Was sind Nielen?

Nielen: Die wilde Schönheit am Waldrand

02/03/2022

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Die Niele, in vielen Teilen Deutschlands als Waldrebe bekannt, ist eine faszinierende Kletterpflanze, die oft am Rande von Wäldern und Gebüschen zu finden ist. In der Deutschschweiz liebevoll „Niele“ genannt, verbirgt sich hinter diesem regionalen Namen eine Pflanze mit vielen Gesichtern: Sie ist heimische Schönheit, ökologisch wertvoll und birgt zugleich ein gewisses Gefahrenpotenzial.

Was sind Nielen?
Im deutschsprachigen Volksmund werden viele Namen für die Gemeine Waldrebe gebraucht. So beispielsweise "Waldstrick", "Herrgottsbart", "Petersbart", "Frauenhaar", "Teufels- oder Hexenzwirn". In der Deutschschweiz ist sie bestens bekannt als "Niele".
Inhaltsverzeichnis

Was sind Nielen? Eine Namensvielfalt

Der botanische Name Clematis vitalba verrät ihre Zugehörigkeit zur Gattung der Clematis, die im Volksmund oft als Waldreben bekannt sind. Der Name Clematis selbst stammt vom griechischen Wort „Kléma“ ab, was so viel wie Ranke bedeutet und auf die kletternden Eigenschaften dieser Pflanzen hinweist. Im deutschsprachigen Raum existiert eine beeindruckende Vielfalt an volkstümlichen Bezeichnungen für die Gemeine Waldrebe. „Waldstrick“, „Herrgottsbart“, „Petersbart“, „Frauenhaar“, „Teufels- oder Hexenzwirn“ sind nur einige Beispiele, die die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Assoziationen mit dieser Pflanze widerspiegeln. In der Deutschschweiz hat sich der Name „Niele“ besonders etabliert. Dieser regionale Name ist so prägnant, dass er sogar in Flur- und Ortsnamen weiterlebt. So wird beispielsweise vermutet, dass der Name des aargauischen Ortes „Lieli“ auf „Nielen“ zurückgeht. Auch der Flurname „Lielisloo“ in Berikon (AG) deutet auf ein Gebiet hin, das einst reich an Nielen war. „Loo“ oder „Loh“ stammt aus dem Althochdeutschen und beschreibt eine „lichte Stelle im Wald, die mit Gebüschen bewachsen ist“. „Lielisloo“ war demnach ein Ort, der neben Sträuchern auch von Nielen überwuchert war. Obwohl „Loh“ heute kaum noch im alltäglichen Sprachgebrauch vorkommt, findet man es noch häufig in Flurnamen, was die historische Bedeutung der Waldrebe in der Landschaft unterstreicht.

Die wilde Schwester der Garten-Clematis

Die Gewöhnliche Waldrebe wird oft als die wilde Schwester der beliebten Garten-Clematis bezeichnet. Im Gegensatz zu ihren farbenprächtigen und großblütigen Zuchtformen, die in vielen Gärten Fassaden und Zäune schmücken, präsentiert sich die wilde Waldrebe etwas bescheidener, aber nicht weniger reizvoll. Als eine der wenigen Lianen, die in unseren Breitengraden heimisch sind, besitzt sie verholzende Sprossachsen und kann beeindruckende Höhen erreichen. Im Sommer locken ihre zahlreichen kleinen, cremeweißen Blüten Schmetterlinge und andere Insekten an. Im Winter verwandeln sich die Blütenstände in wattebauschähnliche Samenstände, die einen attraktiven Blickfang in der winterlichen Landschaft darstellen.

Wuchs und Standortansprüche

Die Waldrebe ist eine schnellwüchsige Kletterpflanze, die im Extremfall bis zu 30 Meter hoch klettern kann, in der Regel aber selten Höhen von drei bis zehn Metern überschreitet. Sie bevorzugt einen schattigen Fuß- und Wurzelbereich, während die oberen Pflanzenteile durchaus die Sonne genießen können. In der Natur findet sie ideale Bedingungen an Waldrändern, in Auwäldern und an Hecken, wo der Boden durch die natürliche Strauchschicht beschattet wird. Aber auch an weniger naturnahen Orten wie Autobahnen, Böschungen und Bahngleisen kann man sie finden, wo sie dann eher flächig wächst als kletternd.

Was ist Niele rauchen?
Beispielsweise in Süddeutschland werden alte trockene Stängel gerne von Kindern angezündet und geraucht. In Österreich werden diese Stängel als „Lianentschick“ oder „Waldtschick“ (Tschick = Zigarette(n)) bezeichnet. In der Schweiz ist das gleiche Verhalten auch bekannt als „Niele-rauche“.

Im Garten kann man der Waldrebe ideale Bedingungen schaffen, indem man den Wurzelbereich beschattet. Eine passende Bepflanzung mit Stauden wie Prachtspiere, Wald-Geißbart oder Purpurglöckchen ist hierfür ideal. Diese Pflanzen sorgen nicht nur für Schatten, sondern bieten auch einen schönen Kontrast zu den zarten Blüten der Waldrebe.

Vorsicht Giftig! – Die Schattenseiten der Waldrebe

So harmlos und dekorativ die Waldrebe auf den ersten Blick wirkt, birgt sie doch ein gewisses Gefahrenpotenzial. Alle Teile der Pflanze sind giftig, insbesondere der Pflanzensaft. Bereits der Kontakt mit dem Saft kann zu Hautreizungen und Blasenbildung führen. Daher ist es ratsam, beim Schneiden oder Hantieren mit der Waldrebe Handschuhe zu tragen. Im Mittelalter nutzten Bettler diese Eigenschaft der Pflanze sogar aus, indem sie sich mit dem Pflanzensaft entstellten, um Mitleid zu erregen und die Spendenfreudigkeit der Bürger zu erhöhen. Dieser makabre Brauch trug der Waldrebe den Beinamen „Teufelszwirn“ ein.

Auch für Bäume kann die Waldrebe zur Gefahr werden. Durch ihr rasantes Wachstum und ihr Gewicht kann sie Bäume überwuchern und ihnen das Licht nehmen. In extremen Fällen kann dies sogar zum Absterben des Baumes führen. Daher sollte man besonders in kleineren Gärten darauf achten, die Waldrebe in Schach zu halten.

Wie giftig ist Waldrebe?
Auch dem Menschen kann die Gewöhnliche Waldrebe Schaden zufügen, denn sie ist in allen Teilen giftig. Schon die Berührung mit dem Pflanzensaft kann zu Hautreizungen führen. Daher ist es sinnvoll, beim Schneiden Handschuhe zu tragen.

Rückschnitt und Pflege

Für kleine Gärten empfiehlt es sich, die Waldrebe jährlich im März radikal zurückzuschneiden. Ein Schnitt bis auf etwa einen halben Meter über dem Boden ist ratsam, um die Wuchskraft der Pflanze zu kontrollieren. In größeren Gärten oder an Hauswänden, wo ausreichend Platz vorhanden ist, kann man auf einen jährlichen Rückschnitt verzichten. Auch für die Begrünung von Benjeshecken ist die Waldrebe gut geeignet, da sie hier ihren natürlichen Wuchs entfalten kann.

Wenn die Waldrebe an Bäumen hochklettert, sollte man das Wachstum jedoch im Auge behalten. Ein gelegentlicher kontrollierender Eingriff kann notwendig sein, um zu verhindern, dass die Pflanze den Baum zu stark belastet oder ihm zu viel Licht nimmt.

Ökologischer Wert: Insektenweide und Vogelschutz

Trotz ihrer Giftigkeit und ihres ungestümen Wuchses ist die Waldrebe ökologisch wertvoll. Ihre kleinen, cremeweißen Blüten sind eine wichtige Nektarquelle für zahlreiche Insekten. Schmetterlinge, Honigbienen, Wildbienen, Käfer und Fliegen schätzen die Blütenpracht der Waldrebe von Juli bis September. Über 35 Schmetterlingsarten nutzen die Pflanze als Nektarquelle oder ihre Blätter als Raupenfutter. Auch für Vögel ist die Waldrebe von Bedeutung. Sie finden hier ein reichhaltiges Insektenangebot und nutzen die Pflanze gerne als Nistplatz.

Wie erkennt man Nielen?
Die sommergrünen Blätter der Gemeine Waldrebe sind mittelgrün, gefiedert, gegenständig, ganzrandig. Dunkelgraue, streifenförmig eingerissene Rinde macht diese Pflanze zu einem Blickfang in jedem Garten. Die cremeweissen Blüten der Gemeinen Waldrebe erscheinen in Rispen von Juli bis September.

„Niele-rauche“ – Ein besonderer Brauch

Ein kurioser Brauch, der besonders in Süddeutschland und der Schweiz bekannt ist, ist das „Niele-rauchen“. Kinder zünden dabei getrocknete Stängel der Waldrebe an und „rauchen“ sie. In Österreich werden diese Stängel als „Lianentschick“ oder „Waldtschick“ bezeichnet, wobei „Tschick“ im österreichischen Dialekt Zigarette bedeutet. Dieser Brauch mag harmlos erscheinen, sollte aber aufgrund der Giftigkeit der Pflanze kritisch betrachtet werden. Es ist nicht auszuschließen, dass beim Verbrennen der Stängel giftige Stoffe freigesetzt werden, die gesundheitsschädlich sein könnten.

Wie erkennt man Nielen? – Merkmale der Waldrebe

Die Gewöhnliche Waldrebe ist relativ einfach zu erkennen. Ihre wichtigsten Erkennungsmerkmale sind:

  • Wuchsform: Liane, kletternd oder flächig wachsend
  • Blätter: Gegenständig, gefiedert, mit bis zu fünf Blättchen, Blättchen eiförmig, spitz, gezähnt oder gelappt
  • Blüten: Klein, cremeweiß, in Rispen oder Trugdolden, duftend (ähnlich Liguster oder Weißdorn), vier Kelchblätter (keine Kronblätter)
  • Früchte: Achenen mit langen, fedrigen Griffeln, die als Flugorgane dienen (wattebauschähnliche Samenstände im Winter)
  • Stängel: Verholzend, bis zu 6 cm Durchmesser

Die Waldrebe ist eine Pionierpflanze und bevorzugt frische bis feuchte Standorte in lichten Laubwäldern, Gebüschen und Auwäldern. Sie gilt als Stickstoffanzeiger, was bedeutet, dass sie häufig an Standorten mit einem hohen Stickstoffgehalt im Boden vorkommt.

Fazit: Wilde Schönheit mit Ecken und Kanten

Die Niele oder Waldrebe ist eine faszinierende Pflanze, die sowohl Schönheit als auch Vorsicht vereint. Ihre wildromantische Erscheinung, ihre ökologische Bedeutung als Insektenweide und Vogelschutzgehölz, und ihre regionale Verankerung in Namen und Bräuchen machen sie zu einem interessanten Bestandteil unserer heimischen Flora. Gleichzeitig sollte man ihre Giftigkeit und ihren starken Wuchs nicht unterschätzen. Mit dem nötigen Respekt und Wissen kann man die Waldrebe jedoch in vollen Zügen genießen und ihre vielfältigen Facetten entdecken.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Waldrebe (Niele)

Ist die Waldrebe giftig?
Ja, alle Teile der Waldrebe sind giftig. Der Pflanzensaft kann Hautreizungen verursachen.
Wie hoch kann die Waldrebe wachsen?
Im Extremfall bis zu 30 Meter, meistens aber 3-10 Meter.
Wo wächst die Waldrebe?
Vor allem an Waldrändern, in Auwäldern, an Hecken, Böschungen und Bahngleisen.
Wie pflege ich die Waldrebe im Garten?
Jährlicher Rückschnitt im März ist empfehlenswert, besonders in kleinen Gärten. Für einen schattigen Wurzelbereich sorgen.
Welchen ökologischen Nutzen hat die Waldrebe?
Sie ist eine wichtige Nektarquelle für Insekten und ein Nistplatz für Vögel.
Was bedeutet „Niele-rauchen“?
Ein Brauch, bei dem Kinder getrocknete Stängel der Waldrebe „rauchen“.
Wie erkenne ich die Waldrebe?
An ihren gefiederten Blättern, cremeweißen Blüten und fedrigen Samenständen (siehe Beschreibung oben).

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