Wann treibt der Ginkgobaum aus?

Ginkgo Biloba: Ein lebendes Fossil und seine Geheimnisse

15/01/2026

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Der Ginkgobaum, wissenschaftlich Ginkgo biloba genannt, ist ein wahrhaft bemerkenswertes Gewächs. Seine Geschichte reicht 250 Millionen Jahre zurück, eine Zeit, in der Dinosaurier die Erde bevölkerten. Diese beeindruckende Vergangenheit macht den Ginkgo zu einem lebenden Fossil, einem Fenster in längst vergangene Epochen der Erdgeschichte. Obwohl er oft fälschlicherweise als Übergangsform zwischen Nadel- und Laubbaum betrachtet wird, gehört der Ginkgo zu den Nacktsamern und präsentiert eine einzigartige Kombination von Merkmalen, die ihn von modernen Baumgruppen deutlich unterscheiden.

Wann treibt der Ginkgobaum aus?
Ende April beginnt der Austrieb, im Oktober/November zeigt Ginkgo biloba eine leuchtend gelbe Herbstfärbung. Die Borke ist grau, längsrissig und breit gefurcht (1, 2, 3). Abbildung 2: Borke und Blätter des Ginkgobaumes. Nach 40 bis 50 Jahren erreicht der Ginkgobaum die Blühreife.
Inhaltsverzeichnis

Erscheinungsbild des Ginkgobaums

Der Ginkgo präsentiert sich als stattlicher, sommergrüner Baum, der eine Höhe von 30 bis 40 Metern erreichen kann. In seiner Jugend zeigt er eine kegelförmige, sparrige Krone, die sich im Laufe der Zeit zu einer breiteren und gedrungeneren Form entwickelt. Ein charakteristisches Merkmal des Ginkgos sind seine Blätter. An den Langtrieben wachsen sie wechselständig, während sie an den Kurztrieben büschelförmig angeordnet sind. Die Blätter selbst sind ledrig und von einer frischen, grünen Farbe. Interessanterweise existieren zwei Blattformen: Langtriebblätter und Kurztriebblätter.

Langtrieb- und Kurztriebblätter

Die Langtriebblätter sind keilförmig, etwa 5 bis 7 cm breit und bis zu 10 cm lang. Sie sind 2 bis 9 cm lang gestielt und weisen einen unregelmäßigen Rand auf, der mittig eine Spalte zeigt. Im Gegensatz dazu sind die Kurztriebblätter breit fächerförmig, was dem Ginkgo auch den Beinamen „Fächerblattbaum“ einbrachte. Diese Blätter sind nahezu ganzrandig, ohne Spalt, und erreichen eine Länge von 7 bis 10 cm und eine Breite von 6 bis 12 cm. Ihr Stiel ist 4 bis 7 cm lang. Ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Laubbäumen besteht in der Blattnervatur: Ginkgoblätter sind fast parallelnervig, ähnlich wie bei anderen Nacktsamern, und nicht netznervig wie bei den Bedecktsamern. Dieser Unterschied in der Blattform und Nervatur macht deutlich, dass der Ginkgo nicht mit einem typischen Laubbaum verwechselt werden sollte.

Austrieb, Herbstfärbung und Borke

Der Ginkgo erwacht spät im Frühling zum Leben. Ende April beginnt der Austrieb der Blätter, die dann den Baum in ein frisches Grün hüllen. Im Herbst, genauer gesagt im Oktober und November, verwandelt sich das Laub in ein leuchtendes Goldgelb, bevor es abfällt. Diese prächtige Herbstfärbung macht den Ginkgo zu einem Blickfang in Parks und Gärten. Die Borke des Ginkgobaums ist grau, längsrissig und breit gefurcht, was dem Stamm ein charakteristisches Aussehen verleiht.

Fortpflanzung des Ginkgobaums

Ginkgobäume sind langlebig, aber es dauert seine Zeit, bis sie geschlechtsreif werden. Erst nach 40 bis 50 Jahren erreichen sie die Blühreife. Die Blüten des Ginkgos sind unscheinbar und windblütig. Ein besonderes Merkmal ist die Zweihäusigkeit: Es gibt männliche und weibliche Bäume, die sich in ihren Blüten unterscheiden.

Männliche und weibliche Blüten

Die männlichen Blüten sind kätzchenförmig, überhängend und etwa 3 bis 5 cm lang. Sie wachsen in Gruppen von 3 bis 5 Kätzchen in den Blattachseln. Die weiblichen Blüten hingegen sind noch unauffälliger, grün, gestielt und ebenfalls 3 bis 5 cm lang. In den Blattachseln sitzen jeweils 2 bis 3 Blüten. Am oberen Ende der weiblichen Blüte befinden sich zwei Samenanlagen, die auf einem Wulst sitzen.

Samenentwicklung und Reife

Nach der Bestäubung entwickeln sich die Samen. Im unreifen Zustand sind sie grün, verfärben sich aber zur Reife im Oktober und November orange-gelb. Die Samen sind von einer fleischigen äußeren Schicht umgeben, unter der sich eine verholzte innere Schicht befindet. Es gibt jedoch keinen harten Steinkern wie bei vielen Steinfrüchten. Ein wichtiges Detail ist, dass der Embryo im Samen erst 6 bis 8 Wochen nach dem Herabfallen der Samen vollständig entwickelt ist. Die reifen, herabgefallenen Samen verbreiten einen unangenehmen, ranzigen Geruch, der an Buttersäure erinnert. Dieser Geruch entsteht durch die Zersetzung der fleischigen Hüllschicht.

Einzigartiger Befruchtungsmechanismus

Der Befruchtungsmechanismus des Ginkgos ist sehr ungewöhnlich und unterstreicht seine Stellung als urtümliche Pflanze. Anders als bei den meisten höheren Pflanzen werden die männlichen Geschlechtszellen nicht durch einen Pollenschlauch übertragen, sondern sie bewegen sich aktiv mit Hilfe von Geißeln durch eine Flüssigkeit zu den weiblichen Geschlechtsorganen (Archegonien). Dieser Mechanismus ist ansonsten nur bei Algen, Moosen und Farnen bekannt, die in früheren Evolutionsstadien entstanden sind. Neben dem Ginkgo findet man diese Art der Befruchtung nur noch beim Palmfarn (Cycas). Dieser urtümliche Befruchtungsmechanismus ist ein weiteres Indiz für das hohe Alter und die Sonderstellung des Ginkgos im Pflanzenreich.

Wurzelsystem und Standortansprüche

Der Ginkgobaum ist nicht nur in Bezug auf seine Fortpflanzung, sondern auch in Bezug auf sein Wurzelsystem und seine Standortansprüche ein bemerkenswert anpassungsfähiger Baum.

Kräftiges Herzwurzelsystem

Der Ginkgo entwickelt ein kräftiges Herzwurzelsystem mit tiefen Hauptwurzeln. Dieses Wurzelsystem verleiht ihm Standfestigkeit und ermöglicht es ihm, auch in tieferen Bodenschichten an Wasser und Nährstoffe zu gelangen.

Anpassungsfähigkeit an verschiedene Böden

In seiner natürlichen Umgebung bevorzugt der Ginkgo tiefgründige, nährstoffreiche, saure bis alkalische Böden. Bemerkenswert ist jedoch seine hohe Standorttoleranz. Er gedeiht auch auf fast jedem kultivierten Boden und ist daher in städtischen Umgebungen und Gärten weit verbreitet. Allerdings verträgt der Ginkgo keinen Schatten. Dies spiegelt sich auch in der vielschichtigen Ausprägung und Anordnung seiner Blätter wider, die optimal auf die Nutzung des Sonnenlichts ausgerichtet sind.

Vergesellschaftung in Mischwäldern

In seiner natürlichen Umgebung bildet Ginkgo biloba keine Reinbestände. Er wächst bevorzugt in artenreichen Laub- und Nadelmischwäldern, beispielsweise zusammen mit Goldlärche, Amberbaum, Magnolien, Nusseibe und immergrünen Eichen. Diese Vergesellschaftung mit anderen Baumarten deutet auf seine Rolle in komplexen Ökosystemen hin.

Besonderheit: Tschitschi-Bildung

Ein besonders rätselhaftes und einzigartiges Phänomen, das bei sehr alten Ginkgobäumen beobachtet wurde, ist die Tschitschi-Bildung. An der Unterseite der Äste bilden sich Anschwellungen, die sich im Laufe der Zeit verlängern und in Richtung Boden wachsen. Diese Tschitschi-Bildungen können den Boden erreichen, dort wurzeln und sogar neue Sprosse bilden. Bis heute gibt es keine vollständig befriedigende wissenschaftliche Erklärung für dieses ungewöhnliche Wachstumsmuster. Die Tschitschi-Bildung ist ein weiteres Beispiel für die Einzigartigkeit des Ginkgobaums und seine Fähigkeit, immer wieder mit botanischen Besonderheiten zu überraschen.

Häufige Fragen zum Ginkgobaum

Ist der Ginkgo ein Nadelbaum oder ein Laubbaum?

Der Ginkgo ist weder ein typischer Nadelbaum noch ein Laubbaum. Er gehört zur Gruppe der Nacktsamer und besitzt fächerförmige Blätter, die sich von Nadeln und typischen Laubblättern unterscheiden. Aufgrund seiner Blattform wird er oft als Laubbaum betrachtet, aber seine systematische Einordnung und seine Fortpflanzungsbiologie zeigen, dass er eine Sonderstellung einnimmt.

Wann treibt der Ginkgobaum aus?

Der Austrieb des Ginkgobaums beginnt relativ spät im Frühling, in der Regel Ende April.

Warum riechen Ginkgosamen unangenehm?

Der unangenehme Geruch der Ginkgosamen wird durch die Zersetzung der fleischigen Hüllschicht verursacht. Dabei entsteht Buttersäure, die für den ranzigen Geruch verantwortlich ist.

Was sind Tschitschi-Bildungen?

Tschitschi-Bildungen sind Anschwellungen an der Unterseite der Äste alter Ginkgobäume, die nach unten wachsen, wurzeln und neue Sprosse bilden können. Die Ursache für dieses Phänomen ist noch nicht vollständig geklärt.

Der Ginkgobaum ist somit weit mehr als nur ein Baum. Er ist ein lebendes Zeugnis der Erdgeschichte, ein botanisches Wunderwerk und ein faszinierendes Studienobjekt für Wissenschaftler und Naturliebhaber gleichermaßen. Seine einzigartigen Eigenschaften und seine lange Geschichte machen ihn zu einem unverwechselbaren und wertvollen Bestandteil unserer Pflanzenwelt.

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