02/04/2023
Die Druse ist mehr als nur eine einfache Erkältung für Pferde. Diese hochansteckende Krankheit kann sich schnell in einem ganzen Stall ausbreiten und den Betrieb lahmlegen. Unbehandelt kann sie sogar lebensbedrohlich werden. Aber was genau ist Druse? Wie erkennen Sie die Symptome bei Ihrem Pferd? Und wie können Sie in Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt die Druse am besten behandeln?

- Was ist Druse eigentlich?
- Wie gefährlich ist Druse für Pferde?
- Typische Symptome von Druse erkennen
- Ursachen für Druse bei Pferden
- Behandlung von Druse beim Pferd
- Impfung gegen Druse: Vorbeugung und Schutz
- Fütterungsempfehlungen während der Druse-Erkrankung
- Was tun bei Druse? Checkliste für den Ernstfall
Was ist Druse eigentlich?
Druse, auch als Adenitis equorum bekannt, ist eine hochinfektiöse bakterielle Infektion der oberen Atemwege bei Pferden. Verursacht wird sie durch das Bakterium Streptococcus equi. Dieses Bakterium führt zu einer starken Entzündung der oberen Atemwege, insbesondere der Lymphknoten im Kopfbereich, wie im Hals-, Kehl- und Rachenbereich. Diese Lymphknoten schwellen stark an und bilden eitrige Abszesse. Für Ihr Pferd sind diese Abszesse sehr schmerzhaft und können die Atmung erheblich beeinträchtigen, bis hin zu Atemnot.
Besonders gefährdet sind junge Pferde und Senioren, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt oder bereits geschwächt ist. Auch Pferde mit einem geschwächten Immunsystem, beispielsweise durch andere Erkrankungen, sind anfälliger für Druse. Bricht die Druse in einem Stall aus, kann sich grundsätzlich jedes Pferd anstecken. Allerdings erkranken nicht immer alle Pferde, da einige über ein starkes Immunsystem oder eine Grundimmunität verfügen.

Wie gefährlich ist Druse für Pferde?
Druse kann für Ihr Pferd sehr gefährlich werden, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Leichtfertigkeit ist hier fehl am Platz. Kontaktieren Sie sofort Ihren Tierarzt, sobald Sie erste Symptome bemerken. Ohne fachgerechte Behandlung und ausreichende Schonung können sich die eitrigen Entzündungen im Körper ausbreiten und zu weiteren schmerzhaften Abszessen in den inneren Organen führen. Diese beeinträchtigen die Körperfunktionen massiv und machen die Behandlung deutlich komplizierter als bei anfänglichen Entzündungen der Lymphknoten. In schweren Fällen kann die Druse lebenswichtige Organe wie Gehirn, Brust- oder Bauchhöhle angreifen und sogar tödlich enden.
Aber keine Panik! Bei rechtzeitiger tierärztlicher Behandlung ist die Druse in der Regel gut behandelbar und die Prognose für eine vollständige Genesung ist sehr positiv.
Typische Symptome von Druse erkennen
Die ersten Anzeichen einer Druse sind oft unspezifisch und können leicht mit einer einfachen Erkältung oder Bronchitis verwechselt werden.
Unspezifische Symptome können sein:
- Mattigkeit und Schlappheit: Ihr Pferd wirkt energielos und zeigt wenig Interesse an Arbeit oder Weidegang.
- Appetitlosigkeit: Das Pferd frisst weniger oder verweigert das Futter.
- Husten und Nasenausfluss: Vermehrter Husten und Nasenausfluss können auftreten.
- Erhöhte Temperatur oder Fieber: Die Körpertemperatur ist erhöht, möglicherweise sogar deutliches Fieber.
Bereits bei diesen unspezifischen Symptomen sollten Sie Ihren Tierarzt kontaktieren, da auch Husten und Bronchitis untersucht und behandelt werden sollten. Isolieren Sie das betroffene Pferd vorsorglich, um eine Ausbreitung im Stall zu verhindern.
Deutliche Anzeichen für Druse sind:
- Geschwollene Lymphknoten: Die Lymphknoten im Hals- und Rachenbereich sind deutlich angeschwollen. Sie können diese vorsichtig am Unterkiefer ertasten.
- Eiterabszesse: Vereinzelt können Eiterabszesse an den geschwollenen Lymphknoten auftreten.
- Atembeschwerden: Durch die Schwellung der Lymphknoten können die Atemwege verengt werden. Betroffene Pferde strecken Kopf und Hals und senken sie leicht, um die Atmung zu erleichtern.
- Grünlich-gelber Nasenausfluss: Bei fortgeschrittener Krankheit wird der Nasenausfluss grünlich-gelb und eitrig.
Spätestens bei diesen deutlichen Symptomen müssen Sie umgehend Ihren Tierarzt informieren und das betroffene Pferd sofort isolieren, um eine weitere Ausbreitung der Druse im Stall zu verhindern.

Ursachen für Druse bei Pferden
Die Druse wird durch das Bakterium Streptococcus equi verursacht. Dieses Bakterium ist äußerst widerstandsfähig und kann außerhalb des Pferdekörpers bis zu fünf Tage überleben. Es kann sich im Stall, auf der Weide, im Paddock, an Zaumzeug, in der Einstreu, im Futter, im Pferdeanhänger und sogar im Wasser befinden. Auch bestimmte Fliegenarten können das Bakterium übertragen. Zudem kann der Erreger an menschlichen Händen oder Kleidung haften bleiben.
Wichtig zu wissen: Menschen können sich nicht mit Druse anstecken. Der Erreger befällt nur Pferde. Dennoch ist Hygiene entscheidend. Waschen Sie Ihre Hände gründlich nach Kontakt mit einem erkrankten Pferd und wechseln Sie Ihre Kleidung. Vermeiden Sie Kontakt zu anderen Pferden während der Krankheitsphase Ihres Pferdes, um die Verbreitung zu minimieren.
Die häufigste Ansteckungsart ist die Tröpfcheninfektion. Hustet ein infiziertes Pferd, werden die Bakterien in die Luft geschleudert und können von anderen Pferden eingeatmet werden. So gelangen die Bakterien in die Blutbahn und siedeln sich in den Lymphknoten an. Die ersten Symptome treten in der Regel 3 bis 14 Tage nach der Infektion auf.
In großen Ställen und auf Weiden, wo Pferde oft eng zusammenstehen, ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch. Schlechte Stallbelüftung verstärkt dieses Risiko zusätzlich. Stress, Nährstoffmangel durch falsche Fütterung oder andere Erkrankungen können den Ausbruch der Druse begünstigen und beschleunigen.
Behandlung von Druse beim Pferd
Bei Verdacht auf Druse ist die unverzügliche Kontaktaufnahme mit Ihrem Tierarzt unerlässlich. Dieser wird einen Abstrich nehmen und im Labor untersuchen lassen, um die Diagnose zu bestätigen und andere Erkrankungen auszuschließen. Isolieren Sie das betroffene Pferd sofort von der Herde und beobachten Sie die anderen Pferde genau.
Quarantäne im Stall: 3-Bereiche-System
Eine Stallquarantäne ist entscheidend, da Druse bis zu drei Wochen, manchmal länger, ansteckend sein kann. Ein 3-Bereiche-System hat sich bewährt:
- Bereich 1: Isolationsbereich für erkrankte Pferde: Hier werden Pferde mit Druse behandelt. Zugang sollte nur für wenige Personen mit Schutzkleidung und Desinfektionsmaßnahmen bestehen. Die Isolation dauert etwa 8 Wochen, bis zur vollständigen Genesung. Pferde dürfen erst nach einer Woche Fieberfreiheit, Abklingen der Schwellungen und mindestens drei negativen Druse-Tests durch den Tierarzt in andere Bereiche entlassen werden.
- Bereich 2: Beobachtungsbereich für Verdachtsfälle: Pferde ohne Symptome, aber mit Kontakt zu erkrankten Tieren, kommen in diesen Bereich zur genauen Beobachtung. Regelmäßige Fiebermessungen sind wichtig. Bei Symptomen oder Fieberanstieg werden diese Pferde in Bereich 1 verlegt.
- Bereich 3: Bereich für gesunde Pferde: Dieser Bereich muss strikt von den anderen getrennt sein. Kontakt zu kranken Pferden ist zu vermeiden. Idealerweise kümmert sich separates Personal um die gesunden Pferde.
Unterstützende Behandlung durch den Pferdebesitzer
Die Behandlung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Reifung der Abszesse zu fördern, damit der Eiter abfließen kann.

- Wärmende Drusewickel und Zugsalben: Diese fördern die Durchblutung und wirken entzündungs- und schmerzlindernd. Nutzen Sie Wärmflaschen oder Körnerkissen (nicht zu heiß!) und milde Zugsalben direkt auf den geschwollenen Lymphknoten.
- Kartoffelbreiwickel: Warmer Kartoffelbrei in einer Plastiktüte, locker um den Hals befestigt, ist ein effektiver Drusewickel.
- Reinigung der Wunden: Sobald die Abszesse aufplatzen, müssen Wunden und Nase sauber gehalten werden. Achten Sie auf sterile Umgebung, um Entzündungen zu vermeiden.
- Tierärztliche Maßnahmen: Bei nicht aufplatzenden Abszessen oder Atemnot muss der Tierarzt die Abszesse öffnen und spülen.
- Fieberkontrolle: Messen Sie regelmäßig Fieber, um den Heilungsverlauf zu überwachen.
Medikamentöse Behandlung: Antibiotika und Fiebersenker
Der Einsatz von Antibiotika bei Druse ist umstritten. In frühen Stadien, vor der Abszessbildung, kann Penicillin helfen, die Ausbreitung zu verhindern. Allerdings entwickeln Pferde dadurch nur eine geringe Immunität und sind bei erneuter Druse anfälliger. Sobald Abszesse vorhanden sind, wirken Antibiotika nicht mehr.
Fiebersenkende Medikamente sollten möglichst vermieden werden, da sie eine „kalte Druse“ begünstigen können. Dabei reifen die Abszesse nicht, platzen nicht auf, und die Pferde bleiben länger ansteckend. Der Heilungsprozess verzögert sich.
Impfung gegen Druse: Vorbeugung und Schutz
Eine Impfung gegen Druse kann helfen, die Infektionskette zu minimieren und die Symptome zu mildern. Der Impfschutz ist jedoch nicht hundertprozentig, da Streptococcus equi verschiedene Varianten aufweist. Geimpfte Pferde können trotzdem erkranken, aber die Symptome sind oft weniger schwerwiegend. Für optimalen Schutz sind zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen und danach Auffrischungen alle sechs Monate empfohlen.
Fütterungsempfehlungen während der Druse-Erkrankung
Pferde mit Druse haben oft Schluckbeschwerden durch die geschwollenen Lymphknoten. Raufutter kann schmerzhaft sein, und die Futteraufnahme ist oft reduziert. Eine angepasste Fütterung ist wichtig, um Ihr Pferd in dieser anstrengenden Phase zu unterstützen.
- Nasser Raufutterersatz: Bieten Sie eingeweichte Rübenschnitzel oder eine Mischung aus Rübenschnitzel und Luzerne an, die leichter zu schlucken sind.
- Eingeweichte Heucobs: Bei Bedarf können eingeweichte Heucobs zusätzlich gefüttert werden.
- Mash: Warmes Mash ist als Kraftfutterzugabe wohltuend und leicht verdaulich.
- Vitamin- und Mineralstoffversorgung: Achten Sie auf eine ausgewogene und hochwertige Versorgung, um das Immunsystem zu stärken.
Pavo Futter-Tipps zur Unterstützung des Immunsystems:
- Pavo HealthBoost: Aktiviert die Abwehrkräfte, unterstützt die Darmflora und liefert Energie.
- Pavo MultiVit15: Ein umfassendes Vitaminpräparat mit Vitaminen A, E, C und Antioxidantien zur optimalen Unterstützung.
Was tun bei Druse? Checkliste für den Ernstfall
Druse ist eine gefürchtete Pferdekrankheit. Diese Checkliste hilft Ihnen, im Falle eines Ausbruchs den Überblick zu behalten:
- Tierarzt rufen: Kontaktieren Sie sofort Ihren Tierarzt bei ersten Symptomen.
- Pferde isolieren: Isolieren Sie Pferde mit Druse-Symptomen umgehend.
- Desinfektionsmittel bereitstellen: Stellen Sie Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe im Stall bereit.
- 3-Bereiche-System einrichten: Richten Sie strikt getrennte Bereiche für gesunde Pferde, Verdachtsfälle und kranke Pferde ein.
- Personal zuweisen: Idealerweise eigenes Personal für jeden Bereich. Wenn nicht möglich, versorgen Sie gesunde Pferde zuerst, dann Verdachtsfälle, zuletzt kranke Pferde.
- Zugang beschränken: Beschränken Sie den Zugang zum Stall auf wenige Personen. Betriebsfremde Personen, Hunde und Katzen dürfen den Stall nicht betreten.
- Fieber messen und beobachten: Messen Sie täglich Fieber und beobachten Sie alle Pferde genau.
- Eigene Thermometer: Verwenden Sie für jedes Pferd ein eigenes Thermometer, um Erreger nicht zu verteilen.
- Wickel und Zugsalben anwenden: Unterstützen Sie die Behandlung mit Drusewickeln und Zugsalben.
- Hygiene beachten: Wechseln Sie Kleidung und desinfizieren Sie Hände nach Kontakt mit erkrankten Pferden.
Die Genesung eines Pferdes von Druse dauert etwa 8 Wochen. Erst wenn das Pferd eine Woche fieberfrei ist und der Tierarzt mindestens drei negative Druse-Tests durchgeführt hat, darf es wieder in die Herde integriert werden.
