02/02/2026
Das Fällen von Bäumen ist eine anspruchsvolle und oft gefährliche Aufgabe, die Fachkenntnisse und die richtige Technik erfordert. Insbesondere in Situationen, in denen herkömmliche Fällmethoden an ihre Grenzen stoßen, sind spezielle Techniken gefragt. Dieser Artikel beleuchtet zwei besondere Schnitttechniken: den Unterhosenschnitt und den Splintschnitt, und gibt wichtige Hinweise zur sicheren Baumfällung.

Der Unterhosenschnitt: Kontrolle in schwierigen Situationen
Der Unterhosenschnitt ist eine fortschrittliche Fälltechnik, die dann zum Einsatz kommt, wenn ein normaler Fällschnitt zu riskant wird und ein traditionelles Halteband nicht mehr sicher geformt werden kann. Stellen Sie sich vor, Sie müssen einen Baum fällen, der in eine bestimmte Richtung geneigt ist oder dessen Stammstruktur ungewöhnlich ist. Hier bietet der Unterhosenschnitt eine Lösung für mehr Kontrolle.

Wie funktioniert der Unterhosenschnitt?
Die Technik des Unterhosenschnitts zeichnet sich durch einen speziellen Aufbau des Fallkerbs und des Haltebandes aus. Im Detail sieht die Vorgehensweise wie folgt aus:
- Fallkerb ansetzen: Anders als beim Standard-Fällschnitt wird der Fallkerb beim Unterhosenschnitt höher angesetzt, in einer Höhe von etwa 50 bis 60 cm über dem Boden.
- Teil-Fällschnitte von den Seiten: Nach dem Ansetzen des Fallkerbs erfolgen zwei Teil-Fällschnitte. Der erste wird von rechts, der zweite von links in Richtung des Fallkerbs geführt. Wichtig ist, dass diese Schnitte nicht durchgehend bis zum hinteren Ende des Stammes reichen.
- Das „Unterhosen“-Halteband: Zwischen den beiden Teil-Fällschnitten in der Mitte des Stammes verbleibt ein ungeschnittenes Stück Holz. Dieses Stück, das vom Ende der Bruchleiste bis zum hinteren Ende des Stammdurchmessers reicht, bildet das charakteristische Halteband des Unterhosenschnitts. Es wird als „Unterhose“ bezeichnet, da es in seiner Form an eine Unterhose erinnert. Zusammen mit der Bruchleiste sorgt dieses Halteband für zusätzliche Stabilität und Kontrolle während des Fällvorgangs.
- Durchtrennen des Haltebandes: Das Durchtrennen des Haltebandes ist der letzte Schritt und entscheidend für die kontrollierte Fällung. Es erfolgt im Stehen und mit langen Armen, idealerweise mit einer entsprechend langen Motorsäge oder einer Axt. Durch das Durchtrennen des Haltebandes wird der Vorhänger gezielt und ohne unkontrolliertes Aufplatzen zu Boden gebracht.
Vorteile des Unterhosenschnitts
- Erhöhte Kontrolle: Der Unterhosenschnitt bietet eine deutlich verbesserte Kontrolle über den Fall des Baumes, insbesondere bei Vorhängern oder Bäumen mit schwieriger Stammstruktur.
- Sicherheit: Durch das spezielle Halteband wird das Risiko des unkontrollierten Aufplatzens des Stammes minimiert, was die Sicherheit beim Fällen erheblich erhöht.
- Geeignet für schwierige Fälle: Diese Technik ist ideal für Situationen, in denen herkömmliche Methoden nicht sicher oder effektiv genug sind.
Der Splintschnitt: Vorsicht bei instabilen Bäumen und Totholz
Der Begriff Splintschnitt wird im vorliegenden Kontext nicht als spezifische Schnitttechnik, sondern eher als Warnhinweis im Zusammenhang mit der Fällung von Bäumen mit Totholz und instabilen Kronen verwendet. Es geht darum, die Gefahren zu erkennen, die von solchen Bäumen ausgehen, und die richtigen Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.
Gefahren durch Totholz und instabile Kronen
Gerade bei älteren Laubbäumen finden sich oft abgestorbene Äste in der Krone. Diese Äste können morsch sein und bei Erschütterungen, beispielsweise durch das Umkeilen oder bereits durch leichte Bewegungen des Kronendachs, unkontrolliert herabfallen. Ebenso stellen abgestorbene Bäume mit morschen Wurzeln ein erhebliches Risiko dar, da sie zeitverzögert und unkontrolliert umstürzen können. Solche Situationen können lebensgefährlich werden und erfordern höchste Vorsicht.

Sicherheitsmaßnahmen beim Umgang mit instabilen Bäumen
Bevor mit der Fällarbeit begonnen wird, ist eine sorgfältige Überprüfung des Kronenbereichs unerlässlich. Achten Sie auf:
- Totholzanteil in der Krone: Wie viele abgestorbene Äste sind vorhanden? Sind diese morsch und leicht abbrechbar?
- Stabilität des Baumes: Wirkt der Baum insgesamt stabil? Gibt es Anzeichen von Wurzelfäule oder anderen Schwächungen?
- Umfeld des Baumes: Befinden sich im Fallbereich Personen, Gebäude oder andere wertvolle Objekte? Gibt es Hindernisse, die den Fall des Baumes beeinflussen könnten?
Wenn ein hohes Gefahrenpotenzial durch Totholz oder Instabilität festgestellt wird, sollte unbedingt ein seilwindengestütztes Arbeitsverfahren in Erwägung gezogen werden. Die Fällung mit einer Seilwinde ermöglicht es, den Baum aus sicherer Entfernung und kontrolliert zu Fall zu bringen. Niemals sollte die Fällung in Richtung abgestorbener Bäume erfolgen, um das Risiko von unkontrollierten Stürzen zu minimieren.
Vorsicht beim Keilen
Auch beim Keilen, einer gängigen Methode zur Unterstützung der Fällrichtung, ist bei Bäumen mit Totholz Vorsicht geboten. Durch die Vibrationen beim Einschlagen der Keile können trockene Äste abbrechen und herabfallen. Legen Sie daher regelmäßig Schlagpausen ein und beobachten Sie die Baumkrone aufmerksam, um rechtzeitig auf herabfallende Äste reagieren zu können.

Weitere Gefahrenhinweise bei der Baumfällung
Neben den spezifischen Aspekten des Unterhosen- und Splintschnitts gibt es weitere allgemeine Gefahren, die bei der Baumfällung beachtet werden müssen:
- Steiles Gelände und schwierige Bodenverhältnisse: Erhöhen das Risiko des Abrutschens und erfordern eine besonders sorgfältige Arbeitsvorbereitung und Sicherungsmaßnahmen.
- Gleitende Stämme: Wenn der fallende Baum auf bereits liegendes Holz trifft oder beim Fällen bergab große Teile der Krone abbrechen, können Stämme unkontrolliert abgleiten. Dies ist besonders gefährlich in felsigem Gelände oder bei gefrorenem Boden.
- Gespanntes Holz (»gespannt«): Bäume, die beim Fällen andere Bäume (Unterstand) zu Boden drücken, können gefährlich gespannt sein. Diese müssen sofort nach der Fällarbeit beseitigt werden, da sie unkontrolliert zurückschnellen und schwere Verletzungen verursachen können.
Wie reagiert ein Baum auf einen starken Schnitt? Die Wuchsgesetze
Um Baumschnittmaßnahmen fachgerecht durchzuführen, ist es wichtig zu verstehen, wie Bäume auf Schnitte reagieren. Bäume folgen bestimmten Wuchsgesetzen, die ihre natürliche Entwicklung und ihren Kronenaufbau bestimmen. Diese Gesetze sind die Basis für ein harmonisches Wachstum und sollten bei jedem Baumschnitt berücksichtigt werden.
Die drei Wuchsgesetze im Überblick
- Spitzenförderung: Das erste Gesetz besagt, dass die Triebspitze eines Baumes das stärkste Wachstum aufweist. Die oberste Knospe an einem Ast treibt am kräftigsten und steilsten aus. Dies führt dazu, dass der Baum im oberen Kronenbereich stärker wächst und die unteren Bereiche beschattet werden. In der Folge können in den unteren Kronenbereichen nur noch kleine Früchte entstehen. Hier ist ein Auslichtungsschnitt erforderlich, um die Lichtverhältnisse zu verbessern und das Wachstum im gesamten Baum zu fördern.
- Oberseitenförderung: Waagerecht stehende Äste zeigen eine andere Wachstumsreaktion. Auf der Oberseite solcher Äste treiben die Knospen über die gesamte Länge mit schwachen, fast gleich großen Trieben aus. Diese Triebe sind besonders wertvoll, da aus ihnen das begehrte Fruchtholz entsteht. Fruchtholz ist die Grundlage für Blüten- und Fruchtbildung. Durch das waagerechte Binden oder Beschweren von Ästen kann dieser Prozess gezielt gefördert werden, um die Fruchtbildung anzuregen.
- Scheitelpunktförderung: Wenn sich ein Ast unter der Last von Früchten bogenförmig nach unten biegt, entsteht am höchsten Punkt des Bogens, dem Scheitelpunkt, ein neuer, kräftiger Trieb. Der untere Teil des Astes wird daraufhin nur noch schwach oder gar nicht mehr wachsen. Dieses Prinzip wird beim Verjüngungsschnitt genutzt. Dabei werden die Teile des Astes unterhalb des Scheitelpunkt-Austriebs abgeschnitten, um das Wachstum auf den neuen Trieb zu konzentrieren und den Baum zu verjüngen.
Tipp: Baumschnittkurse besuchen
Um den richtigen Baumschnitt zu erlernen und die Wuchsgesetze der Bäume besser zu verstehen, empfiehlt es sich, einen Baumschnittkurs zu besuchen. Viele Baumschulen, Fachhändler und örtliche Obst- und Gartenbauvereine bieten regelmäßig Kurse an, in denen Sie unter fachkundiger Anleitung die Grundlagen und Techniken des Baumschnitts erlernen können. So werden Sie zum Baumschnitt-Experten und können Ihre Bäume gesund und ertragreich halten.
