Wo wächst die Süßdolde?

Melde: Vielseitiges Gemüse und alte Heilpflanze

05/08/2024

Rating: 4.84 (8937 votes)

„Bonne femme“ – „Gute Frau“ nennen die Franzosen die Melde. Dieser charmante Name deutet bereits an, dass es sich um ein Gewächs mit langer Tradition und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten handelt. Tatsächlich war die Melde, botanisch als Atriplex hortensis bekannt, früher in ganz Mitteleuropa als Gemüse-, Heil- und Färberpflanze geschätzt. Heute ist sie etwas in Vergessenheit geraten, doch zu Unrecht, denn die Melde ist ein robustes, schnell wachsendes und äußerst nützliches Kraut, das sowohl im Garten als auch in der Küche eine Bereicherung darstellt.

Kann man Melde essen?
Im Gegensatz dazu sind die jungen Blätter von den Triebspitzen nicht nur besonders schmackhaft, sondern auch roh essbar. Allen voran werden sie deshalb gerne im Salat oder als Smoothie verarbeitet. Ansonsten wird Gartenmelde wie Spinat zubereitet, dem sie auch geschmacklich am nächsten kommt.
Inhaltsverzeichnis

Melde – ein unkompliziertes und schnell wachsendes Gemüse

Wer im Garten unkompliziertes und schnell verfügbares Gemüse sucht, ist mit der Melde bestens beraten. Von der Aussaat bis zur ersten Ernte vergehen bei der Gartenmelde gerade einmal 30 bis 40 Tage. Dies macht sie zu einem idealen Kandidaten für Ungeduldige und für die Lückenbepflanzung im Gemüsebeet. Barbara Krasemann, eine erfahrene Gärtnerin, setzt in ihrem Gemüsegarten auf die Vielfalt der Melde und baut abwechselnd die Rote Melde und die Goldmelde in Reihen an. Nicht nur der Nutzen, sondern auch die attraktive Optik der verschiedenen Sorten überzeugt. Die roten und goldenen Blätter bringen Farbe ins Beet und sind auch optisch ein Genuss.

Zarte Blätter für Salat und Gemüsegerichte

Die jungen Blätter der Melde sind besonders zart und besitzen ein mildes, angenehmes Aroma. Sie eignen sich hervorragend für den Rohverzehr im Salat, wo sie mit ihrem leicht nussigen Geschmack eine interessante Note hinzufügen. Gedünstet erinnern die Blätter geschmacklich an Spinat und können auch ähnlich verwendet werden. Ob als Beilage, in Suppen, Eintöpfen oder Quiches – die Melde ist vielseitig einsetzbar und bereichert den Speiseplan mit ihrem frischen Grün.

Mehrfache Ernte durch richtigen Schnitt

Ein weiterer Vorteil der Melde ist ihre Fähigkeit zur Regeneration. Beim Ernten sollte man darauf achten, immer ein bis zwei Blattpaare an der Pflanze stehen zu lassen. Aus den Blattachseln treibt die Pflanze dann wieder aus und ermöglicht so eine zweite und sogar dritte Ernte. So kann man über einen längeren Zeitraum frische Meldeblätter genießen und den Ertrag maximieren.

Melde im Jahresverlauf – vom Sommergemüse zum Wintervorrat

Das rasche Wachstum der Melde setzt sich fort. Bereits vier Wochen nach der ersten Ernte haben die Pflanzen eine Höhe von gut 120 Zentimetern erreicht. Die zweite Ernte bringt in der Regel die größte Blattmasse hervor. Wer eine unkontrollierte Blüte und damit Selbstaussaat verhindern möchte, sollte die ganzen Stiele etwa 30 Zentimeter über dem Boden abschneiden. Lässt man die Gartenmelde blühen, ist es ratsam, die Fruchtstände im Auge zu behalten und sie vor der Samenreife zu kappen. Andernfalls sät sich die Melde stark aus und kann im kommenden Jahr zur unerwünschten Konkurrenz im Beet werden und mühsam aus den Beeten gejätet werden müssen.

Melde trocknen für den Wintervorrat

Für den direkten Rohverzehr sind die im Hochsommer geernteten Triebe der Gartenmelde oft nicht mehr ideal. Sie können etwas bitterer und weniger zart sein. Dennoch ist auch die zweite Ernte wertvoll, denn die üppige Blattmasse eignet sich hervorragend zum Trocknen. So lässt sich ein wertvoller Wintervorrat anlegen. Barbara Krasemann bündelt jeweils sechs bis acht Stiele zu kleinen Sträußen, die sie dann an einem Trockenkranz aus Schmiedeeisen mit ausreichend Abstand zueinander aufhängt. Es ist wichtig, die Bündel nicht zu dicht zu hängen, da sonst die Luftzirkulation behindert wird und die Gefahr von Schimmelbildung besteht. Ein überdachter, luftiger Platz, der höchstens etwas Morgen- oder Abendsonne abbekommt, ist zum Dörren am besten geeignet. Je nach Witterung benötigen die Meldenblätter etwa drei bis vier Tage, bis sie vollständig getrocknet sind. Das so konservierte Pflanzenmaterial lagert Barbara Krasemann in Holzkisten oder zerrieben in Keramiktöpfen, um es vor Feuchtigkeit und Licht zu schützen.

Grünmehl aus Melde – Vitaminquelle im Winter

Zerkleinert man die getrockneten Blätter der Melde in einem Mörser, lässt sich ein feines Pulver gewinnen, das früher als Grünmehl bekannt war. Dieses Grünmehl diente als wertvoller Vitamin- und Mineralstofflieferant, insbesondere in den Wintermonaten, wenn frisches Gemüse Mangelware war. Es wurde auch zum Andicken von Suppen und Soßen verwendet. In Zeiten, in denen am Ende des Winters die Vorratskeller leer waren, half das Grünmehl aus Grünpflanzen, Mangelerscheinungen vorzubeugen. Grünmehl aus Melde ist reich an Proteinen, Saponinen, Flavonolen, Oxalsäure, Vitaminen und den Spurenelementen Eisen, Kupfer, Zink und Mangan. Diese Inhaltsstoffe machen die Melde zu einem wertvollen Nahrungsmittel, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch zur Gesundheit beiträgt.

Steckbrief Gartenmelde (Atriplex hortensis)

MerkmalDetails
FamilieGänsefußgewächse (Chenopodiaceae)
HerkunftEuropa, Asien
Wuchsaufrecht, leicht verzweigt, bis zu 150 Zentimeter hoch
BlütezeitJuni bis September
Standortsonniger bis halbschattiger Standort, anspruchslos an Boden
Pflegenach der Aussaat leicht feucht halten, auf Blattläuse kontrollieren
Vermehrungdurch Aussaat

Rezept: Kartoffelsuppe mit Grünmehl aus Melde

Dieses einfache Rezept zeigt, wie man das wertvolle Grünmehl aus Melde in der Küche verwenden kann. Die Kartoffelsuppe wird durch das Grünmehl nicht nur geschmacklich bereichert, sondern auch mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert.

Zutaten:

  • 7 mittelgroße Kartoffeln
  • 1 Zwiebel
  • 1 Stange Lauch
  • 3/4 Liter Gemüsebrühe
  • 100 ml Sahne
  • Salz, Pfeffer, Majoran, Muskat
  • 50g Butter
  • Grünmehl aus Melde

Zubereitung:

  1. Zwiebel und Kartoffeln schälen und würfeln. Lauch putzen und in Ringe schneiden.
  2. Butter in einem Topf erhitzen und die Zwiebeln darin glasig dünsten.
  3. Kartoffeln und Lauch zufügen und kurz mit andünsten.
  4. Mit Gemüsebrühe ablöschen und 20-25 Minuten kochen lassen, bis das Gemüse weich ist.
  5. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen und mit Sahne abschmecken.
  6. Je nach Geschmack kann die Suppe püriert werden oder stückig bleiben.
  7. Grünmehl einrühren (3-4 Esslöffel für diese Menge).
  8. Kurz vor dem Servieren frischen Majoran in die Suppe geben.

Guten Appetit!

Fazit: Melde – ein vergessenes Gemüse neu entdecken

Die Melde ist mehr als nur ein Wildkraut. Sie ist ein schnell wachsendes, vielseitiges Gemüse mit einer langen Tradition. Ob als frischer Salat, spinatähnliches Gemüse oder als nahrhaftes Grünmehl für den Winter – die Melde bereichert den Speiseplan und ist dabei äußerst anspruchslos im Anbau. Es lohnt sich, dieses fast vergessene Gemüse wiederzuentdecken und im eigenen Garten oder auf dem Balkon anzubauen. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich von der Vielseitigkeit und dem milden Geschmack der Melde überraschen!

Go up