17/07/2024
Vor fast 120 Jahren schuf der visionäre Architekt Otto Wagner ein beeindruckendes Ensemble, das Otto Wagner Areal, dessen Grundprinzip die Menschenwürde war. Nach über einem Jahrhundert klinischer Nutzung leitet die Stadt Wien nun eine neue Ära für dieses bedeutende Areal ein. Ziel ist es, dieses denkmalgeschützte Juwel mit seinen wertvollen Grünflächen in einen lebendigen Ort für alle zu transformieren. Dabei sollen die historische Bedeutung und die Ergebnisse der Mediation von 2013 gewahrt bleiben. Es entsteht hoch über der Stadt ein nachhaltiger und zukunftsorientierter Ort – eine Stadt der Zukunft, geprägt von Grünflächen und frischer Luft, eingebettet in die robusten und zugleich ästhetischen Mauern des vergangenen Jahrhunderts. Das Otto Wagner Areal soll eine Heimstätte für Kultur, Bildung, Wissenschaft, Gedenken und vielfältige Erlebnisse werden.

Was passiert mit dem Otto Wagner Areal?
Das Otto Wagner Areal, ein historisch einzigartiger Ort, soll nach seiner derzeitigen Nutzung durch den Wiener Gesundheitsverbund erhalten bleiben und langfristig zu einem Zentrum für Wissenschaft, Kultur und Bildung entwickelt werden. Es ist auch denkbar, soziale und gesundheitsbezogene Nutzungen in das Areal zu integrieren. Die zukünftige Gestaltung des Areals wird die Ergebnisse des Mediationsverfahrens mit den Anwohnern berücksichtigen, um den Bedürfnissen der Bevölkerung und der angrenzenden Bezirke gerecht zu werden.
Mögliche Nutzungen und Planungen
Mit einer Gesamtbaufläche von rund 20.000 Quadratmetern bietet das Areal Raum für etwa 160 Wohnungen auf derselben Fläche. Dies stellt eine erhebliche Reduzierung gegenüber den ursprünglich geplanten 60.000 Quadratmetern dar. Neben Wohnungen könnten auch Kinderhorte und medizinische Einrichtungen in den Gebäuden Platz finden. Ein wesentlicher Aspekt der Planung ist der Erhalt der Grünflächen. Der Großteil der Grünflächen bleibt unangetastet, und der wertvolle Baumbestand wird bewahrt. Von zehntausenden Bäumen auf dem Gelände müssen maximal 100 umgesiedelt werden. Die Erschließung der neuen Gebäude soll über eine zentrale Zufahrt erfolgen, wobei die bestehende VAMED-Tiefgarage gemeinschaftlich genutzt werden kann.
Bekenntnis der Stadt Wien
Die Stadt Wien hat sich klar zu folgenden Punkten bekannt:
- Das Otto Wagner Areal soll in seiner Gesamtheit entwickelt werden.
- Die historische Gebäudesubstanz wird erhalten.
- Das Areal bleibt dauerhaft im Eigentum der Stadt Wien.
- Universitäre, soziale und kulturelle Nutzungen haben Vorrang.
- Die Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit wird sichergestellt.
- Für die Nutzung bestimmter Gebäude, wie beispielsweise eines Theaters, soll eine dauerhafte Möglichkeit der Mitbestimmung erreicht werden.
Attraktive und langfristige „Ankermieter“ können entscheidende Impulse für die Gesamtentwicklung des Areals setzen und langfristig weitere ähnliche Nutzungen anziehen. Auf strategischer Ebene ist die Projektkoordination in der Baudirektion für die Entwicklung des Gesamtareals und die Schaffung der Voraussetzungen für dessen Verwertung verantwortlich.

Sicherung von Kulturjuwel, Grünflächen und öffentlichen Wegen
Der historische Gebäudebestand des Otto Wagner Areals ist bereits durch den Denkmalschutz und eine seit 2006 geltende Schutzzone gesichert. Die Stadt Wien hat die Abteilung Stadtteilplanung und Flächenwidmung beauftragt, die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung und der Expertengremien für die zukünftige Nutzung des Areals in einer neuen Flächenwidmung festzuschreiben. Diese neue Flächenwidmung basiert auf den Empfehlungen eines Expertengremiums im Rahmen eines Mediationsverfahrens, initiiert durch die damalige Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin Maria Vassilakou.
Grundprinzipien der neuen Flächenwidmung
Die neue Flächenwidmung beinhaltet folgende wesentliche Grundsätze:
- Eine Bebauung zwischen den Pavillons wird ausgeschlossen. Dadurch bleiben alle Grünflächen im Hauptteil und im westlichen Sanatoriumsbereich erhalten.
- An den Gebäuden selbst sind nur minimale Veränderungen zulässig, beispielsweise für einen barrierefreien Zugang. Alle Änderungen müssen in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt erfolgen.
- Die Grünflächen zwischen Sanatoriumsbereich und Hauptareal bzw. Ostareal bleiben bestehen und werden von Bauland in Grünland umgewidmet. Auch die zentrale Sichtachse Pathologie – Kirche wird freigehalten, wodurch eine Verbauung ausgeschlossen ist.
- Im ehemaligen Wirtschaftsareal im Osten wird die Widmung auf ein Minimum reduziert, das die Planung der Expertenkommission empfiehlt und die Eingliederung des Bereichs in das Gesamtensemble ermöglicht.
- Das gesamte Erholungsgebiet Steinhofgründe bleibt erhalten.
Geschichte des Otto Wagner Areals
Der weitläufige Spitalskomplex der damaligen „Niederösterreichischen Landes-Heil- und Pflegeanstalt“ wurde nach den Plänen von Otto Wagner errichtet. Er besteht aus 60 Pavillons und der markanten Kirche zum Heiligen Leopold. Die Umfassungsmauer schließt bis heute das nördlich angrenzende Erholungsgebiet Steinhof mit ein. Diese historische Tiefe und architektonische Bedeutung machen das Otto Wagner Areal zu einem einzigartigen Ort in Wien.
Otto Wagner und der Jugendstil
Der Jugendstil nimmt neben den bekannten gotischen und barocken Bauwerken einen festen Platz in der Wiener Architektur ein. Berühmte Architekten wie Otto Wagner, Josef Hoffmann, Adolf Loos oder Joseph Maria Olbrich schufen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert weltbekannte Gebäude wie die Secession, die Postsparkasse oder das Looshaus. Wien um die vorletzte Jahrhundertwende war eine Wiege der Moderne, und auch in der Architektur wurden neue Wege beschritten. Vor allem Otto Wagner prägte das Wiener Stadtbild bis heute. Er bevorzugte eine geometrische Variante des Jugendstils. Seine Gebäude zeichnen sich durch klare, meist symmetrisch angeordnete Baukörper aus – sachlich und nüchtern. Zu Wagners wichtigsten Bauten in Wien zählen die Stationen, Geländer und Brücken der ehemaligen Stadtbahn (heute U4 und U6), das Majolikahaus und das Musenhaus an der Wienzeile, die Kirche am Steinhof und die Postsparkasse.

Ein prägendes Element der Jugendstil-Architektur waren Ornamente. Diese wurden vor allem bei der Außengestaltung eingesetzt. Marmor, Glas, Fliesen, Metallapplikationen, bunter Stuck oder Vergoldungen veredelten die Häuser. Florale Ornamente finden sich auch an der Wiener Secession, einem der bedeutendsten Jugendstilgebäude. Die Secession wurde 1898 von Joseph Maria Olbrich erbaut und war das erste Ausstellungsgebäude Mitteleuropas, das der modernen Kunst gewidmet war. Josef Hoffmann war ein weiterer wichtiger Vertreter des Wiener Jugendstils, dessen Villen im 19. Bezirk bis heute einen Eindruck des damaligen Baustils vermitteln.
Im Gegensatz zum Ornamentreichtum des Jugendstils propagierte Adolf Loos eine rein funktionelle Architektur und distanzierte sich damit deutlich vom Jugendstil. Das Looshaus am Michaelerplatz ist ein Paradebeispiel seines Schaffens, bei dem anstelle von Ornamenten hochwertige Materialien im Vordergrund stehen. Der Erste Weltkrieg und der Zusammenbruch der Monarchie im Jahr 1918 markierten das Ende des Wiener Jugendstils. Der soziale Wohnbau des Roten Wiens prägte die Wiener Architektur der Zwischenkriegszeit.
Otto Wagner: Familie und Persönliches
Otto Wagner wurde am 13. Juli 1841 in Penzing bei Wien geboren und starb am 11. April 1918. Er hatte insgesamt fünf Kinder aus zwei Ehen und einer vorehelichen Beziehung. Aus seiner ersten Ehe mit Josefine Domhart (1847−1889) hatte er zwei Töchter, Susanna und Margarete (früh verstorben). Aus der Beziehung mit Sofie Paupie stammten die Söhne Otto Emmerich und Robert Koloman. Seine zweite Ehe mit Louise Stiffel (1959−1915) brachte drei weitere Kinder hervor: Stefan, Louise und Christine. Otto Wagner ist in der von ihm gestalteten Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof bestattet.
FAQ zum Otto Wagner Areal
- Wem gehört das Otto Wagner Areal?
- Das Otto Wagner Areal gehört der Stadt Wien und wird dauerhaft in ihrem Eigentum bleiben.
- Was ist für die Zukunft des Otto Wagner Areals geplant?
- Das Areal soll zu einem Standort für Wissenschaft, Kultur und Bildung entwickelt werden. Es sind auch soziale und gesundheitsbezogene Nutzungen denkbar.
- Wird das historische Erbe des Otto Wagner Areals erhalten?
- Ja, die Stadt Wien bekennt sich klar zum Erhalt der historischen Gebäudesubstanz. Das Areal steht unter Denkmalschutz.
- Bleiben die Grünflächen auf dem Otto Wagner Areal erhalten?
- Ja, der Großteil der Grünflächen bleibt erhalten und wird teilweise sogar in Grünland umgewidmet. Eine Bebauung zwischen den Pavillons ist ausgeschlossen.
- Ist Otto Wagner dem Jugendstil zuzuordnen?
- Ja, Otto Wagner war ein bedeutender Vertreter des Wiener Jugendstils, wenngleich er eine geometrische und funktionale Variante bevorzugte.
