19/09/2021
Die Sonne scheint wieder kräftiger und die Tage werden länger. Viele freuen sich über das schöne Wetter, doch mit der zunehmenden Sonneneinstrahlung steigt auch die Gefahr von Sonnenbrand. Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass man hinter Glas sicher vor schädlicher UV-Strahlung ist. Aber stimmt das wirklich? Kann man auch im Büro, zu Hause am Fenster oder im Auto einen Sonnenbrand bekommen? Dieser Artikel beleuchtet die Fakten rund um UV-Strahlung und Glas und gibt Ihnen wichtige Informationen zum Schutz Ihrer Haut.

UV-Strahlung: Was ist das eigentlich?
Sonnenlicht besteht aus verschiedenen Arten von Strahlung, darunter auch die ultraviolette (UV) Strahlung. Diese ist für uns unsichtbar, aber sie kann erhebliche Auswirkungen auf unsere Haut haben. Man unterscheidet hauptsächlich drei Arten von UV-Strahlung:
- UV-C-Strahlung: Die energiereichste und gefährlichste Form der UV-Strahlung. Glücklicherweise wird sie fast vollständig von der Ozonschicht in der Erdatmosphäre absorbiert und erreicht die Erdoberfläche normalerweise nicht.
- UV-B-Strahlung: Diese Strahlung ist ebenfalls energiereich und kann Sonnenbrand verursachen. Sie regt die Pigmentbildung in der Haut an und führt zur Bräunung. UV-B-Strahlen sind besonders im Sommer und in höheren Lagen intensiv.
- UV-A-Strahlung: UV-A-Strahlen sind weniger energiereich als UV-B-Strahlen, dringen aber tiefer in die Haut ein. Sie tragen zur Hautalterung bei und können langfristig das Risiko für Hautkrebs erhöhen. Auch Sonnenallergien können durch UV-A-Strahlung ausgelöst werden.
Lässt Glas UV-Strahlen durch?
Glas ist nicht gleich Glas. Die Art und Dicke des Glases sowie eventuelle Beschichtungen spielen eine Rolle dabei, wie viel UV-Strahlung es durchlässt. Generell gilt:
- UV-B-Strahlung wird von normalem Fensterglas nahezu vollständig absorbiert. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, hinter normalem Glas einen Sonnenbrand durch UV-B-Strahlen zu bekommen, sehr gering ist. Auch die erwünschte Bräunung der Haut durch UV-B-Strahlen findet hinter Glas kaum statt.
- UV-A-Strahlung wird von normalem Fensterglas jedoch nur teilweise abgehalten. Etwa 40% der UV-A-Strahlung werden absorbiert, während rund 60% das Glas durchdringen können. Das bedeutet, dass man hinter Glas zwar keinen klassischen Sonnenbrand durch UV-B-Strahlen bekommt, aber dennoch UV-A-Strahlung ausgesetzt ist.
Die Gefahren von UV-A-Strahlung hinter Glas
Auch wenn UV-A-Strahlen weniger energiereich sind als UV-B-Strahlen, sollten ihre Auswirkungen nicht unterschätzt werden. Da sie tiefer in die Haut eindringen, können sie langfristige Schäden verursachen:
- Vorzeitige Hautalterung: UV-A-Strahlen sind einer der Hauptverursacher von Falten, Pigmentflecken und Elastizitätsverlust der Haut. Langjährige, regelmäßige UV-A-Belastung durch Fensterglas kann die Haut schneller altern lassen.
- Erhöhtes Hautkrebsrisiko: UV-A-Strahlung trägt zur Entstehung von Hautkrebs bei, insbesondere von Melanomen und Basalzellkarzinomen. Auch wenn das Risiko hinter Glas geringer ist als in der direkten Sonne, ist es nicht null.
- Sonnenallergien: UV-A-Strahlen können bei empfindlichen Personen Sonnenallergien auslösen, auch hinter Glas.
- Bräunung der Haut (gräuliches Braun): Bei sehr hoher und lang anhaltender UV-A-Belastung kann die Haut auch hinter Glas leicht bräunen, allerdings entsteht dabei eher ein gräulicher Farbton und kein gesundes, sonnengeküsstes Braun. Und wo Bräunung möglich ist, ist ein leichter Sonnenbrand prinzipiell nicht ausgeschlossen.
Sonnenschutz im Auto: Besonderheiten
Im Auto ist die Situation etwas anders. Moderne Windschutzscheiben bestehen in der Regel aus Verbundglas. Dieses spezielle Glas enthält eine Folie, die das gesamte UV-Spektrum, sowohl UV-B als auch UV-A, effektiv blockiert. Windschutzscheiben bieten daher einen sehr guten UV-Schutz.
Für Seiten- und Heckscheiben gilt dies jedoch oft nicht. Viele Autos, insbesondere ältere Modelle, haben hier normales Glas verbaut, das UV-A-Strahlung durchlässt. Bei längeren Autofahrten, besonders in sonnenreichen Regionen, ist es daher ratsam, auch im Auto an Sonnenschutz zu denken. Dies gilt besonders für Kinder, deren Haut empfindlicher ist.
Mögliche Schutzmaßnahmen im Auto:
- Sonnenschutzfolien: Sie können an den Seiten- und Heckscheiben angebracht werden und bieten einen zusätzlichen UV-Schutz.
- Kleidung: Lange Kleidung, wie langärmlige Hemden und Hosen, schützt die Haut effektiv vor UV-Strahlung.
- Sonnencreme: Auch im Auto kann das Auftragen von Sonnencreme auf unbedeckte Hautpartien sinnvoll sein, besonders bei längeren Fahrten.
Vitamin D und Sonnenlicht: Ein Dilemma
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit UV-Strahlung ist die Vitamin-D-Produktion. Unser Körper benötigt UV-B-Strahlung, um Vitamin D selbst zu produzieren. Da normales Fensterglas UV-B-Strahlen blockiert, ist die Vitamin-D-Synthese hinter Glas nicht möglich. Um ausreichend Vitamin D zu bilden, ist es daher wichtig, regelmäßig Zeit im Freien zu verbringen, idealerweise in der Mittagssonne (natürlich mit angemessenem Sonnenschutz, um Sonnenbrand zu vermeiden!).

Ein Spaziergang im Freien, auch bei bewölktem Himmel, ist oft ausreichend, um die Vitamin-D-Speicher aufzufüllen. Im Winter oder bei wenig Sonnenschein kann es sinnvoll sein, Vitamin D zusätzlich über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrem Arzt oder Apotheker.
Fazit: Sonnenschutz auch hinter Glas wichtig
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Glas zwar vor UV-B-Strahlung schützt und somit das Risiko für klassischen Sonnenbrand deutlich reduziert. UV-A-Strahlung jedoch kann Glas durchdringen und langfristig Hautschäden verursachen. Daher ist es wichtig, auch hinter Glas an Sonnenschutz zu denken, insbesondere wenn man sich längere Zeit in Fensternähe aufhält. Besonders im Auto ist bei Seiten- und Heckscheiben Vorsicht geboten. Für die Vitamin-D-Produktion ist direkte Sonneneinstrahlung unerlässlich, weshalb regelmäßige Aufenthalte im Freien trotz Sonnenschutz wichtig sind.
Häufige Fragen zum Thema Sonnenbrand hinter Glas
- Kann man hinter Glas braun werden?
- Durch UV-B-Strahlung, die für die klassische Bräunung verantwortlich ist, kaum. UV-A-Strahlung kann bei längerer Exposition zu einer leichten, eher gräulichen Bräunung führen.
- Schützt jede Art von Glas vor UV-Strahlen?
- Nein, normales Fensterglas schützt gut vor UV-B, aber weniger vor UV-A. Verbundglas in Windschutzscheiben bietet umfassenderen UV-Schutz.
- Brauche ich Sonnencreme, wenn ich den ganzen Tag im Büro am Fenster sitze?
- Es ist ratsam, besonders wenn Sie empfindliche Haut haben oder sich lange direkt am Fenster aufhalten. Auch wenn das Sonnenbrandrisiko geringer ist, kann UV-A-Strahlung langfristig schädlich sein.
- Ist es gefährlicher, sich hinter Glas der Sonne auszusetzen als im Schatten?
- Nein, im Schatten ist die UV-Belastung geringer als direkt in der Sonne und auch geringer als hinter Glas, da Glas UV-B filtert, aber UV-A durchlässt, während der Schatten beide Strahlungsarten reduziert.
- Wie lange kann man sich hinter Glas in der Sonne aufhalten, ohne sich zu schaden?
- Es gibt keine pauschale Antwort. Die Dauer hängt von der Intensität der Sonne, der Art des Glases und Ihrem Hauttyp ab. Je länger die Exposition, desto höher das Risiko von UV-A-bedingten Hautschäden.
