04/10/2024
Jeder Gartenbesitzer kennt das Phänomen: Plötzlich tauchen im Frühjahr weiße, schaumige Nester an Pflanzen auf. Oftmals ist die erste Reaktion Besorgnis – ist das ein Pilz? Eine Krankheit? Tatsächlich handelt es sich in den meisten Fällen um die Hinterlassenschaften der Schaumzikade, genauer gesagt, um den sogenannten „Kuckucksspeichel“. Doch was verbirgt sich hinter diesem ungewöhnlichen Namen und wie sollten Sie reagieren, wenn Sie diese Schaumnester in Ihrem Garten entdecken?
Was sind Schaumzikaden und der „Kuckucksspeichel“?
Schaumzikaden sind kleine, unscheinbare Insekten, die zur Familie der Zikaden gehören. Die bekanntesten Arten sind Aphrophora salicina, die Weidenschaumzikade, und Philaenus spumarius, die Wiesenschaumzikade. Obwohl die ausgewachsenen Tiere oft unbemerkt bleiben, sind ihre Larven durch ihre auffälligen Schaumnester leicht zu erkennen. Dieser Schaum, umgangssprachlich als „Kuckucksspeichel“ oder „Hexenspucke“ bezeichnet, ist ein Sekret, das die Larven ausscheiden, um sich vor Austrocknung und Fressfeinden zu schützen. Er besteht aus Pflanzensaft und Luft und dient den Larven als sichere und feuchte Umgebung für ihre Entwicklung.

Lebensweise und Biologie der Schaumzikade
Der Lebenszyklus der Schaumzikade beginnt im Herbst, wenn die Weibchen ihre Eier an verschiedenen Pflanzen ablegen. Die Überwinterung erfolgt im Eistadium. Im darauffolgenden Frühjahr, meist im April oder Mai, schlüpfen die Junglarven. Diese sind zunächst sehr klein und ähneln den adulten Zikaden bereits in ihrer Form, sind aber noch ungeflügelt. Sofort nach dem Schlüpfen beginnen die Larven mit der Produktion des schützenden Schaums. Sie saugen Pflanzensaft aus den Pflanzen und scheiden einen Teil davon wieder aus, vermischt mit Luft entsteht der charakteristische Schaum. Innerhalb dieses Schaumnestes durchlaufen die Larven mehrere Entwicklungsstadien. Im Juni oder Juli, nach mehreren Häutungen, verwandeln sie sich zu adulten Schaumzikaden. Die erwachsenen Tiere sind flugfähig und können sich weiter verbreiten. Sie sind ebenfalls Pflanzensaftsauger, produzieren aber keinen Schaum mehr. Die adulten Zikaden sind etwa 5 bis 8 mm lang und haben eine längliche, oft grünlich-gelbliche Färbung, wobei die genaue Farbe je nach Art variieren kann. Die Wiesenschaumzikade ist besonders weit verbreitet und befällt eine Vielzahl von Pflanzen, während die Weidenschaumzikade, wie der Name schon sagt, bevorzugt an Weiden zu finden ist, aber auch andere Laubgehölze befallen kann.
Sind Schaumzikaden Schädlinge? – Das Schadbild
Die Frage, ob Schaumzikaden als Schädlinge einzustufen sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gilt: Eine Gefährdung der Pflanzen durch Schaumzikaden ist in der Regel gering. Die Larven saugen zwar Pflanzensaft, jedoch sind die Mengen, die sie aufnehmen, meist nicht ausreichend, um gesunde Pflanzen ernsthaft zu schädigen. In den meisten Fällen handelt es sich eher um einen optischen Makel als um eine tatsächliche Bedrohung für die Pflanzengesundheit.
Allerdings kann es bei Massenbefall, insbesondere an jungen Trieben und Zweigen, zu stärkeren Saugschäden kommen. In solchen Fällen können Triebe und Zweige geschwächt werden und im schlimmsten Fall absterben. Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn die Saugstellen der Larven dicht beieinander liegen. Die Zweige können an diesen Stellen durch die vielen Einstiche geschwächt werden und leichter brechen. Zusätzlich können durch die Verletzungen der Rinde Rindenpathogene Pilze eindringen und Folgeschäden verursachen. Diese Folgeschäden sind jedoch eher selten und treten vor allem bei geschwächten Pflanzen auf.

Das typische Schadbild der Schaumzikade ist der bereits erwähnte „Kuckucksspeichel“. Dieser ist nicht nur ein Schutz für die Larven, sondern auch ein deutliches Zeichen für ihren Befall. An Wiesenblumen, Gräsern, Kräutern, Rosen, Blumen und Erdbeeren findet man meist die Wiesenschaumzikade. An Gehölzen, insbesondere im Frühjahr (Mai, Juni), entdeckt man den weißen, nassen Schaum an Trieben, Zweigen, Ästen und sogar am Stamm. Besonders häufig betroffen sind Weiden, aber auch andere Laubgehölze und gelegentlich Nadelgehölze. An den befallenen Trieben und Zweigen können reihenförmig angeordnete Einstiche sichtbar sein. Durch die Wundkallusbildung der Zweige können diese Einstiche später zu kleinen Pusteln werden.
Bekämpfung von Schaumzikaden – Was tun gegen den „Kuckucksspeichel“?
Da Schaumzikaden in der Regel keine ernsthafte Bedrohung für Pflanzen darstellen, ist eine Bekämpfung meist nicht notwendig. Der „Kuckucksspeichel“ ist in erster Linie ein ästhetisches Problem und kein Zeichen für eine schwerwiegende Schädigung. Wer sich dennoch am Aussehen des Schaums stört oder bei starkem Befall vorbeugend handeln möchte, kann einfache Maßnahmen ergreifen:
1. Abspülen mit Wasser
Die einfachste und umweltfreundlichste Methode zur Beseitigung des „Kuckucksspeichels“ ist das Abspülen der betroffenen Pflanzen mit einem scharfen Wasserstrahl. Durch den Wasserstrahl werden die Schaumnester und die darin befindlichen Larven von den Pflanzen gespült. Diese Maßnahme sollte idealerweise am Morgen durchgeführt werden, damit die Pflanzen tagsüber abtrocknen können. In den meisten Fällen ist diese Behandlung ausreichend, um den Befall zu reduzieren und das Erscheinungsbild der Pflanzen zu verbessern. Eine weitere Bekämpfung ist in der Regel nicht notwendig.
2. Insektizide bei starkem Befall (Ausnahmefall)
Nur in Ausnahmefällen, bei sehr starkem Befall und wenn es tatsächlich zu deutlichen Schädigungen an den Pflanzen kommt, kann der Einsatz von Insektiziden in Erwägung gezogen werden. Geeignet sind Insektizide, die gegen saugende Insekten wie Blattläuse eingesetzt werden. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln immer die letzte Wahl sein sollte, da sie nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge schädigen und die Umwelt belasten können.

Wenn der Einsatz von Insektiziden unumgänglich ist, sollten Sie unbedingt Pflanzenschutzmittel verwenden, die für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen sind und die Hinweise des Herstellers genau beachten. Systemische Insektizide, die in den Saftstrom der Pflanze eindringen, sind in der Regel effektiver, um die Larven im Schaum zu erreichen. Kontaktinsektizide wirken möglicherweise weniger gut, da der Schaum einen gewissen Schutz bietet. Es ist ratsam, sich in einem Fachhandel oder bei der Gartenakademie beraten zu lassen, um das richtige Produkt und die richtige Anwendungsmethode zu wählen.
3. Natürliche Methoden und Nützlinge fördern
Anstatt auf chemische Insektizide zurückzugreifen, können Sie auch natürliche Methoden und die Förderung von Nützlingen in Betracht ziehen. Ein naturnaher Garten mit einer vielfältigen Pflanzenwelt bietet natürlichen Feinden der Schaumzikade einen Lebensraum. Zu den natürlichen Feinden gehören beispielsweise Vögel, Spinnen und Raubwanzen. Durch das Anbringen von Nistkästen für Vögel oder das Schaffen von Unterschlupfmöglichkeiten für Spinnen können Sie diese Nützlinge in Ihren Garten locken und die natürliche Schädlingskontrolle unterstützen. Auch der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel fördert die Ansiedlung von Nützlingen.
Vorbeugung gegen Schaumzikaden
Auch wenn Schaumzikaden meist keine großen Schäden verursachen, können Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um einen starken Befall zu vermeiden:
- Pflanzen stärken: Gesunde und kräftige Pflanzen sind weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Achten Sie auf eine ausgewogene Düngung, ausreichende Wasserversorgung und einen geeigneten Standort für Ihre Pflanzen.
- Regelmäßige Kontrolle: Kontrollieren Sie Ihre Pflanzen regelmäßig, insbesondere im Frühjahr, auf Schaumnester. Je früher Sie einen Befall erkennen, desto einfacher ist die Bekämpfung durch Abspülen mit Wasser.
- Förderung der Artenvielfalt: Ein naturnaher Garten mit einer großen Vielfalt an Pflanzen und Strukturen bietet Nützlingen einen Lebensraum und trägt zur natürlichen Schädlingskontrolle bei.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Schaumzikaden
- Ist der „Kuckucksspeichel“ schädlich für Pflanzen?
- In der Regel nicht. Bei starkem Befall kann es zu geringfügigen Schädigungen kommen, aber meist ist der Schaum nur ein optisches Problem.
- Ist der „Kuckucksspeichel“ giftig für Menschen oder Tiere?
- Nein, der Schaum ist nicht giftig und unbedenklich für Menschen und Haustiere.
- Wie lange bleibt der „Kuckucksspeichel“ an den Pflanzen?
- Der Schaum ist so lange sichtbar, wie die Larven aktiv sind, meist im Frühjahr und Frühsommer. Nach der Verpuppung und dem Schlüpfen der adulten Zikaden verschwindet der Schaum.
- Kann man Schaumzikaden mit Hausmitteln bekämpfen?
- Ja, das Abspülen mit Wasser ist ein sehr effektives Hausmittel. In den meisten Fällen ist dies ausreichend.
- Sind Schaumzikaden Nützlinge oder Schädlinge?
- Eher neutral. Sie sind keine typischen Schädlinge im klassischen Sinne, da sie gesunde Pflanzen kaum schädigen. Bei Massenbefall können sie aber zu Problemen führen.
- Was tun, wenn der Schaum immer wiederkommt?
- Regelmäßiges Abspülen mit Wasser kann helfen. In hartnäckigen Fällen kann der Einsatz von Insektiziden in Erwägung gezogen werden, aber dies sollte die Ausnahme bleiben.
Fazit
Schaumzikaden und der „Kuckucksspeichel“ sind im Garten zwar auffällig, aber in den meisten Fällen harmlos. Eine Bekämpfung ist in der Regel nicht notwendig. Wer sich am Aussehen des Schaums stört, kann ihn einfach mit Wasser abspülen. Nur bei sehr starkem Befall und tatsächlichen Schädigungen an den Pflanzen sollte über den Einsatz von Insektiziden nachgedacht werden. Ein naturnaher Garten mit gesunden, kräftigen Pflanzen ist die beste Voraussetzung für ein harmonisches Gleichgewicht und den Umgang mit Schaumzikaden.
