11/11/2024
Lein anzubauen ist nicht nur ein lohnendes Hobby für Gartenliebhaber, sondern auch eine Möglichkeit, die Natur hautnah zu erleben und wertvolle Produkte selbst zu gewinnen. Ob für die Gewinnung von Leinsamen oder einfach nur, um die wunderschöne blaue Blüte im Garten zu bewundern – der Anbau von Lein ist einfacher als viele denken. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wissenswerte rund um den Anbau von Lein, von der Aussaat bis zur Ernte, und erhalten wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Kultur.

Leinsamen selbst anbauen – Schritt für Schritt
Der Anbau von Leinsamen im eigenen Garten ist durchaus möglich und kann eine bereichernde Erfahrung sein. Lein ist eine relativ anspruchslose Pflanze, die mit den richtigen Kenntnissen und etwas Sorgfalt gut gedeiht. Hier sind die wichtigsten Schritte für den erfolgreichen Anbau:
Aussaat von Leinsamen
Der ideale Zeitpunkt für die Aussaat von Leinsamen liegt zwischen Mitte März und Mai. Wichtig ist, dass der Boden nicht mehr gefroren ist, aber auch ein früher Aussaattermin im März ist kein Problem, da Lein frostresistent ist. Dies gibt Ihnen einen relativ großen Zeitrahmen für die Aussaatplanung.
Lein bevorzugt einen leichten, durchlässigen Boden. Schwere, lehmige Böden sollten vor der Aussaat mit Sand oder Kompost aufgelockert werden. Achten Sie darauf, dass der Standort sonnig ist, da Lein viel Licht für ein optimales Wachstum benötigt.
Die Aussaat selbst erfolgt in Reihen. Ziehen Sie flache Rillen in den Boden und säen Sie die Leinsamen darin aus. Der Abstand zwischen den Reihen sollte etwa 15-20 cm betragen. Die Samen sollten nur leicht mit Erde bedeckt werden, da Lein ein Lichtkeimer ist. Nach der Aussaat ist es wichtig, den Boden feucht zu halten, aber Staunässe zu vermeiden.
Pflege des Leins
In der Anfangsphase wächst Lein relativ langsam. Besondere Aufmerksamkeit sollte in dieser Zeit der Unkrautbekämpfung gelten. Regelmäßiges Jäten oder Hacken ist wichtig, um sicherzustellen, dass der Lein genügend Licht und Nährstoffe erhält. Empfohlen werden etwa drei Unkrautkuren, um optimale Wachstumsbedingungen zu schaffen.
Sobald die Reihen gut sichtbar sind und der Lein etwa 5 cm hoch ist, kann zusätzlich zum Striegeln auch gehackt werden. Eine Kombination aus Striegeln und Hacken hat sich als besonders effektiv erwiesen, um Unkraut zu entfernen und den Boden aufzulockern.
Die Wasserversorgung ist besonders vor und während der Blütezeit entscheidend. Lein benötigt ausreichend Wasser, um einen guten Ertrag zu erzielen. Achten Sie darauf, den Boden gleichmäßig feucht zu halten, besonders in trockenen Perioden.
Lein ist eine extensive Kultur und benötigt vergleichsweise wenige Nährstoffe. Eine Düngung ist in der Regel nicht notwendig, kann aber bei sehr nährstoffarmen Böden sinnvoll sein. Wenn gedüngt wird, sollte dies vor oder zur Aussaat mit schnell wirkenden Düngemitteln wie Kompost, Handelsdünger oder Gülle erfolgen. Eine zu starke Düngung kann jedoch zu einer verzögerten Reife führen.

Ein weiterer Schädling, der Lein befallen kann, sind Schnecken. Besonders in feuchten Jahren können Schneckenfraßschäden auftreten. Schneckenfallen, wie kleine Gefäße mit Bier oder spezielle Mittel aus dem Handel, können helfen, den Schneckenbefall zu reduzieren.
Ernte von Leinsamen
Lein hat eine kurze Vegetationszeit von etwa 125 Tagen. Die Ernte beginnt, wenn der Lein reif ist. Die Reife erkennen Sie daran, dass sich die Farbe des Stängels verändert: Der obere Teil (ca. 5 cm) wird braun und die unteren Blätter fallen ab. Ein weiteres Zeichen der Reife ist das Rascheln der Samen in den Kapseln.
Die Erntezeit erstreckt sich von August bis September. Mit einem Motormäher kann der Lein etwa 15 cm über dem Boden gemäht werden. Nach dem Mähen sollte der Lein bei schönem Wetter etwa drei Tage zum Trocknen liegen bleiben. Ein scharfes Messer kann hilfreich sein, um bei Bedarf nachzuarbeiten.
Es ist wichtig, den Erntetermin nicht zu verpassen, da bei einer zu späten Ernte Probleme auftreten können. Wenn der Lein nicht rechtzeitig gedroschen wird, können die Kapseln und Samen von Pilzen befallen werden oder die Pflanze beginnt erneut zu blühen.
Der Ertrag von Leinsamen liegt in der Regel bei etwa 15 kg pro Are. Trockenperioden während der Wachstumsphase können den Ertrag jedoch mindern.
Der Ausdauernde Lein (Linum perenne)
Neben dem einjährigen Lein, der für die Leinsamengewinnung angebaut wird, gibt es auch den Ausdauernden Lein (Linum perenne). Dieser ist, wie der Name schon sagt, mehrjährig und erfreut mit seiner Blüte über mehrere Jahre hinweg.
Der Ausdauernde Lein ist in Europa und Sibirien heimisch, in Deutschland jedoch selten und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Dies liegt vor allem an der Zerstörung seines natürlichen Lebensraums durch Flurbereinigungen und Bebauung. Der Ausdauernde Lein bevorzugt durchlässige, sandige oder kieselhaltige Böden, wie sie in mittleren Gebirgslagen und auf Trockenwiesen vorkommen.

Für den Anbau im Garten sollte der Boden entsprechend angepasst werden. Normale Gartenerde kann mit Sand, Kieselgestein oder Blähton verbessert werden. Torf oder feine Bodenbestandteile sollten vermieden werden, da sie zu viel Feuchtigkeit speichern. Der Ausdauernde Lein eignet sich gut für Steingärten, Alpengärten oder die Kübelbepflanzung, da hier die optimalen Bedingungen leichter geschaffen werden können.
Ist der richtige Standort gefunden, ist der Ausdauernde Lein relativ pflegeleicht. Er ist mehrjährig und verbreitet sich generativ durch Samen. Die Blütezeit reicht von Juni bis August und lockt zahlreiche Insekten an. Die Blüten sind himmel- bis hellblau und bilden einen schönen Kontrast zu den graugrünen, lavendelähnlichen Blättern. Der Wuchs ist buschig aufrecht und erreicht eine Höhe von 40-50 cm.
Lein als bienenfreundliche Pflanze
Lein ist nicht nur eine attraktive Zierpflanze, sondern auch eine wertvolle Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Besonders der Weißblühende Lein 'Album' (Linum perenne 'Album') ist für seine Bienenfreundlichkeit bekannt.
Die reinweißen Blüten des 'Album' erscheinen von Juni bis August und ziehen zahlreiche Bestäuber an. Die tellerförmigen Einzelblüten sind zwar klein, aber die große Blütenmenge macht den Weißblühenden Lein zu einem echten Hingucker im Garten. Das Reinweiß der Blüten harmoniert wunderbar mit anderen Blütenfarben und bringt Eleganz ins Beet.
Der Weißblühende Lein bevorzugt einen sonnigen Standort und trockene, nährstoffarme und gut durchlässige Böden. Er ist winterhart und pflegeleicht. Im Herbst können die vertrockneten Triebe abgeschnitten werden. Die Pflanze zieht sich dann zur Winterruhe zurück und treibt im Frühjahr wieder aus.
Aufgrund seiner Bedeutung für Bienen und andere Insekten ist der Weißblühende Lein 'Album' eine ideale Pflanze für Natur- und Wildgärten. Er schmückt Beete, Steingärten, Dachgärten und Pflanztröge gleichermaßen.
Fazit
Lein selbst anzubauen ist ein lohnendes Unterfangen, das sowohl Anfängern als auch erfahrenen Gärtnern Freude bereitet. Ob für die Gewinnung von Leinsamen, als attraktive Zierpflanze oder als bienenfreundliche Bereicherung für den Garten – Lein ist vielseitig einsetzbar und relativ einfach zu kultivieren. Mit den richtigen Tipps und etwas Aufmerksamkeit können Sie schon bald die blaue Blütenpracht im eigenen Garten genießen und vielleicht sogar eine reiche Leinsamenernte einfahren.
FAQ zum Leinanbau
- Wann ist die beste Zeit für die Aussaat von Leinsamen?
- Mitte März bis Mai.
- Welchen Standort bevorzugt Lein?
- Sonnig und einen leichten, durchlässigen Boden.
- Wie oft muss Lein von Unkraut befreit werden?
- Etwa drei Unkrautkuren sind empfehlenswert.
- Ist Lein bienenfreundlich?
- Ja, besonders der Weißblühende Lein 'Album' ist sehr bienenfreundlich.
- Wann wird Lein geerntet?
- August bis September.
