22/08/2023
Der Olivenbaum, ein Symbol des Mittelmeerraums, blickt auf eine Jahrtausende alte Geschichte als Kulturpflanze zurück. Seine Anpassungsfähigkeit und lange Kultivierungszeit haben zu einer beeindruckenden Vielfalt an Sorten geführt. Allein im Mittelmeerraum existieren über 1000 verschiedene Arten, jede mit ihren einzigartigen Eigenschaften. Dieser Artikel führt Sie durch die Welt der Olivenbaumarten, beleuchtet die Eignung für den Anbau in Deutschland und gibt praktische Tipps zu Pflanzung, Pflege und Ernte.

- Welche Olivenbaumarten gibt es?
- Welche Olivensorten eignen sich für den Anbau in Deutschland?
- Gibt es winterharte Olivenbäume?
- Was du brauchst, um einen Olivenbaum in Deutschland anzubauen
- Einen Olivenbaum pflanzen: Position und Bedingungen
- Wie ein Olivenbaum gepflanzt wird
- Hegen und Pflegen von Olivenbäumen
- Häufig gestellte Fragen zum Pflanzen von Olivenbäumen
Welche Olivenbaumarten gibt es?
Die immense Sortenvielfalt des Olivenbaums ist das Ergebnis seiner langen Geschichte und Anpassung an unterschiedliche Umweltbedingungen. Ob für die Ölproduktion oder als Tafelolive, die verschiedenen Arten unterscheiden sich erheblich in Geschmack, Größe, Ölgehalt und anderen Merkmalen. Hier sind einige der bekanntesten Sorten, geordnet nach ihren Ursprungsländern:
- Spanien: Spanien, als einer der größten Olivenölproduzenten der Welt, beheimatet eine Reihe bedeutender Sorten. Zu den bekanntesten zählen Arbequina, bekannt für ihr fruchtiges Öl und frühe Reife, Gordal, eine große Tafelolive, Hojiblanca, vielseitig einsetzbar für Öl und Tafeloliven, Manzanilla, eine weitere beliebte Tafelolivensorte, und Picual, die wichtigste Sorte für die Ölproduktion in Andalusien, die ein Öl mit hoher Stabilität und intensivem Geschmack liefert.
- Italien: Italien, berühmt für seine Olivenöle, bietet ebenfalls eine beeindruckende Vielfalt. Frantoio ist eine toskanische Sorte, die für ihr aromatisches und hochwertiges Öl geschätzt wird. Leccio, ebenfalls aus der Toskana, ist bekannt für ihre Robustheit und ihr fruchtiges Öl. Cipressino zeichnet sich durch ihren säulenförmigen Wuchs aus und ist auch für kühlere Regionen geeignet. Taggiasca aus Ligurien liefert kleine, aromatische Oliven, die sowohl für Öl als auch als Tafeloliven verwendet werden.
- Griechenland: Griechenland, die Wiege des Olivenanbaus, bietet ebenfalls eine bedeutende Auswahl an Sorten. Kalamata ist weltberühmt für ihre großen, mandelförmigen Tafeloliven. Konservolia ist die am weitesten verbreitete Sorte in Griechenland und wird hauptsächlich für Tafeloliven verwendet. Koroneiki, besonders auf Kreta angebaut, ist eine kleine, aber ertragreiche Sorte, die ein hochwertiges, aromatisches Olivenöl liefert.
Es ist wichtig zu wissen, dass es keine genetisch bedingten „grünen“ oder „schwarzen“ Olivensorten gibt. Alle Oliven reifen von Grün nach Schwarz. Der Unterschied in der Farbe bei der Ernte ist ein Reifeunterschied. Grüne Oliven sind unreif, während schwarze Oliven vollreif sind. Um den Prozess zu beschleunigen und eine einheitlich schwarze Farbe zu erzielen, werden viele Oliven grün geerntet und anschließend künstlich geschwärzt.
Welche Olivensorten eignen sich für den Anbau in Deutschland?
Das deutsche Klima stellt besondere Herausforderungen für den Olivenanbau dar. Olivenbäume sind nicht vollständig winterhart und vertragen keinen starken Frost. Für den Anbau in Deutschland eignen sich daher vor allem Sorten, die robuster sind und auch mit wechselhaftem Wetter und niedrigeren Temperaturen besser zurechtkommen. Sorten aus Spanien und den Pyrenäen, die an kühlere Winter und kürzere Sommer angepasst sind, sind hier oft eine gute Wahl.
Für Regionen mit milderen Wintern oder für den flexiblen Anbau empfiehlt sich die Kultivierung im Topf oder Kübel. Dies ermöglicht es, den Olivenbaum im Winter an einen geschützten Ort zu bringen. Kleinwüchsige Sorten wie Cipressino sind besonders gut für die Topfkultur geeignet, da sie weniger Platz benötigen und leichter zu überwintern sind.
Gibt es winterharte Olivenbäume?
Die Frage nach der Winterhärte von Olivenbäumen ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Es gibt Unterschiede im Grad der Frosttoleranz zwischen den Sorten. Sorten, die aus Regionen mit konstant warmem Klima stammen, sind in der Regel sehr frostempfindlich. Sorten mediterranen Ursprungs sind etwas toleranter gegenüber niedrigeren Temperaturen, benötigen aber dennoch Winterschutz in unseren Breitengraden.
Beim Kauf eines Olivenbaums sollten Sie auf die Bezeichnungen „winterfest“ und „winterhart“ achten. „Winterfest“ bedeutet, dass der Baum kurzfristig leichten Frost um die 0 °C verträgt. „Winterhart“ suggeriert eine höhere Frosttoleranz, aber auch diese Bäume benötigen in der Regel zusätzlichen Schutz bei längeren Frostperioden. Absolut „winterharte“ Olivenbäume, die dauerhaft strenge Fröste ohne Schutz überstehen, gibt es in dem Sinne nicht. Auch als „winterhart“ bezeichnete Sorten benötigen einen Kälteschutz, insbesondere in sehr kalten Wintern.
Was du brauchst, um einen Olivenbaum in Deutschland anzubauen
Der Anbau von Olivenbäumen in Deutschland ist durchaus möglich, erfordert aber einige Vorbereitungen und die Beachtung wichtiger Faktoren:
- Anbaugebiet: Nicht jede Region Deutschlands ist für den Freilandanbau geeignet. Wärmere Regionen, wie Weinanbaugebiete, bieten bessere Bedingungen. In kälteren Regionen ist die Topfkultur empfehlenswert.
- Alter des Baumes: Für die Freilandpflanzung sind ältere Bäume robuster und widerstandsfähiger gegenüber Kälte. Junge Bäume sind empfindlicher. Ältere Bäume sind jedoch aufgrund ihres langsamen Wachstums teurer.
- Winterfestigkeit: In kälteren Regionen ist die Topfkultur ratsam, um den Baum leichter überwintern zu können. Die Wahl einer geeigneten, robusteren Sorte ist entscheidend.
- Selbstaufzucht aus Samen: Theoretisch möglich, aber sehr langwierig und schwierig. Der Kauf vorgezogener Bäume in einer Baumschule ist einfacher und empfehlenswerter.
Benötigte Materialien
Für den Freilandanbau:
- Spaten
- Pflanzgranulat oder Kies für die Drainage
- Stabiler Pfosten zur Stützung junger Bäume
Für die Topf- oder Kübelkultur:
- Pflanzgefäß aus Ton oder Terrakotta (für gute Verdunstung)
- Hochwertige Erde für mediterrane Pflanzen
- Pflanzgranulat oder Kies für die Drainageschicht
- Spezialdünger für mediterrane Pflanzen
Einen Olivenbaum pflanzen: Position und Bedingungen
Als typische Mittelmeerpflanze liebt der Olivenbaum sonnige, warme und windgeschützte Standorte. Ein Südlage in voller Sonne ist ideal. Die feinen Haare auf den Blättern schützen ihn vor intensiver Sonneneinstrahlung. Temperaturen ab 20 °C sind optimal. Der Boden sollte nährstoffarm und trocken sein mit guter Drainage. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden. Übermäßiges Düngen ist ebenfalls nicht empfehlenswert.
Olivenbäume sind hinsichtlich des Platzbedarfs genügsam und wachsen langsam. Regelmäßiger Rückschnitt hält sie in Form. Dennoch sollte im Freiland ausreichend Platz für Wurzeln und Krone vorhanden sein. Im Topf eignen sie sich gut für sonnige Südbalkone oder Wintergärten. Rosen, Oleander und Malven sind gute Pflanznachbarn.
Wie ein Olivenbaum gepflanzt wird
Der ideale Pflanzzeitpunkt ist das Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen und kein Frost mehr zu erwarten ist.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Pflanzung
Olivenbaum ins Freiland pflanzen:
- Heben Sie ein ausreichend großes Pflanzloch aus, das Platz für Wurzelballen und Drainage bietet.
- Füllen Sie eine Schicht Kies oder Blähton zur Drainage in das Loch.
- Setzen Sie den Wurzelballen ein und füllen Sie das Loch mit hochwertiger Erde auf.
- Stützen Sie den jungen Baum mit einem stabilen Pfosten.
Olivenbaum im Topf pflanzen:
- Wählen Sie einen ausreichend großen Topf aus Ton oder Terrakotta.
- Füllen Sie eine Schicht Blähton als Drainage auf den Topfboden.
- Setzen Sie das Olivenbäumchen in den Topf und füllen Sie ihn mit Kübelpflanzenerde auf.
Umtopfen ist aufgrund des langsamen Wachstums selten nötig, idealerweise im Frühjahr.
Tipp für kältere Regionen: Pflanzen Sie den Olivenbaum im Topf ein und graben Sie den Topf im Freiland ein. So kann er zum Überwintern einfach ausgegraben und im Frühjahr wieder eingesetzt werden.
Hegen und Pflegen von Olivenbäumen
Olivenbäume richtig gießen
Olivenbäume bevorzugen eher trockene als feuchte Bedingungen. Gießen Sie sparsam. Im Frühjahr und Sommer prüfen Sie einmal wöchentlich die Bodenfeuchtigkeit mit dem Finger. Ist die Erde trocken, gießen Sie. Vermeiden Sie Staunässe im Untersetzer oder Übertopf. Im Winter, während der Ruhephase, benötigen sie noch weniger Wasser. Alle zwei Wochen Bodenfeuchtigkeit prüfen und gegebenenfalls wenig gießen.
Olivenbäume düngen
Olivenbäume bevorzugen nährstoffarmen Boden. Düngen Sie sparsam. Während der Wachstumsphase im Frühjahr alle zwei Wochen Flüssigdünger für mediterrane Pflanzen ins Gießwasser geben. Alternativ Langzeitdünger im März und Juli verwenden.
Olivenbäume schneiden
Regelmäßiger Schnitt ist wichtig für eine schöne, buschige Krone und zur Ertragssteigerung. Der beste Zeitpunkt ist das Frühjahr. Verwenden Sie eine desinfizierte Gartenschere oder ein scharfes Messer. Bei jungen Bäumen untere Zweige stammnah entfernen, um eine Krone zu formen. Überschießende Zweige kürzen, um Verzweigung zu fördern. Bei älteren Bäumen jährlicher Korrekturschnitt zur Formerhaltung ausreichend.
Überwintern
Topf-Olivenbäume im Winter ins Haus holen, idealerweise an einen kühlen, hellen Ort (5–10 °C), z. B. Keller. Alternativ auf dem Balkon überwintern, aber Temperaturen unter -5 °C vermeiden und Wurzelballen mit Jutesack schützen und nah an die Hauswand stellen. Blattverlust im Winter ist normal, im Frühjahr treibt der Baum wieder aus.
Olivenernte
Bei optimalen Bedingungen bilden Olivenbäume Blüten, aus denen sich im Folgejahr Früchte entwickeln. Für die Bestäubung sind idealerweise zwei Bäume oder eine selbstbestäubende Sorte wie Leccino erforderlich. Die Oliven reifen im Herbst von Grün nach Schwarz/Dunkelbraun/Violett. Erntezeit ist im November, aber auch grüne Oliven können geerntet werden.
Weiterverarbeitung der geernteten Oliven
Frisch geerntete Oliven sind bitter und ungenießbar. Sie müssen eingelegt werden:
- Oliven mit einem scharfen Messer einritzen.
- In Wasser legen und vier Wochen lang alle zwei Tage Wasser wechseln.
- Wenn die Oliven nicht mehr bitter schmecken, eine Woche in Salzwasser (7 EL Salz pro Liter) einlegen.
Guten Appetit!
Häufig gestellte Fragen zum Pflanzen von Olivenbäumen
Dürfen in Deutschland Olivenbäume in städtischen Gebieten angebaut werden?
Ja, der Anbau im eigenen Garten ist erlaubt, sofern die klimatischen Bedingungen in Ihrer Region geeignet sind.
Beeinflusst das deutsche Klima den Geschmack/die Qualität der Oliven?
Ja, Klima, Sorte, Lage und Boden beeinflussen den Geschmack. Da die Bedingungen in Deutschland weniger ideal als im Mittelmeerraum sind, kann dies Ertrag und Geschmack beeinflussen.
Gibt es in Deutschland kulturelle Ansätze zum Olivenanbau wie im Mittelmeerraum?
Im Mittelmeerraum haben Olivenbäume eine lange kulturelle und historische Bedeutung. In Deutschland werden sie primär aus ästhetischen Gründen angebaut.
Lassen sich Olivenbäume veredeln und wenn ja, wie?
Ja, Olivenbäume können veredelt werden, um Ertrag und Widerstandsfähigkeit zu verbessern. Dies ist jedoch ein schwieriger Prozess und erfordert Fachkenntnisse.
