12/11/2024
Johannisbeeren sind nicht nur köstlich und vielseitig verwendbar, sondern auch relativ pflegeleichte Gartenbewohner. Ein regelmäßiger Schnitt ist jedoch entscheidend, um eine reiche Ernte zu gewährleisten, die Gesundheit der Sträucher zu fördern und ihre Lebensdauer zu verlängern. Viele Gartenbesitzer fragen sich, wann und wie Johannisbeeren am besten geschnitten werden. Dieser Artikel gibt Ihnen umfassende Antworten und Anleitungen für den optimalen Johannisbeerenschnitt.
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Warum Johannisbeeren schneiden?
Der Schnitt von Johannisbeeren ist keine lästige Pflicht, sondern eine wichtige Maßnahme, die zahlreiche Vorteile mit sich bringt:
- Reichere Ernte: Durch den Schnitt wird die Bildung neuer Fruchttriebe angeregt und die Fruchtqualität verbessert. Die Beeren werden größer und aromatischer.
- Gesunde Pflanzen: Ein ausgelichteter Strauch ist besser belüftet und trocknet nach Regen schneller ab. Dies beugt Pilzkrankheiten vor und reduziert das Risiko von Schädlingsbefall.
- Längere Lebensdauer: Regelmäßiger Schnitt verjüngt die Sträucher und hält sie vital. So können Sie viele Jahre lang Freude an Ihren Johannisbeeren haben.
- Einfachere Ernte: Durch einen gezielten Schnitt bleiben die Sträucher übersichtlich und die Beeren sind leichter zugänglich für die Ernte.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Johannisbeerenschnitt?
Es gibt zwei Hauptzeitpunkte für den Johannisbeerenschnitt: den Winterschnitt im Spätwinter/Frühjahr und den Sommerschnitt während oder nach der Ernte. Beide Schnittzeiten haben ihre Vor- und Nachteile:
Winterschnitt (Spätwinter/Frühjahr)
Der Winterschnitt erfolgt idealerweise zwischen Mitte Februar und Anfang März, bevor die Johannisbeeren neu austreiben. Zu diesem Zeitpunkt sind die Sträucher laublos, wodurch Sie einen guten Überblick über die Struktur und die Triebe haben.

Vorteile des Winterschnitts:
- Bessere Übersicht: Durch das fehlende Laub sind alle Triebe gut sichtbar und der Schnitt kann präziser durchgeführt werden.
- Pflanzenreaktion: Die Johannisbeeren können optimal auf die Schnittwunden reagieren, da sie mit dem beginnenden Wachstumsprozess gleichzeitig die Wundheilung einleiten.
- Anregung des Austriebs: Der Winterschnitt fördert den Neuaustrieb und somit die Bildung neuer Fruchttriebe.
Wichtig beim Winterschnitt: Schneiden Sie nicht bei Temperaturen unter -5 Grad Celsius, da das Holz sonst spröde sein und brechen kann.
Sommerschnitt (zur oder nach der Ernte)
Der Sommerschnitt wird direkt während der Ernte oder unmittelbar danach durchgeführt. Dieser Schnitt ist besonders bei Schwarzen Johannisbeeren von Bedeutung, kann aber auch bei Roten und Weißen Johannisbeeren angewendet werden.

Vorteile des Sommerschnitts:
- Förderung der Knospenbildung: Der Sommerschnitt regt die Bildung von Blütenknospen für das kommende Jahr an.
- Holzreife: Er fördert die Ausreife des Holzes, was die Winterhärte der Pflanzen verbessert.
- Bessere Wundheilung: Schnittwunden heilen im Sommer schneller und besser.
- Belichtung und Abtrocknung: Jungtriebe werden besser belichtet und können nach Regen schneller abtrocknen, was Pilzkrankheiten vorbeugt.
Kombination von Winter- und Sommerschnitt: Es empfiehlt sich, den Sommerschnitt durch einen Winterschnitt zu ergänzen, um sicherzustellen, dass keine Triebe übersehen wurden und die Struktur des Strauchs optimal ist.
Wie schneide ich Johannisbeeren richtig? – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Der Johannisbeerenschnitt ist nicht kompliziert, wenn man die grundlegenden Prinzipien beachtet. Hier eine Anleitung für den Winterschnitt:
- Werkzeug vorbereiten: Verwenden Sie eine scharfe und saubere Gartenschere oder eine Astschere für dickere Triebe.
- Überblick verschaffen: Betrachten Sie den Strauch genau und identifizieren Sie alte, schwache, kranke oder nach innen wachsende Triebe.
- Alte Triebe entfernen: Entfernen Sie zunächst die ältesten und dicksten Triebe direkt am Ansatz über dem Boden. Bei Roten und Weißen Johannisbeeren sind dies in der Regel Triebe, die älter als drei bis vier Jahre sind. Bei Schwarzen Johannisbeeren können auch ältere Triebe entfernt werden, da sie tendenziell an den jungen Trieben die besten Früchte tragen. Erkennen können Sie alte Triebe an ihrer dunkleren Farbe und dicken Rinde.
- Schwache und kranke Triebe entfernen: Schneiden Sie dünne, schwache, beschädigte oder von Krankheiten befallene Triebe ebenfalls bodennah ab.
- Nach innen wachsende Triebe entfernen: Entfernen Sie Triebe, die nach innen in den Strauch hineinwachsen, da sie für eine schlechte Belüftung sorgen und die Ernte erschweren.
- Fruchttriebe erhalten: Lassen Sie die jungen, einjährigen Triebe stehen. Sie sind an ihrer helleren Farbe und glatten Rinde erkennbar und tragen im kommenden Jahr die meisten Früchte. Bei Roten und Weißen Johannisbeeren können Sie auch einige zwei- und dreijährige Triebe stehen lassen.
- Auslichten: Achten Sie darauf, den Strauch insgesamt auszulichten, sodass er eine offene, vasenartige Form erhält. Zwischen den Trieben sollte genügend Platz für Licht und Luft sein.
- Endkontrolle: Überprüfen Sie nach dem Schnitt noch einmal den Strauch und entfernen Sie gegebenenfalls weitere störende Triebe.
Tipp für den Sommerschnitt: Beim Sommerschnitt können Sie vor allem lange, überhängende Triebe einkürzen, um die Ernte zu erleichtern und die Belichtung zu verbessern. Entfernen Sie auch hier kranke oder schwache Triebe.
Johannisbeeren vermehren durch Stecklinge
Johannisbeeren lassen sich sehr einfach durch Stecklinge vermehren. Der beste Zeitpunkt für die Stecklingsgewinnung ist der Spätwinter oder das frühe Frühjahr, also die gleiche Zeit wie für den Winterschnitt.

So gehen Sie vor:
- Stecklinge schneiden: Schneiden Sie etwa 20-30 cm lange, einjährige Triebe von gesunden Johannisbeersträuchern. Der Schnitt sollte glatt unterhalb eines Auges erfolgen.
- Blätter entfernen: Entfernen Sie die unteren Blätter der Stecklinge, sodass nur noch am oberen Ende einige Blätter verbleiben.
- Stecklinge stecken: Stecken Sie die Stecklinge etwa zwei Drittel tief in einen vorbereiteten Boden. Dies kann direkt im Garten an einem geschützten Ort oder in Töpfen mit Anzuchterde geschehen.
- Feucht halten: Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht, aber vermeiden Sie Staunässe.
- Wurzelbildung abwarten: Die Stecklinge wurzeln in der Regel innerhalb weniger Wochen. Im Herbst oder im nächsten Frühjahr können die jungen Johannisbeerpflanzen dann an ihren endgültigen Standort umgepflanzt werden.
Die Vermehrung durch Stecklinge ist eine kostengünstige und einfache Methode, um Ihren Johannisbeerbestand zu erweitern oder neue Sorten zu gewinnen.
Verrieseln bei Johannisbeeren – Ursachen und Vorbeugung
Das sogenannte Verrieseln bei Johannisbeeren, also das Abwerfen von Blüten oder jungen Früchten, kann verschiedene Ursachen haben. Häufige Gründe sind:
- Trockenheit: Wassermangel während der Blütezeit kann zu Verrieseln führen. Achten Sie auf eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit, besonders in trockenen Perioden.
- Spätfröste: Spätfröste während der Blüte können die empfindlichen Blüten schädigen und zu Verrieseln führen. Schützen Sie Ihre Sträucher bei Bedarf mit Vlies oder ähnlichem.
- Niedrige Temperaturen während der Blüte: Kühle Temperaturen während der Blütezeit können die Bestäubung beeinträchtigen, was ebenfalls zu Verrieseln führen kann.
- Sortenwahl: Einige Johannisbeersorten sind anfälliger für Verrieseln als andere. Pflanzen Sie robuste und bewährte Sorten.
- Bestäubung: Obwohl Johannisbeeren selbstfruchtbar sind, kann die Pflanzung mehrerer Sorten in der Nähe die Bestäubung verbessern und das Verrieseln reduzieren.
Ein regelmäßiger und korrekter Schnitt trägt indirekt zur Vorbeugung von Verrieseln bei, da er die Pflanzengesundheit insgesamt stärkt und für optimale Bedingungen für Blütenbildung und Fruchtansatz sorgt.
Fazit
Der Johannisbeerenschnitt ist ein wichtiger Bestandteil der Gartenpflege und trägt maßgeblich zu einer reichen Ernte und gesunden Pflanzen bei. Ob Winterschnitt oder Sommerschnitt – beide Zeitpunkte haben ihre Berechtigung und Vorteile. Mit der richtigen Technik und etwas Übung werden Sie bald zum Experten für den Johannisbeerenschnitt und können sich auf eine üppige Johannisbeerenernte freuen. Und vergessen Sie nicht: Aus den Schnittresten lassen sich ganz einfach neue Johannisbeerpflanzen ziehen!
