Hubert Molander: KI & Herz in der Musikkomposition

24/04/2022

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Hubert Molander ist ein Name, der in der Schlagerwelt Gewicht hat. Als Komponist zahlreicher Erfolge, unter anderem für den Schlagerstar Semino Rossi, prägt er seit Jahren den Sound des deutschsprachigen Schlagers maßgeblich mit. Doch auch an einem etablierten Musikschaffenden wie Molander geht der rasante Fortschritt der künstlichen Intelligenz (KI) nicht spurlos vorbei. In einem aufschlussreichen Interview mit der Kronenzeitung äußerte er sich nun zu den Möglichkeiten und Herausforderungen, die KI für die Musikkomposition und insbesondere für das Genre Schlager bereithält. Seine Einschätzungen sind dabei ebenso nachdenklich wie zukunftsorientiert und werfen ein spannendes Licht auf die sich verändernde Landschaft der Musikproduktion.

Wer komponiert die Lieder von Semino Rossi?
SEMINO ROSSI: Sein Komponist HUBERT MOLANDER zieht interessanten KI-Vergleich. Wie gut KI in der Lage ist, selbständig komplette Songs zu schreiben und sogar zu produzieren, haben wir selbst erfahren können.

KI als Werkzeug oder Konkurrenz? Molanders Vergleich mit der Fotografie

Molander zieht einen interessanten und eingängigen Vergleich, um die Rolle der KI in der Musik zu verdeutlichen: die Entwicklung der Fotografie. Er erinnert an die Zeit der analogen Fotografie, als man Filme entwickeln lassen musste und gespannt auf die Abzüge wartete. Diese Ära ist längst Geschichte. Die digitale Fotografie hat die analoge Technik fast vollständig verdrängt. Fotos werden heute digital aufgenommen, bearbeitet und bei Bedarf einfach zu Hause oder im Drogeriemarkt ausgedruckt. Dieser Wandel, so Molanders Analogie, könnte sich auch in der Musik vollziehen. Die KI könnte die Musikproduktion revolutionieren, ähnlich wie die Digitalisierung die Fotografie. Er sieht die Gefahr, dass KI zu einer Art „Fließbandproduktion“ von Hits führen könnte, bei der die menschliche Kreativität und das Herzblut der Komponisten in den Hintergrund treten könnten.

„Ja ja ja ja“ und mehr: Kompositionen mit menschlicher Note

Gerade die aktuelle Single „Ja ja ja ja“ von Semino Rossi, die ebenfalls aus Molanders Feder stammt, zeigt, wie wichtig die menschliche Komponente in der Musik ist. Der Song, wie viele andere seiner Kompositionen, lebt von Emotionen, von Melodien, die berühren und Geschichten erzählen, die das Publikum ansprechen. Molander betont, dass seine aktuellen Arbeiten, wie auch die Songs für das kommende Album von Roland Kaiser, noch ohne den Einsatz von KI entstanden sind. Dies unterstreicht seinen Standpunkt, dass die persönliche Note, die menschliche Emotion und die individuelle Kreativität derzeit noch unersetzlich sind. Die Anerkennung, für Roland Kaiser schreiben zu dürfen, bezeichnet er selbst als Ritterschlag, was die Bedeutung seiner Arbeit im traditionellen Musikgeschäft hervorhebt.

Die Angst vor dem „Hit am Fließband“ und die Frage nach dem Herz

Hubert Molander äußert Bedenken hinsichtlich der potenziellen negativen Auswirkungen der KI auf die Musikbranche. Er befürchtet, dass die KI zu einer Übersättigung des Marktes mit austauschbarer Musik führen könnte, zu „Hits am Fließband“, die zwar technisch perfekt, aber emotional leer sind. Er sorgt sich um die Schicksale derer, die unter dieser Entwicklung leiden könnten, vermutlich meint er damit Komponisten, Texter und Musiker, deren Arbeitsplätze und Einkommensquellen durch die KI gefährdet werden könnten. Sein Trumpf, den er der KI entgegensetzt, ist das „Herz“. Er ist überzeugt, dass die KI zwar technisch ausgefeilte Musik produzieren kann, aber die emotionale Tiefe, die Authentizität und die Seele, die ein von Menschenhand und mit Herz komponiertes Lied auszeichnen, nicht erreichen wird. Dieses „Herz“ ist für ihn der entscheidende Faktor, der den Unterschied zwischen bloßer Musikproduktion und echter Kunst ausmacht.

Welche Sprache singt Semino Rossi?
Das bis dato aktuellste Werk "So ist das Leben" erschien 2019. Immer wieder steuert Rossi auf seinen Alben auch spanische Lieder bei, entweder Eigenkompositionen oder Cover Songs.

Die Zukunft der Musikkomposition: KI als Unterstützung?

Trotz seiner Bedenken verschließt sich Hubert Molander der Technologie nicht gänzlich. Er räumt ein, dass die KI im Schlagergeschäft eine immer größere Rolle spielen wird und möglicherweise auch sollte. Er sieht Potenzial in der unterstützenden Nutzung der KI. Anstatt die KI als alleinigen Schöpfer von Musik zu betrachten, könnte sie als Werkzeug dienen, das Komponisten und Produzenten in ihrem kreativen Prozess unterstützt. Beispielsweise könnte KI bei der Ideenfindung helfen, bei der Arrangementgestaltung oder bei der Erstellung von Musikmustern. Die Kombination aus menschlicher Kreativität und den technischen Möglichkeiten der KI könnte so zu neuen und innovativen musikalischen Ergebnissen führen. Molander selbst gibt zu bedenken: „Wer weiß, was in zehn Jahren sein wird“. Diese Aussage zeigt, dass er sich der Dynamik der technologischen Entwicklung bewusst ist und offen für zukünftige Veränderungen bleibt.

Parallelen zur Textproduktion und journalistischen Inhalten

Interessanterweise zieht der Artikel auch eine Parallele zur Textproduktion und zum Journalismus. Die KI ist bereits erstaunlich gut darin, Texte zu verfassen, Zeitungsartikel oder Blogbeiträge zu generieren. Auch hier wird die Frage aufgeworfen, inwieweit die KI menschliche Kreativität und journalistische Qualität ersetzen kann. Der Artikel betont, dass auch im Journalismus von Menschenhand geschriebene Artikel, selbst wenn sie kontrovers sind, immer noch wertvoller sind als KI-generierte Inhalte mit potenziellen Fehlern. Die unterstützende Nutzung der KI wird auch im Journalismus als wahrscheinlich unumgänglich angesehen. Diese Parallele zeigt, dass die Diskussion um die Rolle der KI in der Musik ein Teil einer größeren Debatte über den Einfluss der KI auf kreative Berufe und die menschliche Schöpfungskraft im Allgemeinen ist.

Fazit: Ein Balanceakt zwischen Technologie und Menschlichkeit

Hubert Molanders Einschätzungen zur Rolle der KI in der Musikkomposition sind ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion. Er warnt vor einer unkritischen Euphorie und betont die Bedeutung der menschlichen Emotion, des „Herzens“ in der Musik. Gleichzeitig verschließt er sich der Technologie nicht und sieht Potenzial in der unterstützenden Nutzung der KI. Die Zukunft der Musikproduktion wird vermutlich in einem Balanceakt zwischen technologischem Fortschritt und der Bewahrung menschlicher Kreativität und Emotionalität liegen. Die Frage, wie dieses Gleichgewicht gefunden werden kann und wie die Musikbranche mit den Herausforderungen und Chancen der KI umgehen wird, bleibt spannend und wird die Musikwelt in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.

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