Wermut in Deutschland: Anbau, Wirkung & Anwendung

06/12/2024

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Der Wermut, eine Pflanze mit einer langen und reichen Geschichte, ist nicht nur für seinen bitteren Geschmack bekannt, sondern auch für seine vielfältigen heilenden Eigenschaften. In Deutschland findet man den Wermut wild wachsend an verschiedenen Standorten, und er wird auch in der Naturheilkunde und traditionellen Medizin geschätzt. Dieser Artikel beleuchtet, wo Wermut in Deutschland wächst, welche Wirkstoffe er enthält und wie er angewendet wird.

Wo wächst Wermut in Deutschland?
Der Wermut stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet. Er wächst gern auf sonnigen und nährstoffreichen Standorten im Bereich ehemaliger Siedlungen, an Wegrändern, auf Schafweiden und an Felsen. Auf der Schwäbischen Alb ist er gebietsweise noch häufig auf Wacholderheiden zu finden.
Inhaltsverzeichnis

Wo wächst Wermut in Deutschland?

Ursprünglich stammt der Wermut aus dem östlichen Mittelmeergebiet, hat sich aber längst in vielen Teilen Europas, einschließlich Deutschland, etabliert. Er bevorzugt sonnige und nährstoffreiche Standorte. Man findet ihn häufig an:

  • Wegrändern: Entlang von Feldwegen und Landstraßen, wo der Boden oft gestört und sonnig ist.
  • Schafweiden: Aufgrund seiner Bitterkeit wird Wermut von vielen Tieren gemieden, wodurch er auf Weideflächen überleben kann.
  • Felsen und Hänge: In steinigen und trockenen Gebieten, besonders an Südhängen, fühlt sich Wermut wohl.
  • Ehemalige Siedlungen: In der Nähe von alten Dörfern und Siedlungsresten, wo der Boden durch menschliche Aktivität nährstoffreicher sein kann.
  • Wacholderheiden: Besonders auf der Schwäbischen Alb ist Wermut gebietsweise noch häufig auf Wacholderheiden anzutreffen, einem Lebensraum, der durch extensive Schafbeweidung entstanden ist.

Wermut bevorzugt kalk- und nährstoffreiche Böden und sommertrockene Gebiete. Weinberge, Felshänge, Straßenränder, Bach- und Flussufer sowie Ruinen und Mauern sind typische Standorte, an denen er gut gedeiht. Die Pflanze ist relativ anspruchslos und kann auch in weniger idealen Bedingungen überleben, was zu ihrer weiten Verbreitung beiträgt.

Wirk- und Inhaltsstoffe des Wermuts

Die charakteristische Bitterkeit des Wermuts ist auf seine wertvollen Inhaltsstoffe zurückzuführen, die ihm auch seine heilenden Eigenschaften verleihen. Die wichtigsten Wirkstoffe sind:

  • Ätherisches Öl: Wermut enthält ein ätherisches Öl, dessen Zusammensetzung variieren kann, aber typischerweise Thujon, Absinthol, und andere Terpene umfasst. Dieses Öl ist für den starken aromatischen Duft und einen Teil der medizinischen Wirkung verantwortlich.
  • Bitterstoffe: Der hohe Gehalt an Bitterstoffen, insbesondere Absinthin und Anabsinthin, ist charakteristisch für Wermut. Diese Bitterstoffe sind es, die die Verdauung anregen und den Appetit fördern.

Weitere Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe, Flavonoide und Sesquiterpenlactone, die ebenfalls zu den vielfältigen Wirkungen der Pflanze beitragen.

Innerliche Anwendung von Wermut

Wermut wird traditionell innerlich angewendet, um verschiedene Beschwerden zu lindern. Die wichtigsten Anwendungsgebiete sind:

Appetitlosigkeit

Die Bitterstoffe im Wermut regen die Produktion von Magensaft und Speichel an und fördern so den Appetit. Ein Tee oder eine Tinktur aus Wermut kann vor den Mahlzeiten eingenommen werden, um den Appetit anzuregen, besonders bei Menschen, die unter Appetitlosigkeit leiden, beispielsweise nach Krankheiten oder in Stresssituationen.

Verdauungsstörungen

Wermut ist ein bewährtes Mittel bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen und Magendruck. Die Bitterstoffe fördern die Produktion von Verdauungssäften und unterstützen die Fettverdauung. Er kann helfen, die Nahrung besser zu verarbeiten und Beschwerden nach schweren Mahlzeiten zu lindern.

Warum wurde Beifuß verboten?
Artemisia annua wurde von der WHO verboten. Es heißt, das Kraut würde Resistenzen gegen Artemisinin, das wichtigste Malaria-Medikament, erzeugen. Doch dafür gibt es keine Beweise. Viele Wissenschaftler prognostizieren, dass Tropenkrankheiten wie Malaria mit dem Klimawandel nach Europa kommen könnten.

Mangelnder Gallenfluss

Wermut wirkt cholagog, das heißt, er fördert den Gallenfluss. Dies ist wichtig für die Verdauung von Fetten und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten. Bei Beschwerden, die auf einen trägen Gallenfluss zurückzuführen sind, kann Wermut unterstützend wirken.

Weitere traditionelle Anwendungen

In der Volksheilkunde wurde Wermut auch bei weiteren Beschwerden eingesetzt, darunter:

  • Leichte Krämpfe: Wermut kann krampflösende Eigenschaften haben und wurde traditionell bei Menstruationsbeschwerden verwendet.
  • Wurmmittel: Früher wurde Wermut auch als Wurmmittel eingesetzt, obwohl diese Anwendung heute weniger gebräuchlich ist und es effektivere und sicherere Alternativen gibt.

Wermut in der Homöopathie

In der Homöopathie wird Absinthium, ein homöopathisches Mittel aus Wermut, bei verschiedenen nervösen Beschwerden und Krampfzuständen eingesetzt, beispielsweise bei epileptischen Anfällen und hysterischen Krämpfen. Die homöopathische Anwendung basiert auf dem Prinzip der Ähnlichkeitsregel und verwendet stark verdünnte Zubereitungen.

Wissenswertes rund um den Wermut

Verwandte Arten und die Gattung Artemisia

Der Wermut (Artemisia absinthium) gehört zur Pflanzengattung Artemisia, die eine Vielzahl von Arznei- und Gewürzpflanzen umfasst. Einige bekannte Verwandte sind:

  • Eberraute (Artemisia abrotanum): Wird ebenfalls in homöopathischen Arzneimitteln verwendet und ist auch als Zierpflanze bekannt.
  • Beifuß (Artemisia vulgaris): Ein wichtiges Gewürz, besonders in der traditionellen Küche zu fetten Speisen, um die Verdauung zu fördern.
  • Estragon (Artemisia dracunculus): Ein beliebtes Küchenkraut mit anisartigem Aroma, das besonders in der französischen Küche geschätzt wird.
  • Artemisia annua: In neuerer Zeit bekannt geworden als Quelle für Artemisinin, einen wichtigen Wirkstoff zur Bekämpfung der Malaria.

Etymologie und Geschichte

Der Name „Wermut“ leitet sich vermutlich vom althochdeutschen „wermuota“ oder „weonmuot“ ab, was so viel wie „wärmende Wurzel“ bedeutet. Der wissenschaftliche Name Artemisia ehrt die griechische Göttin Artemis, die Schwester des Heilgottes Apollon. Der Zusatz absinthium stammt vom griechischen „apsinthos“, was „ohne Vergnügen“ bedeutet und sich auf den bitteren Geschmack bezieht.

Die erste Erwähnung von Wermut findet sich bereits im ägyptischen Papyrus Ebers um 1600 v. Chr., wo er unter dem Namen „Saam“ aufgeführt ist. In der Antike und im Mittelalter war Wermut eine geschätzte Heilpflanze. Hildegard von Bingen zählte den Wermut zu den wirkungsvollsten Heilpflanzen.

Welche Pflanze ist im Absinth?
Der Echte Wermut (Artemisia absinthum) ist eine wintergrüne, heimische Staude mit meist aufrechtem und verzweigtem Wuchs bis 80 cm. Besonders bekannt ist die Staude, weil sie zur Herstellung des alkoholischen Getränkes Absinth, auch «Grüne Fee» genannt, verwendet wird.

Wermut als Gewürz und in alkoholischen Getränken

Wermut kann auch als Gewürz verwendet werden, besonders zu fetten Speisen wie Gänsebraten, um die Verdauung zu unterstützen. Sein intensiver, bitterer Geschmack sollte jedoch sparsam eingesetzt werden.

Bekannt ist Wermut auch als wesentlicher Bestandteil von Absinth, einem alkoholischen Getränk, das im 19. Jahrhundert populär wurde und zeitweise verboten war. Auch in Wermutwein, einem aromatisierten Wein, ist Wermut enthalten. Der im Absinth enthaltene Wirkstoff Thujon wurde lange Zeit für die angeblichen negativen Auswirkungen des Absinth-Konsums verantwortlich gemacht, neuere Forschungen deuten jedoch darauf hin, dass andere Faktoren eine größere Rolle spielten.

Fazit

Wermut ist eine vielseitige Pflanze mit einer langen Tradition in der Heilkunde und einer interessanten Geschichte. In Deutschland wächst er wild an verschiedenen Standorten und ist aufgrund seiner Bitterstoffe und des ätherischen Öls ein wertvolles Mittel zur Förderung der Verdauung und Anregung des Appetits. Ob als Tee, Tinktur oder homöopathisches Mittel – Wermut kann bei verschiedenen Beschwerden eine natürliche Unterstützung bieten. Seine Verwandtschaft zu anderen bekannten Artemisia-Arten und seine kulturelle Bedeutung, von der Antike bis zur Absinth-Ära, machen ihn zu einer faszinierenden Pflanze, die es zu entdecken gilt.

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