Wann wird ein Baum veredelt?

Kopulation und Okulation: Zwei Veredelungsmethoden im Detail

21/12/2024

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Die Pflanzenveredelung ist eine faszinierende und uralte Kunst im Gartenbau, die es ermöglicht, die besten Eigenschaften verschiedener Pflanzen zu kombinieren. Zwei der wichtigsten und am häufigsten angewendeten Veredelungsmethoden sind die Kopulation und die Okulation. Obwohl beide Techniken dem gleichen Ziel dienen – die vegetative Vermehrung von Pflanzen unter Nutzung der Vorteile einer Unterlage – unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Durchführung und Anwendung. Dieser Artikel beleuchtet detailliert beide Methoden, ihre jeweiligen Vor- und Nachteile sowie die optimalen Anwendungsbereiche, um Ihnen ein umfassendes Verständnis für diese wichtigen gartenbaulichen Praktiken zu vermitteln.

Was versteht man unter Kopulation?
'eheliche Verbindung, Trauung, Pfropfung', entlehnt (16. Jh.) aus lat. cōpulātio (Genitiv cōpulātiōnis) 'Verbindung'.
Inhaltsverzeichnis

Was ist Kopulation?

Die Kopulation, auch bekannt als Pfropfen, ist eine Veredelungsmethode, bei der ein sogenanntes Edelreis – ein Triebstück der gewünschten Sorte – auf eine Unterlage aufgebracht wird. Der Begriff „Kopulation“ leitet sich vom lateinischen „copulare“ ab, was „verbinden“ oder „vereinigen“ bedeutet und die essenzielle Handlung dieser Technik treffend beschreibt.

Die Durchführung der Kopulation

Der Kern der Kopulation liegt in der präzisen Anpassung der Schnittflächen von Edelreis und Unterlage. Beide Partner werden mit einem schrägen Schnitt versehen, sodass möglichst große, glatte Flächen entstehen, die optimal aufeinanderpassen. Diese schrägen Schnitte werden dann so aneinandergelegt, dass die Kambiumschichten – die Wachstumsschichten direkt unter der Rinde – sich berühren. Das Kambium ist entscheidend für das Zusammenwachsen der beiden Pflanzenteile, da hier die Zellteilung stattfindet, die zur Bildung von Kallus und schließlich zur festen Verbindung führt.

Nach dem Zusammenfügen der Schnittflächen ist es unerlässlich, die Veredelungsstelle fest zu verschließen. Dies geschieht üblicherweise mit Veredelungsband, Bast oder speziellem Wachs. Der Verschluss hat mehrere wichtige Funktionen: Er schützt die empfindlichen Schnittstellen vor dem Austrocknen, verhindert das Eindringen von Schmutz und Krankheitserregern und sorgt für einen festen Halt, der das Anwachsen fördert.

Vorteile der Kopulation

  • Schnelles Anwachsen: Durch die größere Kontaktfläche zwischen Edelreis und Unterlage kann das Anwachsen bei der Kopulation oft schneller erfolgen als bei anderen Veredelungsmethoden.
  • Vielseitigkeit: Die Kopulation eignet sich für eine Vielzahl von Pflanzenarten, darunter Obstbäume, Ziergehölze und Rosen.
  • Stabile Verbindung: Die großflächige Verbindung führt zu einer stabilen und dauerhaften Veredelungsstelle.

Nachteile der Kopulation

  • Höherer Materialverbrauch: Für die Kopulation wird ein Triebstück als Edelreis benötigt, was im Vergleich zur Okulation, bei der nur eine Knospe verwendet wird, einen höheren Materialverbrauch bedeutet.
  • Genauigkeit erforderlich: Die präzisen schrägen Schnitte erfordern etwas Übung und ein scharfes Veredelungsmesser.

Was ist Okulation?

Die Okulation, auch bekannt als Augenveredelung, ist eine weitere wichtige Methode der Pflanzenveredelung. Im Gegensatz zur Kopulation wird bei der Okulation nicht ein Triebstück, sondern lediglich ein einzelnes ruhendes Auge – eine Knospe – des Edelreises verwendet. Dieses „Edelauge“ wird mit einem kleinen Stück Rinde in die Unterlage eingesetzt.

Welche Bäume können Sie zusammen pfropfen?
Pfropfen Sie beispielsweise Apfel (Malus) auf Apfel oder Zierapfel – das sind alles Äpfel. Ebenso können Sie „wilde“ Birnen als Unterlage verwenden (winterharte Birnensämlinge) und heimische Sorten darauf pfropfen. Oder Sie pfropfen Steinobst auf Steinobst – Pflaumen, Kirschen und Pfirsiche sind austauschbar.

Die Durchführung der Okulation

Die Okulation erfordert, dass sich die Rinde der Unterlage löst. Dies ist in der Vegetationsperiode der Fall, wenn das Kambium aktiv ist und sich zwischen Rinde und Holz ein dünner Film aus schwach verbundenen Zellen bildet. Dieser Zeitraum erstreckt sich in Mitteleuropa typischerweise von Ende Mai bis September.

Die gängigste Methode ist die T-Okulation. Dabei wird an der Unterlage ein T-förmiger Schnitt durch die Rinde gemacht. Zuerst ein kurzer horizontaler Schnitt, dann ein längerer vertikaler Schnitt, der am horizontalen Schnitt ansetzt. Die Rindenlappen werden vorsichtig mit einem speziellen Okuliermesser gelöst, um eine Tasche zu bilden. Aus dem Edelreis wird nun das Edelauge mit einem kleinen Rindenstück herausgeschnitten und in die Rindentasche der Unterlage eingeschoben. Anschließend wird die Rinde wieder zurückgeklappt und die Veredelungsstelle fest mit Okulationsband verschlossen.

Es gibt auch Varianten wie die umgekehrte T-Okulation (besonders für Zitruspflanzen), die Plattenokulation (für Walnuss und Hickory) und die Ringokulation. Eine besondere Form ist die Chip-Veredelung, die auch in der Vegetationsruhe möglich ist, da hier ein Chip mit Knospe, Rinde und etwas Holz eingesetzt wird und die Lösbarkeit der Rinde keine Voraussetzung ist.

Vorteile der Okulation

  • Materialsparend: Da nur eine Knospe pro Veredelung benötigt wird, ist die Okulation sehr materialsparend, besonders bei wertvollen Edelreisern.
  • Hohe Erfolgsrate: Bei korrekter Durchführung und günstigen Bedingungen ist die Erfolgsrate der Okulation sehr hoch.
  • Effiziente Vermehrung: Aus einem Edelreis können viele Edelaugen gewonnen werden, was eine effiziente Vermehrung ermöglicht.

Nachteile der Okulation

  • Abhängigkeit von der Lösbarkeit der Rinde: Viele Okulationsmethoden sind auf die Vegetationsperiode und die Lösbarkeit der Rinde angewiesen.
  • Längere Entwicklungszeit: Bei später Okulation treibt das Edelauge oft erst im folgenden Frühjahr aus, was die Entwicklungszeit verlängern kann.
  • Anfälligkeit für Austrocknung: Das kleine Edelauge ist anfälliger für Austrocknung als ein größeres Edelreis, daher ist ein sorgfältiger Verschluss wichtig.

Vergleichstabelle: Kopulation vs. Okulation

MerkmalKopulationOkulation
VeredelungsmaterialEdelreis (Triebstück)Edelauge (Knospe)
SchnittführungSchräge Schnitte an Edelreis und UnterlageT-Schnitt (oder Varianten) an der Unterlage, flacher Schnitt am Edelreis
KontaktflächeGroßKlein
ZeitpunktSpätwinter/Frühjahr (vor dem Austrieb)Vegetationsperiode (wenn Rinde lösbar ist), Chip-Veredelung auch in Ruhephase
MaterialverbrauchHöherGeringer
AnwachsgeschwindigkeitOft schnellerKann etwas langsamer sein
KomplexitätEtwas anspruchsvoller (präzise Schnitte)Einfacher zu erlernen (T-Schnitt)
Typische PflanzenObstbäume, Ziergehölze, RosenRosen (häufig), Obstbäume, Ziergehölze

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann ist der beste Zeitpunkt für Kopulation und Okulation?
Die Kopulation wird idealerweise im Spätwinter oder frühen Frühjahr durchgeführt, kurz bevor die Pflanzen austreiben. Die Okulation hingegen erfolgt während der Vegetationsperiode, typischerweise von Ende Mai bis September, wenn die Rinde der Unterlage gut lösbar ist. Die Chip-Veredelung stellt eine Ausnahme dar und kann auch in der Vegetationsruhe durchgeführt werden.
Welche Pflanzen eignen sich für Kopulation und welche für Okulation?
Beide Methoden sind vielseitig einsetzbar. Kopulation wird häufig bei Obstbäumen, Ziergehölzen und Rosen angewendet. Okulation ist besonders populär bei Rosen, aber auch bei Obstbäumen und Ziergehölzen. Die Wahl der Methode hängt oft von der Pflanzenart, dem Zeitpunkt und den persönlichen Vorlieben ab.
Was ist der Unterschied zwischen Edelreis und Edelauge?
Ein Edelreis ist ein Triebstück einer Pflanze, das bei der Kopulation verwendet wird. Es enthält mehrere Knospen und wird als Ganzes auf die Unterlage gepfropft. Ein Edelauge hingegen ist eine einzelne Knospe, die bei der Okulation verwendet wird. Es wird mit einem kleinen Stück Rinde aus dem Edelreis herausgeschnitten und in die Unterlage eingesetzt.
Wie kann ich den Erfolg einer Veredelung überprüfen?
Bei der Kopulation zeigt sich der Erfolg oft durch das Austreiben des Edelreises im Frühjahr. Bei der Okulation kann man den Erfolg nach ein bis drei Wochen anhand des Blattstiels des Edelauges überprüfen. Wenn der Blattstiel prall und grün aussieht und leicht abfällt, ist die Veredelung wahrscheinlich gelungen. Bei der Chip-Veredelung kann man auf das Anschwellen der Knospe achten.

Fazit

Sowohl die Kopulation als auch die Okulation sind wertvolle und bewährte Methoden der Pflanzenveredelung. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Pflanzenart, der Zeitpunkt und die persönlichen Präferenzen. Die Kopulation zeichnet sich durch eine schnellere Anwachsrate und eine stabile Verbindung aus, während die Okulation materialsparender und effizienter in der Vermehrung ist. Beide Techniken erfordern etwas Übung und Geschick, aber mit dem richtigen Wissen und Werkzeug können Sie erfolgreich Pflanzen veredeln und die faszinierenden Möglichkeiten der vegetativen Vermehrung im Gartenbau nutzen.

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