14/04/2022
Lavendel ist eine beliebte Pflanze in vielen Gärten, bekannt für seinen betörenden Duft und seine wunderschönen Blüten. Oftmals wird Lavendel als pflegeleicht angesehen, doch auch bei dieser robusten Pflanze können Fehler in der Pflege auftreten, insbesondere bei der Bewässerung. Viele Gartenbesitzer fragen sich: Braucht Lavendel viel oder wenig Wasser? Die Antwort ist eindeutig: Lavendel bevorzugt es eher trocken und benötigt wenig Wasser. Tatsächlich ist Überwässerung einer der häufigsten Gründe, warum Lavendel Probleme bekommt und sogar eingehen kann.

Braucht Lavendel viel oder wenig Wasser?
Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler und umfasst etwa 30 verschiedene Arten. Diese Vielfalt reicht von halbstrauchartigen bis hin zu buschigen Lavendelsorten. Eines haben jedoch alle Lavendelarten gemeinsam: Sie sind an trockene Bedingungen angepasst. Ursprünglich aus südlichen Regionen stammend, ist Lavendel an karge Böden mit geringer Wasserspeicherkapazität gewöhnt. Im Gegensatz zu vielen anderen Gartenpflanzen, die in trockenen, sonnigen Bereichen schnell welken, fühlt sich Lavendel hier besonders wohl. Er ist daher ideal für Gärten mit sonnigen und trockenen Standorten, die pflegeleicht sein sollen. Vorgärten, die mit duftendem Lavendel bepflanzt sind, sind nicht nur ein optischer Blickfang, sondern auch ein Beweis für die Genügsamkeit dieser Pflanze.
Wie sieht Lavendel aus, wenn er zu viel Wasser bekommt?
Überwässerung ist ein kritischer Faktor für Lavendel. Während man bei welken Pflanzen intuitiv an Wassermangel denkt, ist es bei Lavendel oft das Gegenteil. Wenn Lavendel zu viel Wasser bekommt, reagiert er mit deutlichen Symptomen:
- Hängende Blätter: Die Blätter des Lavendels beginnen zu hängen und verlieren ihre aufrechte, gesunde Form.
- Braunfärbung der Blätter: Die Blätter verfärben sich von unten nach oben zunehmend braun. Diese Verfärbung ist ein klares Zeichen für beginnende Wurzelfäule.
Diese Symptome sind ein Alarmsignal und deuten darauf hin, dass die Wurzeln des Lavendels unter dem Wasserüberschuss leiden. Das Problem: In feuchter Umgebung können sich Fäulnisbakterien schnell ausbreiten und die Wurzeln angreifen.
Warum geht mein Lavendel ein? Häufige Ursachen und Lösungen
Obwohl Lavendel als robust gilt, gibt es verschiedene Gründe, warum er eingehen kann. Oftmals sind es Pflegefehler, die zu Problemen führen. Hier sind die häufigsten Ursachen und was Sie dagegen tun können:
1. Nässe und Feuchtigkeit (Überwässerung)
Wie bereits erwähnt, ist Überwässerung eine der Hauptursachen für Probleme bei Lavendel. Wenn die Wurzeln ständig in feuchter Erde stehen, bekommen sie nicht genügend Sauerstoff und beginnen zu faulen. Dies führt dazu, dass die Pflanze eingeht.
Abhilfe:
- Pflanze aus Topf oder Erde nehmen: Heben Sie den Lavendel vorsichtig aus dem Topf oder der Erde aus.
- Faulende Wurzelbereiche abschneiden: Untersuchen Sie die Wurzeln genau. Entfernen Sie alle weichen, braunen oder faulig riechenden Wurzelteile mit einem sauberen Messer oder einer Gartenschere. Achten Sie darauf, die zentrale Pfahlwurzel nicht zu beschädigen.
- Erde austauschen: Im Freiland tauschen Sie die unmittelbare Wurzelumgebung aus. Im Pflanztopf ersetzen Sie die Erde komplett durch frische, trockene Erde. Stellen Sie sicher, dass die Drainagelöcher im Topf frei sind, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Eine Tonscherbe über dem Drainageloch verhindert, dass es verstopft.
- Lavendel wieder einsetzen und mäßig angießen: Pflanzen Sie den Lavendel in die neue Erde ein und gießen Sie ihn nur mäßig an. Vermeiden Sie in den nächsten Wochen Staunässe.
Wichtig: Es ist entscheidend, schnell zu handeln, wenn Sie Anzeichen von Überwässerung bemerken. Je früher Sie eingreifen, desto größer sind die Chancen, den Lavendel zu retten.
2. Fehlender Platz (Wurzelraum)
Auch wenn der oberirdische Teil des Lavendels ausreichend Platz hat, kann es sein, dass der Wurzelraum zu begrenzt ist. Wenn die Wurzeln nicht genügend Platz haben, um sich auszubreiten, kann dies zu Wachstumsstörungen und letztendlich zum Absterben der Pflanze führen.
Abhilfe:
- Pflanze umtopfen: Wenn der Lavendel in einem Topf steht, topfen Sie ihn in ein größeres Pflanzgefäß um. Wählen Sie einen Topf, der mindestens ein Drittel größer ist als der vorherige.
- Standort im Freiland optimieren: Im Freiland wählen Sie einen Standort, der ausreichend Platz für die Wurzelentwicklung bietet. Vermeiden Sie Bereiche mit schlechtem Untergrund oder direkter Beeinträchtigung durch andere Pflanzenwurzeln.
- Ausreichende Tiefe beachten: Achten Sie darauf, dass sowohl Töpfe als auch Beete ausreichend tief sind, damit die Pfahlwurzel des Lavendels genügend Platz hat. Flache Gefäße können zu Staunässe führen und den Wurzelraum einschränken.
3. Überdüngung
Lavendel ist eine sehr genügsame Pflanze und benötigt in der Regel keine zusätzliche Düngung. Im Gegenteil: Überdüngung, insbesondere mit stickstoffhaltigem Dünger, kann dem Lavendel schaden. Eine anfängliche, schnelle Entwicklung kann trügerisch sein, da die Pflanze später eingehen kann.
Abhilfe:
- Düngergaben einstellen: Verzichten Sie vollständig auf Düngergaben für Lavendel.
- Umsetzen bei überdüngten Topfpflanzen: Topfen Sie überdüngte Lavendelpflanzen in frische, ungedüngte Erde um.
- Standort im Beet wechseln oder Boden austauschen: Im Beet wählen Sie einen weniger nährstoffreichen Standort oder tauschen die Erde im Pflanzbereich aus.
- Pflanzpartner beachten: Bei Mischpflanzungen mit Lavendel vermeiden Sie stark zehrende Pflanzen oder düngen Sie nur die anderen Pflanzen, ohne den Lavendel zu berücksichtigen.
4. Falscher Standort (Lichtmangel)
Lavendel liebt die Sonne! Ein sonniger Standort ist entscheidend für sein Wachstum und seine Blühfreudigkeit. Steht Lavendel zu schattig, kann er verkümmern und eingehen.
Abhilfe:
- Umsiedeln an einen sonnigen Standort: Pflanzen Sie den Lavendel an einen vollsonnigen Standort um, der mindestens sechs Stunden Sonne pro Tag bietet.
- Topf umstellen: Bei Topfpflanzen stellen Sie den Topf an einen sonnigeren Platz, z.B. auf eine Südterrasse oder einen Südbalkon.
- Sorte wählen: Für halbschattige Lagen ist weißer Lavendel etwas besser geeignet, aber auch er bevorzugt einen möglichst sonnigen Standort. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Standortansprüche der jeweiligen Lavendelsorte.
5. Falscher Rückschnitt
Rückschnitt ist wichtig für Lavendel, um einen dichten und kompakten Wuchs zu fördern und die Blühfreudigkeit zu erhalten. Ein falscher oder unterlassener Rückschnitt führt zwar nicht direkt zum Eingehen, kann aber zu einem lichten und unansehnlichen Wuchs führen, der fälschlicherweise als Degeneration interpretiert werden kann.

Abhilfe:
- Regelmäßiger Schnitt: Führen Sie zwei Rückschnitte pro Jahr durch:
- Erstschnitt im Frühjahr: Schneiden Sie den Lavendel im Frühjahr kräftig zurück, aber nicht ins alte Holz.
- Zweitschnitt im Sommer: Schneiden Sie nach der Blütezeit die verblühten Blütenstände zurück.
- Schnitttechnik beachten: Schneiden Sie bis in die jungen Triebe zurück, aber vermeiden Sie es, ins alte Holz zu schneiden, da Lavendel aus altem Holz nur schwer wieder austreibt.
6. Mulch
Während Mulch in vielen Gärten zur Bodenverbesserung und Feuchtigkeitsregulierung eingesetzt wird, ist er für Lavendel nicht ideal. Rindenmulch speichert Feuchtigkeit im Boden und säuert ihn zusätzlich an, was Lavendel nicht mag. Die Folge kann eine schlechtere Entwicklung bis hin zum Eingehen sein.
Abhilfe:
- Mulchschicht entfernen: Entfernen Sie Rindenmulch oder andere Mulchmaterialien um den Lavendel herum.
- Gute Belüftung des Bodens: Achten Sie auf einen gut durchlässigen Boden und vermeiden Sie Staunässe. Eine gute Bodendurchlüftung ist wichtiger als das Mulchen beim Lavendel.
7. Krankheiten und Schädlinge
Lavendel ist relativ widerstandsfähig gegenüber Schädlingen, da seine ätherischen Öle abschreckend wirken. Krankheiten, insbesondere Pilzkrankheiten wie Phoma Lavendula, können jedoch ein Problem darstellen. Diese Pilzerkrankung führt zu braunen bis schwarzen Flecken auf den Trieben und kann zum Absterben ganzer Pflanzenteile führen.
Abhilfe:
- Befallene Triebe entfernen: Schneiden Sie befallene Triebe umgehend und großzügig zurück und entsorgen Sie sie im Hausmüll, nicht auf dem Kompost.
- Fungizide Mittel einsetzen: Bei starkem Befall können Fungizide helfen, die Ausbreitung des Pilzes zu stoppen. Beachten Sie die Anwendungsanleitung und verwenden Sie geeignete Mittel für Lavendel.
Fazit: Lavendel braucht wenig Wasser, aber die richtige Pflege
Lavendel ist eine wunderschöne und pflegeleichte Pflanze, die mit wenig Wasser auskommt. Der Schlüssel zu einem gesunden und blühfreudigen Lavendel liegt in der Vermeidung von Überwässerung und der Berücksichtigung seiner Standortansprüche. Achten Sie auf einen sonnigen Standort, einen durchlässigen Boden, mäßige Bewässerung und einen regelmäßigen Rückschnitt. Mit der richtigen Pflege wird Ihr Lavendelbeet zu einem duftenden und farbenprächtigen Highlight in Ihrem Garten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie oft sollte ich Lavendel gießen?
In der Regel müssen Sie Lavendel nur selten gießen. Lassen Sie die Erde zwischen den Wassergaben gut antrocknen. In längeren Trockenperioden oder bei Topfpflanzen kann es notwendig sein, etwas häufiger zu gießen, aber immer sparsam. Vermeiden Sie Staunässe unbedingt.
Wie erkenne ich, ob mein Lavendel zu viel Wasser bekommt?
Achten Sie auf hängende und braun werdende Blätter, insbesondere von unten nach oben. Weiche oder faulig riechende Wurzeln sind ebenfalls ein sicheres Zeichen für Überwässerung.
Was tun, wenn mein Lavendel zu viel Wasser bekommen hat?
Nehmen Sie die Pflanze aus dem Topf oder der Erde, schneiden Sie faulige Wurzeln ab, tauschen Sie die Erde aus und pflanzen Sie den Lavendel wieder ein. Gießen Sie in den nächsten Wochen nur sehr mäßig.
Kann ich Lavendel im Topf halten?
Ja, Lavendel gedeiht auch gut im Topf. Achten Sie auf einen ausreichend großen Topf mit guten Drainagelöchern und verwenden Sie durchlässige Pflanzerde. Im Topf kann Lavendel etwas schneller austrocknen als im Beet, daher müssen Sie die Wassergabe etwas genauer beobachten.
Welche Lavendelsorte ist am pflegeleichtesten?
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) und Lavandin-Sorten (Lavandula x intermedia) sind generell robust und pflegeleicht. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Sorte für Ihren Standort.
