweine sollten jung getrunken werden, idealerweise innerhalb von ein bis zwei Jahren nach der Ernte. Es gibt jedoch auch einige wenige, hochwertigere Rosés, die etwas länger reifen können.
Welche Temperatur ist ideal zum Servieren von Roséwein?
Roséwein sollte gekühlt serviert werden, aber nicht eiskalt. Die ideale Serviertemperatur liegt je nach Stil zwischen 8 und 12 Grad Celsius. Leichte Rosés können etwas kühler, körperreichere Rosés etwas wärmer serviert werden.
Aus welchen Rebsorten wird Roséwein hergestellt?
Roséwein kann aus einer Vielzahl von Rotweintrauben hergestellt werden. Beliebte Rebsorten für Rosé sind beispielsweise Grenache, Cinsault, Syrah, Merlot, Pinot Noir und Sangiovese. Die Wahl der Rebsorte beeinflusst den Charakter und das Aromaprofil des Roséweins.
