Was bedeuten Handschellen?

Handschellen: Geschichte, Typen & Anwendung

07/01/2026

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Handschellen sind mehr als nur ein Werkzeug zur Fesselung. Sie sind ein Symbol für Autorität, Kontrolle und Sicherheit. Ihre Geschichte reicht Jahrhunderte zurück, und ihre moderne Form ist das Ergebnis ständiger Weiterentwicklung und Anpassung an die Bedürfnisse von Polizei, Justiz und Sicherheitsdiensten. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Handschellen, von ihrer historischen Entwicklung über die verschiedenen Ausführungen bis hin zu ihrer korrekten Anwendung und den damit verbundenen Sicherheitsrisiken.

Hat das Militär Handschellen?
Aber auch bei der Bundeswehr sind Handschellen üblich. Benutzt werden diese von den Feldjägern, der deutschen Militärpolizei. Nur den Angehörigen dieser Berufsgruppen ist auch erlaubt Handschellen in der Öffentlichkeit zu tragen.
Inhaltsverzeichnis

Die Geschichte der Handschellen: Von mittelalterlichen Fesseln zu modernen Hightech-Modellen

Die Ursprünge der Handschellen lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Damals bestanden sie aus einfachen, halbkreisförmigen Bandeisenhälften, die mit Schlössern oder Nieten fixiert und durch eine Kette verbunden wurden. Diese frühen Modelle waren oft schwer und unhandlich, erfüllten aber ihren Zweck der Fesselung.

Im 19. Jahrhundert dominierte in Europa, insbesondere in Großbritannien, der sogenannte „Darby-Typ“ – Handschellen mit außenliegendem Klappschloss und federgelagertem Schraubgewinde. Gleichzeitig entwickelten sich in den Vereinigten Staaten modernere Schlossmechanismen. Pioniere wie John J. Tower und Edward D. Bean führten Handschellen mit komplexeren Schließsystemen ein.

Ein wichtiger Fortschritt war die Entwicklung von Handschellen mit mehreren Verschlusspositionen im 19. Jahrhundert. Dies ermöglichte eine Anpassung an unterschiedliche Handgelenkgrößen. Das grundlegende Prinzip des Bügelarms, der um einen Drehpunkt durch einen Doppelbogen schwingt, wurde 1912 in den USA patentiert und ist bis heute aktuell.

Die modernen Handschellen, die heute professionell eingesetzt werden, basieren technisch größtenteils auf einem US-Patent von Harold Wesson/Peerless aus dem Jahr 1932. Dieses Patent brachte einen vereinfachten und belastbareren internen Mechanismus sowie den bis heute gebräuchlichen Arretierungsmechanismus (Double-Lock) hervor. Die äußere Formgebung moderner Handschellen wurde maßgeblich durch diese Entwicklungen geprägt.

Ausführungen und Typen von Handschellen

Handschellen für den professionellen Einsatz zeichnen sich durch zwei symmetrische Schellen aus, die in der Regel durch eine Kette verbunden sind. Diese Kettenverbindung bietet Freiheitsgrade, ermöglicht eine gewisse Beweglichkeit und erhöht den Tragekomfort, insbesondere beim Anlegen vor dem Körper. Einige Modelle, wie beispielsweise Ralk, verwenden standardmäßig ein einzelnes Kettenglied, um den Bewegungsspielraum zu minimieren und das Risiko des „Durchsteigens“ zu reduzieren, insbesondere bei Personen mit geringerer Körpermasse.

Für spezielle Anwendungen, wie die Fesselung stark übergewichtiger Personen oder die Befestigung an Objekten, sind auch Handschellen mit drei oder mehr Kettengliedern erhältlich. Standardmodelle entsprechen dem NIJ-Standard und haben einen Mindestdurchmesser von 50 mm und lassen sich von 165 mm bis maximal 200 mm öffnen.

Für Personen mit besonders kräftigen Handgelenken gibt es Schellen mit vergrößertem Innendurchmesser, die oft aus Fußfesseln mit kurzer Verbindungskette bestehen. Für Personen mit schmächtigen Handgelenken wurde das Modell Juvenile Handcuff entwickelt, das sich enger stellen lässt. Smith & Wesson bietet mit dem Modell M-1 eine Universalschelle an, die sowohl für kräftigere als auch für schmalere Handgelenke geeignet sein soll.

In Situationen, in denen keine passenden Handschellen verfügbar sind, werden oft Kabelbinder als Einweghandfesseln verwendet.

Sind Handschellen schmerzhaft?
Handschellen werden auf das Gelenk aufgeschoben und nicht darauf gehauen. Das sieht nicht nur dumm aus, sondern verursacht auch Schmerzen beim Gefangenen. Man Bemerkt beim Aufschieben auch sofort, wenn die Fesseln bereits versehentlich arretiert wurden.

Eine weitere gängige Ausführung sind Gelenkhandschellen mit einer Scharnierverbindung. Diese bieten weniger Bewegungsspielraum als Kettenhandschellen, da ein Verdrehen der Hände gegeneinander nicht möglich ist. Gelenkhandschellen gelten als sicherer und werden häufig im Strafvollzug eingesetzt. Die deutsche Militärpolizei verwendet beispielsweise standardmäßig den Typ Alcyon 5020 als Gelenkhandschelle.

Starre Handschellen gewinnen im Polizeieinsatz wieder an Bedeutung. Frühe Beispiele sind die britischen Figure 8-Handschellen oder die deutsche Hamburg 8 (Fesselzange). Moderne starre Handschellen, wie die Hiatt Speedcuffs (oder Nachfolgemodell TCH Rigid Handcuff Model 840), bieten den Vorteil einer größeren Hebelwirkung und somit mehr Kontrolle über die gefesselte Person. Allerdings sind sie sperriger zu verstauen. Hiatt hat mit der Ultimate folding rigid handcuff ein zusammenklappbares starres Modell entwickelt, das den Transport erleichtert.

Handschellen sind in verschiedenen Material- und Oberflächenvarianten erhältlich, meist mit Nickelbeschichtung oder aus rostfreiem Edelstahl. Für militärische Einsätze werden oft matt-schwarze oder brünierte Ausführungen verwendet, um Lichtreflexionen zu vermeiden. Im US-Strafvollzug werden zunehmend auch farbige Schellen eingesetzt.

Für Gefangenentransporte werden Handschellen oft in Kombination mit Fußschellen oder Bauchketten verwendet.

Die meisten Handschellen verwenden Standardschlüssel, die zwischen verschiedenen Modellen austauschbar sind. Im Strafvollzug werden zur zusätzlichen Sicherung oft Vorhängeschlösser mit Standardschlüsseln verwendet. Es gibt auch Hochsicherheitshandfesseln mit individuellen Zylinderschlüsseln, wie das Modell Peerless 710B.

In den USA sind Sicherheitsverschlüsse aus Hartplastik verbreitet, die um die Handschellen gelegt und mit einem Vorhängeschloss gesichert werden. Bekannte Hersteller sind C & S Security Inc. (Black Box) und CTS Thompson (Blue Box). Diese Verschlüsse verdecken die Schlüssellöcher und erschweren das Selbstbefreien, schränken aber die Bewegungsfreiheit stark ein und können zu Schmerzen führen.

Historisch gab es auch Halsschellen, die Bean im 19. Jahrhundert als „humanere Alternative zur Zwangsjacke“ bewarb. Daumenschellen werden im professionellen Bereich aufgrund des Verletzungsrisikos nicht verwendet.

Bekannte Hersteller von Handschellen für den professionellen Einsatz sind Smith & Wesson, Peerless, Alcyon, Clejuso, Safariland, TCH, Walther und Ralkem.

Merkmale moderner Handschellen

Moderne Handschellen weisen typischerweise folgende Merkmale auf:

  • Mehrzähnige Ratsche: Erhöht die Sicherheit und Verstellmöglichkeiten.
  • Drehlagerbefestigte Kette: Verhindert Verkanten und ermöglicht freie Rotation der Schellen.
  • Double-Lock (Arretierung): Verhindert unbeabsichtigtes weiteres Zuziehen und Verletzungen. Muss vor dem Öffnen mit dem Schlüssel deaktiviert werden.

Anwendungsbereiche von Handschellen

Handschellen werden von Polizei, Strafvollzug, Zollbehörden und privaten Wachdiensten im Rahmen des Personengewahrsams eingesetzt. Sie dienen der Eigensicherung und der Unterbindung eigenmächtigen Handelns bei Festnahmen, Verbringungen und Überführungen. Der private Besitz von Handschellen ist in Deutschland nicht verboten.

Was bedeuten Handschellen?
Handschellen, auch Handfesseln oder Handschließen, im früheren Polizei- und Vollzugsdienst als Fesselzange (für beidarmige Fesselung) bezeichnet, umgangssprachlich auch Acht oder Achter genannt, dienen zur Fesselung der Hände von Personen.

Handschellen finden auch im Bereich BDSM Verwendung.

Das Obergericht von Namibia entschied 2020, dass der Einsatz von Handschellen unter bestimmten Umständen „grausam, entwürdigend und unmenschlich“ und daher verfassungswidrig sein kann.

Festnahmen und Handschellen

Bei Festnahmen ist das Verhältnismäßigkeitsprinzip zu beachten. Der Einsatz von Handschellen wird jedoch aufgrund der gebotenen Eigensicherung in der Regel als verhältnismäßig angesehen. In bestimmten Fällen kann die Anwendung von Handschellen vorgeschrieben oder angeordnet sein.

Auch Privatpersonen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen (Jedermann-Festnahme) Handschellen verwenden, können sich aber unter Umständen der Freiheitsberaubung schuldig machen.

In Österreich ist das Anlegen von Handschellen unter bestimmten Bedingungen in der Anhalteordnung geregelt, insbesondere bei Gefahr von Selbst- oder Fremdgefährdung, Sachbeschädigung, Flucht oder Vereitelung einer Amtshandlung. Fluchtgefahr wird bei Verdacht auf ein Verbrechen oder bei Ausführungen und Überstellungen vermutet.

Handschellen im Strafvollzug

Im deutschen Strafvollzug ist der Einsatz von Handschellen im Strafvollzugsgesetz (StVollzG) geregelt. Die Entscheidung liegt im Ermessen der Bediensteten unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsprinzips. Auch hier wird die Verwendung von Handschellen zur Eigensicherung in der Regel als verhältnismäßig angesehen.

In Österreich regelt § 103 Strafvollzugsgesetz (StVG) die Anwendung von Fesseln als besondere Sicherheitsmaßnahme, insbesondere bei Gefahr von Gewalt, Selbstmord oder Flucht, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.

BDSM und Handschellen

Im BDSM-Bereich werden Handschellen häufig bei Bondage-Aktivitäten eingesetzt. Unsachgemäße Anwendung kann zu Verletzungen und Nervenschäden führen, insbesondere bei minderwertigen Fesseln. Handschellen werden auch ikonografisch als Schlüsselanhänger oder Kettenanhänger verwendet.

Sind Handschellen Waffen?
Handschellen werden von Polizei, Strafvollzug, Zoll oder privaten Wachdiensten zur Durchführung von Festnahmen und Überführungen verwendet. Außerdem verwendet man diese im Bereich BDSM. Der Besitz von Handschellen durch Privatpersonen ist -im Gegensatz zu dem der meisten Waffen in Deutschland- nicht verboten.

Anwendungsvarianten beim Anlegen von Handschellen

Die gängigsten Anwendungsvarianten sind:

  • Vor dem Körper (auf dem Bauch): Ermöglicht größeren Aktionsradius. Sollte idealerweise mit einer Bauchkette oder einem Fesselgurt fixiert werden.
  • Hinter dem Körper (auf dem Rücken): Schränkt Bewegungsfreiheit stark ein. Standardpraxis bei Festnahmen in den USA und zunehmend auch in Deutschland und Österreich. Schlüssellöcher sollten nach oben zeigen, um Manipulation zu erschweren.
  • Über dem Kopf: Maximale Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Räumliche Fortbewegung wird vollständig aufgehoben.

Je nach Situation und Gefährdungspotenzial werden unterschiedliche Taktiken beim Anlegen von Handschellen hinter dem Rücken angewendet:

  • Stehend: Person dreht sich um und legt Hände auf den Rücken oder verschränkt sie hinter dem Kopf. Kann durch Vorbeugen oder Positionierung an einer Wand weiter gesichert werden.
  • Kniend: Person kniet sich mit erhobenen Händen hin und überkreuzt die Beine. Hände werden am Rücken oder im Genick verschränkt. Minimiert Angriffsmöglichkeiten.
  • Liegend (Bauchlage): Person liegt flach auf dem Bauch. Arme werden mittels Streckhebel ergriffen und gefesselt. Maximale Kontrolle, insbesondere bei unkooperativen, gewalttätigen oder bewaffneten Personen.

Die Bewegungsfreiheit kann durch verschiedene Maßnahmen weiter eingeschränkt werden:

  • Starre Schellen, Gelenkschellen oder Handschellen mit nur einem Kettenglied
  • Zusätzliche Fußschellen, Bauchketten oder verbundene Fesselkombinationen
  • Befestigung an einem festen Gegenstand (z.B. Gitterwand, Mast, Baum)
  • Verbindung mehrerer Personen aneinander
  • Führung durch Aufsichtspersonen (Haltegriff an Handfessel oder Führungskette)

Hogtie-Fesselung und Hobble-Fesselung sind weitere Methoden, die im polizeilichen und strafvollzuglichen Kontext eingesetzt werden, um die Bewegungsfreiheit extrem einzuschränken.

Gefahren und Risiken beim Einsatz von Handschellen

Die Anwendung von Handschellen kann, insbesondere bei falscher Anwendung oder zu engem Anlegen, zu Nervenschädigungen, insbesondere im Bereich der Handgelenke, führen. Dauerhafte Zuglast oder Druck können Verletzungen verursachen, die zu monatelangen oder dauerhaften Schäden führen können. Besonders häufig sind Nerven des Daumens betroffen, was zu Taubheitsgefühlen führen kann. Das Phänomen der Arrestantenlähmung beschreibt Nervenschädigungen durch Fesselung.

Behördliche Anforderungen an Handschellen

Für deutsche Behörden existiert seit 2004 eine technische Richtlinie für Handfesseln, die Anforderungen an Material, Ausführung, Festigkeit, Sicherheit, Verschleiß und mehr festlegt. Darin sind unter anderem Zug- und Torsionsfestigkeit, Innen- und Außenmaße, Garantie, Anzahl der Zuhaltungen und Schlosssicherheit vorgeschrieben.

Auf internationaler Ebene gilt der US-amerikanische NIJ-Standard 1001.00. Viele Hersteller produzieren ihre Handschellen nach diesen Richtlinien.

Häufig gestellte Fragen zu Handschellen (FAQ)

Wer darf Handschellen benutzen und in der Öffentlichkeit bei sich tragen?

In Deutschland dürfen Handschellen im beruflichen Einsatz von der Polizei, Mitarbeitern von Sicherheitsunternehmen, Feldjägern der Bundeswehr und Mitarbeitern im Strafvollzug verwendet werden. Nur Angehörigen dieser Berufsgruppen ist es auch erlaubt, Handschellen in der Öffentlichkeit zu tragen.

Sind Handschellen schmerzhaft?

Handschellen können schmerzhaft sein, insbesondere wenn sie zu eng angelegt werden oder über einen längeren Zeitraum getragen werden. Unsachgemäße Anwendung oder minderwertige Fesseln können zu Verletzungen und Nervenschäden führen. Es ist wichtig, Handschellen korrekt anzulegen und regelmäßig die Durchblutung zu überprüfen.

Sind Handschellen Waffen?

Nein, Handschellen gelten in Deutschland nicht als Waffen im waffenrechtlichen Sinne. Sie sind Fesselungswerkzeuge und dienen primär der Ruhigstellung und Sicherung von Personen. Im Gegensatz zu Waffen besteht bei Handschellen keine unmittelbare Gefahr der Schädigung von Leib und Leben im Nahbereich oder aus der Distanz.

Fazit

Handschellen sind ein komplexes und vielschichtiges Instrument, das weit mehr als nur seine offensichtliche Funktion der Fesselung umfasst. Ihre lange Geschichte, die Vielfalt an Ausführungen und die spezifischen Anwendungstechniken unterstreichen ihre Bedeutung im Bereich der Sicherheit und Strafverfolgung. Ein verantwortungsvoller und sachkundiger Umgang mit Handschellen ist essentiell, um ihre Wirksamkeit zu gewährleisten und gleichzeitig die Sicherheit und Würde der gefesselten Person zu respektieren.

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