15/12/2021
Die Clematis, auch Waldrebe genannt, ist eine Kletterpflanze, die mit ihrer üppigen Blütenpracht jeden Garten bereichert. Doch viele Gartenbesitzer zögern, sich an diese Schönheiten heranzuwagen, da sie als pflegeintensiv gelten. Ist das wirklich so? Und wie gelingt die Clematis-Pflege wirklich? Wir haben die Clematis-Expertin und Bloggerin Brigitte Niemela interviewt, um Ihnen die besten Tipps und Tricks für gesunde und blühfreudige Clematis direkt von der Quelle zu präsentieren.

- Wer ist Brigitte Niemela?
- Warum Clematis? Die Faszination der Waldrebe
- Die richtige Clematis-Sorte wählen: Unkomplizierte Schönheiten für jeden Garten
- Clematis schneiden: Keine Angst vor der Schere!
- Clematis-Pflege: Mehr als nur Schneiden
- Clematis und Rosen: Ein Traumpaar im Garten
- Brigittes Gartenleidenschaft: Ein Garten zum Wohlfühlen
- FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Clematis-Pflege
Wer ist Brigitte Niemela?
Brigitte Niemela ist eine passionierte Gärtnerin, die ihre Leidenschaft für Pflanzen von ihrer Großmutter und Mutter geerbt hat. Seit über zwanzig Jahren lebt sie ihren Gartentraum auf der Schwäbischen Alb und teilt ihr umfangreiches Wissen und ihre Erfahrungen auf ihrem beliebten Gartenblog clematisworld.de. Ihre Expertise und ihr grüner Daumen machen sie zu einer gefragten Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um Clematis und Gartengestaltung.
Warum Clematis? Die Faszination der Waldrebe
Was macht die Clematis so besonders? Für Brigitte Niemela begann die Faszination bereits in ihrer Kindheit, als sie die üppige Blüte einer Clematis Jackmanii am Tor zum Bauerngarten ihrer Großmutter bestaunte. Die unglaubliche Vielfalt an Blütenformen, Farben und Blütezeiten ist es, was Clematis so einzigartig macht. Von zarten, kleinblütigen Sorten bis hin zu imposanten, großblumigen Hybriden bietet die Gattung Clematis für jeden Geschmack und jeden Gartenstil das Richtige.
Brigitte schwärmt von der samtigen Textur mancher Blütenblätter und der perfekten Form der großen Blüten. Aber auch die kleinen Blüten verzaubern mit ihrem Charme. Und wenn dann noch Duft hinzukommt, ist das Glück perfekt. Besonders angetan ist sie vom Habitus der Pflanzen: Zarte, fast zerbrechlich wirkende Triebe vereinen sich mit einer enormen Wuchskraft. Der romantische Anblick, wenn blütenbesetzte Ranken locker von Sträuchern oder Bäumen herabhängen, ist einfach unwiderstehlich.
Ein weiterer großer Vorteil der Clematis ist ihre lange Blütezeit. Von April bis Oktober, und in milden Regionen sogar noch länger, finden sich blühende Sorten. Und auch der herbstliche Fruchtschmuck mancher Clematis ist ein attraktiver Blickfang.
Die richtige Clematis-Sorte wählen: Unkomplizierte Schönheiten für jeden Garten
Viele Gartenanfänger sind unsicher bei der Sortenwahl. Brigitte Niemelas eindeutiger Tipp für Einsteiger und alle, die es unkompliziert mögen, lautet: Clematis viticella. Diese Gruppe umfasst verschiedene Sorten, die alle robust, pflegeleicht und blühfreudig sind. Sie kommen mit vielen Standorten zurecht und verzeihen auch Pflegefehler. Ein weiterer Pluspunkt: Bei den Viticella-Clematis gibt es keine komplizierten Schnittgruppen zu beachten. Man kann sie jedes Jahr im Frühjahr kräftig zurückschneiden, und sie wachsen freudig auf etwa drei Meter Höhe und blühen den ganzen Sommer über.
Einige empfehlenswerte Sorten der Clematis viticella-Gruppe sind:
- 'Venosa Violacea': Ein Klassiker mit violett-weißen Blüten.
- 'Rubra': Eine robuste Sorte mit roten Blüten.
- 'Polish Spirit': Eine sehr blühfreudige Sorte mit dunkelvioletten Blüten.
Für Gartenliebhaber, die größere Blüten bevorzugen, empfiehlt Brigitte unkomplizierte großblütige Sorten wie 'Innocent Glance' oder 'Mrs Cholmondeley'. Auch diese Sorten sind relativ pflegeleicht und zeigen eine beeindruckende Blütenpracht.
Clematis schneiden: Keine Angst vor der Schere!
Das Thema Clematis-Schnitt verunsichert viele Gartenbesitzer. Doch Brigitte Niemela beruhigt: „Generell kann man dazu sagen, dass noch keine Clematis eingegangen ist, weil sie zu viel geschnitten wurde. Deshalb keine Angst vor der Schere!“ Der Schnitt dient vor allem dazu, die Pflanze gesund zu halten und die Blütenbildung im unteren Bereich zu fördern. Auch ungeschnittene Clematis blühen, aber oft nur im oberen Bereich, sodass die Blütenpracht nicht optimal zur Geltung kommt.

Es gibt jedoch Unterschiede im Schnitt, die von der Blütezeit der Clematis abhängen. Man unterscheidet grob zwei Gruppen:
- Frühjahrsblühende Clematis (z.B. Clematis montana, Clematis alpina, Clematis macropetala): Diese Clematis blühen am vorjährigen Holz und werden daher nicht im Frühjahr geschnitten. Ein Auslichtungsschnitt kann direkt nach der Blüte erfolgen, um die Pflanze in Form zu bringen und alte oder abgestorbene Triebe zu entfernen.
- Sommer- und spätblühende Clematis (z.B. Clematis viticella, Clematis x jackmanii, Clematis tangutica): Diese Clematis blühen am einjährigen Holz und werden idealerweise jedes Jahr im Frühjahr kräftig zurückgeschnitten. Ein Rückschnitt auf Kniehöhe (ca. 30-50 cm) ist empfehlenswert, um eine reiche Blüte und eine Verzweigung im unteren Bereich zu fördern.
Die Schnittgruppen im Detail:
Oftmals wird in der Clematis-Pflege von Schnittgruppen gesprochen. Diese helfen, den richtigen Schnittzeitpunkt und -umfang zu bestimmen.
| Schnittgruppe | Blütezeit | Schnittzeitpunkt und -umfang | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Gruppe 1 | Frühling (April/Mai) | Kein regelmäßiger Schnitt notwendig. Bei Bedarf Auslichtungsschnitt nach der Blüte. | Clematis alpina, Clematis armandii, Clematis macropetala, Clematis montana |
| Gruppe 2 | Frühsommer (Mai/Juni) und Nachblüte im Spätsommer | Leichter Rückschnitt im Frühjahr (Entfernung von Verblühtem und Schwachen). Optional: Nach der ersten Blüte leichter Rückschnitt, um die Nachblüte anzuregen. | Viele großblumige Hybriden wie 'Nelly Moser', 'The President', 'Multi Blue' |
| Gruppe 3 | Sommer/Spätsommer (Juli-September) | Jährlicher, kräftiger Rückschnitt im späten Winter oder frühen Frühjahr auf ca. 30-50 cm über dem Boden. | Clematis viticella, Clematis x jackmanii, Clematis tangutica, 'Perle d'Azur' |
Clematis-Pflege: Mehr als nur Schneiden
Neben dem Schnitt gibt es weitere wichtige Aspekte der Clematis-Pflege, die für eine gesunde Entwicklung und üppige Blütenpracht entscheidend sind.
- Geduld: Clematis brauchen Zeit, um sich zu etablieren. Erwarten Sie keine Höchstleistungen im ersten Jahr. Es kann bis zu drei Jahre dauern, bis sie ihre volle Pracht entfalten.
- Pflanzung: Eine gute Drainage ist unerlässlich, da Clematis Staunässe nicht vertragen. Bei der Pflanzung sollte der Boden gut gelockert und mit Kompost oder Pflanzerde verbessert werden. Großblumige Hybriden sollten etwa 5 cm tiefer gepflanzt werden, als sie im Topf standen. Dies fördert die Bildung neuer Triebe aus der Basis und schützt vor der gefürchteten Clematiswelke.
- Pflanzschnitt: Unabhängig von der Schnittgruppe profitieren alle Clematis von einem Pflanzschnitt direkt nach der Pflanzung. Dabei werden die Triebe auf etwa 20-30 cm gekürzt. Dieser Schnitt regt die Verzweigung im unteren Bereich an und sorgt für einen buschigeren Wuchs.
- Standort: Clematis bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Der vielzitierte Spruch „Die Füße im Schatten, den Kopf in der Sonne“ beschreibt die idealen Bedingungen gut. Die Wurzeln sollten beschattet sein, beispielsweise durch eine Bodendeckerschicht oder Steine. Die Blüten hingegen lieben die Sonne. Ost- und Westlagen sind ideal, aber auch Südlagen sind möglich, solange die Wasserversorgung gewährleistet ist. Einige Clematis-Arten, wie die Flammula-Gruppe, Clematis terniflora und Clematis texensis, gedeihen sogar besonders gut in voller Sonne.
- Wasserversorgung: Clematis sind durstig und benötigen besonders in Trockenperioden regelmäßige Wassergaben. Staunässe sollte jedoch unbedingt vermieden werden. Gießen Sie durchdringend, aber seltener, anstatt täglich kleine Mengen.
- Düngung: Clematis sind Starkzehrer und benötigen regelmäßige Düngergaben, um üppig zu blühen. Im Frühjahr und Sommer können Sie einen speziellen Clematis-Dünger oder einen Rosendünger verwenden. Organischer Dünger wie Kompost oder Hornspäne sind ebenfalls geeignet.
- Kletterhilfe: Clematis sind Kletterpflanzen und benötigen eine geeignete Kletterhilfe, wie z.B. ein Rankgitter, einen Obelisken oder eine Pergola. Auch natürliche Kletterhilfen wie Bäume oder Sträucher sind möglich.
Clematis und Rosen: Ein Traumpaar im Garten
Rosen und Clematis sind klassische Pflanzpartner und ergänzen sich in ihrer Schönheit und Blütezeit ideal. Beide bevorzugen ähnliche Standortbedingungen – nahrhaften, tiefgründigen Boden ohne Staunässe in sonniger bis halbschattiger Lage. Bei der Pflanzung sollte man der Rose jedoch einen kleinen Vorsprung von ein bis zwei Jahren geben, bevor man die Clematis hinzupflanzt, um ein Überwuchern der Rose zu vermeiden. Ein Pflanzabstand von etwa einem Meter ist empfehlenswert.
Neben Kletterrosen harmonieren auch Strauch- und Beetrosen wunderbar mit Clematis. Hier eignen sich niedrig bleibende Staudenclematis als ideale Partner. Aber auch viele andere Sträucher und Gehölze lassen sich wunderbar mit Clematis kombinieren. Frühblühende Gehölze wie Schneeball oder Flieder bilden mit frühblühenden Clematis wie Clematis alpina oder Clematis macropetala ein zauberhaftes Frühlingsduo. Für eine längere Blütezeit können Sie auch sommerblühende Clematis als Partner pflanzen.
Selbst in locker wachsende, immergrüne Sträucher lassen sich Clematis klettern. Hier empfiehlt Brigitte Clematis der Schnittgruppe 3, die man im Spätherbst stark zurückschneiden kann, um dem gastgebenden Gehölz die Photosynthese in den Wintermonaten zu erleichtern.
Starkwüchsige Clematis montana können, ähnlich wie Ramblerrosen, in Bäume geleitet werden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Diese Clematis können bis zu 12 Meter hoch werden und im voll belaubten Zustand ein enormes Gewicht auf den Baum legen. Daher sollten nur gesunde und stabile Bäume als Kletterhilfe gewählt werden.
Findet die Clematis keinen Partner zum Klettern, wächst sie auch am Boden entlang und kann als Bodendecker in einem gemischten Beet eingesetzt werden. Oder man pflanzt sie auf Mauerkronen und lässt sie elegant nach unten wachsen.
Brigittes Gartenleidenschaft: Ein Garten zum Wohlfühlen
Brigittes Garten ist ein Ort der Entspannung und Inspiration. Sie liebt den romantischen Stil mit Rosen, Buchs und natürlich unzähligen Clematis. Auf die Frage nach ihrem Gartentyp antwortet sie:
- Rosa oder gelb? Rosa
- Gemüse oder Blumen? Blumen
- Unkraut oder Wildkraut? Unkraut
- Gartenhandschuhe oder Erde unter den Fingernägeln? Buddeln mit Handschuhen – Rosenschneiden nur ohne
- Gerade oder geschwungene Linien? Beides
- Entspannt oder immer auf Trab? Lieber in den Beeten wuseln
Ihre liebste Gartenbeschäftigung ist das Gießen mit dem Schlauch. Dabei kann sie inmitten ihrer Blumen stehen, jede einzelne betrachten, ihre Nase in die Blüten stecken und die herrlichen Düfte genießen. Ein wahrer Gartentraum!
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Clematis-Pflege
- Wie oft muss ich Clematis gießen?
- Clematis benötigen besonders in Trockenperioden regelmäßige Wassergaben. Gießen Sie durchdringend, aber seltener, anstatt täglich kleine Mengen. Der Boden sollte zwischen den Wassergaben leicht abtrocknen.
- Welchen Dünger benötigen Clematis?
- Clematis sind Starkzehrer und benötigen regelmäßige Düngergaben. Verwenden Sie im Frühjahr und Sommer einen speziellen Clematis-Dünger oder Rosendünger. Organischer Dünger wie Kompost oder Hornspäne ist ebenfalls geeignet.
- Was tun bei Clematiswelke?
- Clematiswelke ist eine Pilzkrankheit, die zum plötzlichen Welken und Absterben von Trieben führen kann. Bei Befall sollten die betroffenen Triebe bis ins gesunde Holz zurückgeschnitten und entsorgt werden. Eine tiefe Pflanzung und gute Drainage können das Risiko der Clematiswelke verringern.
- Kann man Clematis auch im Topf pflanzen?
- Ja, viele Clematis-Sorten eignen sich auch für die Kübelpflanzung. Wählen Sie einen ausreichend großen Topf mit guter Drainage und verwenden Sie hochwertige Kübelpflanzenerde. Achten Sie auf eine ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung und einen geschützten Standort im Winter.
- Welche Clematis-Sorten sind für Anfänger geeignet?
- Clematis viticella-Sorten sind besonders robust und pflegeleicht und daher ideal für Anfänger. Auch großblumige Hybriden wie 'Innocent Glance' oder 'Mrs Cholmondeley' sind relativ unkompliziert.
Mit den Tipps von Clematis-Expertin Brigitte Niemela steht einer üppigen Blütenpracht Ihrer Clematis nichts mehr im Wege. Trauen Sie sich an diese faszinierenden Kletterpflanzen heran und verwandeln Sie Ihren Garten in ein blühendes Paradies!
