10/10/2020
Viele Menschen denken bei gefährlichen Pflanzen zuerst an Gewächse, deren Beeren oder Blätter giftig sind und beim Verzehr Schaden anrichten. Doch Vorsicht ist auch geboten, wenn man durch Wiesen und Wälder streift oder im eigenen Garten arbeitet. Manche Pflanzen können schon bei einer leichten Berührung unangenehme bis sogar schmerzhafte Reaktionen hervorrufen. Rötungen, Quaddeln und Blasen sind nur einige der möglichen Folgen. Dieser Artikel beleuchtet, welche Pflanzen Sie besser nicht berühren sollten und wie Sie sich vor ihnen schützen können.

Der Riesenbärenklau: Eine unterschätzte Gefahr
Der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, ist eine imposante Erscheinung. Mit seinen bis zu vier Metern Höhe und den großen, weißen Blütenständen zieht er Blicke auf sich. Doch hinter der Schönheit verbirgt sich eine Gefahr. Eine Berührung mit dieser Pflanze kann zu ernsthaften Hautreaktionen führen, die Verbrennungen ähneln.
Wie gefährlich ist der Riesenbärenklau wirklich?
Die Gefährlichkeit des Riesenbärenklaus liegt in den sogenannten Furocumarinen. Diese phototoxischen Stoffe sind in allen Teilen der Pflanze enthalten, besonders im Pflanzensaft. Wenn Furocumarine auf die Haut gelangen und diese gleichzeitig der Sonne ausgesetzt wird, kommt es zu einer phototoxischen Reaktion. Das bedeutet, dass die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung wird.
Die Folge sind schmerzhafte Hautreaktionen, die von Rötungen und Juckreiz über Quaddeln bis hin zu Blasenbildung reichen können. In schweren Fällen können die Symptome Verbrennungen dritten Grades ähneln. Besonders tückisch: Die Reaktion tritt nicht sofort auf, sondern erst Stunden später, wenn die Haut dem Sonnenlicht ausgesetzt wird. Die Beschwerden können mehrere Wochen anhalten und in manchen Fällen sogar Narben oder Pigmentstörungen hinterlassen.
Symptome und Behandlung bei Riesenbärenklau-Kontakt
Typische Symptome nach einer Berührung mit dem Riesenbärenklau sind:
- Rötung der Haut
- Juckreiz und Brennen
- Quaddelbildung
- Blasenbildung
- In schweren Fällen: Verbrennungsähnliche Symptome
Was tun, wenn Sie den Riesenbärenklau berührt haben?
- Sofort handeln: Waschen Sie die betroffene Hautstelle umgehend gründlich mit Wasser und Seife ab.
- Sonnenschutz: Vermeiden Sie unbedingt Sonnenlicht auf der betroffenen Hautpartie. Decken Sie die Stelle mit Kleidung ab oder suchen Sie Schatten auf.
- Kühlen: Kühlen Sie die Haut mit feuchten Umschlägen oder kühlenden Gels.
- Arzt aufsuchen: Bei stärkeren Reaktionen wie Blasenbildung oder starken Schmerzen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser kann die Wunden professionell versorgen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einleiten.
Wichtig: Kratzen Sie nicht an den betroffenen Stellen, da dies die Symptome verschlimmern und das Risiko von Infektionen erhöhen kann.
Weitere phototoxische Pflanzen: Wiesenbärenklau, Engelwurz & Co.
Neben dem Riesenbärenklau gibt es noch weitere Pflanzen, die phototoxische Reaktionen auslösen können. Dazu gehören:
- Wiesenbärenklau: Der Wiesenbärenklau ist eng mit dem Riesenbärenklau verwandt und sieht ihm ähnlich, ist aber deutlich kleiner (bis zu 1,5 Meter Höhe). Auch er enthält Furocumarine und kann ähnliche Hautreaktionen verursachen.
- Engelwurz: Auch die Engelwurz gehört zu den phototoxischen Pflanzen. Ihre Blüten sind eher grünlich-weiß bis gelblich.
- Weinraute und Diptam: Diese Pflanzen können ebenfalls in Verbindung mit Sonnenlicht Hautreaktionen auslösen.
Vorsicht im Garten: Zitruspflanzen und Kräuter
Überraschenderweise können auch einige Zitruspflanzen wie Bergamotte, Grapefruit und Zitrone sowie bestimmte Kräuter phototoxische Stoffe enthalten. Dazu gehören beispielsweise:
- Petersilie
- Sellerie
- Pastinake
- Liebstöckel
- Gewürzkerbel
- Wilde Möhre
Bei diesen Pflanzen sind die Konzentrationen an Furocumarinen in der Regel geringer als beim Riesenbärenklau. Dennoch kann es bei empfindlichen Personen oder bei intensiver Sonneneinstrahlung zu Hautreaktionen kommen, die einem Sonnenbrand ähneln. Seien Sie daher vorsichtig beim Umgang mit diesen Pflanzen, besonders an sonnigen Tagen.
Tipps zum Schutz vor phototoxischen Pflanzen
Um sich vor unangenehmen Hautreaktionen zu schützen, beachten Sie folgende Tipps:
- Pflanzenkenntnisse: Informieren Sie sich über phototoxische Pflanzen in Ihrer Umgebung. Apps und Bücher zur Pflanzenbestimmung können dabei helfen.
- Vermeiden Sie Berührungen: Halten Sie Abstand zu Pflanzen, die Sie nicht kennen oder die als potenziell gefährlich bekannt sind.
- Schutzkleidung: Tragen Sie bei Gartenarbeiten oder Spaziergängen in der Natur lange Kleidung, Handschuhe und festes Schuhwerk.
- Sonnenschutz: Verwenden Sie Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, besonders wenn Sie sich im Freien aufhalten und Kontakt mit Pflanzen nicht ausschließen können.
- Aufmerksam sein: Achten Sie auf Warnschilder, die auf das Vorkommen von Riesenbärenklau hinweisen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Frage: Sind phototoxische Pflanzen nur bei Sonnenschein gefährlich?
Antwort: Ja, die phototoxische Reaktion wird durch Sonnenlicht (UV-Strahlung) ausgelöst. Ohne Sonneneinstrahlung ist die Gefahr geringer, aber eine Berührung sollte dennoch vermieden werden, da auch andere Hautreizungen möglich sind.
Frage: Kann man den Riesenbärenklau einfach im Garten entfernen?
Antwort: Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus sollte vorsichtig erfolgen und am besten Fachleuten überlassen werden. Wenn Sie ihn selbst entfernen möchten, tragen Sie unbedingt Schutzkleidung (Handschuhe, lange Kleidung, Schutzbrille) und vermeiden Sie Hautkontakt. Die Pflanze sollte nicht berührt werden, idealerweise mit einem Spaten ausgestochen und in Müllsäcken entsorgt werden. Verbrennen ist ebenfalls eine Option, aber Vorsicht, da auch der Rauch giftige Stoffe enthalten kann.
Frage: Sind alle Bärenklau-Arten gefährlich?
Antwort: Ja, sowohl der Riesenbärenklau als auch der Wiesenbärenklau enthalten Furocumarine und sind phototoxisch. Es ist ratsam, beide Arten zu meiden.
Frage: Was ist der Unterschied zwischen einer allergischen Reaktion und einer phototoxischen Reaktion?
Antwort: Eine allergische Reaktion ist eine Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe (Allergene). Eine phototoxische Reaktion hingegen ist eine direkte Reaktion der Haut auf bestimmte Pflanzenstoffe in Verbindung mit Sonnenlicht. Sie ist keine allergische Reaktion im eigentlichen Sinne, kann aber ähnliche Symptome verursachen.
Frage: Sind gekaufte Kräuter aus dem Supermarkt auch gefährlich?
Antwort: In der Regel sind die Konzentrationen an Furocumarinen in gekauften Kräutern gering. Dennoch kann es bei empfindlichen Personen zu Reaktionen kommen, besonders bei direktem Hautkontakt und Sonneneinstrahlung. Waschen Sie Kräuter vor dem Verzehr gründlich und seien Sie vorsichtig, wenn Sie sie im Garten anbauen.
Dieser Artikel soll Ihnen helfen, gefährliche Pflanzen zu erkennen und sich vor ihnen zu schützen. Achten Sie auf Ihre Umgebung und genießen Sie die Natur mit Vorsicht!
