Die Rohrweihe: Merkmale, Lebensraum & Verhalten

27/10/2022

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Die Rohrweihe ist ein faszinierender Greifvogel, der in Deutschland relativ häufig vorkommt und zu den mittelgroßen Arten zählt. Ihr charakteristisches Flugbild, ein flaches, schaukelndes Segeln über dem Boden mit V-förmig erhobenen Flügeln, macht sie zu einem unverkennbaren Anblick in unseren Landschaften. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte über die Rohrweihe, von ihren Erkennungsmerkmalen über ihren Lebensraum und ihre Ernährung bis hin zu ihrem Fortpflanzungsverhalten und den Schutzmaßnahmen, die für diese Art wichtig sind.

Inhaltsverzeichnis

Wie erkennt man eine Rohrweihe?

Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) lässt sich anhand einiger markanter Merkmale gut identifizieren. Besonders im Flug zeigt sie ihre typische Gestalt. Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Flugbild: Das charakteristischste Merkmal ist das V-förmige Flugbild. Die langen, schmalen Flügel werden beim Segeln und Gleiten deutlich nach oben gehalten. Der Flug wirkt oft etwas schaukelnd und gaukelnd, da die Rohrweihe langsam und niedrig über dem Boden gleitet, um nach Beute Ausschau zu halten.
  • Größe und Gestalt: Die Rohrweihe ist etwa so groß wie ein Mäusebussard, wirkt aber schlanker und eleganter. Sie ist die größte Weihenart in Mitteleuropa und besitzt im Vergleich zu anderen Weihen einen kräftigeren Körperbau, breitere Flügel und einen kürzeren Schwanz (Stoß).
  • Flugweise: Neben dem V-förmigen Flugbild ist die Flugweise der Rohrweihe auffällig. Sie besteht aus einer Kombination von langsamen, kraftvollen Flügelschlägen und anschließenden Gleitphasen. Dabei kippt sie oft leicht seitwärts, um das Gelände optimal abzusuchen.
  • Gefiederfärbung (Männchen): Das Männchen (Terzel) der Rohrweihe ist kontrastreich gefärbt. Es hat einen rostbraunen Rücken und Schultern, graue Armschwingen, schwarze Handschwingen und Flügelspitzen sowie einen hellgrauen Kopf und Hals mit dunkler Strichelung. Der Schwanz ist langgestreckt und hellgrau, die Unterseite des Körpers rostbraun. Die Flügelmitte erscheint silbergrau.
  • Gefiederfärbung (Weibchen): Das Weibchen ist deutlich unauffälliger gefärbt. Es ist einheitlich dunkelbraun an der Oberseite. Im Flug sind der hellgelbe bis cremefarbene Kopf und die Flügelvorderkante gut erkennbar. Ein dunkler Strich zieht sich vom Auge bis zum Hinterkopf.
  • Gefiederfärbung (Jungvögel): Jungvögel ähneln in ihrem Jugendkleid den adulten Weibchen, sind aber insgesamt noch dunkler gefärbt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Achten Sie auf den V-förmigen Flug, die Größe, die schaukelnde Flugweise und die unterschiedliche Gefiederfärbung von Männchen und Weibchen, um eine Rohrweihe sicher zu identifizieren.

Wo lebt die Rohrweihe? Ihr Lebensraum

Die Rohrweihe ist ein Vogel der Feuchtgebiete. Ihr bevorzugter Lebensraum sind ausgedehnte Schilfgebiete an stehenden und fließenden Gewässern. Sie ist typisch für:

  • Seen und Teiche: Insbesondere Uferbereiche mit dichten Schilfbeständen sind wichtige Lebensräume.
  • Moore und Sümpfe: Auch in Mooren und sumpfigen Wiesen findet die Rohrweihe geeignete Brut- und Jagdgebiete.
  • Flussniederungen: Flussauen und Niederungen mit Schilfröhricht bieten ebenfalls Lebensraum.
  • Verlandungsbereiche: Bereiche, in denen Gewässer verlanden und Schilf wächst, sind attraktive Habitate.

Die Rohrweihe ist nicht ausschließlich auf Schilfgebiete beschränkt. Sie nutzt auch angrenzendes Kulturland und jagt in feuchten Wiesen und auf Feldern in offener Landschaft. In jüngerer Zeit brütet sie auch vermehrt in Getreidefeldern, wenn diese an Feuchtgebiete angrenzen. Dies zeigt ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Landschaften. In Sachsen beispielsweise ist sie eine Charakterart der Teichgebiete unterhalb von 300 Metern über Normalnull, breitet sich aber zunehmend auch in höhere Lagen aus.

Was frisst die Rohrweihe? Die Ernährung

Die Rohrweihe ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Ihre Ernährung ist stark von der Verfügbarkeit der Beute in ihrem Lebensraum abhängig. Zu ihren Hauptbeutetieren gehören:

  • Kleinsäuger: Feldmäuse, Schermaus und junge Bisamratten sind wichtige Nahrungsquellen.
  • Wasservögel: Vor allem Jungvögel von Enten, Rallen, Möwen und anderen Wasservögeln werden erbeutet. Auch adulte Wasservögel können, insbesondere auf dem Wasser, gejagt werden, bis sie erschöpft sind.
  • Nestlinge und Küken: Die Rohrweihe plündert auch Vogelnester und erbeutet Nestlinge und Küken verschiedener Vogelarten.
  • Amphibien und Reptilien: Frösche, Ringelnattern und Eidechsen stehen ebenfalls auf ihrem Speiseplan.
  • Fische: In geringerem Maße werden auch Fische gefressen.
  • Großinsekten: Libellen und andere große Insekten ergänzen die Nahrung, besonders im Sommer.

Jagdstrategien: Die Rohrweihe ist eine geschickte Jägerin, die verschiedene Jagdstrategien anwendet:

  • Suchflug: Im langsamen, gaukelnden Suchflug fliegt sie niedrig über dem Gelände und späht nach Beute.
  • Rüttelflug: Ähnlich wie der Turmfalke kann die Rohrweihe im Rüttelflug in der Luft stehenbleiben, um ein bestimmtes Gebiet genauer zu inspizieren.
  • Überraschungsangriff: Sie kann sich plötzlich aus dem Suchflug auf ihre Beute stürzen oder sie am Boden überraschen.
  • Wasserjagd: Wasservögel werden oft auf der Wasseroberfläche gejagt und attackiert, bis sie erschöpft sind.

Fortpflanzung und Brutverhalten

Die Rohrweihe ist ein Sommergast in Deutschland. Sie kehrt im März/April aus ihren Winterquartieren zurück und beginnt mit der Fortpflanzung. Das Brutverhalten ist geprägt von:

  • Balz: Die Balzflüge der Männchen sind beeindruckend. Sie umfassen plötzliches Seitwärtskippen, Scheinangriffe auf die Weibchen, Kreisen in großer Höhe und Sturzflüge mit hochgestellten Flügeln und ausgestreckten Beinen.
  • Revierverteidigung: Die Rohrweihe ist territorial und verteidigt ihr Brutrevier gegen Artgenossen und andere Eindringlinge.
  • Nestbau: Das Nest wird meist im dichten Schilf über dem Wasser gebaut, seltener auch in Getreidefeldern. Es ist ein großer Haufen aus Stöcken, altem Schilf und Reisig mit einer Mulde, die mit feinem Pflanzenmaterial ausgepolstert wird. Das Weibchen wählt den Neststandort und baut das Nest, wobei das Männchen Material beschafft.
  • Gelege: Die Eiablage erfolgt in der Regel zwischen Mai und Juni. Das Gelege besteht aus 4 bis 7 ovalen, bläulich-weißen Eiern.
  • Brutdauer und Aufzucht: Nur das Weibchen brütet die Eier aus, während das Männchen es mit Nahrung versorgt. Die Brutdauer beträgt etwa 31 bis 35 Tage. Nach dem Schlüpfen werden die Nestlinge zunächst nur vom Weibchen gehudert und gefüttert. Das Männchen übergibt die Beute an das Weibchen, welches sie an die Jungen weitergibt. Später beteiligen sich beide Elternteile an der Fütterung. Die Jungen sind Nesthocker und werden nach etwa 40 Tagen flügge.
  • Jungvögel: Auch nach dem Ausfliegen bleiben die Jungvögel noch etwa 14 Tage in Nestnähe und werden von den Eltern versorgt. Nach weiteren 2 bis 3 Wochen sind sie selbstständig.

Zugverhalten und Überwinterung

Die Rohrweihe ist ein Langstreckenzieher. Sie verbringt den Winter in ihren Überwinterungsgebieten im Mittelmeerraum und in Zentralafrika. Der Wegzug beginnt bereits im August und zieht sich bis Mitte September hin. Die Männchen ziehen oft früher ab als die Weibchen. Die Ankunft in den Brutgebieten erfolgt meist Ende März/Anfang April.

Gefährdung und Schutz der Rohrweihe

Die Rohrweihe ist in Deutschland zwar nicht vom Aussterben bedroht, steht aber in einigen Regionen auf der Roten Liste, wie beispielsweise in Bayern, wo sie als gefährdet gilt. Die Hauptgefährdungsursachen sind:

  • Lebensraumverlust: Die Zerstörung von Feuchtgebieten durch Trockenlegung, Bebauung und intensive Landwirtschaft ist die größte Bedrohung.
  • Intensive Landnutzung: Der Einsatz von Pestiziden und die intensive Bewirtschaftung von Feldern können die Nahrungsgrundlage der Rohrweihe beeinträchtigen. Auch die Brut in Getreidefeldern birgt Risiken durch die Erntemaschinen.
  • Störungen am Brutplatz: Störungen durch Freizeitaktivitäten in der Nähe von Brutplätzen können die Brut gefährden.

Schutzmaßnahmen: Um die Rohrweihe zu schützen, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Erhaltung und Renaturierung von Feuchtgebieten: Der Schutz und die Wiederherstellung von Schilfgebieten, Mooren und anderen Feuchtgebieten sind entscheidend.
  • Extensive Landwirtschaft fördern: Eine weniger intensive Landwirtschaft mit reduziertem Pestizideinsatz und der Erhalt von Randstreifen und Brachflächen können die Lebensbedingungen verbessern.
  • Brutschutz in Getreidefeldern: In Gebieten, in denen Rohrweihen in Getreidefeldern brüten, sind spezielle Schutzmaßnahmen während der Erntezeit erforderlich, wie beispielsweise die Anlage von Brutflächen, die nicht gemäht werden.
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit: Die Aufklärung der Bevölkerung über die Bedürfnisse der Rohrweihe und die Bedeutung des Feuchtgebietsschutzes ist wichtig, um Akzeptanz und Unterstützung für Schutzmaßnahmen zu schaffen.

Fragen und Antworten zur Rohrweihe (FAQ)

FrageAntwort
Wie alt wird eine Rohrweihe?Die älteste bekannte beringte Rohrweihe wurde 16 Jahre alt. Die Sterblichkeit ist jedoch besonders im ersten Lebensjahr hoch und kann bis zu 50% betragen.
Sind Rohrweihen Einzelgänger?Außerhalb der Brutzeit sind Rohrweihen Einzelgänger. Während der Brutzeit gehen sie monogame Saisonehen ein, wobei Männchen manchmal auch mehrere Weibchen versorgen können.
Wie groß ist das Jagdrevier einer Rohrweihe?Das Jagdrevier einer Rohrweihe kann sehr unterschiedlich groß sein und zwischen 1 und 15 Quadratkilometern betragen.
Welche Rufe hat die Rohrweihe?Die Balzrufe klingen wie ein klagendes „quiäh“ oder „kuäh“. Warnrufe sind eher ein keckerndes „kikekikekie“. Männchen lassen oft ein nasales „hijä,kiä“ oder „quiä“ hören, und Weibchen bei der Beuteübergabe ein heiseres „psie“.
Was tun, wenn man eine verletzte Rohrweihe findet?Kontaktieren Sie eine Wildtierauffangstation oder den örtlichen Naturschutzbund (NABU). Verletzte Greifvögel benötigen fachkundige Hilfe.

Fazit

Die Rohrweihe ist ein faszinierender und wichtiger Bestandteil unserer Vogelwelt. Ihre elegante Flugweise, ihre Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume und ihre Rolle im Ökosystem machen sie zu einem interessanten Beobachtungsobjekt und einem wichtigen Zeiger für den Zustand unserer Feuchtgebiete. Der Schutz dieser beeindruckenden Greifvogelart und ihrer Lebensräume ist von großer Bedeutung, um die Vielfalt unserer Natur auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

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