Was wächst auf den Kanaren?

Kanarische Pflanzenvielfalt: Ein botanisches Paradies

09/10/2024

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Die Kanarischen Inseln, ein Archipel vulkanischen Ursprungs vor der Westküste Afrikas, sind nicht nur für ihr mildes Klima und ihre atemberaubenden Landschaften bekannt, sondern auch für ihre außergewöhnliche Pflanzenvielfalt. Die isolierte Lage und die unterschiedlichen Höhenlagen haben zu einer einzigartigen Flora geführt, die sowohl Besucher als auch Botaniker gleichermaßen begeistert. Dieser Artikel beleuchtet die faszinierende Vegetation der Kanaren, von den trockenen Ostinseln bis zu den feuchten Westinseln, und stellt einige der charakteristischsten Pflanzenarten vor.

Was wächst auf den Kanaren?
Bougainvillea, Opuntien, Agaven, Aloe, Bananen und Süßkartoffeln kamen aus der neuen Welt auf die Kanaren. Mohn, Mandeln, Wein und andere Feldfrüchte stammen aus der alten Welt. Auf den Kanaren wachsen aber auch viele Endemiten, also Pflanzen, die nur hier heimisch sind.
Inhaltsverzeichnis

Die unterschiedlichen Vegetationszonen der Kanaren

Die Vegetation der Kanarischen Inseln ist stark von der geografischen Lage und den klimatischen Bedingungen geprägt. Man kann grob zwischen den trockeneren östlichen Inseln (Lanzarote und Fuerteventura) und den feuchteren westlichen Inseln (Gran Canaria, Teneriffa, La Palma, La Gomera, El Hierro) unterscheiden. Dieser Unterschied resultiert hauptsächlich aus der Höhe der Gebirge und der Passatwinde.

Trockenheitsparadies im Osten: Lanzarote und Fuerteventura

Lanzarote und Fuerteventura sind die östlichsten und trockensten Inseln des Archipels. Ihre niedrigen Gebirge verhindern, dass die Passatwolken abregnen, und die Böden sind oft sandig oder vulkanisch, was die Wasserspeicherung erschwert. Trotz dieser widrigen Bedingungen hat sich hier eine bemerkenswerte Flora entwickelt, die sich an die Trockenheit angepasst hat. Besonders faszinierend ist die Pioniervegetation auf jungen Lavafeldern, wo Flechten und erste Blütenpflanzen die karge Landschaft besiedeln. Hier lassen sich eindrucksvoll die Anpassungsmechanismen von Pflanzen an extreme Trockenheit studieren.

Feucht-trocken-Kontrast im Westen: Gran Canaria, Teneriffa, La Palma, La Gomera, El Hierro

Die westlichen Kanarischen Inseln weisen eine deutlichere Zweiteilung in feuchte und trockene Zonen auf. Die Nordostseiten, dem Passatwind zugewandt (Luvseite), sind niederschlagsreicher und profitieren zudem vom Nebel, der eine wichtige Wasserquelle darstellt. Die Kanarische Kiefer spielt hier eine Schlüsselrolle, indem sie mit ihren langen Nadeln den Nebel auskämmt und das Wasser dem Boden zuführt, von dem auch andere Pflanzen profitieren. Die Südwestseiten (Lee-Seite) hingegen sind deutlich trockener und weisen steppen- oder wüstenähnliche Vegetation auf. Hier dominieren Sukkulenten wie Kakteen, Agaven und Wolfsmilchgewächse, die Wasser in ihren Blättern oder Stämmen speichern können.

Typische Pflanzenvertreter der Kanaren

Die Flora der Kanarischen Inseln ist reich an einheimischen Arten (Endemiten) und auch an Pflanzen, die von anderswo eingeführt wurden. Viele subtropische Pflanzenarten, die von spanischen Eroberern aus dem Mittelmeerraum und der Neuen Welt mitgebracht wurden, haben sich hier etabliert. Die Kanaren dienten lange als botanische Brücke zwischen Afrika, Europa und Amerika.

Agave

Die Agave, ursprünglich aus Mexiko, ist ein typisches Beispiel für eine eingeführte Pflanze. Ihre dicken, wasserspeichernden Blätter sind auf den Kanaren allgegenwärtig. Besonders beeindruckend ist der hohe Blütenstand, der sich nach vielen Jahren bildet und nach der Blüte zum Absterben der Pflanze führt. Agaven wurden früher als Heckenpflanzen und zur Sisal-Gewinnung genutzt.

Aloe

Die Aloe ähnelt der Agave, ist aber an ihren gezackten Blatträndern und ihren auffälligen Blüten erkennbar. Auch sie ist eine Sukkulente und gut an trockene Bedingungen angepasst.

Äonium (Dachwurz)

Das Äonium, auch Dachwurz genannt, ist eine weitere sukkulente Pflanze mit typischen Blattrosetten. Es speichert Wasser in seinen dicken Blättern und wächst auf Felsen, Mauern und sogar Dächern.

Banane

Bananen spielen vor allem auf den westlichen Kanaren eine wirtschaftliche Rolle. Sie benötigen viel Wasser und werden daher künstlich bewässert. Zur Bewässerung wurden aufwendige Systeme mit Stauteichen und Wasserleitungen geschaffen.

Bougainvillea

Die Bougainvillea ist eine auffällige Kletterpflanze mit leuchtend roten, violetten oder orangenen Hochblättern. Sie ist auf den Kanaren weit verbreitet und schmückt Fassaden und Terrassen.

Drago (Drachenbaum)

Der Drachenbaum (Dracaena draco) ist eine ikonische Pflanze der Kanaren. Er ist eng mit der Yucca-Palme verwandt und kann sehr alt werden. Der älteste Drachenbaum auf Teneriffa wird auf 380 Jahre geschätzt. Der Drachenbaum war schon bei Ankunft der Spanier selten und ist heute geschützt.

Eukalyptus

Der Eukalyptus, ursprünglich aus Australien, wurde wegen seines schnellen Wachstums auf den Kanaren angepflanzt. Er verbraucht jedoch viel Wasser und kann ökologisch problematisch sein, da er andere Pflanzen in seinem Schatten unterdrückt.

Feige

Feigenbäume sind auf den Kanaren weit verbreitet und liefern im Herbst leckere Früchte.

Wilder Fenchel, Riesenfenchel und Rutenkraut

Wilder Fenchel ist eine häufige Pflanze, die oft mit Dill verwechselt wird. Das Rutenkraut, auch „Riesenfenchel“ genannt, ist jedoch nicht mit dem Fenchel verwandt und steht unter Naturschutz.

Flechten, Orchilla-Flechte

Flechten spielen eine wichtige Rolle in den Ökosystemen der Kanaren, insbesondere auf jungen Vulkanböden. Sie sind Pionierorganismen und bauen die Basis für die Ansiedlung anderer Pflanzen. Die Orchilla-Flechte war früher ein wichtiger Rohstoff für die Purpurfärbung.

Gänsedistel, Löwenzahnbaum

Die Gänsedistel ähnelt einem riesigen Löwenzahn und kann bis zu 2,50 m hoch werden.

Geranie

Geranien sind beliebte Zierpflanzen auf den Kanaren und prägen viele Gärten mit ihren leuchtenden Farben.

Kiefer

Schwarzkiefernwälder prägen vor allem die Landschaften von La Palma und Teneriffa. Die Kanarische Kiefer ist in der Lage, Nebel auszukämmen und so zur Wasserversorgung beizutragen.

Warum gibt es auf Gran Canaria so viele endemische Pflanzen?
Die große Vielfalt des gesamten Gebiets ist auf die geografischen Bedingungen des Archipels zurückzuführen, wie etwa seine subtropische Breite, seine Insellage und die vulkanische Beschaffenheit seiner Böden.

Lorbeerwälder

Lorbeerwälder sind ein Relikt aus dem Tertiär und finden sich auf den feuchten Nordostseiten der westlichen Kanareninseln. Sie sind artenreich und vermitteln eine mystische Atmosphäre.

Margerite

Margeriten bilden auf den Kanaren oft dichte Blütenmeere.

Mispel, Japanische Wollmispel

Die Mispel wird als Gartenfrucht angebaut und ist auch als Zierbaum verbreitet.

Mittagsblume, Kristall-Mittagsblume

Die Kristall-Mittagsblume wurde früher zur Sodagewinnung angebaut, insbesondere auf den trockenen Inseln wie Lanzarote.

Mohn, Klatschmohn

Mohn findet man häufig in den trockeneren Gegenden der Kanaren, wie auf Lanzarote.

Opuntie, Ohrenkaktus, Feigenkaktus - und die Schildlaus Cochinille

Der Feigenkaktus wurde aus Mexiko eingeführt und diente als Hecke und zur Zucht der Cochinilla-Schildlaus, aus der ein roter Farbstoff gewonnen wurde. Der Cochinille-Boom im 19. Jahrhundert hatte große Auswirkungen auf die kanarische Wirtschaft und Gesellschaft.

Palme, Fächerpalme und Kanarische Dattelpalme

Die Fächerpalme ist eine beliebte Zierpalme. Die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) ist eine endemische Art und prägt die Landschaft. Ihre Früchte sind nicht essbar, werden aber für Tierfutter und Likör verwendet. Aus den Wedeln werden Körbe geflochten, und auf La Palma wird Palmwein und Palmsirup gewonnen.

Papaya

Die Papaya wächst in vielen Gärten und ihre Früchte sind sehr beliebt.

Paternosterbaum

Der Paternosterbaum ist ein beliebter Zierbaum in kleineren Orten.

Strelizie

Die Strelizie, die an einen Kranich erinnert, ist eine Wahrzeichenblume der Kanaren und wird oft in Gärten angepflanzt.

Tabak, Wilder Tabak

Der Wilde Tabak (Tabaco Moro) ist ein hoher Strauch mit gelben Blüten.

Weihnachtsstern

Auch der Weihnachtsstern gehört zu den Wolfsmilchgewächsen und ist auf den Kanaren deutlich größer als in heimischen Blumentöpfen.

Wein

Der kanarische Wein ist besonders durch die Anbaubedingungen auf vulkanischen Böden. Auf Lanzarote werden spezielle Trockenfeldbaumethoden (Enarenado) angewendet, um Weinbau in trockenen Vulkanaschegebieten zu ermöglichen.

Wolfsmilch, Euphorbien

Wolfsmilchgewächse (Euphorbien) sind auf den Kanaren weit verbreitet, insbesondere in trockenen Regionen. Sie enthalten einen ätzenden weißen Saft. Verschiedene Arten wie die Balsam-Wolfsmilch, die König-Juba-Wolfsmilch und die Kandelaber-Wolfsmilch sind charakteristisch für die kanarische Flora.

Wunderbaum, Rizinus

Der Wunderbaum (Rizinus) ist ebenfalls ein Wolfsmilchgewächs und in subtropischen Regionen verbreitet.

Warum diese Vielfalt?

Die außergewöhnliche Pflanzenvielfalt der Kanarischen Inseln ist auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen: die subtropische Lage, die Insellage, die vulkanischen Böden und die unterschiedlichen Höhenlagen. Während der Eiszeiten dienten die Kanaren als Rückzugsort für Pflanzen, die in Europa ausgestorben waren. Die größte Blütenpracht entfaltet sich im Februar und März, was die Kanaren zu einem idealen Reiseziel im Frühling macht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Pflanzenwelt der Kanaren

FrageAntwort
Welche Pflanzen sind typisch für die trockenen Inseln (Lanzarote, Fuerteventura)?Sukkulenten wie Agaven, Aloe, Mittagsblumen, Wolfsmilchgewächse und Flechten.
Welche Pflanzen sind typisch für die feuchteren Inseln (Gran Canaria, Teneriffa, La Palma, La Gomera, El Hierro)?Lorbeerwälder, Kanarische Kiefern, Bananen, Drachenbäume und eine größere Vielfalt an Blütenpflanzen.
Gibt es endemische Pflanzen auf den Kanaren?Ja, viele Pflanzenarten sind endemisch, d.h. sie kommen nur auf den Kanarischen Inseln vor, wie z.B. die Kanarische Dattelpalme und der Drachenbaum.
Wann ist die beste Zeit, um die Blütenpracht auf den Kanaren zu erleben?Februar und März sind die Monate mit der größten Blütenpracht.
Warum sind die Kanaren so artenreich an Pflanzen?Die geografische Lage, die Insellage, die vulkanischen Böden und die unterschiedlichen Klimazonen tragen zur hohen Biodiversität bei.

Die Pflanzenwelt der Kanarischen Inseln ist ein faszinierendes und vielseitiges Ökosystem, das es zu entdecken gilt. Ob bei Wanderungen durch Lorbeerwälder oder beim Bestaunen der Sukkulenten in den trockenen Regionen – die botanische Vielfalt der Kanaren ist ein unvergessliches Erlebnis für Naturliebhaber.

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