04/04/2023
Transgener Mais, auch bekannt als gentechnisch veränderter (GV-) Mais, ist in vielen Teilen der Welt weit verbreitet, aber in Deutschland ist sein Anbau verboten. Dieses Verbot ist das Ergebnis einer komplexen Mischung aus wissenschaftlichen Bedenken, politischen Entscheidungen und öffentlicher Meinung. In diesem Artikel beleuchten wir die Hauptgründe, warum Deutschland sich gegen den Anbau von transgenem Mais entschieden hat.

Was ist transgener Mais?
Transgener Mais wird durch Gentechnik hergestellt, um bestimmte Eigenschaften zu verbessern. Zu den häufigsten Zielen der genetischen Veränderung gehören:
- Herbizidresistenz: Diese Pflanzen sind resistent gegen Breitbandherbizide wie Roundup, was die Unkrautbekämpfung vereinfacht.
- Insektenresistenz (Bt-Mais): Durch die Einbringung von Bt-Toxinen werden die Pflanzen resistent gegen Schadinsekten wie den Maiswurzelbohrer oder Maiszünsler. Diese Toxine sind für bestimmte Insektenarten tödlich.
- Trockentoleranz: Einige transgene Maissorten sind so gezüchtet, dass sie besser mit Trockenheit umgehen können.
- Veränderte Eigenschaften und Inhaltsstoffe: Forschung zielt auch darauf ab, die Maisstärke besser aufzuschließen, um die Bioethanolproduktion zu verbessern, oder die Futtereigenschaften zu optimieren.
Gründe für das Anbauverbot in Deutschland
Obwohl transgene Maissorten in der Europäischen Union als Lebens- und Futtermittel zugelassen sind, hat Deutschland, wie auch andere EU-Länder, von der sogenannten Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht, um den Anbau bestimmter GV-Pflanzen, insbesondere MON810, zu verbieten. Die Hauptgründe für dieses Verbot lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:
1. Das Vorsorgeprinzip und Umweltrisiken
Ein zentraler Grund für das Verbot ist das Vorsorgeprinzip. Dieses Prinzip besagt, dass bei potenziellen Umweltrisiken durch neue Technologien Vorsicht geboten ist, auch wenn die wissenschaftliche Beweislage noch nicht vollständig abschliessend ist. Kritiker von transgenem Mais äussern Bedenken hinsichtlich möglicher Umweltrisiken, darunter:
- Auswirkungen auf Nichtzielorganismen: Es wird befürchtet, dass Bt-Toxine nicht nur Schädlinge, sondern auch Nichtzielorganismen wie Schmetterlinge, Marienkäfer und Bienen schädigen könnten. Studien zu den Auswirkungen von Bt-Mais auf Marienkäferlarven und Bienen haben zu Kontroversen geführt. Obwohl viele Studien keine signifikanten negativen Effekte feststellen konnten, gibt es weiterhin Bedenken, insbesondere hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen auf Ökosysteme.
- Resistenzentwicklung bei Schädlingen und Unkräutern: Der großflächige Anbau von herbizidresistentem Mais kann zur Entwicklung herbizidresistenter Unkräuter führen, was den Einsatz umweltschädlicherer Herbizide erforderlich machen könnte. Auch bei Bt-Mais besteht die Gefahr der Resistenzentwicklung bei Schädlingen, was die Wirksamkeit dieser Technologie langfristig in Frage stellen könnte.
- Verlust der Biodiversität: In Mexiko, dem Ursprungsland des Maises, wird ein Auskreuzen von transgenem Mais mit lokalen Landrassen befürchtet, was zu einem Verlust der Biodiversität führen könnte. Obwohl in Europa dieses Risiko geringer ist, bleibt die Sorge um die genetische Vielfalt bestehen.
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat beispielsweise Bedenken hinsichtlich des Maises 1507 geäussert, da dessen Pollen eine hohe Konzentration an Insektengift enthält und somit ein erhöhtes Risiko für Nichtzielorganismen darstellen könnte.
2. Öffentliche und politische Opposition
In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern gibt es eine starke öffentliche Opposition gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. Diese Opposition wird von Umweltorganisationen, Verbraucherschutzgruppen und Teilen der Bevölkerung getragen. Politische Parteien haben diese Bedenken aufgegriffen und sich gegen den Anbau von transgenem Mais ausgesprochen. Das Anbauverbot ist somit auch eine Reaktion auf den gesellschaftlichen Diskurs und den politischen Willen, Deutschland gentechnikfrei zu halten.
3. EU-Regulierungen und nationale Ausstiegsklausel
Die Europäische Union hat Zulassungsverfahren für GV-Pflanzen, aber seit 2015 haben Mitgliedstaaten die Möglichkeit, den Anbau von zugelassenen GV-Pflanzen auf ihrem Territorium zu verbieten (Ausstiegsklausel). Deutschland hat diese Klausel genutzt, um den Anbau von MON810 zu untersagen. Diese nationale Autonomie in der Anbauentscheidung spiegelt die unterschiedlichen Meinungen und Prioritäten innerhalb der EU wider und ermöglicht es Ländern wie Deutschland, strengere Massnahmen zum Schutz von Umwelt und Verbrauchern zu ergreifen.

4. Spezifische Bedenken gegen MON810
MON810 ist die einzige transgene Maissorte, die in der EU zum Anbau zugelassen war, bevor die nationalen Verbote in Kraft traten. Gerade gegen diese Sorte gab es jedoch in Deutschland und anderen Ländern erhebliche Bedenken. Studien, die negative Auswirkungen auf Marienkäferlarven und andere Nichtzielorganismen nahelegten, trugen zur politischen Entscheidung bei, den Anbau von MON810 in Deutschland zu verbieten. Auch wenn die Validität dieser Studien umstritten ist, haben sie in der öffentlichen und politischen Debatte eine wichtige Rolle gespielt.
Aktuelle Situation in der EU und Deutschland
Der Anbau von transgenem Mais ist in der EU insgesamt gering und konzentriert sich hauptsächlich auf Spanien und Portugal. In Deutschland ist der Anbau von transgenem Mais weiterhin verboten. Allerdings sind in der EU zahlreiche transgene Maissorten als Lebens- und Futtermittel zum Import zugelassen. Deutschland importiert daher GV-Mais, hauptsächlich als Futtermittel, während der Anbau auf dem eigenen Gebiet untersagt ist. Lebensmittel, die gentechnisch veränderten Mais enthalten, müssen in der EU gekennzeichnet werden.
Fazit
Das Verbot von transgenem Mais in Deutschland ist das Ergebnis einer Kombination aus dem Vorsorgeprinzip, Umweltrisiken, öffentlicher und politischer Opposition und spezifischen Bedenken gegen bestimmte GV-Maissorten wie MON810. Obwohl die wissenschaftliche Debatte über die Risiken und Vorteile von transgenem Mais weitergeht, hat sich Deutschland entschieden, einen vorsichtigen Ansatz zu verfolgen und den Anbau auf seinem Territorium zu untersagen. Diese Entscheidung spiegelt die spezifischen Werte und Prioritäten Deutschlands im Umgang mit Gentechnik in der Landwirtschaft wider.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Ist der Import von transgenem Mais nach Deutschland verboten?
- Nein, der Import von transgenem Mais als Lebens- und Futtermittel ist in der EU und damit auch in Deutschland erlaubt, sofern er zugelassen ist. Es gilt jedoch eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die GV-Mais enthalten.
- Warum wird transgener Mais importiert, aber nicht in Deutschland angebaut?
- Die Entscheidung, den Anbau zu verbieten, basiert hauptsächlich auf dem Vorsorgeprinzip und Bedenken hinsichtlich Umweltrisiken. Der Import als Futtermittel wird von einigen als notwendig erachtet, um die Versorgung der Landwirtschaft zu gewährleisten. Diese unterschiedliche Behandlung von Anbau und Import ist ein Ergebnis politischer Kompromisse und unterschiedlicher Risikobewertungen.
- Welche Rolle spielt die EU bei der Zulassung von transgenem Mais?
- Die EU hat ein zentralisiertes Zulassungsverfahren für GV-Pflanzen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) führt Risikobewertungen durch und die EU-Kommission erteilt die Zulassungen. Seit 2015 haben die Mitgliedstaaten jedoch die Möglichkeit, den Anbau auf nationaler Ebene zu verbieten.
- Gibt es wissenschaftliche Beweise für Umweltschäden durch transgenen Mais?
- Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich in dieser Frage nicht einig. Viele Studien sehen keine signifikanten Umweltschäden durch den Anbau von transgenem Mais, insbesondere im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft mit Insektizideinsatz. Andere Studien weisen auf mögliche Risiken für Nichtzielorganismen und die Resistenzentwicklung hin. Die Bewertung der Umweltrisiken ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
