29/10/2024
Die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris L.) ist ein vielseitiges und nahrhaftes Gemüse, das in zahlreichen Gärten und Küchen weltweit seinen festen Platz hat. Ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammend, hat sie sich über die Jahrhunderte hinweg auch in Europa etabliert und erfreut sich großer Beliebtheit. Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Welt der Gartenbohnen, von ihrer Geschichte und Herkunft über Anbautipps bis hin zu kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten und traditionellen Sorten in Österreich.

Die Gartenbohne: Eine Einführung
Die Gartenbohne gehört zur Familie der Hülsenfrüchte (Fabaceae), genauer gesagt zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae). Sie ist unter verschiedenen Namen bekannt, darunter Grüne Bohne, Fisole, Prinzessbohne, Vizebohne oder Keniabohne. Es handelt sich um eine einjährige Pflanze, die in zwei Haupttypen unterteilt wird: Buschbohnen und Stangenbohnen.
Was ist eine Zauberbohne?
Interessanterweise wird der Begriff "Zauberbohne" in einem ganz anderen Kontext verwendet. Als "Zauberbohne" wird eine Mischung aus Naturprodukten bezeichnet, die traditionell zur Linderung von Blähungen und Verstopfung eingesetzt wird. Dieses Heilmittel stammt ursprünglich aus Kamerun und besteht aus zwei Samen, einigen Kräutern und zwei rohen Erdnüssen, die im Mund gekaut werden. Es wird empfohlen, die "Zauberbohne" nur an freien Tagen oder Wochenenden zu verwenden, da ihre Wirkung mitunter zu starken Darmbewegungen führen kann. Es ist wichtig zu betonen, dass die "Zauberbohne" im Sinne dieses Artikels nicht mit der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) verwandt ist und eine separate traditionelle Anwendung darstellt.
Geschichte und Herkunft der Gartenbohne
Die Geschichte der Gartenbohne reicht Jahrtausende zurück. Archäologische Funde belegen ihren Anbau in Süd- und Mittelamerika bereits in der Stein- und Bronzezeit. Ihren Ursprung hat die Gartenbohne in Mittel- und Südamerika, wo sie sich aus den Wildbohnen (Phaseolus aborigines) entwickelt hat, die dort seit über 8.000 Jahren kultiviert werden. Die ältesten Funde stammen aus Peru und Chile und datieren auf etwa 6000 bzw. 2700 vor Christus. In präkolumbischer Zeit war die Gartenbohne in Amerika weit verbreitet und zählte neben Mais und Kürbis zu den wichtigsten Nahrungspflanzen.
Nach Europa gelangte die Gartenbohne vermutlich im 16. Jahrhundert durch spanische Seefahrer. Hier traf sie auf die bereits bekannte Ackerbohne (Vicia faba), die botanisch zwar zur gleichen Familie gehört, aber eine andere Gattung darstellt. Zunächst etablierte sich die Gartenbohne in England und Spanien, von wo aus sie sich in ganz Mittel- und Südeuropa verbreitete. Bis ins 19. Jahrhundert war die Ackerbohne die vorherrschende Bohnenart in Österreich, wurde aber zunehmend von den neuen Bohnen aus Amerika verdrängt.

Gartenbohnenanbau in Österreich
In Österreich hat der Anbau von Gartenbohnen eine lange Tradition. Es gibt zahlreiche regionale Sorten und Anbaumethoden, die sich über Generationen hinweg entwickelt haben. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen Buschbohnen und Stangenbohnen. Buschbohnen wachsen buschig und benötigen keine Stützhilfe, während Stangenbohnen rankend wachsen und eine Rankhilfe benötigen. In Österreich etablierten sich Stangenbohnen vor allem in wärmebegünstigten Lagen, während Buschbohnen aufgrund ihrer kürzeren Vegetationsdauer auch in höheren Lagen angebaut werden können.
Traditionelle Sorten und regionale Vielfalt
Österreich verfügt über eine bemerkenswerte Vielfalt an traditionellen Gartenbohnensorten. Zu den bekannten Buschbohnensorten gehören beispielsweise die Mariazellerbohne, eine robuste und ertragreiche Sorte aus der Steiermark mit rotweiß gesprenkelten Körnern, die Rotholzer, eine Tiroler Landsorte mit rötlich gefleckten Samen, und die Tiefenbacher, eine robuste Sorte aus dem Waldviertel. Bei den Stangenbohnen sind die Euratsfelder, die Wachsbohne Förthof aus der Weststeiermark und die Wieser Kipfler, eine südsteirische Spezialität, erwähnenswert.
Diese regionalen Sorten zeichnen sich oft durch besondere Geschmackseigenschaften, Robustheit und Anpassungsfähigkeit an die lokalen Bedingungen aus. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des österreichischen Kulturerbes und werden von Organisationen wie ARCHE NOAH erhalten und gefördert.
Anbau und Pflege von Gartenbohnen
Der Anbau von Gartenbohnen ist relativ unkompliziert und auch für Hobbygärtner gut geeignet. Sie bevorzugen warme, sonnige und windgeschützte Standorte mit einem mittelschweren, lockeren und humusreichen Boden. Gartenbohnen sind frostempfindlich und sollten daher erst nach den letzten Frösten, ab Mitte Mai, ausgesät werden. Die Aussaat kann in Reihen oder Horsten erfolgen. Vor der Aussaat empfiehlt es sich, die Samen einen Tag in warmem Wasser quellen zu lassen, um die Keimung zu beschleunigen.
Düngung, Bewässerung und Schädlingsbekämpfung
Da Hülsenfrüchte Stickstoff aus der Luft binden können, ist eine zusätzliche Düngung in der Regel nur bedingt notwendig. Eine Kompostgabe vor der Aussaat kann jedoch auf nährstoffarmen Böden förderlich sein. Eine gleichmäßige Wasserversorgung ist wichtig, insbesondere während der Blütephase. Austrocknung sollte vermieden werden, da dies zu Fruchtfall führen kann. Bei der Schädlingsbekämpfung sind natürliche Methoden zu bevorzugen. Zu den häufigsten Schädlingen gehören der Bohnenkäfer, die Schwarze Bohnenblattlaus und die Bohnenfliege. Krankheiten wie die Brennflecken- und die Fettfleckenkrankheit können durch samenbürtige Pilze und Bakterien verursacht werden. Befallene Pflanzen sollten umgehend entfernt werden.

Ernte und Verwendung von Gartenbohnen
Die Erntezeit für Gartenbohnen erstreckt sich von Juli bis Oktober. Fisolen, die unreifen grünen Hülsen, werden geerntet, bevor die Samen in den Hülsen deutlich sichtbar werden. Für Trockenbohnen lässt man die Hülsen bis zur vollständigen Reife an der Pflanze, bis sie braun und trocken sind. Regelmäßiges Pflücken der Fisolen fördert die Bildung neuer Blüten und erhöht den Ertrag.
Gartenbohnen sind vielseitig in der Küche verwendbar. Fisolen eignen sich hervorragend als Gemüsebeilage, in Salaten, Suppen und Eintöpfen. Trockenbohnen werden für Salate, Suppen, Pürees und Eintöpfe verwendet. Ein klassisches österreichisches Gericht sind Dillfisolen, die traditionell zu gekochtem Rindfleisch serviert werden. Fisolen lassen sich auch gut einfrieren oder sauer einlegen, um sie für den Winter haltbar zu machen.
Nährwert und gesundheitliche Vorteile
Gartenbohnen sind nicht nur köstlich, sondern auch sehr gesund. Sie sind reich an Eiweiß, Vitaminen (insbesondere Vitamin C, Folsäure und Vitamin K) und Mineralstoffen (wie Magnesium, Kalium und Eisen). Der hohe Eiweißgehalt macht sie zu einer wertvollen Eiweißquelle, insbesondere für Vegetarier und Veganer. Zudem enthalten Gartenbohnen Ballaststoffe, die die Verdauung fördern. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Gartenbohnen im rohen Zustand giftige Eiweißverbindungen (Lektine) enthalten, die durch Kochen zerstört werden. Daher sollten Gartenbohnen immer gekocht werden.
Rezept: Dillfisolen
Ein klassisches und beliebtes Rezept aus der österreichischen Küche sind Dillfisolen. Hier ist ein einfaches Rezept:
Zutaten für 4 Portionen:
- 800 Gramm Fisolen, geputzt, ohne Fäden und Enden
- 20 Gramm Butter
- 20 Gramm Mehl
- 2 Deziliter Rindsuppe
- ¼ Liter Sauerrahm
- 20 Gramm Dillspitzen, gehackt
- Salz
- Pfeffer
- Zitronensaft
- Natron
Zubereitung:
- Fisolen in Rauten schneiden. In mit Natron versetztem, siedendem Salzwasser kochen, abseihen und eventuell abfrischen.
- Butter schmelzen, Mehl beigeben, anschwitzen, mit heißer Suppe aufgießen, glattrühren (Schneerute).
- Einige Minuten durchkochen, Rahm beigeben, aber nicht mehr kochen.
- Fisolen in die Sauce mengen, mit Salz, Pfeffer, Zitronensaft und Dille vollenden.
Häufig gestellte Fragen zu Gartenbohnen
- Sind Gartenbohnen gesund?
- Ja, Gartenbohnen sind sehr gesund. Sie sind reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen und liefern wertvolle Ballaststoffe.
- Muss man Gartenbohnen kochen?
- Ja, Gartenbohnen müssen immer gekocht werden, da sie im rohen Zustand giftige Lektine enthalten.
- Welche Sorten von Gartenbohnen gibt es?
- Es gibt Buschbohnen und Stangenbohnen sowie zahlreiche regionale Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften und Geschmacksrichtungen.
- Wie lange dauert die Erntezeit von Gartenbohnen?
- Die Erntezeit für Gartenbohnen erstreckt sich von Juli bis Oktober.
- Kann man Gartenbohnen einfrieren?
- Ja, Fisolen eignen sich gut zum Einfrieren. Blanchieren Sie sie kurz vor dem Einfrieren, um Farbe und Konsistenz zu erhalten.
Fazit
Die Gartenbohne ist ein wahres Multitalent im Gemüsegarten und in der Küche. Ihre Vielfalt an Sorten, ihre einfache Anbauweise, ihr hoher Nährwert und ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten machen sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer gesunden und abwechslungsreichen Ernährung. Ob als frische Fisolen im Sommer oder als nahrhafte Trockenbohnen im Winter – die Gartenbohne bereichert unseren Speiseplan das ganze Jahr über.
