10/11/2020
Schon in vorchristlicher Zeit spielten Natur und religiöse Riten eine untrennbare Rolle im Leben der Menschen. Diese tief verwurzelten Bräuche ließen sich nicht einfach durch das aufkommende Christentum verdrängen. Stattdessen kam es zu einer faszinierenden Verschmelzung, bei der viele vorchristliche Feste und Riten in ein christliches Gewand gekleidet wurden. Ein besonders schönes Beispiel dafür ist die Verehrung der Natur im Frühling, die nun in der Verehrung Mariens, der Muttergottes, eine neue Form fand. Besonders im Mai, dem Marienmonat, wird diese Verbindung in Bayern und vielen anderen katholisch geprägten Regionen lebendig.

- Die symbolische Sprache der Marienblumen
- Madonnenlilie: Symbol der Reinheit und Erhabenheit
- Rose: Königin der Blumen und Zeichen der Liebe
- Pfingstrose: Maria – die Rose ohne Dornen
- Iris (Schwertlilie): Himmelsbote und Symbol des Schutzes
- Veilchen: Demut und Bescheidenheit im Verborgenen
- Akelei: Anmut, Erhabenheit und der Heilige Geist
- Gänseblümchen: Paradiesblume und Symbol kindlicher Unschuld
- Walderdbeere: Himmlische Früchte und die Heilige Dreifaltigkeit
- Fazit: Ein blühender Spiegel der Marienverehrung
- FAQ zu Marienblumen
Die symbolische Sprache der Marienblumen
Wie eng die Figur Mariens mit der Natur verbunden ist, zeigt sich in der Fülle von Bräuchen, Blumen- und Kräuternamen, die sich um sie ranken. Der christliche Volksglaube ordnet Maria traditionell acht Blumen zu, die auf wunderbare Weise die verschiedenen Eigenschaften und Tugenden der Muttergottes symbolisieren. Diese sogenannten Marienblumen finden sich immer wieder in der darstellenden Kunst, insbesondere in Gemälden und Skulpturen. Auffällig ist dabei die Dominanz der Farben Blau, Rot und Weiß – Farben, die auch in der traditionellen Darstellung der Muttergottes in ihrer Kleidung eine wichtige Rolle spielen. Betrachten Sie einmal aufmerksam ein Marienbild oder eine Marienfigur und achten Sie auf die Blumen und Pflanzen, die der Künstler abgebildet hat. Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit einige der folgenden Marienblumen entdecken!
- Madonnenlilie
- Rose
- Pfingstrose
- Iris (Schwertlilie)
- Veilchen
- Akelei
- Gänseblümchen
- Walderdbeere
Madonnenlilie: Symbol der Reinheit und Erhabenheit
Die Madonnenlilie (Lilium candidum) ist zweifellos die bekannteste und wichtigste Marienblume. Mit ihrem makellosen Weiß, der eleganten Blütenform und dem betörenden Duft verkörpert sie auf perfekte Weise die Person Mariens. Sie steht symbolisch für Reinheit, Unschuld, Jungfräulichkeit, Erhabenheit, Königswürde und sogar die Auferstehung. In Darstellungen der Verkündigungsszene, in der der Engel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigt, ist die Lilie fast immer präsent. Oft wird sie als Heroldstab des Engels dargestellt oder schmückt die Krone Mariens.
Rose: Königin der Blumen und Zeichen der Liebe
Die Rose, die unbestrittene Königin der Blumen, repräsentiert Maria als Himmelskönigin. Als Blume der Liebe und Leidenschaft symbolisiert sie gleichzeitig mit ihren Dornen die Passion und den Schmerz der Muttergottes. Die rote Rose steht traditionell für die Gottesliebe und das Martyrium, während die weiße Rose die Reinheit und Jungfräulichkeit Mariens betont. In der christlichen Ikonographie ist die Rose ein vielschichtiges Symbol, das sowohl Freude als auch Leid, Liebe und Schmerz in sich vereint.
Pfingstrose: Maria – die Rose ohne Dornen
Die Pfingstrose (Paeonia) wird oft als „Rose ohne Dornen“ bezeichnet und empfiehlt sich damit besonders als Marienblume. Mit ihrem verschwenderischen Blütenpracht, ihrem betörenden Duft und ihrer weichen Beschaffenheit verkörpert sie die Güte und Mütterlichkeit Mariens. Ihre üppigen Blüten in zarten Rosa- und Weißtönen strahlen eine sanfte und tröstliche Atmosphäre aus, die an die mütterliche Liebe der Gottesmutter erinnert.
Iris (Schwertlilie): Himmelsbote und Symbol des Schutzes
Die Iris, auch Schwertlilie genannt, mag auf den ersten Blick weniger offensichtlich als Marienblume erscheinen, ist aber bei genauerer Betrachtung durchaus passend. Ihre lanzettförmigen Blätter erinnern an das Schwert, das Maria beim Tod Jesu durch die Seele fuhr – ein Symbol des Leidens und des Schmerzes. Das tiefe Blau vieler Iris-Sorten (insbesondere Iris germanica) steht für den blauen Himmelsmantel Mariens und damit für Maria als Himmelskönigin. Blau symbolisiert aber auch Schutz und die Zuflucht in der Not, was sich im Bild der Schutzmantelmadonna widerspiegelt. Die ineinander fließenden Farbverläufe der Irisblüte wurden zudem als Regenbogen interpretiert, der den neuen Bund zwischen Gott und den Menschen symbolisiert.
Veilchen: Demut und Bescheidenheit im Verborgenen
Das zarte Veilchen (Viola) mit seinem legendären Duft und seiner bescheidenen Erscheinung wurde ebenfalls zur Marienblume auserkoren. Als kleine, unauffällige Blume steht das Veilchen für Demut und Bescheidenheit, Tugenden, die Maria zugeschrieben werden. Das tiefe Blau des Veilchens erinnert wiederum an den blauen Himmelsmantel der Madonna und verbindet es farblich mit anderen Mariensymbolen.
Akelei: Anmut, Erhabenheit und der Heilige Geist
Die Akelei (Aquilegia) reiht sich als dritte (himmels-)blaue Blume in den Kreis der Marienblumen ein. Obwohl sie nicht mit einem spektakulären Duft aufwarten kann, war vermutlich die außergewöhnliche Eleganz ihrer Blüte das ausschlaggebende Merkmal. Ihr Wuchs wird mit Erhabenheit und Anmut in Verbindung gebracht, während die glockenförmig geneigte Blüte Demut symbolisiert. Besonders interessant ist die symbolische Interpretation der Blütenteile: Die Taubenform des Honigblattes wurde als Tauben-Symbol des Heiligen Geistes gedeutet. Tatsächlich erinnert die Form der Akelei-Blüte bei genauerer Betrachtung an fünf kleine Vögel, die um den Blütenstiel herum sitzen. Zudem wurden in der Pflanze die heiligen Zahlen 3 (in den Blättern), 5 (in der Blüte) und 7 (in den Blütenteilen) erkannt.
Gänseblümchen: Paradiesblume und Symbol kindlicher Unschuld
Überraschenderweise gehört auch das unscheinbare Gänseblümchen (Bellis perennis) zum erlesenen Kreis der Marienblumen. Doch gerade dieses „Allerwelts-Blümchen“ hat es in die Herzen der Menschen geschafft wie kaum ein anderes. Als kleinwüchsige Blume symbolisiert es – genau wie das Veilchen – Demut und Bescheidenheit. Was heute weniger bekannt ist: Das Gänseblümchen galt einst als Blume des Paradieses und als Symbol kindlicher Unschuld. Sein kleines, weiß bekränztes, nach oben offenes „Blumengesicht“ wurde sogar als Sonnensymbol verstanden. Darüber hinaus besitzt das Gänseblümchen vielfältige Heilkräfte. Seine Fürsorglichkeit, Ausdauer, Allgegenwart und Güte – sind das nicht Eigenschaften, die auch der Gottesmutter würdig sind?
Walderdbeere: Himmlische Früchte und die Heilige Dreifaltigkeit
Bei der letzten hier vorgestellten Marienblume, der Walderdbeere (Fragaria vesca), erzählen sowohl die Blüten als auch die Früchte von Maria als Himmelskönigin. Die dreigeteilten Blätter erinnern an die Heilige Dreifaltigkeit. Die Blüten – ähnlich denen des Gänseblümchens – sind nach oben geöffnete, kleine Sterne, weiß wie die Unschuld. Und die Früchte – dafür gibt es nur ein Wort: himmlisch! In der Symbolik stehen Erdbeeren für die Früchte der guten Taten. Sie gelten als Speise der Seligen und unschuldigen Kinder im Paradies. Zusammen mit Veilchen und Gänseblümchen findet man die Walderdbeere häufig als Teppich zu Füßen der Muttergottes in Darstellungen.
Fazit: Ein blühender Spiegel der Marienverehrung
Die Marienblumen sind mehr als nur schöne Pflanzen. Sie sind ein blühender Spiegel der tiefen Verehrung, die Maria seit Jahrhunderten entgegengebracht wird. Ihre symbolische Sprache, verwurzelt im Volksglauben und der christlichen Tradition, erzählt von den Tugenden und Eigenschaften der Muttergottes: Reinheit, Demut, Liebe, Mütterlichkeit, Schutz und Erhabenheit. Wenn Sie das nächste Mal einen Garten besuchen oder ein Marienbild betrachten, achten Sie auf diese besonderen Blumen. Sie werden feststellen, dass sie eine ganz eigene, stille Sprache sprechen – die Sprache der Marienverehrung.
FAQ zu Marienblumen
- Welche Farben dominieren bei Marienblumen?
- Die Farben Blau, Weiß und Rot sind typisch für Marienblumen und finden sich auch in der traditionellen Darstellung Mariens wieder.
- Welche Blume ist die bekannteste Marienblume?
- Die Madonnenlilie ist die bekannteste und wichtigste Marienblume.
- Wo finde ich Marienblumen in der Kunst?
- Marienblumen sind häufig in Gemälden und Skulpturen zu finden, insbesondere in Darstellungen der Verkündigung oder der Madonna mit Kind.
- Haben Marienblumen auch eine heilende Wirkung?
- Einige Marienblumen, wie das Gänseblümchen, werden traditionell auch in der Volksmedizin verwendet, ihre Hauptbedeutung liegt jedoch in ihrer symbolischen und religiösen Bedeutung.
- Gibt es Bücher über Marienblumen?
- Ja, es gibt Fachliteratur über Marienblumen, wie z.B. das Buch „Marienpflanzen“ von Simone Widauer.
