29/11/2024
Pflanzen sind stumme, unbewegliche Lebewesen? Weit gefehlt! Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, sind viele Pflanzen wahre Bewegungskünstler. Im 17. Jahrhundert sorgte dies sogar für Aufsehen. Der Botaniker Rumphius stufte eine bestimmte Pflanze zwischen Tier- und Pflanzenreich ein, weil sie sich bei Berührung bewegte. Damals wurde eine solche Sensibilität ausschließlich Lebewesen des Tierreichs zugeschrieben. Aber es handelte sich um eine Pflanze! Rumphius war fasziniert. Es ging um Biophytum sensitivum, eine Pflanze, die ähnlich funktioniert wie die bekanntere Mimose (Mimosa pudica). Doch es gibt eine ganze Bandbreite an beweglichen Pflanzen, mit unterschiedlichen Arten von Bewegungen. Von der langsam wandernden Sonnenblume bis zur blitzschnell zuschnappenden Venusfliegenfalle.

- Die verschiedenen Arten der Pflanzenbewegung
- Warum bewegen sich berührungsempfindliche Pflanzen?
- Pflege von beweglichen Pflanzen
- Wussten Sie schon? Die Sternfrucht bewegt sich auch!
- Ein letzter Tipp: Nicht zu viel berühren!
- Bewegliche Pflanzen säen oder kaufen
- Calathea und Marantha – Schlafpflanzen für Ihr Zuhause
- FAQ – Häufig gestellte Fragen zu beweglichen Pflanzen
- Tabelle: Vergleich einiger beweglicher Pflanzen
Die verschiedenen Arten der Pflanzenbewegung
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Pflanzen völlig unbewegliche Geschöpfe sind. Viele Pflanzen bewegen sich, wenn auch oft in einem Tempo, das wir mit bloßem Auge kaum wahrnehmen können. Grob lassen sich die Arten der Pflanzenbewegung in verschiedene Kategorien einteilen:
Pflanzen bewegen sich mit der Sonne (Heliotropismus)
Dies ist die wohl bekannteste Form der Pflanzenbewegung. Das berühmteste Beispiel sind Sonnenblumen, die ihre Blütenköpfe jeden Tag der Sonne zuwenden. Diese Bewegung, auch Heliotropismus genannt, ist ein Meisterwerk der Anpassung. Die Pflanze optimiert so die Lichtaufnahme für die Photosynthese. Junge Sonnenblumen verfolgen den Lauf der Sonne von Osten nach Westen, während ältere, ausgewachsene Exemplare meist nach Osten ausgerichtet bleiben, um die morgendliche Sonne optimal zu nutzen.
Pflanzen, die schlafen gehen (Nyktinastie)
Diese Form der Bewegung, die Nyktinastie, ähnelt der Sonnenbewegung, ist aber für uns Menschen deutlicher sichtbar, da sie zweimal täglich in einem relativ kurzen Zeitraum stattfindet. Wer eine Calathea, einen Sauerklee (Oxalis) oder verschiedene Pflanzen aus der Bohnenfamilie als Zimmerpflanze besitzt, hat wahrscheinlich schon bemerkt, dass sich deren Blätter nachts zusammenfalten. Dies ist eine Reaktion auf die Dunkelheit. Warum machen sie das? Es gibt verschiedene Theorien. Eine besagt, dass das Zusammenfalten der Blätter den Wasserverlust durch Transpiration in der Nacht reduziert. Eine andere Theorie vermutet, dass es sich um einen Schutzmechanismus vor nachtaktiven Pflanzenfressern handelt, da die zusammengefalteten Blätter weniger attraktiv erscheinen.
Pflanzen bewegen sich mit Wärme (Thermonastie)
Im zeitigen Frühjahr können Sie ein faszinierendes Experiment durchführen: Stellen Sie einen Topf mit geschlossenen Krokussen oder Schneeglöckchen in einen warmen Raum. Sie werden sehen, dass sie sich innerhalb einer Stunde öffnen. Dies ist eine Reaktion auf Wärme, die Thermonastie. Interessanterweise funktioniert dieser Mechanismus auch im Dunkeln, was beweist, dass es sich nicht um eine Reaktion auf das Licht handelt. Die Thermonastie ermöglicht es diesen Frühlingsblühern, bei wärmeren Temperaturen schneller zu erblühen und so die ersten Sonnenstrahlen des Jahres optimal zu nutzen.
Pflanzen reagieren auf Berührung (Seismonastie und Thigmonastie)
Dies sind die Pflanzen, um die es in diesem Artikel hauptsächlich geht: Pflanzen, die auf Berührung reagieren. Pflanzen, die sich sichtbar bewegen, sind etwas Besonderes und erfreuen sich deshalb großer Beliebtheit. Die Mimose und die Venusfliegenfalle sind die bekanntesten Beispiele, aber es gibt noch einige mehr, die langsam bekannter werden.
Die Reaktion auf Berührung kann in zwei Kategorien unterteilt werden: Seismonastie und Thigmonastie. Seismonastie bezeichnet Bewegungen, die durch Erschütterungen oder Vibrationen ausgelöst werden, wie beispielsweise bei der Mimose. Thigmonastie hingegen bezieht sich auf Bewegungen, die durch direkten Kontakt oder Druck entstehen, wie bei der Venusfliegenfalle.
- Mimose (Mimosa pudica): Der Klassiker unter den berührungsempfindlichen Pflanzen. Bei der geringsten Berührung falten sich ihre Blätter blitzschnell zusammen und die Stängel können sogar herabsinken. Dieser beeindruckende Mechanismus dient vermutlich dem Schutz vor Pflanzenfressern. Durch das schnelle Zusammenfalten der Blätter wirkt die Pflanze weniger attraktiv und könnte potenzielle Fressfeinde abschrecken.
- Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula): Ein faszinierendes Beispiel für eine fleischfressende Pflanze, die auf Berührung reagiert. In ihren Fangblättern befinden sich feine Sinneshaare. Werden diese Haare zweimal innerhalb kurzer Zeit berührt, schnappt die Falle blitzschnell zu und fängt Insekten. Diese dienen der Pflanze als zusätzliche Nährstoffquelle in nährstoffarmen Böden.
- Biophytum sensitivum: Diese Pflanze, die Rumphius so faszinierte, ähnelt in ihrer Reaktion der Mimose. Auch ihre Blätter falten sich bei Berührung zusammen. Wie bei der Mimose wird vermutet, dass dieser Mechanismus dem Schutz vor Herbivoren dient.
Telegrafenpflanze (Codariocalyx motorius) – Selbstständige Bewegung
Die Telegrafenpflanze ist eine ganz besondere Pflanze, denn sie bewegt sich von selbst und zwar in einer Geschwindigkeit, die mit bloßem Auge sichtbar ist. Jedes Blatt besteht aus einem großen Hauptblatt und zwei kleinen Seitenblättern. Diese Seitenblätter „tanzen“ den ganzen Tag über hin und her. Diese Bewegung, die an das Ticken eines Uhrwerks erinnert, ist vermutlich eine Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse. Durch die Bewegung der Seitenblätter optimiert die Pflanze die Lichtaufnahme des Hauptblattes.
Warum bewegen sich berührungsempfindliche Pflanzen?
Wie bereits erwähnt, bewegen sich Pflanzen aus verschiedenen Gründen. Bei den berührungsempfindlichen Pflanzen wie der Mimose, Biophytum und der Venusfliegenfalle dient die Bewegung jedoch primär dem Selbstschutz. Bei der Venusfliegenfalle ist der Zweck klar: Sie schnappt zu, um Beute zu fangen und festzuhalten. Aber Mimose und Biophytum fangen keine Insekten. Ihre Bewegung dient rein dem Schutz vor Fressfeinden.
Dies wird besonders in der Natur bei der Mimose deutlich. Diese Pflanzen wachsen oft auf sonnigen Lichtungen. Dort könnten zwar Pflanzenfresser grasen, aber diese sind vorsichtig, was sie fressen. Wenn der grüne Busch, von dem sie fressen, plötzlich keine Blätter mehr hat, ziehen sie zur nächsten Pflanze weiter. Auch bei Regen oder Hagel falten die Blätter sich nach innen. Dadurch bleiben die Blätter nicht nur intakt, sondern helfen auch dem Wasser, leichter zu den Wurzeln zu gelangen. Das Gleiche gilt für Pflanzen, die nachts ihre Blätter zusammenfalten. Es ist ohnehin kein Licht da, sodass die Blätter nicht entfaltet sein müssen. Ein weiterer Vorteil eines dichten Blätterdachs ist, dass man wenig Konkurrenz von anderen Pflanzen unter sich hat. Wenn man dann noch durch Bewegung das Volumen seines Blätterdachs zu bestimmten Zeiten reduzieren kann, sodass der Regen gut zu den Wurzeln gelangt, hat man das Beste aus beiden Welten.
Pflege von beweglichen Pflanzen
Pflanzen, die speziell wegen ihrer Bewegung angeboten werden, sind hauptsächlich die Mimose und die Venusfliegenfalle, in geringerem Maße Biophytum sensitivum und die Telegrafenpflanze. So zufällig es auch sein mag, dass all diese Pflanzen sich bewegen können, so unterschiedlich sind sie in ihren Pflegeansprüchen. Leider können sie nicht alle auf die gleiche Weise gepflegt werden. Die Venusfliegenfalle ist eine echte fleischfressende Pflanze, die nährstoffarme Erde und kalte Winter benötigt. Die anderen genannten Arten sind tropische Pflanzen und müssen warm gehalten werden. Sonne ist besonders wichtig für die Mimose und die Telegrafenpflanze. Sie gedeihen am besten an einem Südfenster. Dunkelheit und Kälte sind verheerend! Diese Pflanzen sterben im Winter in unseren Wohnzimmern oft ab. Achten Sie daher darauf, diese Sorten im Frühjahr zu säen oder zu kaufen, damit Sie möglichst lange Freude an ihnen haben. Haben Sie eine Heizmatte und eine Pflanzenlampe? Dann könnten Sie sie am Leben erhalten.
Es ist gut zu wissen, dass Pflanzen wie die Mimose und die Telegrafenpflanze oft nur eine kurze Lebensdauer haben. Auch wenn man sie unter idealen Bedingungen kultiviert. Glücklicherweise lassen sie sich leicht aus Samen ziehen. Samen von beiden sind im Internet erhältlich. Am besten sät man sie im April auf einer warmen, hellen Fensterbank aus. Es ist nicht kompliziert, einfach in feuchte Anzuchterde und die Samen knapp unter der Erde aussäen. Sobald die Pflanzen wachsen, benötigen sie regelmäßig Dünger für Grünpflanzen.
Wussten Sie schon? Die Sternfrucht bewegt sich auch!
Wussten Sie, dass die bekannte Sternfrucht oder Karambole (Averrhoa carambola) sich auch bei Berührung bewegt? Diese Pflanze ist mit dem Biophytum verwandt und wird manchmal als Frucht im Supermarkt verkauft. Die Fruchtscheiben sehen aus wie ein Stern. Sie können die Samen aus dieser Frucht aussäen und daraus einen Baum ziehen.
Ein letzter Tipp: Nicht zu viel berühren!
Es macht natürlich Spaß, die Pflanzen sich bewegen zu lassen, aber die Blätter verlieren nach häufigem Kontakt ihre Reaktionsfähigkeit. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass dies eine Art Lernprozess ist. Sie haben also am meisten Spaß an diesen Pflanzen, wenn Sie sie nicht zu „schlau“ machen.
Bewegliche Pflanzen säen oder kaufen
Samen von Mimosa pudica und Telegrafenpflanze sind online erhältlich. Nach anderen Samen oder Pflanzen können Sie in Ihrem lokalen Gartencenter oder online suchen.
Calathea und Marantha – Schlafpflanzen für Ihr Zuhause
Fast alle Calatheen gehen schlafen, mit Ausnahme von Calathea musaica 'network'. Leicht bewegliche Calatheen sind: lancifolia, rufibarba, sanderiana 'Ornata' und 'Medaillon'. Auch die Marantha leuconeura 'fascinator', auch bekannt als Pfeilwurz, ist eine beliebte Schlafpflanze.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu beweglichen Pflanzen
- Welche Pflanzen bewegen sich bei Berührung?
- Zu den bekanntesten Pflanzen, die sich bei Berührung bewegen, gehören die Mimose (Mimosa pudica), die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) und Biophytum sensitivum.
- Warum bewegen sich Pflanzen?
- Pflanzen bewegen sich aus verschiedenen Gründen, darunter zur Optimierung der Lichtaufnahme (Sonnenblumen), zur Reduzierung des Wasserverlusts oder zum Schutz vor Fressfeinden (Mimose) oder zum Beutefang (Venusfliegenfalle).
- Sind bewegliche Pflanzen schwer zu pflegen?
- Die Pflegeansprüche variieren je nach Pflanzenart. Venusfliegenfallen benötigen beispielsweise besondere Bedingungen (nährstoffarme Erde, kalte Winter), während andere bewegliche Pflanzen wie Mimosen und Telegrafenpflanzen tropische Bedingungen bevorzugen (warm, sonnig).
- Kann man bewegliche Pflanzen aus Samen ziehen?
- Ja, viele bewegliche Pflanzen wie Mimosen und Telegrafenpflanzen lassen sich relativ einfach aus Samen ziehen. Die Aussaat erfolgt am besten im Frühjahr auf einer warmen und hellen Fensterbank.
- Verlieren Pflanzen ihre Fähigkeit zur Bewegung, wenn man sie oft berührt?
- Ja, neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Pflanzen eine Art Lernprozess durchlaufen und ihre Reaktionsfähigkeit bei häufiger Berührung verringern können. Daher ist es ratsam, sie nicht übermäßig zu berühren.
Tabelle: Vergleich einiger beweglicher Pflanzen
| Pflanzenart | Art der Bewegung | Pflegehinweise | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Mimose (Mimosa pudica) | Seismonastie (Berührung) | Warm, sonnig, regelmäßig gießen, tropische Bedingungen | Blätter falten sich blitzschnell zusammen, Schutz vor Fressfeinden |
| Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) | Thigmonastie (Berührung) | Nährstoffarme Erde, feucht halten, kalte Winterruhe, fleischfressend | Fangblätter schnappen bei Berührung zu, fängt Insekten |
| Telegrafenpflanze (Codariocalyx motorius) | Selbstständige Bewegung | Warm, sonnig, regelmäßig gießen, tropische Bedingungen | Seitenblätter „tanzen“ den ganzen Tag über |
| Calathea (verschiedene Arten) | Nyktinastie (Dunkelheit) | Halbschatten, feucht halten, warme Temperaturen | Blätter falten sich nachts zusammen (Schlafbewegung) |
