Die dunkle Seite des Lichts im Garten: Brauchen Pflanzen Nacht?

09/10/2020

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Viele Gartenbesitzer wünschen sich eine stimmungsvolle Beleuchtung, um ihre grüne Oase auch nach Einbruch der Dunkelheit genießen zu können. Doch was für uns Menschen angenehm ist, kann für die Natur im Garten negative Folgen haben. Denn die Frage, ob Pflanzen Dunkelheit brauchen, lässt sich nicht isoliert betrachten. Sie ist eng verbunden mit dem gesamten Ökosystem Garten, insbesondere den Insekten.

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Inhaltsverzeichnis

Warum Dunkelheit für Insekten lebensnotwendig ist

Der Text verdeutlicht ein zentrales Problem: Insekten werden von künstlichen Lichtquellen magisch angezogen. Dieses Phänomen ist auf die natürliche Orientierung der Insekten zurückzuführen. Normalerweise nutzen nachtaktive Insekten das Licht des Mondes und der Sterne zur Navigation. Diese Lichtquellen sind extrem weit entfernt, sodass sich ihre Position während des Fluges eines Insekts kaum verändert.

Brauchen Pflanzen Dunkelheit?
Übrigens: Auch Pflanzen brauchen Dunkelheit. Auch wenn das ein bisschen albern klingt: Wir nutzen die Reaktion der Pflanzen auf Licht beispielsweise in Gewächshäusern. Dort wird mit rotem Licht beleuchtet, um Wachstum oder Blütenbildung zu steuern. Nächtliches Licht irritiert Pflanzen.

Eine künstliche Lichtquelle im Garten, wie eine Gartenlampe oder eine Lichterkette, täuscht die Insekten. Sie verwechseln diese nahe Lichtquelle mit dem Mond und versuchen, sich danach auszurichten. Das Problem dabei ist, dass sich der Winkel zum Licht bei künstlichen Quellen viel schneller ändert. Bereits nach einem halben Meter Flugstrecke merken die Insekten, dass sie nicht mehr im korrekten Winkel zum Licht fliegen und korrigieren ihre Flugrichtung. Dieser ständige Korrekturprozess führt dazu, dass die Insekten in einer Spirale um die Lichtquelle kreisen, bis zur völligen Erschöpfung.

Die fatalen Folgen sind vielfältig. Erschöpfte Nachtfalter und Käfer fallen zu Boden und sterben oder werden zur leichten Beute für Fressfeinde wie Laufkäfer und Spinnen. Obwohl diese Räuber kurzfristig von dem erhöhten Nahrungsangebot profitieren, führt die Lichtverschmutzung insgesamt zu einer Dezimierung der Insektenpopulation und einem Ungleichgewicht im Ökosystem.

Lichtverschmutzung im Garten: Ein ökologisches Problem

Der Experte für Lichtverschmutzung, Manuel Philipp, bringt es auf den Punkt: "Gärten sind ökologische Kleinode. Aber mit Licht macht man nachts einen Teil dessen, was man tagsüber geschaffen hat, wieder kaputt." Diese Aussage verdeutlicht die Tragweite des Problems. Gärten sind wichtige Rückzugsorte für die Natur inmitten unserer oft zubetonierten und beleuchteten Städte. Künstliches Licht in Gärten konterkariert jedoch Bemühungen um Naturschutz und Artenvielfalt.

Besonders problematisch ist die Auswirkung auf Bestäuber. Rund 60 Prozent aller Insekten sind nachtaktiv und viele davon sind wichtige Bestäuber, beispielsweise für Obstbäume. Werden diese Insekten durch Licht dezimiert, hat dies direkte Konsequenzen für die Bestäubung von Pflanzen und somit auch für die Ernte. Die einfache Formel lautet: Mehr Licht – weniger Früchte.

Auswirkungen auf tagaktive Insekten und das natürliche Gleichgewicht

Nicht nur nachtaktive Insekten leiden unter der künstlichen Beleuchtung. Auch tagaktive Insekten, die eigentlich nachts zur Ruhe kommen sollten, werden gestört. Man kann sich das vorstellen, als würde man uns Menschen im Schlafzimmer eine Lampe aufhängen. Die Insekten haben keine Möglichkeit, sich dem Licht zu entziehen und werden in ihrem natürlichen Rhythmus empfindlich gestört.

Brauchen Pflanzen Dunkelheit?
Übrigens: Auch Pflanzen brauchen Dunkelheit. Auch wenn das ein bisschen albern klingt: Wir nutzen die Reaktion der Pflanzen auf Licht beispielsweise in Gewächshäusern. Dort wird mit rotem Licht beleuchtet, um Wachstum oder Blütenbildung zu steuern. Nächtliches Licht irritiert Pflanzen.

Die Aussage "Die Natur hat kein Licht vorgesehen. Nachts ist es dunkel." von Manuel Philipp ist fundamental. Die Evolution hat Lebewesen an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Künstliches Licht in der Nacht ist ein relativ neues Phänomen und die Natur hat noch keine adäquaten Anpassungsmechanismen entwickelt, um damit umzugehen.

Gibt es insektenfreundliche Gartenbeleuchtung?

Die klare Antwort des Experten lautet: "Nein". Es gibt keine Gartenbeleuchtung, die für Insekten wirklich unbedenklich ist. Jegliche Form von künstlichem Licht in der Nacht stellt eine Störung des natürlichen Ökosystems dar. Auch wenn es im Handel oft als "insektenfreundlich" beworbene Lampen gibt, sollte man diesen Versprechungen kritisch gegenüberstehen.

Oftmals wird argumentiert, dass bestimmte Lichtfarben, wie beispielsweise warmweißes oder gelbes Licht, weniger attraktiv für Insekten seien. Zwar ist es richtig, dass UV-Licht und blaues Licht Insekten besonders stark anziehen, aber auch andere Lichtspektren können störend wirken. Zudem ist es wichtig zu bedenken, dass die Helligkeit der Lichtquelle ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt. Eine helle, warmweiße Lampe kann immer noch eine erhebliche Anziehungskraft auf Insekten ausüben.

Was können Gartenbesitzer tun, um die Lichtverschmutzung zu reduzieren?

Um die negativen Auswirkungen von Lichtverschmutzung im Garten zu minimieren, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Gartenbesitzer ergreifen können:

  • Verzichten Sie auf Gartenbeleuchtung, wo immer es möglich ist: Der beste Weg, Lichtverschmutzung zu vermeiden, ist, gar kein Licht zu verwenden. Überlegen Sie kritisch, ob eine Beleuchtung wirklich notwendig ist oder ob man nicht auch ohne Licht im Garten auskommt.
  • Verwenden Sie Licht nur dann, wenn es wirklich gebraucht wird: Wenn Beleuchtung unumgänglich ist, schalten Sie sie nur bei Bedarf ein und nicht die ganze Nacht hindurch. Bewegungsmelder können helfen, den Energieverbrauch und die Lichtemissionen zu reduzieren.
  • Richten Sie das Licht gezielt nach unten: Verwenden Sie Lampen, die das Licht nach unten abstrahlen und nicht in den Himmel oder in die Umgebung streuen. Sogenannte "Cut-off"-Leuchten oder Schirmleuchten sind hier eine gute Wahl.
  • Verwenden Sie warmweißes oder gelbes Licht: Vermeiden Sie Lampen mit hohem Blauanteil im Lichtspektrum (kaltweißes Licht). Warmweißes oder gelbes Licht ist für Insekten weniger attraktiv.
  • Reduzieren Sie die Helligkeit: Wählen Sie Lampen mit geringerer Lichtleistung und vermeiden Sie übermäßige Helligkeit. Oftmals reicht ein sanftes Licht aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Fazit: Dunkelheit ist essenziell für ein gesundes Gartenökosystem

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dunkelheit ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Gartenökosystems ist. Künstliches Licht in der Nacht stört nicht nur Insekten, sondern kann auch negative Auswirkungen auf Pflanzen und andere Lebewesen haben. Als Gartenbesitzer tragen wir eine Verantwortung für die Natur in unserem direkten Umfeld. Indem wir die Lichtverschmutzung in unseren Gärten reduzieren, können wir einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt und zur Erhaltung eines natürlichen Gleichgewichts leisten. Dunkelheit ist nicht der Feind, sondern ein natürlicher und lebensnotwendiger Bestandteil unserer Umwelt.

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