Wo stehen die 7000 Eichen von Beuys?

Joseph Beuys' 7000 Eichen: Ein Wald für Kassel

20/10/2024

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Joseph Beuys' Werk '7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung' ist weit mehr als nur eine Baumpflanzaktion. Es ist eine tiefgreifende künstlerische Intervention, die seit 1982 das Stadtbild von Kassel prägt und weltweit Beachtung findet. Dieses ambitionierte Projekt, gestartet zur documenta 7, verbindet Natur und Kunst auf einzigartige Weise und setzt ein starkes Zeichen für ökologisches Bewusstsein und soziale Verantwortung.

Wo stehen die 7000 Eichen von Beuys?
Unter dem Titel „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ ließ Beuys 1982 zum Start der documenta 7 zuerst 7000 Basaltstelen als ein keilförmiges Dreieck auf dem Friedrichsplatz vor dem Fridericianum in Kassel aufhäufen.
Inhaltsverzeichnis

Die Entstehung und Idee hinter den 7000 Eichen

Im Jahr 1982 präsentierte Joseph Beuys zur documenta 7 in Kassel zunächst 7000 Basaltstelen auf dem Friedrichsplatz. Diese Steine bildeten ein keilförmiges Dreieck vor dem Museum Fridericianum und dienten als Ausgangspunkt für ein außergewöhnliches Vorhaben. Beuys' Vision war es, 7000 Bäume in der Stadt zu pflanzen, und zwar in Verbindung mit diesen Basaltstelen. Der Titel 'Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung' verdeutlichte seinen Anspruch, die Stadt ökologisch aufzuwerten und gleichzeitig eine Diskussion über die Beziehung zwischen Mensch, Natur und urbanem Raum anzustoßen.

Beuys sah die Aktion als einen „symbolischen Beginn für ein Unternehmen, das Leben der Menschheit zu regenerieren“. Er war überzeugt, dass Bäume mehr als nur Pflanzen sind. Für ihn waren sie „wesenhafte Subjekte“, denen Rechte zustünden. In einer Zeit, in der Baumstreifen in Städten oft Straßenverbreiterungen weichen mussten, wollte Beuys den Bäumen ihren Platz zurückgeben und ein Zeichen für eine ökologischere und menschlichere Stadtentwicklung setzen.

Die Finanzierung des Projekts

Ein solches Großprojekt erforderte erhebliche finanzielle Mittel. Die Dia Art Foundation aus New York leistete einen ersten Beitrag, doch der Großteil der Finanzierung sollte durch Spenden von Privatpersonen, Firmen und Institutionen erfolgen. Die Idee war einfach: Für eine Spende von 500 DM konnte ein Basaltblock entfernt und an anderer Stelle ein Baum gepflanzt werden, dem der Steinblock dann zugeordnet wurde. Plakate riefen zur Beteiligung auf, doch trotz Beuys' internationaler Bekanntheit reichten die Spenden zunächst nicht aus.

Um das Projekt zu retten, griff Beuys zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Er zerlegte öffentlich eine Kopie der Zarenkrone und schmolz sie ein, um daraus die Skulptur 'Der Friedenshase' zu gießen, die für 777.000 DM verkauft wurde. Zudem drehte er 1984 einen Werbespot für japanischen Whisky, der ihm weitere 400.000 DM einbrachte. Auch der Verkauf von Eichen-Postern und die Unterstützung durch Künstlerkollegen trugen zur Finanzierung bei. Insgesamt beliefen sich die Kosten für '7000 Eichen' auf rund 4,3 Millionen Mark und machten es zu einer der teuersten Kunstaktionen seiner Zeit.

Die Umsetzung in Kassel: Bäume und Stelen im Stadtbild

Die Umsetzung des Projekts '7000 Eichen' erstreckte sich über mehrere Jahre, von 1982 bis 1987. Die letzte Basaltstele wurde erst 1987 vom Friedrichsplatz an ihren endgültigen Standort gebracht. Joseph Beuys selbst erlebte die Vollendung seines Werkes nicht mehr, da er 1986 verstarb. Seine Witwe Eva Beuys und sein Sohn Wenzel Beuys setzten das Projekt fort und pflanzten den letzten Baum am 12. Juni 1987 neben die erste Eiche vor dem Fridericianum.

Entgegen dem Titel sind es nicht ausschließlich Eichen, die im Rahmen des Projekts gepflanzt wurden. Zwar sind Stieleichen (Quercus robur) häufig vertreten, aber auch andere Laubbaumarten wie Eschen (Fraxinus excelsior), Linden (Tilia), Rosskastanien (Aesculus), Ahorn und Platanen (Platanus × acerifolia) finden sich in großer Zahl. Die Bäume wurden vorwiegend als Straßenbegleitgrün auf städtischen Flächen gepflanzt, oft auf Schul- und Kindergartengeländen oder auf Grundstücken von Wohnungsbaugesellschaften. Nur wenige Bäume stehen in Privatgärten.

Die Basaltstelen, die ursprünglich schlank und geometrisch sein sollten, stammen größtenteils aus einem Steinbruch in Nordhessen. Obwohl Beuys zunächst weniger begeistert von den weniger exakten Steinen war, akzeptierte er sie schließlich und verwendete sie auch für seine Skulptur 'Das Ende des 20. Jahrhunderts'. Jeder Baum des Projekts ist untrennbar mit einer solchen Stele verbunden, die als stummer Begleiter und als „Monument“ für den lebendigen Baum dient.

Rezeption und Wirkung des Kunstwerks

Anfangs stieß '7000 Eichen' in der Öffentlichkeit auf Unverständnis und Widerstand. Der Steinhaufen auf dem Friedrichsplatz wurde mit Farbe übergossen, und Bürger befürchteten mehr „Laub und Vogelscheiße“ als Stadtverschönerung. Ein tödlicher Motorradunfall an einem Basaltstein verstärkte die Kritik. Doch mit der Zeit, als immer mehr Bäume im Stadtbild sichtbar wurden, wandelte sich die Stimmung. Die Akzeptanz wuchs, und heute sind die Beuys-Bäume ein fester Bestandteil von Kassel und werden von vielen als Bereicherung wahrgenommen.

Die Wirkung des Werkes ist bis heute enorm. Es gibt wohl kaum jemanden in Kassel, der nicht täglich Beuys-Bäumen begegnet. Sie sind Teil des Alltags und gleichzeitig Bestandteile einer „unsichtbaren Skulptur“, die sich über die ganze Stadt erstreckt und nie als Ganzes erfassbar ist. '7000 Eichen' hat den „erweiterten Kunstbegriff“ von Beuys im öffentlichen Raum manifestiert und zeigt, wie Kunst gesellschaftliche und ökologische Prozesse anstoßen kann.

Erweiterungen und Nachwirkungen des Projekts

Die Idee der '7000 Eichen' hat Nachahmer gefunden und wurde erweitert. Das Dia Center for the Arts pflanzte 1988 fünf Bäume mit Basaltsteinen in New York, und 1996 wurde das Projekt dort um weitere 18 Bäume ergänzt. Auch in Düsseldorf steht eine Beuys-Eiche mit Basaltsäule vor dem Wirtschaftsministerium NRW.

In Kassel selbst gründete sich 1993 der Verein „7000 Eichen“, der sich dem Schutz und der Pflege der Bäume widmet. Obwohl die Zahl der Bäume nicht konstant ist, da abgestorbene Bäume nicht immer sofort ersetzt werden, bleibt das Werk lebendig und wird weiter gepflegt. Zum 30-jährigen Bestehen der '7000 Eichen' im Jahr 2012 wurde in Kassel sogar eine Joseph-Beuys-Straße eingeweiht, wo eine weitere Einheit von Baum und Stein gesetzt wurde.

Das Projekt '7000 Eichen' ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Kunst über den traditionellen Ausstellungsraum hinauswirken und einen nachhaltigen Beitrag zur Gestaltung unserer Umwelt leisten kann. Es ist ein lebendiges Kunstwerk, das sich ständig verändert und weiterwächst – so wie die Bäume selbst.

Fragen und Antworten zu den 7000 Eichen

Wo genau stehen die 7000 Eichen von Beuys in Kassel?
Die Bäume sind über das gesamte Stadtgebiet von Kassel verteilt. Viele stehen als Straßenbegleitgrün, auf Schulgeländen, in Parks und auf den Grundstücken von Wohnungsbaugesellschaften. Es gibt keine zentrale Stelle, an der alle 7000 Eichen zusammen stehen.
Sind es wirklich 7000 Eichen?
Nicht ausschließlich. Obwohl Eichen einen Großteil ausmachen, wurden auch andere Laubbaumarten wie Eschen, Linden, Ahorn und Platanen gepflanzt, um eine größere Vielfalt zu erreichen.
Was bedeuten die Basaltstelen neben den Bäumen?
Die Basaltstelen sind ein wesentlicher Bestandteil des Kunstwerks. Sie symbolisieren das Dauerhafte und Kristalline im Gegensatz zum Lebendigen und Veränderlichen der Bäume. Beuys sah sie als „Monumente“ für die Bäume.
Wer pflegt die 7000 Eichen?
Der 1993 gegründete Verein „7000 Eichen“ setzt sich für den Schutz und die Pflege der Bäume ein. Auch die Stadt Kassel ist für die Pflege der Bäume auf städtischen Flächen zuständig.
Kann man die 7000 Eichen besichtigen?
Ja, die 7000 Eichen sind ein Teil des öffentlichen Raums in Kassel und können jederzeit besichtigt werden. Es gibt keine spezielle Route, aber man begegnet den Bäumen und Stelen überall in der Stadt.

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