Was verursacht Hypoxie bei Pflanzen?

Pflanzen unter Sauerstoffmangel: Hypoxie-Stress

14/03/2023

Rating: 5 (4213 votes)

Pflanzen sind, wie die meisten Lebewesen, auf Sauerstoff für ihre grundlegenden Lebensprozesse angewiesen. Sauerstoffmangel, auch bekannt als Hypoxie, stellt eine erhebliche Herausforderung für Pflanzen dar und kann weitreichende Auswirkungen auf ihre physiologischen Funktionen, ihr Wachstum und letztendlich ihren Ertrag haben. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Reaktionen von Pflanzen auf Sauerstoffmangel, die zugrunde liegenden Mechanismen und mögliche Strategien zur Milderung der negativen Folgen.

Wie reagieren Pflanzen auf Sauerstoffmangel?
Der Sauerstoffmangel wird in der Pflanze durch spezielle Eiweiße wahrgenommen und es werden überlebensnotwendige Zellreaktionen ausgelöst: Umstellung auf anaerobe Zellatmung. ATP wird dabei für eine kurze Zeit ohne Sauerstoff produziert; jedoch entstehen nur 2 Moleküle anstelle von 38 unter aeroben Bedingungen.19. Sept. 2024
Inhaltsverzeichnis

Ursachen von Hypoxie bei Pflanzen

Hypoxie bei Pflanzen kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, die grob in zwei Kategorien eingeteilt werden können: Umweltbedingte Hypoxie und Entwicklungsbedingte Hypoxie.

Umweltbedingte Hypoxie

Die häufigste Ursache für umweltbedingte Hypoxie ist die Überflutung von Böden. Wenn Böden mit Wasser gesättigt sind, wird der Gasaustausch zwischen Boden und Atmosphäre stark eingeschränkt. Wasser verdrängt die Luft in den Bodenzwischenräumen und reduziert so die Sauerstoffverfügbarkeit für die Pflanzenwurzeln drastisch. Dieser Zustand wird als Wassersättigung oder Staunässe bezeichnet. Starke Regenfälle, schlechte Bodendrainage oder auch Überbewässerung können zu solchen Bedingungen führen.

Bei einer Überflutung ist nicht nur der Sauerstoffmangel ein Problem. Die Diffusion von Sauerstoff im Wasser ist viel langsamer als in der Luft. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung der tiefer liegenden Wurzelteile zusätzlich erschwert. Die mikrobielle Aktivität im Boden, insbesondere die von aeroben Mikroorganismen, trägt ebenfalls zum Sauerstoffverbrauch bei und verschärft den Mangelzustand.

Entwicklungsbedingte Hypoxie

Entwicklungsbedingte Hypoxie tritt auch unter normalen Sauerstoffbedingungen auf und ist auf die Anatomie und Physiologie bestimmter Pflanzenteile zurückzuführen. In dichten Geweben wie Samen, Früchten, Speicherorganen (z.B. Kartoffelknollen) und auch in schnell wachsenden Meristemen kann die Sauerstoffdiffusion begrenzt sein. In diesen Fällen kann es in den inneren Bereichen dieser Organe zu lokalen Sauerstoffmangelzuständen kommen, selbst wenn die Pflanze insgesamt ausreichend mit Sauerstoff versorgt ist.

Beispielsweise kann im Zentrum einer wachsenden Kartoffelknolle die Sauerstoffkonzentration auf bis zu 5% sinken, was zu Hypoxie führt. Auch in den Leitbündeln, insbesondere im Phloem, kann aufgrund der dichten Zellstruktur und des hohen Stoffwechselbedarfs Hypoxie herrschen.

Auswirkungen von Hypoxie auf Pflanzen

Sauerstoffmangel hat vielfältige negative Auswirkungen auf Pflanzen, die sich sowohl auf zellulärer als auch auf der Ebene des gesamten Organismus manifestieren.

Was ist Hypoxie im Boden?
Unter Hypoxie-Stress in der Landwirtschaft versteht man einen Zustand, in dem Pflanzen in ihrer Wachstumsumgebung unter Sauerstoffmangel leiden, weil sie teilweise oder vollständig von Regenwasser überschwemmt sind.

Physiologische Auswirkungen

  • Reduzierte Zellpermeabilität: Hypoxie kann zu erhöhtem osmotischem Stress in den Zellen führen, was die Fähigkeit der Pflanzen beeinträchtigt, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen.
  • Beeinträchtigte Nährstoffaufnahme: Die Aufnahme von Nährstoffen durch die Wurzeln ist ein energieabhängiger Prozess, der unter Sauerstoffmangelbedingungen eingeschränkt wird. Insbesondere die Aufnahme von Stickstoff, Phosphor und Kalium kann reduziert sein.
  • Oxidativer Stress: Hypoxie kann die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) in den Zellen erhöhen. ROS sind schädliche Moleküle, die Zellstrukturen wie Membranen, Proteine und DNA schädigen können.
  • Gestörter Stoffwechsel: Der aerobe Stoffwechsel, der in den Mitochondrien stattfindet und den Großteil der zellulären Energie liefert, ist unter Sauerstoffmangelbedingungen eingeschränkt. Pflanzen schalten dann auf anaerobe Stoffwechselwege wie die alkoholische Gärung um, die jedoch weniger effizient in der Energieproduktion sind und toxische Nebenprodukte wie Ethanol produzieren können.
  • Reduzierte Photosynthese: Hypoxie kann die Photosyntheserate verringern, was zu einer geringeren Produktion von Kohlenhydraten und damit zu Energiemangel führt.

Morphologische Veränderungen

  • Wurzelsterben: Sauerstoffmangel führt zur Erstickung der Wurzelzellen und kann zum Absterben von Wurzelgewebe führen. Dies beeinträchtigt die Wasser- und Nährstoffaufnahme zusätzlich und macht die Pflanze anfälliger für Krankheiten.
  • Epinastie und Hyponastie: Hypoxie kann hormonelle Veränderungen auslösen, die zu abnormalem Blattwachstum führen. Epinastie beschreibt das verstärkte Wachstum der Blattoberseite, was zu einem Herunterbiegen der Blätter führt, während Hyponastie das verstärkte Wachstum der Blattunterseite und ein Aufbiegen der Blätter verursacht.
  • Verändertes Sprosswachstum: Je nach Pflanzenart und Dauer des Sauerstoffmangels kann Hypoxie das Sprosswachstum entweder hemmen oder fördern. Einige Pflanzenarten zeigen ein beschleunigtes Sprosswachstum als Anpassungsstrategie, um aus dem überfluteten Bereich herauszuwachsen (siehe LOES unten).

Pflanzliche Anpassungsstrategien an Hypoxie

Pflanzen haben verschiedene Strategien entwickelt, um mit Sauerstoffmangel umzugehen. Diese Anpassungen können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden:

Vermeidungsstrategien

  • Aerenchymbildung: Viele Pflanzen entwickeln unter Hypoxie Aerenchym, ein Gewebe mit großen Interzellulärräumen. Aerenchym ermöglicht den effizienteren Transport von Sauerstoff von den oberirdischen Pflanzenteilen zu den Wurzeln.
  • Barriere gegen radialen Sauerstoffverlust (ROL-Barriere): Einige Pflanzen, insbesondere Wasserpflanzen, bilden eine ROL-Barriere in den Wurzeln. Diese Barriere reduziert den Sauerstoffverlust aus den Wurzeln in das sauerstoffarme Bodenmilieu und verbessert so die Sauerstoffversorgung der Wurzelspitze.
  • Hypertrophierte Lentizellen: Holzige Pflanzen können unter Hypoxie Lentizellen vergrößern. Diese Poren in der Rinde verbessern den Gasaustausch zwischen Pflanze und Umgebung.

Toleranzstrategien

  • Low Oxygen Escape Syndrome (LOES): Einige Pflanzenarten reagieren auf Überflutung mit dem LOES. Dabei investieren sie verstärkt in das Wachstum der oberirdischen Pflanzenteile, um so schnell wie möglich die Wasseroberfläche zu erreichen und wieder Zugang zu Sauerstoff und Sonnenlicht zu erhalten. Diese Strategie ist jedoch energieaufwendig und kann die Kohlenhydratreserven der Pflanze erschöpfen.
  • Low Oxygen Quiescence Syndrome (LOQS): Andere Pflanzenarten verfolgen das LOQS. Sie reduzieren ihren Stoffwechsel und stellen das Wachstum ein, um Energie zu sparen und die Hypoxieperiode zu überdauern. Nach Abklingen des Sauerstoffmangels nehmen sie das Wachstum wieder auf.
  • Anpassung des Stoffwechsels: Pflanzen unter Hypoxie passen ihren Stoffwechsel an. Die Aktivität anaerober Enzyme wie Alkoholdehydrogenase (ADH) und Pyruvatdecarboxylase (PDC) wird erhöht, um die alkoholische Gärung zu ermöglichen und zumindest eine minimale Energieversorgung sicherzustellen.

Hypoxie in Pflanzen-Mikroben-Interaktionen

Hypoxie spielt auch eine Rolle in den Interaktionen zwischen Pflanzen und Mikroorganismen.

Symbiotische Stickstofffixierung

In Leguminosen ist die symbiotische Stickstofffixierung durch Rhizobien auf hypoxische Bedingungen angewiesen. Das Enzym Nitrogenase, das für die Stickstofffixierung verantwortlich ist, wird durch Sauerstoff inaktiviert. Die Wurzelknöllchen, in denen die Rhizobien leben, schaffen daher ein sauerstoffarmes Milieu, um die Nitrogenaseaktivität zu schützen.

Pflanzenpathogene

Auch bei der Interaktion mit pathogenen Mikroorganismen kann Hypoxie eine Rolle spielen. Infektionen mit bestimmten Pathogenen wie Plasmodiophora brassicae (Kohlhernieerreger) oder Agrobacterium tumefaciens (Agrobakterien) können in den infizierten Pflanzengeweben Hypoxie induzieren. Dies könnte auf einen erhöhten Sauerstoffverbrauch durch den Pathogen oder die pflanzliche Abwehrreaktion zurückzuführen sein.

Interessanterweise spielen ERF-VII Proteine, die unter Hypoxie stabilisiert werden, eine Rolle sowohl in der Hypoxieantwort der Pflanze als auch in der Abwehr gegen Pathogene. Dies deutet auf eine komplexe Interaktion zwischen Hypoxie und Pflanzenimmunität hin.

Biostimulanzien zur Bekämpfung von Hypoxie-Stress

Angesichts der negativen Auswirkungen von Hypoxie-Stress sind Strategien zur Milderung dieser Auswirkungen in der Landwirtschaft von großer Bedeutung. Biostimulanzien bieten hier vielversprechende Ansätze.

Phylgreen Produkte

Phylgreen Produkte, basierend auf der Meeresalge Ascophyllum nodosum, sind Biostimulanzien, die nachweislich die Stresstoleranz von Pflanzen verbessern. Sie enthalten Wirkstoffe wie Mannitol, Alginate, Polysaccharide und Polyphenol-Antioxidantien, die Pflanzen vor oxidativem Stress schützen und die physiologischen Funktionen unter Stressbedingungen unterstützen.

Wie reagieren Pflanzen auf Sauerstoffmangel?
Der Sauerstoffmangel wird in der Pflanze durch spezielle Eiweiße wahrgenommen und es werden überlebensnotwendige Zellreaktionen ausgelöst: Umstellung auf anaerobe Zellatmung. ATP wird dabei für eine kurze Zeit ohne Sauerstoff produziert; jedoch entstehen nur 2 Moleküle anstelle von 38 unter aeroben Bedingungen.19. Sept. 2024

Die schonende Extraktion der Wirkstoffe aus Ascophyllum nodosum in Phylgreen Produkten bewahrt deren natürliche Aktivität und macht sie zu einer effektiven Lösung zur Vorbeugung und Überwindung von abiotischem Stress wie Hypoxie.

Delfan Plus

Delfan Plus ist eine weitere Biostimulanz, die reich an freien L-α-Aminosäuren ist. Aminosäuren sind essentielle Bausteine für Proteine und spielen eine wichtige Rolle im Pflanzenstoffwechsel und in der Stressabwehr. Delfan Plus unterstützt die Pflanzen bei der Wiederherstellung des Stoffwechsels nach Stressereignissen und fördert die Synthese von Stressschutzverbindungen.

Die Anwendung von Delfan Plus kann helfen, die negativen Auswirkungen von Hypoxie-Stress zu reduzieren und die Pflanzenregeneration zu unterstützen. Die Kombination von Phylgreen (zur Stressprävention) und Delfan Plus (zur Stressmilderung) kann einen umfassenden Ansatz zur Bekämpfung von Hypoxie-Stress darstellen.

Fazit und Ausblick

Hypoxie-Stress ist ein komplexes Problem, das Pflanzen auf vielfältige Weise beeinträchtigt. Das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen und der pflanzlichen Anpassungsstrategien ist entscheidend für die Entwicklung effektiver Gegenmaßnahmen. Die Forschung im Bereich der Pflanzenhypoxie hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht und unser Wissen über die Sauerstoffwahrnehmung und die zellulären Reaktionen von Pflanzen erweitert.

Zukünftige Forschung sollte sich auf die Identifizierung weiterer hypoxischer Nischen in Pflanzen, die Aufklärung der enzymatischen Prozesse in diesen Nischen und die Entwicklung neuer Strategien zur Verbesserung der Hypoxietoleranz konzentrieren. Biostimulanzien wie Phylgreen und Delfan Plus stellen vielversprechende Werkzeuge dar, um Pflanzen widerstandsfähiger gegen Sauerstoffmangel zu machen und die Produktivität in der Landwirtschaft unter Stressbedingungen zu sichern. Die lokalen Teams von Rovensa Next stehen Landwirten mit Expertise und Beratung zur Seite, um Hypoxie-Stress und andere agronomische Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Go up