27/12/2021
Orchideen erfreuen sich als Zimmerpflanzen großer Beliebtheit und das aus gutem Grund. Ihre anmutigen Blüten und die Vielfalt an Farben und Formen machen sie zu einem Blickfang in jeder Wohnung. Doch um diese exotischen Schönheiten langfristig zu erhalten und ihre Blütenpracht zu genießen, bedarf es der richtigen Pflege. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Orchideen ein und beantworten wichtige Fragen rund um ihre Wurzeln, Blätter und die richtige Bewässerung. Wir klären Mythen auf und geben Ihnen praktische Tipps, damit Ihre Orchideen gesund und vital bleiben.

- Sind Orchideen Parasiten? Ein Blick auf die Vogel-Nestwurz
- Haben Orchideen Blätter und Wurzeln? Die Anatomie der Orchidee
- Wann und wie Orchideen gießen? Die richtige Bewässerung
- Orchideen vermehren: Das Kindel – Der Orchideen-Nachwuchs
- Weitere Pflegetipps für gesunde Orchideen
- FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Orchideenpflege
Sind Orchideen Parasiten? Ein Blick auf die Vogel-Nestwurz
Oftmals wird die Frage gestellt, ob Orchideen Parasiten sind. Diese Frage mag aufkommen, da es in der Pflanzenwelt durchaus parasitäre Arten gibt, wie beispielsweise die Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis). Die Vogel-Nestwurz ist eine heimische Orchideenart, die jedoch keine grüne Farbe besitzt und tatsächlich kein Chlorophyll für die Photosynthese produziert. Stattdessen lebt sie saprophytisch oder myko-heterotroph, was bedeutet, dass sie sich von abgestorbenem organischem Material oder über Pilzgeflechte von anderen Pflanzen ernährt. Dies mag im weitesten Sinne als parasitär betrachtet werden, da sie Nährstoffe aus ihrer Umgebung entzieht, ohne selbst Photosynthese zu betreiben.
Im Gegensatz dazu sind die meisten Orchideenarten, die wir als Zimmerpflanzen pflegen, keine Parasiten. Die beliebten Phalaenopsis Orchideen beispielsweise sind Aufsitzerpflanzen (Epiphyten). In ihrer natürlichen Umgebung, den tropischen Regenwäldern, wachsen sie auf Bäumen, nutzen diese aber lediglich als Stütze, um dem begehrten Sonnenlicht näher zu sein. Sie ziehen ihre Nährstoffe und Wasser nicht direkt aus dem Baum, sondern aus der Luftfeuchtigkeit, Regen und abgestorbenen Pflanzenteilen, die sich in Baumkronen ansammeln. Ihre Wurzeln dienen dabei nicht nur der Verankerung, sondern auch der Aufnahme von Feuchtigkeit und Nährstoffen aus der Luft.
Haben Orchideen Blätter und Wurzeln? Die Anatomie der Orchidee
Die Antwort ist ein klares Ja! Orchideen besitzen sowohl Blätter als auch Wurzeln, jedoch sind diese oft an ihre epiphytische Lebensweise angepasst und unterscheiden sich von den Blättern und Wurzeln anderer Pflanzen. Die Blätter von Orchideen sind in der Regel fleischig und ledrig, um Wasser zu speichern und Verdunstung zu minimieren. Ihre Farbe variiert je nach Art und Sorte von Dunkelgrün bis hin zu silbrig-grau. Die Blätter sind für die Photosynthese unerlässlich, den Prozess, bei dem die Pflanze mit Hilfe von Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid Zucker (Glukose) als Energiequelle produziert.
Die Wurzeln der Orchideen sind besonders faszinierend. Bei epiphytischen Orchideen sind sie oft Luftwurzeln, die aus dem Topf herauswachsen und frei in der Luft hängen. Diese Luftwurzeln sind mit einer speziellen, schwammartigen Gewebeschicht, dem Velamen radicum, umhüllt. Das Velamen schützt die Wurzel vor Austrocknung und dient der Aufnahme von Wasser und Nährstoffen aus der Luft und Regen. Es verleiht den Wurzeln auch ihre typische silbrig-weiße Farbe. Im feuchten Zustand wird das Velamen durchscheinend und die Wurzel erscheint grün, da das Chlorophyll der darunterliegenden Rindenschicht sichtbar wird.
Wann und wie Orchideen gießen? Die richtige Bewässerung
Die richtige Bewässerung ist entscheidend für das Wohlbefinden von Orchideen. Ein häufiger Fehler in der Orchideenpflege ist das Übergießen. Da Orchideen in ihrer natürlichen Umgebung nicht in ständiger Staunässe stehen, reagieren sie empfindlich auf zu viel Wasser. Staunässe führt schnell zu Wurzelfäule, einer Pilzerkrankung, die die Wurzeln zerstört und zum Absterben der Pflanze führen kann.

Anstatt Orchideen regelmäßig von oben zu gießen, ist es empfehlenswert, sie zu tauchen. Nehmen Sie die Orchidee aus ihrem Übertopf und stellen Sie den Kunststofftopf in ein Gefäß mit abgestandenem Leitungswasser oder noch besser Regenwasser. Das Wasser sollte zimmerwarm sein. Lassen Sie die Orchidee etwa 10 bis 15 Minuten im Wasserbad stehen, damit sich das Substrat und die Wurzeln vollständig vollsaugen können. Anschließend nehmen Sie den Topf heraus und lassen das überschüssige Wasser gut abtropfen, bevor Sie die Orchidee wieder in den Übertopf stellen. Zwischen den Wassergaben sollte das Substrat antrocknen. Ein guter Indikator für den richtigen Zeitpunkt zum Gießen ist die Farbe der Wurzeln: Sind sie silbrig-weiß, ist es Zeit zum Gießen; sind sie grün, ist noch genügend Feuchtigkeit vorhanden.
Ein weiterer Trick, um den Feuchtigkeitsgehalt im Substrat zu überprüfen, ist das Anheben des Topfes. Fühlt sich der Topf leicht an, benötigt die Orchidee Wasser. Ist er noch schwer, ist das Substrat noch feucht genug. Die Häufigkeit des Gießens hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Orchideenart, der Raumtemperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Jahreszeit. In der Wachstumsperiode im Frühjahr und Sommer benötigen Orchideen in der Regel mehr Wasser als im Winter. Im Winter, während der Ruhephase, sollte man die Wassergaben reduzieren.
Orchideen vermehren: Das Kindel – Der Orchideen-Nachwuchs
Orchideen lassen sich auf verschiedene Arten vermehren. Eine besonders interessante und für Hobbygärtner zugängliche Methode ist die Vermehrung über Kindel. Ein Kindel ist ein kleiner Ableger, der an einem Blütenstängel oder an der Mutterpflanze selbst entsteht. Besonders häufig bilden Phalaenopsis Orchideen Kindel. Wenn Sie an einem abgeblühten Blütenstängel Ihrer Orchidee bemerken, dass sich an einer Knospe plötzlich kleine Blätter entwickeln, dann handelt es sich um ein Kindel.
Lassen Sie das Kindel zunächst an der Mutterpflanze wachsen. Es sollte mindestens zwei bis drei Blätter und eigene Wurzeln entwickeln, bevor Sie es abtrennen. Die Wurzeln sollten etwa 2-3 cm lang sein. Die Entwicklung eines Kindels kann einige Zeit dauern, manchmal bis zu einem Jahr. Sie können die Wurzelbildung fördern, indem Sie feuchtes Moos um die Basis des Kindels wickeln. Sobald das Kindel ausreichend Wurzeln gebildet hat, können Sie es vorsichtig mit einem scharfen, sauberen Messer vom Blütenstängel abtrennen. Pflanzen Sie das Kindel in einen kleinen Topf mit speziellem Orchideensubstrat. Pflegen Sie das junge Orchideenpflänzchen wie eine adulte Orchidee. Kindel sind genetisch identische Kopien der Mutterpflanze.
Weitere Pflegetipps für gesunde Orchideen
Der richtige Standort
Orchideen bevorzugen einen hellen Standort, aber keine direkte Mittagssonne. Ein Ost- oder Westfenster ist ideal. Direkte Sonneneinstrahlung kann zu Verbrennungen auf den Blättern führen. Ein Südfenster kann auch geeignet sein, wenn die Orchidee etwas vom Fenster entfernt steht oder durch einen transparenten Vorhang vor der intensiven Sonne geschützt wird.
Luftfeuchtigkeit
Orchideen stammen aus tropischen Regionen und bevorzugen eine hohe Luftfeuchtigkeit. Ideal sind 50-70%. In unseren Wohnungen ist die Luftfeuchtigkeit oft niedriger, besonders im Winter durch die Heizungsluft. Sie können die Luftfeuchtigkeit erhöhen, indem Sie Wasserschalen in der Nähe der Orchideen aufstellen, die Blätter regelmäßig mit kalkarmem Wasser besprühen oder einen Luftbefeuchter verwenden. Auch das Aufstellen der Orchidee auf einem Untersetzer mit Blähton, der feucht gehalten wird, erhöht die Luftfeuchtigkeit.

Düngen
Orchideen benötigen regelmäßig Nährstoffe, um gesund zu wachsen und üppig zu blühen. Verwenden Sie speziellen Orchideendünger oder verdünnten Flüssigdünger für Blühpflanzen (im Verhältnis 1:10 verdünnt). Düngen Sie Orchideen während der Wachstumsperiode von Frühjahr bis Herbst alle zwei bis vier Wochen. Im Winter, während der Ruhephase, sollte man das Düngen reduzieren oder ganz einstellen.
Umtopfen
Orchideen sollten alle zwei bis drei Jahre umgetopft werden. Das Orchideensubstrat zersetzt sich mit der Zeit und verliert seine luftdurchlässige Struktur. Der beste Zeitpunkt zum Umtopfen ist das Frühjahr, wenn die Orchidee in die Wachstumsphase startet. Verwenden Sie spezielles Orchideensubstrat, das grob und luftdurchlässig ist. Entfernen Sie beim Umtopfen vorsichtig abgestorbene oder verfaulte Wurzeln.
Schneiden verblühter Blütenstände
Verblühte Blütenstände sollten geschnitten werden, um die Pflanze zu entlasten und die Bildung neuer Blüten zu fördern. Bei mehrtriebigen Orchideen wie der Phalaenopsis schneidet man den Blütenstängel oberhalb des dritten Knotens (Verdickung am Stängel) ab. Bei eintriebigen Orchideen wie Dendrobium kann der gesamte Blütenstängel nach dem Verblühen abgeschnitten werden.
Vorsicht vor Reifegasen
Stellen Sie Orchideen nicht in die Nähe von reifem Obst. Reifende Früchte geben Ethylen ab, ein Reifegas, das dazu führen kann, dass Orchideen ihre Blüten vorzeitig abwerfen.
Giftigkeit von Orchideen
Die meisten Orchideenarten sind nicht stark giftig, aber nicht zum Verzehr geeignet. Einige Arten können schwach giftig sein und bei Verzehr, insbesondere von Wurzeln, Blättern oder Blüten, zu Vergiftungssymptomen wie Übelkeit und Erbrechen führen, besonders bei Kindern und Haustieren. Die Vanille-Orchidee (Vanilla planifolia) und die Schwielen-Orchidee (Oncidium cebolleta) sind Beispiele für schwach giftige Arten.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Orchideenpflege
- Wie oft muss ich meine Orchidee gießen?
- In der Regel einmal pro Woche, aber immer erst, wenn das Substrat angetrocknet ist. Besser tauchen als gießen!
- Welches Wasser ist am besten zum Gießen von Orchideen geeignet?
- Abgestandenes Leitungswasser oder Regenwasser, zimmerwarm.
- Warum bekommt meine Orchidee gelbe Blätter?
- Gelbe Blätter können verschiedene Ursachen haben, z.B. zu viel Wasser, zu wenig Licht oder Nährstoffmangel.
- Wie bringe ich meine Orchidee wieder zum Blühen?
- Schneiden Sie verblühte Blütenstände ab, sorgen Sie für einen hellen Standort, düngen Sie regelmäßig und gönnen Sie der Orchidee eventuell eine kühlere Ruhephase.
- Was ist Orchideensubstrat und warum ist es wichtig?
- Orchideensubstrat ist ein spezielles, grobes und luftdurchlässiges Substrat, das den Bedürfnissen von Orchideen gerecht wird und Staunässe verhindert.
Mit diesen Tipps und Informationen können Sie Ihre Orchideen optimal pflegen und sich lange an ihrer exotischen Schönheit erfreuen. Beachten Sie die individuellen Bedürfnisse Ihrer Orchideenart und beobachten Sie Ihre Pflanzen aufmerksam, um rechtzeitig auf Veränderungen reagieren zu können. Viel Freude mit Ihren Orchideen!
