09/11/2024
Holzzerstörende Pilze stellen eine ernstzunehmende Gefahr für Bäume dar, oft unbemerkt im Inneren wirkend, bis es zu spät ist. Diese Pilze, deren Sporen allgegenwärtig in Boden und Luft schweben, können die Stabilität und Gesundheit von Bäumen erheblich beeinträchtigen. Sie greifen den Holzkörper an Stamm, Ästen und Wurzeln an, wobei der Abbauprozess lange Zeit im Verborgenen abläuft.

Was sind holzzerstörende Pilze?
Holzzerstörende Pilze sind Organismen, die sich von Holz ernähren und es zersetzen. Sie werden in zwei Hauptgruppen unterteilt: Parasiten, die lebendes Holz befallen, und Saprophyten, die sich von abgestorbenem Holz ernähren. Ihre Existenz ist ein natürlicher Bestandteil des Ökosystems, da sie abgestorbenes Holz abbauen und somit Nährstoffe für den Kreislauf freisetzen. Für lebende Bäume stellen sie jedoch eine Bedrohung dar, besonders wenn diese geschwächt oder verletzt sind.
Der Befall beginnt oft unscheinbar. Rindenschäden, beispielsweise verursacht durch mechanische Einwirkungen wie Rasenmäher oder Baumschnittarbeiten, bieten den Pilzsporen ideale Eintrittspforten. Solange ein Baum vital ist und die Wunden klein sind, kann er diese mit Kallusgewebe verschließen und eine Infektion abwehren. Bei größeren Wunden oder geschwächten Bäumen gelingt dies jedoch nicht immer. Die Pilzsporen keimen auf dem ungeschützten Holz und beginnen, es zu besiedeln.
Die keimenden Pilzsporen entwickeln Pilzfäden, sogenannte Hyphen, die mit Hilfe von Enzymen die Holzbestandteile aufspalten. Dieser Prozess kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Die Anwesenheit von Pilzen wird oft erst durch das Auftreten von Fruchtkörpern sichtbar. Diese Fruchtkörper sind die Fortpflanzungsorgane der Pilze und können je nach Art sehr unterschiedlich aussehen und zu verschiedenen Jahreszeiten erscheinen. Einige sind nur saisonal vorhanden, während andere von derber Konsistenz sind und über Jahre hinweg beobachtet werden können.
Wie schädigen Pilze das Holz?
Um die Schädigung durch Pilze zu verstehen, ist es wichtig, den Aufbau des Holzes zu kennen. Holz wird vom Kambium gebildet, einem Wachstumsgewebe zwischen Splint- und Kernholz. Das Kambium produziert Zellen, die sich zu Leitungs-, Speicher- und Festigungsgewebe differenzieren. Nach innen entsteht Kernholz, nach außen Splintholz (Innenrinde), aus dem sich die schützende Borke bildet.
Holz besteht hauptsächlich aus Zellulose, Hemizellulosen (Kohlehydraten) und Lignin. Die Zellulosefasern verleihen dem Holz Zugfestigkeit, während das Lignin für die Druckfestigkeit verantwortlich ist. Man kann Holz oft mit Stahlbeton vergleichen, wobei die Zellulose den Stahlseilen und das Lignin dem Beton entspricht.
Holzzerstörende Pilze erzeugen verschiedene Arten von Fäule, je nachdem, welche Holzbestandteile sie abbauen:
Weißfäule
Weißfäulepilze bauen vorzugsweise Kohlehydrate (Zellulose und Hemizellulose) sowie Lignin ab. Durch diesen Abbauprozess erscheint das Holz weißlich und faserig. Typisch für Weißfäule ist die Zähbruchgefahr, da die Struktur des Holzes geschwächt wird.
Braunfäule
Braunfäulepilze konzentrieren sich auf den Abbau der Kohlehydrate, während das Lignin weitgehend erhalten bleibt. Das zersetzte Holz nimmt eine braune Farbe an. Im trockenen Zustand zeigt Braunfäule typische Längs- und Querrisse und zerbricht würfelartig. Im fortgeschrittenen Stadium zerfällt es zu braunem Pulver. Braunfäule führt zu Sprödbruchgefahr.
Moderfäule
Moderfäulepilze beginnen mit dem Abbau der Zellulose und greifen später auch das Lignin an. Moderfäule führt zur Holzversprödung. Die Bruchflächen sehen oft keramikartig aus. Ein bekannter Verursacher der Moderfäule ist der Brandkrustenpilz. Auch hier besteht Sprödbruchgefahr.
Die genaue Kenntnis der Pilzarten und des Fortschritts der Fäule ist entscheidend für die Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen. Die Aggressivität des Holzabbaus variiert je nach Pilzart erheblich und muss bei der Risikobewertung berücksichtigt werden.
Häufige holzzerstörende Pilze an Bäumen
Im Folgenden werden einige der häufigsten holzzerstörenden Pilze vorgestellt, die Wurzeln und Stammbasis von Bäumen befallen. Die Vielfalt der Arten ist jedoch weitaus größer.
| Fäuleerreger an Wurzeln | Fäuleerreger an der Stammbasis |
|---|---|
| Hallimasch | Flacher Lackporling |
| Brandkrustenpilz | Wulstiger Lackporling |
| Riesenporling |
Hallimasch (Armillaria spp.)
Der Hallimasch ist einer der weitverbreitetsten holzzerstörenden Pilze und befällt sowohl Laub- als auch Nadelbäume, lebende und tote. In Europa werden verschiedene Arten unterschieden, die häufigsten sind der Honiggelbe Hallimasch (Armillaria mellea) und der Dunkle Hallimasch (A. ostoyae).
Hallimascharten leben vorzugsweise parasitisch an geschwächten Bäumen. Die Fruchtkörper erscheinen in Gruppen von Ende August bis November. Sie sind einjährig und honiggelb bis braun gefärbt. Der Hut ist zunächst halbkugelig, später flach, mit weißlichen bis rötlichen Lamellen auf der Unterseite. Der Stiel ist bräunlich und trägt eine charakteristische „Halskrause“.
Hallimasch verursacht eine Weißfäule im Kernholz oder bildet unter der Rinde ein weißes Fächermycel und später schwarze Rhizomorphen, das sogenannte Schnürsenkelmycel. Die Schädigung des Kambiums führt zu Vitalitätsverlusten. Die intensive Weißfäule in Stammbasis und Wurzeln kann zum Zähbruch der Wurzeln oder seltener zum Stammbruch führen.
Brandkrustenpilz (Kretschmaria deusta)
Der Brandkrustenpilz befällt zahlreiche Laubbaumarten, insbesondere Ahorn, Rotbuche, Linde, Rosskastanie, Esche und Birke, seltener Nadelbäume. Er ist ein gefährlicher Parasit und lebt an Starkwurzeln, Wurzelanläufen, Stammfuß und unterem Stamm.
Die Fruchtkörper des Brandkrustenpilzes sind ganzjährig zu finden, aber aufgrund ihres unscheinbaren Aussehens – sie ähneln schwarzen Asphaltspritzern mit höckeriger Oberfläche – leicht zu übersehen. Sie bilden große Mengen an Sporen. Von April bis Juni werden sogenannte Nebenfruchtkörper gebildet, die grau gefärbt, flächig auf dem Untergrund sitzen und weiß berandet sind.
Der Pilz dringt über Verletzungen in das Holz ein und verursacht eine intensive Weißfäule, die von schwarzen Demarkationslinien durchzogen ist. Die Weißfäule kann von Moderfäule begleitet sein. Der Befall bleibt oft unbemerkt, bis der Baum plötzlich umstürzt (Sprödbruch). Die Bruchfläche zeigt eine keramikartige Oberfläche.
Riesenporling (Meripilus giganteus)
Der Riesenporling befällt vorzugsweise Rot- und Blutbuchen, aber auch Eichen und Pappeln. Er lebt parasitisch an geschwächten Bäumen und besiedelt diese von geschädigten oder absterbenden Wurzeln aus. Er dringt jedoch nur wenig in das Stammholz vor.
Die Fruchtkörper können im Bereich der Wurzelanläufe oder entfernt vom Stamm an den Wurzeln wachsen. Sie stehen dachziegelartig in Büscheln eng beieinander und können beträchtliche Größen erreichen. Die fleischig-derben, gelb bis braun gefärbten Fruchtkörper haben auf der Hutunterseite cremefarbene Röhren, die sich später schwarz färben. Sie sind von Juli bis Oktober sichtbar, zerfallen dann und werden bei feuchtem Wetter zu einer dunklen Masse.
Der Riesenporling verursacht eine Weißfäule, die zuerst die tiefer liegenden Wurzeln abbaut und sich dann auf den gesamten Wurzelbereich ausdehnt. Bemerkenswert ist, dass zunächst nur die Unterseite der Wurzeln betroffen ist. Ein starker Befall führt zu Vitalitätsverlusten, erkennbar an kleineren Blättern, und schließlich zum Absterben der Krone. Es kommt zum Sprödbruch der stammnahen Wurzeln und in der Folge zu Windwurf.
Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum)
Der Flache Lackporling wächst bevorzugt an der Stammbasis von Buche, Ahorn, Linde, Birke, Esche, Rosskastanie und Pappel. Die Fruchtkörper sind mehrjährig, können einzeln stehen oder dachziegelartig beieinander. Oft sind sie mit großen Mengen zimtfarbenen Sporenstaubs bedeckt. Alte Baumstubben können vollständig von seinen Fruchtkörpern überdeckt sein.
Die Hutoberfläche ist runzelig, gezont und braun, im Alter oft grau bis schwarz. Sie lässt sich mit dem Finger eindrücken. Der Pilz lebt parasitisch nach Verletzungen an Stamm und Stammfuß. Im Längsschnitt sind braune Röhrenschichten durch dünne weiße Streifen getrennt.
Der Flache Lackporling verursacht eine intensive Weißfäule, die langsam fortschreitet, aber die Stand- und Bruchsicherheit erheblich beeinträchtigt. Es kommt schließlich zum Zähbruch, meist in der Nähe der Fruchtkörper.
Wulstiger Lackporling (Ganoderma adspersum)
Der Wulstige Lackporling wächst vorzugsweise an der Stammbasis von Eiche, Linde, Rosskastanie und Mehlbeere. Seine mehrjährigen Fruchtkörper haben im Unterschied zum Flachen Lackporling eine dickere, wulstige Hutoberseite und einen breiten weißen, wulstigen Rand. Oft wachsen die Fruchtkörper in übereinanderliegenden Konsolen. Im Längsschnitt fehlen die weißen Linien des Flachen Lackporlings.
Der Wulstige Lackporling verursacht eine Weißfäule in Wurzeln, Wurzelanläufen und im Stammfuß, meist von der Unterseite der Wurzeln ausgehend. Auch wenn sich die Fäule langsam ausbreitet, wird die Verkehrssicherheit zunehmend beeinträchtigt. Schließlich brechen die Wurzeln, und der Baum kann vom Wind geworfen werden.
Vorbeugung und Erkennung von Baumpilzen
Die beste Vorbeugung gegen Pilzbefall ist die Gesunderhaltung der Bäume. Achten Sie auf eine ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung, vermeiden Sie Bodenverdichtung im Wurzelbereich und schützen Sie die Bäume vor mechanischen Verletzungen. Bei Baumschnittarbeiten ist es wichtig, saubere Schnitte zu setzen und größere Wunden gegebenenfalls mit Wundverschlussmittel zu behandeln.
Die regelmäßige Kontrolle der Bäume ist entscheidend für die Früherkennung von Pilzbefall. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
- Fruchtkörper am Stammfuß, an Wurzelanläufen oder am Stamm.
- Rindenschäden, insbesondere im unteren Stammbereich.
- Veränderungen der Rinde, wie z.B. Risse, Abplatzungen oder Verfärbungen.
- Vitalitätsverluste, wie z.B. reduziertes Blattwachstum, vorzeitige Herbstfärbung oder absterbende Äste.
- Ungewöhnliche Wuchsformen oder Schwellungen am Stammfuß.
Was tun bei Pilzbefall?
Wenn Sie einen Pilzbefall vermuten oder Fruchtkörper an Ihren Bäumen entdecken, ist es ratsam, einen Baumexperten oder Baumpfleger zu konsultieren. Dieser kann die Pilzart bestimmen, das Ausmaß der Schädigung beurteilen und Empfehlungen für das weitere Vorgehen geben. Nicht jeder Pilzbefall bedeutet automatisch das Ende eines Baumes, aber eine fachkundige Beurteilung ist unerlässlich, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und gegebenenfalls rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen.
Fazit
Holzzerstörende Pilze stellen eine unsichtbare, aber ernsthafte Gefahr für Bäume dar. Die frühzeitige Erkennung und das Verständnis der verschiedenen Pilzarten sind entscheidend, um die Gesundheit und Sicherheit unserer Bäume zu gewährleisten. Regelmäßige Kontrollen und die Zusammenarbeit mit Fachleuten sind wichtige Schritte, um Bäume vor den negativen Auswirkungen dieser oft stillen Schädlinge zu schützen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Sind alle Pilze an Bäumen schädlich?
- Nein, nicht alle Pilze an Bäumen sind schädlich. Einige leben in Symbiose mit Bäumen (Mykorrhizapilze) und fördern sogar deren Wachstum. Andere sind Saprophyten und zersetzen lediglich abgestorbenes Holz, ohne lebende Bäume zu gefährden. Holzzerstörende Pilze hingegen können jedoch erhebliche Schäden verursachen.
- Kann man Pilzbefall an Bäumen behandeln?
- Eine direkte Bekämpfung von Pilzbefall an Bäumen ist oft schwierig. In manchen Fällen können Baumpfleger befallenes Holz entfernen oder spezielle Wundbehandlungen durchführen. Vorbeugende Maßnahmen und die Stärkung der Baumvitalität sind jedoch die effektivsten Strategien.
- Wie lange dauert es, bis ein Pilz einen Baum schädigt?
- Die Geschwindigkeit der Schädigung hängt von der Pilzart, der Baumart und dem Vitalitätszustand des Baumes ab. Einige Pilze wirken sehr aggressiv und können einen Baum innerhalb weniger Jahre erheblich schädigen, während andere langsamer fortschreiten. Oftmals dauert es Jahre, bis äußere Anzeichen eines Befalls sichtbar werden.
- Sind Fruchtkörper immer ein Zeichen für eine gefährliche Situation?
- Nicht unbedingt. Das Auftreten von Fruchtkörpern zeigt zwar an, dass ein Pilz im Baum aktiv ist, aber nicht jede Pilzart ist gleich aggressiv. Einige Pilze verursachen nur geringe Schäden, während andere die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes erheblich gefährden können. Die genaue Beurteilung erfordert Fachkenntnis.
- Kann man vorbeugend gegen Pilzbefall vorgehen?
- Ja, vorbeugende Maßnahmen sind sehr wichtig. Dazu gehören die Gesunderhaltung der Bäume durch optimale Standortbedingungen, Vermeidung von Verletzungen, fachgerechter Baumschnitt und regelmäßige Kontrollen. Eine gute Baumgesundheit macht Bäume widerstandsfähiger gegen Pilzbefall.
