07/12/2024
Quinoa, ein Getreide, das ursprünglich aus Südamerika stammt, erfreut sich weltweit immer größerer Beliebtheit. Nicht nur in der Küche, sondern auch im Anbau gewinnt diese vielseitige Pflanze an Bedeutung. Doch kann man Quinoa überhaupt in den USA anbauen? Die Antwort ist ein klares Ja! Und mehr noch, es gibt bereits erfolgreiche Beispiele dafür, wie Quinoa in den Vereinigten Staaten kultiviert wird. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten und Herausforderungen des Quinoa-Anbaus in den USA, basierend auf einem spannenden Projekt in Oregon.

Quinoa: Ein südamerikanisches Superfood erobert die USA
Quinoa (Chenopodium quinoa) gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) und ist somit mit Gemüsesorten wie Spinat, Rüben und Mangold verwandt. Ursprünglich beheimatet ist Quinoa in den Anden Südamerikas, wo sie seit Jahrtausenden als Grundnahrungsmittel dient. Ihre Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche klimatische Bedingungen ist bemerkenswert. Quinoa wächst in Regionen mit extrem wenig Niederschlag (bis zu 75 mm pro Jahr) ebenso wie in Gebieten mit sehr hohen Niederschlagsmengen (bis zu 1900 mm pro Jahr). Auch an den Boden stellt sie keine hohen Ansprüche und toleriert sowohl saure als auch alkalische Böden sowie einen hohen Salzgehalt. Zudem ist Quinoa frosttolerant, sowohl während des Wachstums als auch während der Blütezeit.
Neben ihren robusten Anbaueigenschaften überzeugt Quinoa vor allem durch ihren hohen Nährwert. Die runden Samen sind reich an Proteinen (bis zu 16%), die zudem alle essentiellen Aminosäuren enthalten. Quinoa ist somit eine hervorragende Proteinquelle, insbesondere für Vegetarier und Veganer. Des Weiteren liefert Quinoa wertvolle Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Antioxidantien. Im Vergleich zu anderen Getreidesorten wie Reis, Couscous oder Gerste schneidet Quinoa in puncto Nährstoffgehalt deutlich besser ab. Ein weiterer Pluspunkt: Quinoa ist glutenfrei und somit auch für Menschen mit Glutenunverträglichkeit geeignet.
Quinoa-Anbau in Oregon: Ein Praxisbeispiel
Obwohl Quinoa viele Vorteile bietet, wurde sie weltweit lange Zeit nur in geringem Umfang angebaut. Ein Großteil der weltweiten Quinoa-Produktion stammt nach wie vor aus Südamerika, insbesondere aus Bolivien und Peru. Doch auch in anderen Regionen der Welt, wie China, Europa, Afrika und Indien, wird Quinoa mittlerweile angebaut. In Nordamerika begannen die ersten Versuche zur Anpassung von Quinoa an die lokalen Bedingungen in den 1980er Jahren in Colorado und Nevada. Im Jahr 2009 produzierten die USA bereits etwa 6% der weltweiten Quinoa-Menge.
Ein interessantes Projekt zum Quinoa-Anbau in den USA wird von der Marion-Polk Food Share (MPFS) in Oregon durchgeführt. Diese regionale Lebensmittelbank, die die Bezirke Marion und Polk versorgt, baut seit einigen Jahren Quinoa im Willamette Valley an. Der Anstoß für dieses Projekt war die Entwicklung eines „Better Burgers“, eines Veggie-Burgers, der von MPFS selbst hergestellt wird. Da proteinreiche Lebensmittel in Lebensmittelbanken oft Mangelware sind, sollte Quinoa als proteinreiche und gesunde Zutat für den Burger dienen. MPFS bewirtschaftet dafür einen 200 Hektar großen Bauernhof in der Nähe von Salem, der dem Oregon Department of Corrections gehört. Die Feldarbeit wird von der Iverson Family Farms übernommen.
Die ersten Anbauversuche und Herausforderungen
Im Jahr 2012 startete MPFS mit kleinen Gartenversuchen, bevor im Juni 2013 bereits 5 Hektar Quinoa an verschiedenen Standorten mit und ohne Bewässerung angepflanzt wurden. Die Pflanzen wuchsen zwar gut, wurden aber kurz vor der Ernte durch starken Regen beschädigt. Im Jahr 2014 wurde der Anbau auf 9 Hektar erweitert. Als Saatgut wurden verschiedene Sorten von Wild Garden Seed verwendet, einem Saatgutunternehmen in Philomath, Oregon. Der Inhaber, Frank Morton, baut seit über 30 Jahren Quinoa im pazifischen Nordwesten an und hat eigene Sorten entwickelt, darunter ‘Cherry Vanilla’, ‘Red Head’, ‘Brightest Brilliant Rainbow’ und ‘Oro d’ Valle’.
Die Aussaat erfolgte am 15. April mit einer Getreidedrillmaschine. Quinoa keimt bereitwillig, und bereits in der ersten Woche nach der Aussaat waren die ersten Keimlinge zu sehen. Bis Ende Mai waren die Pflanzen im Allgemeinen 10 bis 30 cm hoch und wuchsen im Juni zügig weiter. Ab der dritten Juniwoche begann die Blütenstandsentwicklung, und Ende Juni erreichten die Pflanzen ihre maximale Höhe. Im Laufe der Anbausaison traten jedoch auch Herausforderungen auf.
Unkraut, Falscher Mehltau und Schädlinge
Da keine Herbizide eingesetzt wurden, keimte Unkraut gleichzeitig mit der Quinoa auf. Besonders das Acker-Hederich (Anthemis cotula) erwies sich als hartnäckiger Konkurrent, der stellenweise dichte Bestände bildete und das Wachstum der Quinoa beeinträchtigte. Weitere Unkrautarten waren Wilde Möhre, Hirtentäschel, Knöterich, Gänsedistel und Ackerwinde.

Das größte Problem trat Mitte Mai auf, als gelbe und rosa Flecken auf den Blättern auftraten. Eine Diagnose in der OSU Plant Clinic ergab, dass es sich um Falschen Mehltau handelte, verursacht durch Peronospora sp. Diese Krankheit kann in schlimmen Fällen zu Totalausfällen führen. Glücklicherweise ließ der Befall mit wärmerem und trockenerem Wetter nach, und die neu nachwachsenden Blätter zeigten keine Symptome mehr.
Auch Insekten wurden beobachtet. Der Westliche Gefleckte Gurkenkäfer (Diabrotica undecimpunctata ssp. undecimpunctata) war in größerer Zahl vorhanden, ebenso wie Thripse und Blattläuse. Die Insektenpopulationen schienen jedoch im Laufe der Saison abzunehmen, sodass zur Erntezeit keine nennenswerten Schädlingsprobleme mehr bestanden.
Ernte und Verarbeitung
Die Ernte erfolgte am 27. August mit einem Mähdrescher. Das Erntegewicht direkt vom Feld betrug 8.464 Pfund. Die Verarbeitung von Quinoa umfasst mehrere Schritte, darunter die Reinigung und das Entfernen der bitteren Saponinschicht, die die Samen umgibt. Die Reinigung erfolgte durch einen lokalen Saatgutverarbeiter, K/S Seeds in Silverton, Oregon, wodurch das Saatgewicht um fast die Hälfte reduziert wurde. Das Polieren wurde von Willamette Valley Quinoa durchgeführt, einem neuen Kleinunternehmen in der Region Salem-Keizer. Am Ende der Verarbeitung erhielt MPFS über 4.000 Pfund Quinoa im Jahr 2014, die für die Burgerproduktion verwendet wurden.
Erfolgreiche Quinoa-Ernte und Ausblick
Trotz einiger Herausforderungen war die Quinoa-Ernte in Oregon im Jahr 2014 ein Erfolg. Für 2015 waren bereits 20 Hektar Anbaufläche geplant. Das Projekt hat großes Interesse in der Landwirtschaft geweckt. Landwirte, Verarbeiter und Händler haben Interesse am Potenzial von Quinoa als Cash Crop im Willamette Valley gezeigt.
Wann sollte man Quinoa säen?
Der Saattermin für Quinoa hängt von der jeweiligen Region und den klimatischen Bedingungen ab. In milden Lagen mit wenigen starken Frösten empfiehlt sich die Aussaat Ende März bis Ende April. In höheren oder frostgefährdeten Lagen sollte man bis Ende April bis Anfang Mai warten. Entscheidend sind gute Bedingungen mit ausreichend Feuchtigkeit im Boden, aber ohne Staunässe. Sobald die ersten Blätter vorhanden sind, kommt Quinoa auch mit wenig Wasser aus.
Vorteile von Quinoa im Überblick
| Vorteil | Beschreibung |
|---|---|
| Hoher Nährwert | Reich an Proteinen, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen |
| Glutenfrei | Geeignet für Menschen mit Glutenunverträglichkeit |
| Anpassungsfähig | Wächst unter verschiedenen klimatischen und Bodenbedingungen |
| Nachhaltig | Kann in Regionen angebaut werden, die für andere Kulturen weniger geeignet sind |
Fazit
Der Quinoa-Anbau in den USA, insbesondere im Willamette Valley in Oregon, zeigt vielversprechendes Potenzial. Das Projekt der Marion-Polk Food Share beweist, dass Quinoa auch in den USA erfolgreich angebaut werden kann und eine wertvolle Ergänzung zu lokalen Lebensmittelsystemen darstellt. Mit der richtigen Sortenwahl, Anbautechnik und Schädlingsmanagement kann Quinoa auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der amerikanischen Landwirtschaft spielen. Nicht nur für Lebensmittelbanken, sondern auch für Landwirte und Verbraucher bietet Quinoa eine interessante und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Getreidesorten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Ist Quinoa-Anbau in den USA wirtschaftlich rentabel?
- Das Projekt in Oregon zeigt, dass der Anbau technisch machbar ist. Die wirtschaftliche Rentabilität hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. Anbaukosten, Erträge und Marktpreise. Das steigende Interesse an Quinoa als gesundes Lebensmittel könnte den Anbau jedoch zunehmend attraktiver machen.
- Welche Herausforderungen gibt es beim Quinoa-Anbau in den USA?
- Zu den Herausforderungen gehören Unkrautbekämpfung, Krankheiten wie Falscher Mehltau und Schädlinge. Die Anpassung der Anbautechnik an die lokalen Bedingungen und die Entwicklung geeigneter Sorten sind wichtige Aspekte.
- Wo kann man Quinoa-Saatgut in den USA kaufen?
- Es gibt spezialisierte Saatgutfirmen, die Quinoa-Saatgut anbieten, wie z.B. Wild Garden Seed in Oregon, die im Artikel erwähnt werden. Auch andere Saatguthändler führen möglicherweise Quinoa-Saatgut im Sortiment.
- Ist Quinoa-Anbau auch in anderen Regionen der USA möglich?
- Ja, Quinoa ist sehr anpassungsfähig und kann in verschiedenen Klimazonen angebaut werden. Versuche in Colorado und Nevada in den 1980er Jahren haben bereits gezeigt, dass der Anbau auch in anderen Teilen der USA möglich ist. Weitere Forschung und Anpassung an die jeweiligen regionalen Bedingungen sind jedoch erforderlich.
