Welche Pflanzen enthalten PA?

Pyrrolizidinalkaloide in Pflanzen: Vorkommen & Risiken

22/09/2023

Rating: 4.95 (5387 votes)

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind natürliche Substanzen, die in einer Vielzahl von Pflanzen vorkommen. Diese Stoffe können für Mensch und Tier giftig sein und sind daher ein wichtiges Thema im Bereich der Lebensmittelsicherheit und Pflanzenkunde. Dieser Artikel beleuchtet, in welchen Pflanzen PA vorkommen, welche Risiken von ihnen ausgehen und was Sie als Verbraucher wissen sollten.

Welche Pflanzen enthalten PA?
Zu den wichtigsten Vertretern der PA-haltigen Pflanzen zählen das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), das Gewöhnliche Greis- oder Kreuzkraut (Senecio vulgaris), Natternkopf (Echium vulgare), Sonnenwenden (Heliotropium-Arten) und Borretsch (Borago officinalis). Viele PA gelten als toxisch für Mensch und Tier.
Inhaltsverzeichnis

Was sind Pyrrolizidinalkaloide?

Pyrrolizidinalkaloide sind eine große Gruppe von Naturstoffen, die von bestimmten Pflanzenfamilien produziert werden. Zu diesen Familien gehören vor allem die Korbblütler (Asteraceae), die Raublattgewächse (Boraginaceae), die Hülsenfrüchtler (Fabaceae), die Hundsgiftgewächse (Apocynaceae), die Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und die Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae). Bekannte Pflanzen, die PA enthalten, sind beispielsweise das Jakobskreuzkraut, das Gewöhnliche Kreuzkraut, der Natternkopf, verschiedene Sonnenwenden-Arten und der Borretsch.

Toxizität und Gesundheitsrisiken von Pyrrolizidinalkaloiden

Viele Pyrrolizidinalkaloide sind als toxisch für Mensch und Tier eingestuft. Die gesundheitsschädliche Wirkung hängt stark von der chemischen Struktur des jeweiligen Alkaloids ab. Eine entscheidende Voraussetzung für die Toxizität ist eine bestimmte Doppelbindung in der chemischen Struktur. Der Grad der Veresterung und Verzweigung kann die Toxizität zusätzlich erhöhen.

Das Hauptzielorgan für die schädlichen Wirkungen von PA ist die Leber. In hohen Dosen können akute Leberschäden auftreten, während eine chronische Aufnahme zu chronischen Lebererkrankungen führen kann. Besonders besorgniserregend ist das genotoxische und kanzerogene Potential einiger PA, was bedeutet, dass sie das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Wie gelangen Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmittel?

Pyrrolizidinalkaloide können auf verschiedenen Wegen in unsere Lebensmittel gelangen. Die häufigste Ursache ist die Kontamination durch PA-haltige Pflanzen während der Ernte. Wenn Teile dieser Pflanzen als Fremdkräuter mitgeerntet werden, können sie in das Erntegut gelangen. Dies betrifft vor allem:

  • Tee und teeähnliche Erzeugnisse
  • Gewürze
  • Kräuter
  • Salate

Auch Honig und Pollenprodukte können kontaminiert sein, wenn Bienen Pollen von PA-haltigen Pflanzen sammeln. In einigen Fällen werden PA-haltige Pflanzen auch direkt als Lebensmittel verwendet, wie beispielsweise Borretsch als Gewürzkraut oder bestimmte Nahrungsergänzungsmittel auf Pflanzenbasis.

Der Übergang von PA über Futtermittel in tierische Lebensmittel ist nach aktuellem Wissensstand eher gering. Dennoch können auch Nutztiere Vergiftungserscheinungen zeigen, wenn sie PA-haltige Pflanzen auf der Weide oder im kontaminierten Futter aufnehmen.

Was ist der Grenzwert für Pyrrolizidinalkaloide?
Auch der genaue Umfang der zu bewertenden Pyrrolizidinalkaloide wird nun in der Verordnung festgelegt. Die Höchstgehalte beziehen sich auf die Summe von insgesamt 35 Pyrrolizidinalkaloiden.

Gesetzliche Regelungen zu Pyrrolizidinalkaloiden in der EU

Um die Verbraucher vor den Risiken durch PA zu schützen, hat die Europäische Union Höchstgehalte für bestimmte Lebensmittel festgelegt. Die Verordnung (EU) 2023/915 regelt diese Höchstgehalte für die Summe der wichtigsten PA. Lebensmittel, die diese Grenzwerte überschreiten, dürfen in der EU nicht verkauft oder in Lebensmitteln verwendet werden. Diese Regelungen sind seit dem 1. Juli 2022 in Kraft und betreffen folgende Lebensmittelgruppen:

  • Borretschblätter (frisch oder tiefgekühlt)
  • Getrocknete Kräuter
  • Tee
  • Kräutertee und Zutaten für Kräutertee
  • Kreuzkümmel
  • Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Zubereitungen
  • Pollen und Pollenprodukte
  • Nahrungsergänzungsmittel auf Pollenbasis

Für Lebensmittel, die nicht unter diese Höchstgehalte fallen, erfolgt die Bewertung im Einzelfall auf Basis einer toxikologischen Risikobewertung und des allgemeinen Lebensmittelrechts.

Aktuelle Lage und Überwachung von Pyrrolizidinalkaloiden

Die Lebensmittelüberwachung in Deutschland, beispielsweise durch das LGL (Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit), untersucht regelmäßig Lebensmittel auf ihren PA-Gehalt. Aktuell liegt der Fokus verstärkt auf Gewürzen und Kräutern, während früher vor allem Salate, Honig sowie Tee und Kräutertee im Fokus standen.

Erfreulicherweise zeigen Daten des bundesweiten Monitorings, dass sich die Qualität von Tees und Kräutertees hinsichtlich der PA-Belastung in den letzten Jahren verbessert hat. Dies ist vermutlich auf verbesserte Anbaumethoden und verstärkte Kontrollen durch Lebensmittelunternehmen und Behörden zurückzuführen.

Tipps für Verbraucher zum Umgang mit Pyrrolizidinalkaloiden

Um das Risiko einer PA-Aufnahme zu minimieren, empfiehlt es sich, einige einfache Tipps zu beachten:

  • Abwechslungsreiche Ernährung: Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist grundsätzlich empfehlenswert. Produktgruppen, die PA enthalten können, müssen nicht grundsätzlich gemieden werden.
  • Hersteller und Sorten wechseln: Da PA-Kontaminationen oft chargenabhängig sind, kann es vorsorglich sein, regelmäßig Hersteller oder Sorten zu wechseln, besonders bei Produkten, die potenziell PA enthalten können.
  • Aufmerksames Prüfen bei losen Salaten und frischen Kräutern: Bei frischen, unverarbeiteten Produkten können Fremdpflanzen oft leichter erkannt werden. Achten Sie auf untypische Pflanzenteile und sortieren Sie diese vorsorglich aus.

Pyrrolizidinalkaloide: Grenzwerte und Definitionen

Die Diskussion um Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln und Honig ist nicht neu. Lange Zeit gab es keine gesetzlichen Höchstwerte, sondern Empfehlungen von Behörden wie dem BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) und der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit). Das BfR empfahl beispielsweise eine maximale tägliche Aufnahmemenge von 0,007 µg PA pro Kilogramm Körpergewicht.

Vor der Einführung der EU-weiten Höchstgehalte galt ein „health based guidance value“ (HBGV) von 0,1 µg/kg Körpergewicht pro Tag als Richtwert. Bei Überschreitung dieses Wertes wurden Lebensmittel als „nicht sicher“ eingestuft.

Was ist ein PA-Wert?
Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind natürliche Giftstoffe und werden von vielen Pflanzen zum Schutz gegen Fraßfeinde gebildet. Die Abbauprodukte in der Leber sind für Mensch und Tier gesundheitlich bedenklich. Bisher wurden PA in mehr als 350 Pflanzenarten welt- weit nachgewiesen.

Mit der Verordnung (EU) 2020/2040 wurden nun erstmals verbindliche Höchstgehalte für bestimmte Lebensmittel festgelegt. Diese beziehen sich auf die Summe von 35 definierten Pyrrolizidinalkaloiden. Diese neue Regelung sorgt für mehr Klarheit und Verbraucherschutz.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Pyrrolizidinalkaloiden

Was sind Pyrrolizidinalkaloide (PA)?

Pyrrolizidinalkaloide sind natürliche, potenziell giftige Stoffe, die von bestimmten Pflanzenarten produziert werden, insbesondere aus den Familien der Korbblütler, Raublattgewächse und Hülsenfrüchtler.

Was ist ein PA-Wert?

Der PA-Wert gibt die Menge an Pyrrolizidinalkaloiden in einem Lebensmittel an. Er wird üblicherweise in Mikrogramm pro Kilogramm Lebensmittel (µg/kg) gemessen.

Was sind die Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln?

Die Verordnung (EU) 2023/915 legt Höchstgehalte für die Summe von 35 Pyrrolizidinalkaloiden in bestimmten Lebensmitteln fest, darunter Tee, Kräutertee, Kräuter, Gewürze, Nahrungsergänzungsmittel und Pollenprodukte. Die genauen Grenzwerte variieren je nach Lebensmittelkategorie.

Schlussfolgerung

Pyrrolizidinalkaloide sind ein relevantes Thema im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Durch die neuen EU-weiten Höchstgehalte und die kontinuierliche Überwachung wird der Verbraucherschutz verbessert. Eine abwechslungsreiche Ernährung und das Beachten einfacher Vorsichtsmaßnahmen können dazu beitragen, das individuelle Risiko zu minimieren. Es ist wichtig, sich der potenziellen Risiken bewusst zu sein, aber es besteht kein Grund zur Panik. Durch Information und verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln können Verbraucher und Hersteller gemeinsam für mehr Sicherheit sorgen.

Go up