Wo ist die Glasblume aus dem Palast der Republik?

Die Gläserne Blume: Vom Palast ins Depot?

07/10/2024

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Viele Ostberliner und Besucher der Hauptstadt erinnern sich noch gut an sie: Die Gläserne Blume, die einst im Foyer des Palasts der Republik stand. Mit ihrer imposanten Höhe von über fünf Metern war sie nicht nur ein beliebter Treffpunkt, sondern auch ein Sinnbild für die moderne Architektur des Palastes. Doch seit dem Abriss des Palastes der Republik ist die Gläserne Blume aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Was ist mit ihr geschehen? Und gibt es Hoffnung auf ein Wiedersehen?

Inhaltsverzeichnis

Ein Baum wird zur Blume: Die Entstehung eines Kunstwerks

Die Geschichte der Gläsernen Blume beginnt in den 1970er Jahren, als der Magdeburger Glasgestalter Richard Wilhelm und sein künstlerischer Partner Reginald Richter den Auftrag erhielten, ein Kunstwerk für das Foyer des neu erbauten Palastes der Republik zu schaffen. Ursprünglich war das Werk als Baum konzipiert. „Wir wollten das gerade Wachsen und die allseitig schöne Entfaltung des Baumes darstellen – als Wunsch und Symbol für das Gedeihen des Landes“, erklärte Wilhelm später. Der Entwurf sah einen Stahlzylinder als Stamm vor, von dem acht Kristallblätter aus geschliffenem Glas abzweigten. Der Baum sollte Offenheit und Transparenz zwischen dem Volkskammersaal und dem öffentlich zugänglichen Bereich des Palastes symbolisieren.

Wo ist die Glasblume aus dem Palast der Republik?
Das fünf Tonnen schwere Original gehört dem Bundesfinanzministerium und wurde 1999 in die Obhut des Deutschen Historischen Museums gegeben, also wie auch die anderen Kunstwerke aus dem Palast vor der Zerstörung bewahrt. Die Blume lagert nun zerlegt und in Kisten verpackt in einem Depot in Spandau.

Bei der feierlichen Eröffnung des Palastes kam es jedoch zu einer unerwarteten Wendung. Erich Honecker, der damalige Staatsratsvorsitzende der DDR, lobte das Kunstwerk, bezeichnete es aber als „Blume“. Wilhelm, der stets vom „Baum“ gesprochen hatte, war irritiert. Auch in den Medien wurde das Werk fortan als „Blume“ bezeichnet. Ein Anruf Wilhelms bei der Zeitung „Neues Deutschland“, um den vermeintlichen Irrtum zu korrigieren, scheiterte. Die Antwort war kurz und prägnant: „Wenn der Chef sagt, es ist eine Blume, dann ist das für uns eine Blume und kein Baum.“ So wurde aus dem Baum wider Willen die „Gläserne Blume“.

Vom Palast ins Depot: Die Odyssee nach dem Abriss

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und den Asbestfunden im Palast der Republik begann im Jahr 1999 die schrittweise Demontage und der anschließende Abriss des Gebäudes. Auch die Gläserne Blume musste weichen. Glücklicherweise wurde sie nicht zerstört, sondern wie andere Kunstwerke aus dem Palast gesichert und dem Deutschen Historischen Museum (DHM) übergeben. Seitdem lagert das rund fünf Tonnen schwere Original, zerlegt und in Kisten verpackt, in einem Depot des DHM in Spandau.

Der Zustand der Gläsernen Blume ist jedoch nicht unproblematisch. Der Klebstoff, der die einzelnen Glasplatten zusammenhält, ist im Laufe der Zeit verfärbt und bröselig geworden. Zudem entsprechen die Bauvorschriften von 1976, nach denen die Blume konstruiert wurde, nicht mehr den heutigen Standards. Eine Rekonstruktion und Wiederaufstellung des Originals wäre daher mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden.

Hoffnungsschimmer Stadtschloss? Überlegungen zur Zukunft

Trotz der Herausforderungen gibt es nun Anzeichen dafür, dass die Gläserne Blume möglicherweise doch nicht für immer im Depot verschwinden muss. Im Zuge der Debatte um die Gestaltung des Berliner Stadtschlosses und die Erinnerung an den Palast der Republik wurden erste Überlegungen laut, die Gläserne Blume im Stadtschloss zu integrieren. Die Stiftung Berliner Stadtschloss – Humboldt Forum prüft derzeit, „inwiefern wir im Schloss mit der ,Gläsernen Blume’ an den Palast erinnern können“, wie Stiftungssprecher Bernhard Wolter bestätigte. Wo und wie dies geschehen könnte, ist jedoch noch völlig offen. Es gibt viele Fragen zu klären, darunter die technische Machbarkeit einer Aufstellung im Stadtschloss und die Finanzierung der Restaurierung.

Eine interessante Option könnte das Modell im Maßstab 1:10 sein, das der Künstler Reginald Richter bereits in den 1970er Jahren anfertigte. Dieses Miniaturmodell existiert noch und könnte möglicherweise als Ersatz für das Original dienen, falls eine Rekonstruktion des großen Originals nicht realisierbar ist. Ob Richter damit einverstanden wäre und ob das Modell die gleiche Wirkung wie das monumentale Original erzielen könnte, sind weitere offene Fragen.

Die Gläserne Blume: Mehr als nur ein Kunstwerk

Unabhängig von ihrer zukünftigen Präsentation bleibt die Gläserne Blume ein bedeutendes Zeugnis der DDR-Geschichte und ein wichtiges Kulturgut. Sie war nicht nur ein dekoratives Element im Palast der Republik, sondern auch ein Symbol für die Architektur und die gesellschaftlichen Vorstellungen der damaligen Zeit. Als beliebter Treffpunkt im Foyer des Palastes war sie zudem Teil der persönlichen Erinnerungen vieler Menschen. Die Gläserne Blume steht für eine Epoche der deutschen Geschichte und verdient es, nicht in Vergessenheit zu geraten. Die aktuellen Überlegungen zur Wiederaufstellung im Stadtschloss oder zur Präsentation des Modells sind daher ein positives Signal und lassen hoffen, dass dieses einzigartige Kunstwerk auch zukünftigen Generationen zugänglich gemacht werden kann.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Gläsernen Blume

FrageAntwort
Wo befindet sich die Gläserne Blume heute?Die Gläserne Blume lagert zerlegt und verpackt in einem Depot des Deutschen Historischen Museums in Spandau.
Wird die Gläserne Blume jemals wieder ausgestellt?Es gibt Überlegungen, die Gläserne Blume im Berliner Stadtschloss zu präsentieren. Ob dies realisiert wird, ist jedoch noch offen.
Warum wird sie „Gläserne Blume“ genannt, obwohl sie ursprünglich ein Baum sein sollte?Erich Honecker bezeichnete das Werk bei der Eröffnung des Palastes als „Blume“, und dieser Name setzte sich in den Medien und im allgemeinen Sprachgebrauch durch.
Gibt es ein Modell der Gläsernen Blume?Ja, der Künstler Reginald Richter fertigte ein Modell im Maßstab 1:10 an, das noch existiert und möglicherweise als Alternative zum Original dienen könnte.
Wem gehört die Gläserne Blume?Das Original der Gläsernen Blume gehört dem Bundesfinanzministerium.

Die Zukunft der Gläsernen Blume ist also noch ungewiss. Doch die Diskussionen um ihre mögliche Wiederaufstellung im Stadtschloss zeigen, dass das Interesse an diesem besonderen Kunstwerk und seiner Geschichte weiterhin besteht. Es bleibt zu hoffen, dass sich eine Lösung findet, um die Gläserne Blume der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen und ihre Bedeutung als Zeugnis der deutsch-deutschen Geschichte zu würdigen.

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