Rosa Luxemburg: Kritische Stimme der Russischen Revolution

01/07/2021

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Oft wird Rosa Luxemburg als Gegnerin der Russischen Revolution dargestellt. Dies ist jedoch ein bewusstes Missverständnis. Tatsächlich war sie nicht mehr und nicht weniger als eine kritische Bolschewikin. Ihre berühmte Aussage "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" wird häufig zitiert, um sie als Gegnerin der Revolution darzustellen. Doch ein genauerer Blick auf ihre Schriften und den historischen Kontext zeigt ein differenzierteres Bild.

Was hielt Rosa Luxemburg von der Russischen Revolution?
Hier stand Luxemburg auf der Seite der Parteimehrheit um Lenin. Für sie war klar, dass die deutsche Sozialdemokratie – die den imperialistischen Krieg seit 1914 unterstützt hatte – die letztendliche Verantwortung für alle Rückschläge der russischen Revolution trug.
Inhaltsverzeichnis

Rosa Luxemburg: Kritische Bolschewikin

Rosa Luxemburg, eine führende sozialistische Denkerin und Revolutionärin, verfolgte die Ereignisse der Russischen Revolution mit grösstem Interesse. Entgegen der landläufigen Meinung war sie keine Gegnerin der Revolution, sondern eine engagierte Beobachterin und Kritikerin, die sich in ihrer Analyse den Bolschewiki nahe fühlte. Sie sah die Revolution als einen wichtigen Schritt nach vorn, erkannte aber auch die damit verbundenen Herausforderungen und Gefahren.

Die berühmte Kritik: "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden"

Das Zitat "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden" stammt aus Luxemburgs unvollendetem Manuskript "Zur russischen Revolution", das sie 1918 im Gefängnis verfasste. Obwohl dieses Zitat oft isoliert verwendet wird, um Luxemburg als Gegnerin der Bolschewiki darzustellen, muss es im Kontext ihres gesamten Werkes und ihrer politischen Haltung betrachtet werden. Luxemburg argumentierte stets für die Notwendigkeit der Freiheit, auch für Andersdenkende, innerhalb einer sozialistischen Gesellschaft. Dies war jedoch keine Ablehnung der Revolution selbst, sondern ein Aufruf zur Wahrung demokratischer Prinzipien auch in revolutionären Zeiten.

Luxemburgs Analyse aus dem Gefängnis

Im Herbst 1918, als sie in Breslau im Gefängnis sass, analysierte Luxemburg die Russische Revolution intensiv. Trotz ihrer Isolation verfolgte sie die Ereignisse genau und äusserte sich kritisch, aber unterstützend. Sie begrüsste enthusiastisch den Aufstand, der die Arbeiter- und Soldatenräte (Sowjets) im November 1917 an die Macht brachte. Sie erkannte die historische Bedeutung dieses Ereignisses und sah darin einen Hoffnungsschimmer für die internationale sozialistische Bewegung.

Unterstützung und Kritik der Revolution

Luxemburg war sich der beispiellosen Herausforderungen bewusst, denen sich die Russische Revolution gegenübersah. Als Befürworterin der Revolution unterzog sie jede Entscheidung der Sowjets einer genauen Kritik. Diese Kritik war jedoch nicht als Ablehnung gemeint, sondern als Beitrag zur Weiterentwicklung der Revolution. Sie teilte viele der Ziele der Bolschewiki, wie die Überwindung des Kapitalismus und die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft. Gleichzeitig äusserte sie Bedenken hinsichtlich bestimmter Methoden und Entwicklungen, insbesondere in Bezug auf die Demokratie und den Umgang mit Andersdenkenden.

Was hielt Rosa Luxemburg von der Russischen Revolution?
Hier stand Luxemburg auf der Seite der Parteimehrheit um Lenin. Für sie war klar, dass die deutsche Sozialdemokratie – die den imperialistischen Krieg seit 1914 unterstützt hatte – die letztendliche Verantwortung für alle Rückschläge der russischen Revolution trug.

Ein wichtiger Punkt der Kritik Luxemburgs betraf den Vertrag von Brest-Litowsk. Obwohl sie die schwierige Situation der russischen Revolution verstand und anerkannte, dass es möglicherweise keine Alternative zu diesem Friedensschluss mit dem Deutschen Reich gab, äusserte sie Bedenken hinsichtlich der langfristigen Folgen. Sie betonte jedoch, dass die Hauptschuld an dieser Situation bei der deutschen Sozialdemokratie lag, die den imperialistischen Krieg unterstützte und die russische Revolution im Stich liess.

Das Pamphlet "Zur russischen Revolution"

Im Herbst 1918 fasste Luxemburg ihre Kritik an der Russischen Revolution in einem ausführlichen Manuskript zusammen: "Zur russischen Revolution". Der Ausbruch der Novemberrevolution in Deutschland verhinderte jedoch die Fertigstellung. Das unvollendete Manuskript wurde erst 1921 von Paul Levi veröffentlicht. In diesem Pamphlet formulierte Luxemburg Kritik an verschiedenen Entscheidungen der revolutionären Regierung, wie der Landverteilung an die Bauern und der Auflösung der Konstituierenden Versammlung. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass all ihre Kritik im Rahmen der Unterstützung der Revolution formuliert wurde. Sie war keine Gegnerin der Revolution, sondern eine kritische Freundin.

Lehren aus der Revolution

Luxemburg zog wichtige Lehren aus der Russischen Revolution. In ihrer Kritik hatte sie die Idee einer parlamentarischen Versammlung zusätzlich zu den Arbeiterräten verteidigt. Als jedoch deutsche Sozialdemokraten wie Karl Kautsky dieselbe Idee für Deutschland vorschlugen, lehnte sie dies vehement ab. Die praktische Erfahrung hatte gezeigt, dass eine Doppelherrschaft zwischen Arbeiterräten und einem bürgerlichen Parlament nur von kurzer Dauer sein konnte. Wer beides wollte, landete unweigerlich bei der Unterstützung des Parlamentarismus und der Konterrevolution. Luxemburg lernte aus der Realität der Revolution und passte ihre Positionen entsprechend an.

Gegen die Regierungsozialisten

Luxemburgs Kritik an der Russischen Revolution richtete sich nicht primär gegen Lenin und Trotzki, sondern vielmehr gegen deutsche Sozialdemokraten wie Ebert, Scheidemann, Noske und Kautsky. Sie prangerte die Heuchelei dieser Regierungsozialisten an, die die russische Revolution verurteilten, während sie gleichzeitig selbst die Revolution in Deutschland verrieten. Sie betonte, dass die vermeintlichen Fehler der Bolschewiki grösstenteils auf die äusseren Umstände und den Verrat der internationalen sozialistischen Bewegung zurückzuführen seien.

Wer hat die russische Revolution angefangen?
Die Oktoberrevolution (russisch Октябрьская революция в России Oktjabrskaja rewoljuzija w Rossii) vom 25. Oktoberjul. / 7. November 1917greg. war die gewaltsame Machtübernahme durch die kommunistischen Bolschewiki unter Führung Wladimir Iljitsch Lenins in Russland.

Luxemburg teilte die Überzeugung von Lenin und Trotzki, dass die sozialistische Revolution nur auf internationaler Ebene siegreich sein kann. Deshalb sah sie die Verantwortung für die Schwierigkeiten der Russischen Revolution vor allem bei der deutschen Sozialdemokratie, die die Revolution in Deutschland mit aller Macht aufhielt. Deutschland mit seiner fortgeschrittenen industriellen Entwicklung bot weitaus bessere Bedingungen für den Aufbau des Sozialismus als das rückständige Russland. Dies brachte sie in einem Brief an ihre langjährige Freundin Luise Kautsky zum Ausdruck, in dem sie die Feigheit der westlichen Sozialdemokratie beklagte, die die russische Revolution im Stich liess.

"Sie haben es gewagt!"

Luxemburgs Pamphlet "Zur russischen Revolution" schliesst mit einer Einordnung ihrer Kritik in den Kontext der gesamten Geschichte des Befreiungskampfes des Proletariats. Nicht "dieses oder jenes Detail" sei entscheidend, sondern die Revolution selbst, für die Luxemburg mit all ihrer ausserordentlichen Energie kämpfte. Sie bewunderte den Mut und die Entschlossenheit der Bolschewiki, die als erste den Schritt zur sozialistischen Revolution gewagt hatten. Sie zitierte Hutten: "Ich hab's gewagt!"

Rosa Luxemburgs Erbe

Es ist bedauerlich, dass das Denken einer so bedeutenden Revolutionärin auf einen einzigen Satz reduziert wird, wodurch sie fast wie eine Gegnerin der ersten proletarischen Revolution erscheint. Lenin warnte bereits vor dieser Gefahr der Verharmlosung und Vereinnahmung grosser Revolutionäre nach ihrem Tod. Wir dürfen nicht zulassen, dass Luxemburg zu einer harmlosen Ikone gemacht wird. Ihr Erbe ist ein Aufruf zum Kampf für die sozialistische Revolution. Ihre kritische Auseinandersetzung mit der Russischen Revolution ist nicht als Ablehnung, sondern als Beitrag zur Weiterentwicklung der sozialistischen Theorie und Praxis zu verstehen. Sie war und bleibt eine wichtige Stimme der revolutionären Bewegung.

Statt sie als Gegnerin der Russischen Revolution darzustellen, sollten wir Rosa Luxemburg als das würdigen, was sie war: eine kritische und engagierte Sozialistin, die die Revolution unterstützte, aber gleichzeitig mutig ihre Stimme erhob, um auf Gefahren und Verbesserungspotenziale hinzuweisen. Ihre Kritik war ein Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit mit den Zielen der Revolution und ihrem unerschütterlichen Glauben an die Befreiung der Arbeiterklasse.

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