16/02/2026
„Kling Glöckchen klingelingeling“ – kaum ein Weihnachtslied ist in Deutschland so bekannt und beliebt wie dieses. Doch woher stammt dieses fröhliche Lied, das in der Adventszeit in vielen Stuben und auf Weihnachtsmärkten erklingt? Die Geschichte des Liedes ist überraschenderweise etwas rätselhaft und birgt mehr Fragen als man zunächst vermuten würde.

- Der Textdichter: Karl Enslin und „Christkindchens Einlass“
- Das Geheimnis der Melodie: Wer hat „Kling Glöckchen“ wirklich komponiert?
- Die Verbreitung der Melodie im 19. Jahrhundert
- Eine alternative Vertonung von Carl Reinecke
- Fazit: Ein Weihnachtslied mit Geschichte und Geheimnissen
- Häufig gestellte Fragen zu „Kling Glöckchen“
Der Textdichter: Karl Enslin und „Christkindchens Einlass“
Die Wurzeln des Liedes führen zurück ins Jahr 1854. In diesem Jahr veröffentlichte der Frankfurter Schullehrer und Dichter Karl Enslin (1819–1875) ein Gedicht mit dem Titel „Christkindchens Einlass“. Dieses Gedicht, das die Ankunft des Christkinds beschreibt, bildet die Grundlage für den uns heute bekannten Text von „Kling Glöckchen“. Enslin veröffentlichte den Text im zweiten Heft der Sammlung „Liederquelle“, die von dem Komponisten Benedikt Widmann herausgegeben wurde.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Originaltitel von Enslins Gedicht „Christkindchens Einlass“ lautete und nicht „Kling Glöckchen“. Der heutige, eingängige Titel entstand erst später im Laufe der Zeit durch die populäre Refrainzeile des Liedes.
Das Geheimnis der Melodie: Wer hat „Kling Glöckchen“ wirklich komponiert?
Während die Urheberschaft des Textes durch Karl Enslin eindeutig geklärt ist, wird es bei der Melodie komplizierter. Experten sind sich bis heute uneinig, wer die Melodie komponiert hat, die wir heute alle kennen und singen. In der Erstausgabe der „Liederquelle“ im Jahr 1854 findet sich zwar eine Vertonung von „Christkindchens Einlass“, diese stammt jedoch von dem Offenbacher Komponisten Wilhelm Speyer (1790–1878). Allerdings entspricht diese Melodie nicht der heute geläufigen Melodie von „Kling Glöckchen“.
Wer also hat die Melodie geschaffen, die Generationen von Kindern und Erwachsenen in der Weihnachtszeit begeistert? Die Antwort ist leider nicht eindeutig. Eine verbreitete Annahme ist, dass es sich um eine traditionelle deutsche Volksmelodie handelt. Diese Theorie wird dadurch gestützt, dass die Melodie in verschiedenen Liedersammlungen des 19. Jahrhunderts ohne Angabe eines Komponisten auftaucht.
Manchmal wird auch der Name Benedikt Widmann (1820–1910) als Komponist der Melodie genannt. Diese Angabe beruht jedoch vermutlich auf einer Verwechslung. Widmann war zwar der Herausgeber der „Liederquelle“, in der „Christkindchens Einlass“ erstmals veröffentlicht wurde, und er lud Komponisten ein, Enslins Texte zu vertonen. Es gibt jedoch keine stichhaltigen Beweise dafür, dass Widmann selbst die heute bekannte Melodie komponiert hat.

Die Verbreitung der Melodie im 19. Jahrhundert
Ungeachtet der ungeklärten Urheberschaft verbreitete sich die heutige Melodie von „Kling Glöckchen“ im Laufe des 19. Jahrhunderts rasch. Bereits 1862, nur wenige Jahre nach der Erstveröffentlichung von Enslins Text, erschien die Melodie in einer Sammlung von Heinrich Oberhoffer unter dem Titel „Christlichen Ankunft“. Diese Melodie wies nur geringe Abweichungen von der heute bekannten Version auf und wurde ohne Angabe eines Komponisten veröffentlicht.
Weitere Verbreitung fand die Melodie durch den Nachdruck in Johann Nepomuk Ahles Sammlung „Geistlicher Christbaum“ im Jahr 1873 und in dem deutschsprachigen Liederbuch „Liederlust und Psalter“, das Heinrich Liebhart 1882 in Cincinnati für methodistische Sonntagsschulen und Familien herausgab. Diese Funde deuten darauf hin, dass die Melodie sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Regionen und Kontexten etablierte.
Eine alternative Vertonung von Carl Reinecke
Neben der populären Melodie von „Kling Glöckchen“ existiert auch eine alternative Vertonung von Karl Enslins Text. Der Komponist Carl Reinecke (1824–1910) schuf im Jahr 1875 eine weitere musikalische Fassung unter dem Titel „Christkindchens Einlass op. 138 Nr. 2“. Diese Vertonung ist jedoch weniger bekannt und wird im Vergleich zur traditionellen Melodie seltener gesungen.
Fazit: Ein Weihnachtslied mit Geschichte und Geheimnissen
„Kling Glöckchen klingelingeling“ ist mehr als nur ein einfaches Weihnachtslied. Es ist ein Lied mit einer bewegten Geschichte und einem musikalischen Rätsel. Während der Text von Karl Enslin stammt und 1854 erstmals veröffentlicht wurde, bleibt die Urheberschaft der heute bekannten Melodie im Dunkeln. Ob Volksmelodie oder das Werk eines unbekannten Komponisten – „Kling Glöckchen“ hat sich seinen festen Platz in der deutschen Weihnachtstradition erobert und erfreut Jung und Alt mit seinem fröhlichen Klang.
Häufig gestellte Fragen zu „Kling Glöckchen“
- Wer hat den Text von „Kling Glöckchen“ geschrieben?
- Der Text stammt von dem Frankfurter Schullehrer und Dichter Karl Enslin (1819–1875). Er veröffentlichte ihn 1854 unter dem Titel „Christkindchens Einlass“.
- Wer hat die Melodie von „Kling Glöckchen“ komponiert?
- Die Urheberschaft der heute bekannten Melodie ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass es sich um eine traditionelle deutsche Volksmelodie handelt.
- Gab es eine andere Melodie für „Kling Glöckchen“?
- Ja, in der Erstausgabe von 1854 wurde eine Melodie von Wilhelm Speyer veröffentlicht, die jedoch nicht der heutigen Melodie entspricht. Zudem komponierte Carl Reinecke 1875 eine weitere Vertonung.
- Seit wann ist „Kling Glöckchen“ so beliebt?
- Die Popularität des Liedes wuchs im Laufe des 19. Jahrhunderts. Durch verschiedene Veröffentlichungen in Liedersammlungen etablierte sich die Melodie und das Lied wurde zu einem festen Bestandteil des deutschen Weihnachtsliederguts.
