08/12/2021
Viele Pflanzenliebhaber kennen das Problem: Die Jungpflanzen wachsen in die Höhe, entwickeln aber dünne, schwache Stängel. Dieses Phänomen, bekannt als Geilwuchs, kann frustrierend sein, ist aber oft leicht zu beheben. Gleichzeitig ist eine ausgewogene Nährstoffversorgung entscheidend für das gesunde Wachstum Ihrer Pflanzen. Anstatt auf chemische Dünger zurückzugreifen, die der Umwelt schaden können, zeigen wir Ihnen, wie Sie mit einfachen Hausmitteln einen effektiven Kalziumdünger selber herstellen können. So stärken Sie Ihre Pflanzen auf natürliche Weise und schonen gleichzeitig Ihren Geldbeutel.

Warum haben meine Pflanzen lange, dünne Stängel?
Wenn Keimlinge oder Jungpflanzen lange und dünne Stängel entwickeln, spricht man von Vergeilung oder Geilwuchs. Die Pflanzen scheinen förmlich nach dem Licht zu suchen und wachsen unnatürlich in die Höhe, anstatt kräftige Stängel und Blätter zu bilden. Die Hauptursache für dieses Problem ist meist ein Zusammenspiel aus zwei Faktoren:
- Lichtmangel: Pflanzen benötigen ausreichend Licht für die Photosynthese, den Prozess, bei dem sie Energie aus Sonnenlicht gewinnen. Bekommen sie zu wenig Licht, versuchen sie, schneller in die Höhe zu wachsen, um näher an eine Lichtquelle zu gelangen.
- Zu hohe Temperaturen: Gerade bei der Anzucht im Haus kann es vorkommen, dass die Temperaturen zu hoch sind, während gleichzeitig das natürliche Lichtangebot im Winter noch begrenzt ist. Wärme beschleunigt das Wachstum, während Licht für die Stabilität der Pflanzenstruktur sorgt. Fehlt das Licht, entstehen lange, instabile Triebe.
Ein weiterer Faktor kann ein zu früher Aussaatzeitpunkt sein. Viele Gemüse- und Zierpflanzen werden bereits im Februar oder März im Haus vorgezogen. Zu dieser Zeit sind die Tage jedoch noch kurz und die Lichtintensität gering. Für viele Pflanzen ist es im Februar einfach noch zu dunkel, was Geilwuchs begünstigen kann.
Wie kann man Geilwuchs vorbeugen?
Glücklicherweise gibt es einfache Maßnahmen, um Geilwuchs vorzubeugen und gesunde, kräftige Jungpflanzen zu ziehen:
- Heller Standort: Stellen Sie Ihre Aussaatschalen oder Anzuchttöpfe an einen möglichst hellen Standort. Ein Fensterplatz ist ideal, idealerweise ein Südfenster. Zusätzliches Pflanzenlicht kann in den Wintermonaten ebenfalls hilfreich sein, um Lichtmangel auszugleichen.
- Kühlere Temperaturen: Versuchen Sie, die Temperaturen etwas zu senken, besonders nachts. Ideal sind Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad Celsius für die meisten Jungpflanzen. Ein kühlerer Standort bremst das übermäßige Längenwachstum und fördert die Ausbildung kräftigerer Stängel.
- Richtiger Aussaatzeitpunkt: Beachten Sie die Aussaatzeitpunkte auf den Samenpackungen. Eine zu frühe Aussaat kann, wie bereits erwähnt, Geilwuchs begünstigen. Warten Sie lieber etwas länger, bis die Tage länger werden und das natürliche Lichtangebot zunimmt.
Was tun, wenn Pflanzen bereits vergeilt sind?
Auch wenn Ihre Pflanzen bereits vergeilt sind, gibt es Hoffnung! Beim Pikieren, also dem Vereinzeln der Jungpflanzen in größere Töpfe, können Sie vergeilte Pflanzen retten, indem Sie sie etwas tiefer in die Erde setzen. Ein Teil des langen, dünnen Stängels wird so mit Erde bedeckt. Die Pflanze kann dann an diesem Teil des Stängels zusätzliche Wurzeln bilden und so stabiler wachsen. Achten Sie jedoch darauf, die Pflanzen vorsichtig zu behandeln, da die vergeilten Stängel sehr empfindlich sind.
Kalziumdünger selber machen aus Hausmitteln
Neben ausreichend Licht und dem richtigen Standort benötigen Pflanzen auch eine ausgewogene Versorgung mit Nährstoffen. Kalzium ist ein wichtiger Nährstoff für Pflanzen, der unter anderem für die Zellwandstabilität und die Nährstoffaufnahme entscheidend ist. Anstatt teure chemische Dünger zu kaufen, können Sie Kalziumdünger ganz einfach und kostengünstig aus Abfällen herstellen, die in jedem Haushalt anfallen. Wir stellen Ihnen drei einfache Methoden vor:
1. Eierschalen als Kalziumdünger
Eierschalen sind wahre Alleskönner und bestehen zu etwa 90 Prozent aus Kalk, genauer gesagt aus Calciumcarbonat. Zusätzlich enthalten sie wertvolle Mikronährstoffe wie Magnesium, Eisen, Phosphor und Spurenelemente. Eierschalen sind somit ein idealer natürlicher Kalziumdünger für Ihre Pflanzen.
Herstellung von Eierschalen-Dünger:
- Eierschalen sammeln und trocknen: Spülen Sie die Eierschalen kurz aus und lassen Sie sie gut trocknen. Dies verhindert die Bildung von Schimmel und erleichtert das Zerkleinern.
- Eierschalen zerkleinern: Zerkleinern Sie die getrockneten Eierschalen so fein wie möglich. Verwenden Sie dafür beispielsweise einen Mörser, einen Fleischklopfer oder eine alte Kaffeemühle. Je feiner die Schalen sind, desto schneller werden die Nährstoffe freigesetzt.
- Anwendung: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Eierschalen-Dünger anzuwenden:
- Direkt in die Erde einarbeiten: Mischen Sie die zerkleinerten Eierschalen direkt unter die Erde beim Einpflanzen oder Umtopfen. Die Schalen geben ihre Nährstoffe langsam über einen längeren Zeitraum ab.
- Eierschalen-Sud herstellen: Übergießen Sie zerkleinerte Eierschalen mit heißem Wasser (Verhältnis: Schalen von 2-3 Eiern auf 1 Liter Wasser) und lassen Sie den Sud einige Tage ziehen. Gießen Sie Ihre Pflanzen regelmäßig mit diesem Sud.
Für welche Pflanzen eignet sich Eierschalen-Dünger?
Eierschalen-Dünger eignet sich besonders gut für Pflanzen mit einem hohen Kalkbedarf. Dazu gehören beispielsweise:
- Kräuter: Lavendel, Oregano, Thymian, Salbei
- Gemüse: Kohlarten (Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl), Tomaten, Paprika
- Blumen: Rittersporn, Schleierkraut, Pfingstrosen
Pflanzen, die mit kalkhaltigem Leitungswasser gegossen werden, benötigen möglicherweise weniger zusätzlichen Kalkdünger. Beobachten Sie Ihre Pflanzen und passen Sie die Düngung entsprechend an.

2. Kaffeesatz als Dünger – nicht nur für Säureliebhaber
Kaffeesatz ist ein weiterer wertvoller Abfall, der sich hervorragend als Dünger eignet. Er enthält wichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium und Phosphor, die Pflanzen für ein gesundes Wachstum benötigen. Zusätzlich hat Kaffeesatz eine leicht saure Wirkung und kann den pH-Wert des Bodens senken.
Herstellung und Anwendung von Kaffeesatz-Dünger:
- Kaffeesatz sammeln und trocknen: Sammeln Sie den Kaffeesatz nach dem Kaffeekochen und lassen Sie ihn gut trocknen. Auch hier ist es wichtig, den Kaffeesatz zu trocknen, um Schimmelbildung zu vermeiden.
- Anwendung:
- Direkt in die Erde einarbeiten: Verteilen Sie den getrockneten Kaffeesatz um die Pflanzen herum und arbeiten Sie ihn leicht in die oberste Bodenschicht ein.
- Kaffeesatz zum Gießwasser hinzufügen: Geben Sie eine kleine Menge getrockneten Kaffeesatzes direkt zum Gießwasser. Die Nährstoffe werden so langsam freigesetzt und gelangen direkt zu den Wurzeln.
Für welche Pflanzen eignet sich Kaffeesatz-Dünger?
Entgegen der landläufigen Meinung eignet sich Kaffeesatz nicht nur für Säure liebende Pflanzen wie Rhododendren oder Azaleen. Auch viele andere Pflanzen profitieren von Kaffeesatz-Dünger, insbesondere wenn sie in Böden mit einem zu hohen pH-Wert wachsen. Kaffeesatz kann helfen, den pH-Wert zu senken und den Boden für Pflanzen wie Basilikum, Tomaten und Gurken optimal zu gestalten. Zudem wirkt Kaffeesatz abschreckend auf einige Schädlinge wie Schnecken und Blattläuse und lockt gleichzeitig Regenwürmer an, die den Boden auflockern und verbessern.
3. Bananenschalen-Dünger für Kalium und mehr
Bananenschalen sind reich an Kalium, einem Nährstoff, der besonders wichtig für die Blütenbildung, Fruchtentwicklung und Winterhärte von Pflanzen ist. Darüber hinaus enthalten Bananenschalen auch Magnesium, Calcium und Phosphat. Bananenschalen-Dünger ist eine hervorragende Ergänzung zu anderen organischen Düngern und eine nachhaltige Möglichkeit, Ihre Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
Herstellung und Anwendung von Bananenschalen-Dünger:
- Bananenschalen sammeln (Bio-Qualität bevorzugen): Verwenden Sie am besten Schalen von Bio-Bananen, um Pestizideinträge in den Boden zu vermeiden.
- Bananenschalen zerkleinern: Schneiden Sie die Bananenschalen in kleine Stücke.
- Anwendung:
- Direkt in die Erde einarbeiten: Mischen Sie die zerkleinerten Bananenschalen beim Einpflanzen oder Umtopfen unter die Erde.
- Bananenschalen-Sud herstellen: Kochen Sie ca. 100g Bananenschalen mit einem Liter Wasser auf und lassen Sie den Sud über Nacht ziehen. Verdünnen Sie den Sud vor der Anwendung mit Wasser (Verhältnis 1:5) und gießen Sie Ihre Pflanzen damit.
- Bananenschalen als Mulch verwenden: Getrocknete und zerkleinerte Bananenschalen können auch als Mulchmaterial um die Pflanzen herum verteilt werden.
Für welche Pflanzen eignet sich Bananenschalen-Dünger?
Bananenschalen-Dünger ist ein Geheimtipp für Rosen, da er die Blütenbildung und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen stärkt. Auch Obstbäume, Gemüse- und Blühpflanzen profitieren von dem kaliumreichen Dünger. Er ist besonders nützlich für Pflanzen, die einen hohen Kaliumbedarf haben oder sich in der Blüte- oder Fruchtphase befinden.
Fazit
Lange, dünne Stängel bei Jungpflanzen sind oft ein Zeichen von Lichtmangel und zu hohen Temperaturen. Mit einfachen Maßnahmen wie einem helleren und kühleren Standort können Sie Geilwuchs vorbeugen. Vergeilte Pflanzen können durch tieferes Einpflanzen beim Pikieren gerettet werden.

Die Herstellung von Kalziumdünger aus Eierschalen, Kaffeesatz und Bananenschalen ist eine nachhaltige und kostengünstige Alternative zu chemischen Düngern. Diese natürlichen Dünger versorgen Ihre Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen, verbessern die Bodenqualität und schonen die Umwelt. Probieren Sie es aus und beobachten Sie, wie Ihre Pflanzen kräftiger und gesünder wachsen!
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet "Geilwuchs" bei Pflanzen?
Geilwuchs oder Vergeilung bezeichnet das Phänomen, bei dem Pflanzen lange, dünne und instabile Stängel entwickeln, oft aufgrund von Lichtmangel und zu hohen Temperaturen. Die Pflanzen wachsen in die Höhe, anstatt kräftige Stängel und Blätter auszubilden.
Sind chemische Dünger schädlich für Pflanzen und Umwelt?
Chemische Dünger können kurzfristig zwar das Pflanzenwachstum fördern, bergen aber auch Nachteile. Sie können zu einer Überdüngung des Bodens führen, die Umwelt belasten und langfristig die Bodenqualität verschlechtern. Organische Dünger sind in der Regel die nachhaltigere und umweltfreundlichere Wahl.
Wie oft sollte ich meine Pflanzen mit DIY-Kalziumdünger düngen?
Die Häufigkeit der Düngung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Pflanzenart, dem Nährstoffbedarf und der Bodenbeschaffenheit. Als Richtwert können Sie Ihre Pflanzen alle 4-6 Wochen mit DIY-Kalziumdünger düngen. Beobachten Sie Ihre Pflanzen und passen Sie die Düngung entsprechend an. Bei Anzeichen von Nährstoffmangel (z.B. gelbe Blätter) kann eine zusätzliche Düngung sinnvoll sein.
Kann ich auch andere organische Abfälle als Dünger verwenden?
Ja, es gibt noch viele weitere organische Abfälle, die sich als Dünger eignen. Dazu gehören beispielsweise Gemüsereste, Obstschalen, Rasenschnitt und Kompost. Informieren Sie sich über die spezifischen Nährstoffgehalte und Anwendungsmöglichkeiten der verschiedenen organischen Düngemittel.
