11/09/2023
Johann Jakob Blumer ist eine bedeutende Persönlichkeit der Schweizer Geschichte des 19. Jahrhunderts, deren Wirken eng mit dem Kanton Glarus und der Entwicklung des Schweizer Bundesstaates verbunden ist. Sein Leben und seine Karriere spiegeln die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit wider. Doch wer war dieser Mann genau, und welche Rolle spielte die Sprache in seinem Umfeld, insbesondere im Kanton Glarus?
Wer war Johann Jakob Blumer?
Johann Jakob Blumer wurde im 19. Jahrhundert geboren und absolvierte seine Ausbildung am Gymnasium in Schaffhausen von 1834 bis 1836. Anschließend widmete er sich dem Studium der Rechtswissenschaften, das ihn von 1836 bis 1840 durch verschiedene Universitäten in der Schweiz und in Deutschland führte. Diese akademische Ausbildung legte den Grundstein für seine spätere erfolgreiche Karriere im juristischen und politischen Bereich.

Juristische Karriere und Präsidentschaft des Bundesgerichts
Nach Abschluss seines Studiums trat Blumer in den juristischen Dienst ein und war an verschiedenen Gerichten tätig. Seine juristische Expertise und sein Engagement führten ihn schließlich an die Spitze der Schweizer Justiz. In den Jahren 1858, 1868 und 1871 wurde Johann Jakob Blumer zum Präsidenten des Schweizer Bundesgerichts gewählt. Besonders hervorzuheben ist seine erneute Wahl nach der Totalrevision im Jahr 1874, was seine hohe Anerkennung und sein unbestrittenes Ansehen innerhalb der Schweizer Justizlandschaft unterstreicht. Das Bundesgericht ist das höchste Gericht der Schweiz, und seine Präsidentschaft ist ein Beweis für Blumers herausragende juristische Fähigkeiten und seine Fähigkeit, komplexe rechtliche Herausforderungen zu meistern.
Politische Tätigkeit im Ständerat
Neben seiner juristischen Karriere war Blumer auch politisch aktiv. Er vertrat den Kanton Glarus von 1848 bis 1872 und erneut von 1873 bis 1874 im Ständerat. Der Ständerat ist die kleine Kammer des Schweizer Parlaments und repräsentiert die Kantone. In dieser Funktion setzte sich Blumer als liberaler Anhänger des Schweizer Bundesstaates ein. Sein Engagement im Ständerat zeigt sein Interesse an der Gestaltung der politischen Landschaft der Schweiz und sein Bekenntnis zu liberalen Werten. Er war ein Verfechter eines starken Bundesstaates und trug zur Festigung der nationalen Einheit bei.
Journalistische Tätigkeit für die NZZ
Johann Jakob Blumers Interessen waren vielfältig, und er war nicht nur im juristischen und politischen Bereich tätig, sondern auch im Journalismus. Er arbeitete als Redakteur für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), eine der renommiertesten Zeitungen der Schweiz. Diese Tätigkeit ermöglichte es ihm, seine Ansichten einem breiteren Publikum zu vermitteln und an der öffentlichen Meinungsbildung teilzunehmen. Die NZZ war und ist bekannt für ihre liberale und wirtschaftsfreundliche Ausrichtung, was gut mit Blumers politischen Überzeugungen übereinstimmte.
Privatleben
Auch über das Privatleben von Johann Jakob Blumer ist einiges bekannt. Er heiratete 1843 Susanna Blumer-Heer. Diese Ehe schloss er in einer Zeit, in der seine Karriere gerade begann, und sie dürfte ihm sicherlich Rückhalt und Unterstützung in seinem anspruchsvollen Berufsleben gegeben haben.
Die deutsche Sprache in Glarus: Hochdeutsch und Schweizerdeutsch
Der Kanton Glarus ist Teil der deutschsprachigen Schweiz, obwohl die Schweiz insgesamt vier offizielle Landessprachen hat: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Im Kanton Glarus ist Deutsch die Amtssprache, und es ist wichtig zu verstehen, dass es innerhalb des Deutschen in der Schweiz Unterschiede gibt, insbesondere zwischen Hochdeutsch und Schweizerdeutsch.

Hochdeutsch und seine Rolle
Hochdeutsch ist die Schriftsprache und wird in der Schweiz in Schulen gelehrt. Es ist die Sprache der offiziellen Dokumente, der Nachrichten im Radio und Fernsehen (zumindest teilweise) und der Bücher. Für Menschen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, ist Hochdeutsch in der Regel die erste Variante, mit der sie in Kontakt kommen. Es ist wichtig zu betonen, dass Hochdeutsch in der Schweiz als Standardsprache fungiert und für die überregionale Kommunikation unerlässlich ist.
Schweizerdeutsch im Alltag
Im Alltag jedoch, und somit auch im Kanton Glarus, sprechen die Menschen Schweizerdeutsch. Schweizerdeutsch ist keine einheitliche Sprache, sondern eine Sammlung von alemannischen Dialekten, die sich regional stark unterscheiden können. Diese Dialekte sind so unterschiedlich vom Hochdeutschen, dass sie für Sprecher des Hochdeutschen, selbst mit guten Deutschkenntnissen, oft schwer zu verstehen sind. Die Unterschiede betreffen die Aussprache, den Wortschatz und die Grammatik. Schweizerdeutsch ist die Sprache der Familie, der Freunde, der lokalen Geschäfte und des informellen Austauschs.
Umgang mit Schweizerdeutsch als Ausländer
Für Ausländer, die in die Schweiz kommen oder mit Schweizern in Kontakt treten, kann Schweizerdeutsch eine Herausforderung darstellen. Es wird in der Regel nicht erwartet, dass Ausländer Schweizerdeutsch sprechen, aber es wird geschätzt, wenn sie nach einiger Zeit beginnen, es zu verstehen. Viele Schweizer sind es gewohnt, bei Bedarf ins Hochdeutsche zu wechseln, insbesondere im Kontakt mit Nicht-Schweizerdeutschsprachigen. Es ist daher völlig legitim, Schweizerinnen und Schweizer zu bitten, Hochdeutsch zu sprechen, wenn man Schwierigkeiten hat, Schweizerdeutsch zu verstehen. Die meisten werden dies gerne tun.
Sprache als Teil der Identität
Die Verwendung von Schweizerdeutsch ist ein wichtiger Teil der kulturellen Identität in der Deutschschweiz. Es ist ein Zeichen von Zugehörigkeit und lokaler Verbundenheit. Gleichzeitig ist das Hochdeutsche wichtig für die nationale und internationale Kommunikation. Diese Zweisprachigkeit im Alltag ist ein charakteristisches Merkmal der Deutschschweiz.
Fazit
Johann Jakob Blumer war eine bedeutende Persönlichkeit des Kantons Glarus und der Schweiz. Sein Wirken als Jurist, Politiker und Redakteur trug zur Entwicklung des Schweizer Bundesstaates bei. Gleichzeitig lebte und wirkte er in einem Umfeld, in dem die deutsche Sprache in ihrer dialektalen Form, dem Schweizerdeutsch, eine zentrale Rolle im Alltag spielte, während das Hochdeutsch als Schriftsprache und für formelle Anlässe diente. Das Verständnis dieser sprachlichen und kulturellen Kontexte ist wichtig, um die Geschichte und die Gegenwart der Schweiz und ihrer Kantone wie Glarus vollständig zu erfassen.
